Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die viele Menschen stark einschränkt. Obwohl es sich um eine genetische Erkrankung handelt, können äußere Faktoren wie Ernährung und Lebensstil eine Rolle spielen. Die aktuelle Leitlinie "Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne" stuft zuckerarme, fettarme und ketogene Diäten als möglicherweise wirksam bei Migräne ein. Ein möglicher Einfluss der Ernährung bzw. des Körpergewichts auf Migräne zeigt sich auch darin, dass Menschen mit Adipositas häufiger unter Migräne leiden. Besonders betroffen sind adipöse Frauen im gebärfähigen Alter.
Medikamentöse und nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe
Zur Prophylaxe von Migräne stehen verschiedene medikamentöse Therapieoptionen zur Verfügung. In den letzten Jahren wurde das therapeutische Armamentarium durch die Einführung der Antagonisten des an der Migräne-Entstehung beteiligten CGRP-Systems deutlich erweitert. Doch die Medikamente wirken nicht bei allen Patienten, und viele Betroffene wünschen sich zunehmend auch nicht-medikamentöse Maßnahmen. Hier kommen Ernährung und Körper-Geist-Interventionen wie Entspannungstechniken, Yoga & Co. ins Spiel.
Ketogene Diät bei neurologischen Erkrankungen
Unter den nicht-medikamentösen Ansätzen sind Ernährungsinterventionen vielversprechend. In den letzten Jahren konnten ketogene Diäten gute Erfolge bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen wie Demenz, Parkinson, Depressionen und Migräne zeigen. Ketogene Diäten basieren auf einer drastischen Reduktion der Kohlenhydrataufnahme (< 30-50 g/d) und einem relativen Anstieg des Fett- und Proteinanteils. Eine Steigerung davon ist die sehr kalorienarme ketogene Diät (VLCKD).
Vergleich von VLCKD und hypokalorischer ausgewogener Diät (HBD)
Massimiliano Caprio von der San Raffaele Roma Open University in Rom, Italien, verglich in einer aktuellen Studie die VLCKD mit der hypokalorischen ausgewogenen Diät (HBD) bei Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 27 kg/m2 und hochfrequenter episodischer Migräne (HFEM; 8-14 Migränetage monatlich). Die 75 Teilnehmer der prospektiven kontrollierten Studie wurden entweder in die VLCKD-Gruppe oder die HBD-Gruppe randomisiert. Im Studienzeitraum von 24 Wochen erhielten die Teilnehmer der VLCKD-Gruppe zunächst für 8 Wochen eine VLCKD, gefolgt von einer kalorienarmen Diät in Woche 9-12 und einer HBD in den verbleibenden Wochen des Untersuchungszeitraumes. Die Teilnehmer der HBD-Gruppe erhielten über den gesamten Studienzeitraum eine HBD.
Wirkung auf MMDs, Lebensqualität und Gewichtsverlust
Beim primären Endpunkt, der Änderung der monatlichen Migränetage (MMDs) in den Wochen 5-8 im Vergleich zur Baseline, zeigte sich die VLCKD der HBD in Woche 8 überlegen (p = 0,008). Der Trend setzte sich auch in Woche 12 unter der kalorienarmen Diät der VLCKD-Gruppe und in Woche 24, in der alle Teilnehmer die gleiche Ernährungsintervention erhielten, fort (Woche 12: p = 0,007; Woche 24: p = 0,042). Die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Teilnehmer wurde mittels Short Form Health Survey-36 (SF-36) gemessen. Auch hier schnitt die VLCKD-Diät besser ab. In der Gruppe verbesserten sich die Werte des SF-36 in Woche 8 und 12, während dies in der HBD-Gruppe nur in Woche 12 der Fall war. Die Gewichtsreduktion war in der VLCKD-Gruppe in Woche 8 (p = 0,002) und Woche 12 (p = 0,020) signifikant höher. Die Gewichtsabnahme wurde in der VLCKD-Gruppe bis zum Ende des Studienzeitraumes gehalten, während in der HBD-Gruppe eine leichte Gewichtszunahme zu verzeichnen war.
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Auswirkungen der Diäten auf Laborparameter
In der VLCKD-Gruppe zeigte sich eine signifikante Reduktion folgender Entzündungsparameter in Woche 12 der Studie:
- C-reaktives Protein
- Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis
- Gesamtzahl der Leukozyten
Die Forscher untersuchten weiterhin den Effekt der Ernährungsinterventionen auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, welches bei Adipositas verstärkt aktiviert wird und auch eine Rolle in der Pathophysiologie der Migräne spielt. Die Aldosteron-Plasmaspiegel waren in beiden Gruppen in Woche 8 signifikant erhöht, mit einer stärkeren Ausprägung in der VLCKD-Gruppe. Die Elektrolyt-Spiegel und die Renin-Plasmaspiegel wurden in beiden Gruppen zu keinem Zeitpunkt beeinflusst.
Limitationen der Studie
Die Limitationen der Studie sind die geringe Teilnehmerzahl und das monozentrische Setting. Die Studie wurde während der COVID-19-Pandemie durchgeführt, was laut den Autoren einen Einfluss auf die Einhaltung der Ernährungsvorgaben gehabt haben könnte.
Ketogene Diät als Add-on zur klassischen Migräneprophylaxe
In dieser Studie zeigte sich eine ketogene Diät im Vergleich zu einer hypokalorischen ausgewogenen Diät effektiver zur Migräneprophylaxe bei übergewichtigen bzw. adipösen Patienten mit episodischer Migräne. Die Autoren sehen die VLCKD als effektiv in der Migräneprophylaxe und schlagen diese in Kombination mit medikamentösen Therapien vor. Auch als Add-on-Therapie bei Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf die üblichen Medikamente zur Migräneprophylaxe sei die VLCKD geeignet.
Migräne als Energie-Defizit-Syndrom des Gehirns
Neue Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Migräne ein Energie-Defizit-Syndrom des Gehirns mit Fehlsteuerung des Energieumsatzes in den Mitochondrien der Nervenzellen ist. Dieses führt zu einer Kaskade von neurologischen Symptomen. Mittels Magnetresonanzspektroskopie (MRS) konnten zahlreiche Substanzen analysiert werden, welche im Energiestoffwechsel beteiligt sind. Diese schließen Laktat, Magnesium und Adenosintriphosphat ein. Studien haben Veränderungen im Hypothalamus, Thalamus und im Hirnstamm identifiziert. Diese legen eine endokrine Entstehung der Migräne nahe. Oxidative Stresslevel übersteigen dabei die antioxidativen Fähigkeiten der Nervenzellen.
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Die Rolle der Migräneattacke
Die Migräneattacke unterstützt dabei möglicherweise die Wiederherstellung des ausgeglichenen Energiehaushaltes des Gehirns. Sie reduziert schädigenden oxidativen Stress. Nervenzellen halten ihre Fähigkeit reduzierende oder oxidierende Stoffe zu neutralisieren, stabil, indem sie oxidierende bzw. reduzierende Stoffe herstellen und bevorraten. Wird die normale Reparatur- und Entgiftungsfunktion einer Zelle überfordert, nennt man dies oxidativer Stress. Eine Fehlsteuerung der mitochondrialen Enzymfunktion und der Glukose-Verstoffwechslung sowie oxidativer Stress können spezifische Antworten auf externe Auslöser sein. Trigger oder Auslöser wirken demnach nicht an sich. Ihre Wirkung ist vielmehr eine Folge von Störungen im Energiestoffwechsel des Gehirns.
Die Bedeutung des Zeitpunkts
Entscheidend ist bei der Entstehung der Migräneattacke nicht der Anfall an sich. Dieser entsteht vielmehr in der Folge von mannigfaltigen Ereignissen häufig schon Wochen bevor der eigentliche Anfall auftritt. Diese Ereignisse kulminieren dann in einer Migräneattacke. Der direkte Zeitraum vor dem eigentlichen Anfall ist daher nicht von entscheidender Bedeutung. Der Ratschlag, Trigger zu vermeiden funktioniert daher in der Regel nicht. Sie wirken zu bestimmten Zeiten, zu anderen Zeiten nicht. Trigger kulminieren in einer Migräneattacke, wenn eine gewisse Schwelle überschritten ist, die in der Biologie der Betroffenen bedingt ist, nicht jedoch in der physikalischen Eigenschaft des Triggers.
Gemeinsamer Faktor der Auslöser
Gemeinsamer Faktor der Auslöser ist damit deren Fähigkeit in der Summe oxidativen Stress zu bedingen. Oxidativer Stress wird aufgrund eines Defizits der nervalen Energievorräte bedingt. Die Folge ist, dass die Nervenzellen ihre Energie nicht mehr für die Abwehr von oxidativem Stress nutzen können, die antioxidative Verteidigung nicht mehr ausreichend möglich ist.
Neue Behandlungsansätze
Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich eine völlig neue Herangehensweise für die Behandlung der Migräne. Insbesondere kann damit weit vor dem eigentlichen Ausbruch der Migräneattacke durch Wissen und angepasste Verhaltensweisen therapeutisch eingegriffen werden. Dabei wird das frühere Denken, dass die Migräneattacke die eigentliche Erkrankung ist, welche unterdrückt werden muss, in Frage gestellt. Daraus ergeben sich neue wesentliche vorbeugende Behandlungsstrategien. Behandlungen, die den Hirnstoffwechsel normalisieren, spielen dabei eine zentrale Rolle. Maßnahmen, die eine Stabilisierung des Energiestoffwechsels als Ziel haben, sollten daher primär als Therapie im Mittelpunkt stehen.
Die Rolle der Ernährung
Im Fokus steht dabei auch Ernährung. Sie stellt die Energie, die Fähigkeit zu arbeiten, den Nervenzellen zur Verfügung. Ernährung ist der Schlüssel für eine ausreichende Energieversorgung des zentralen Nervensystems. Regelmäßigkeit und kohlenhydratreiche Ernährung sind dabei zentrale Regeln für eine stabile Energieversorgung der Nervenzellen. Aber auch für die Behandlung der akuten Attacke kann eine Stabilisierung des Energiehaushaltes bedeutsam sein. Koffein aktiviert den Energieumsatz aus Kohlenhydraten in nervale Energie. Auch Kortikosteroide können über einen metabolischen Effekt in den Energiehaushalt der Nervenzellen therapeutisch eingreifen. In der Zusammenschau ist die Migräneattacke eine Schutzreaktion des Gehirns zur Schadensabwehr und nicht das eigentliche Problem.
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Ernährungsempfehlungen und Studien
Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen. Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Auswirkung bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie der Freisetzung von Stickstoffmonoxid, der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel. Der direkte Einfluss von Nahrungskomponenten lässt sich jedoch nur schwer abgrenzen.
Ketogene und DASH-Diät
Eine Übersichtsarbeit kam zum Ergebnis, dass anhand der Datenlage die ketogene und die DASH-Diät am effektivsten in der Bekämpfung von Migräneattacken sind. Sie können die Intensität und Häufigkeit der Migräne reduzieren. Jedoch ist die einseitige ketogene Ernährung auf Dauer nicht unbedingt empfehlenswert. Im Fokus dieser Ernährung stehen Fisch und Fleisch, Eier, Milchprodukte, kohlenhydratatme Obst- und Gemüsesorten sowie Nüsse und Kerne. Dabei handelt es sich um eine Ernährungsform, welche der Mittelmeerkost sehr ähnlich ist, aber speziell für Blutdruck-Patienten konzipiert wurde. Sie setzt auf wenig Salz, Fett und Zucker, aber dafür viele Ballaststoffe, Kalium, Magnesium, Kalzium und Eiweiß.
Zucker und Entzündungsprozesse
Sowohl die ketogene als auch die DASH-Diät setzen auf eine vermehrte Aufnahme von frischen Lebensmitteln statt Fertigprodukten. Schädliche Inhaltsstoffe wie eine hohe Menge an Zucker und Salz sowie gesättigte Fettsäuren begünstigen Entzündungsprozesse im Körper. Diese gelten womöglich als Entstehungsfaktor von Migräne. Vor allem die antioxidativen Eigenschaften der Pflanzenstoffe sollen sich positiv auf Migränesymptome auswirken, gerade Polyphenole und Carotinoide sind in der DASH-Diät besonders vertreten. Diese wurden in bereits vorangegangenen Studien mit reduzierten Migränesymptomen in Verbindung gebracht. Die ohnehin blutsenkende Wirkung dieser Ernährungsform könnte sich auch positiv auf Migräne auswirken. Zudem wird vermutet, dass hinter einer Migräne auch ein gestörter Zucker-Stoffwechsel vorliegt. Bei der ketogenen Diät kann das Gehirn statt auf Zucker-Bausteine (Glukose) auf sogenannte Ketonkörper zurückgreifen.
Individuelle Auslöser
Manche Auslöser für Migräne sind bei einigen Patienten ernährungsbedingt, manche berichten von Alkohol oder Kaffee als Auslöser. Diese sollten Sie meist eher streichen, wenn Sie diese wirklich als spezifischen Auslöser einer Migräneattacke festlegen können. Wer Laktose nicht verträgt, verzichtet auf Milchprodukte. Wer auf Erdnüsse allergisch reagiert, isst keine.
Regelmäßigkeit und Routinen
„Das Migräne-Gehirn liebt Regelmäßigkeit und Routinen“, weiß Dr. Myriam Schwickert-Nieswandt. Sie rät zu einer „Rhythmisierung des Alltags“ mit regelmäßigen Mahlzeiten. „Eine gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung wirken vorbeugend“, ergänzt sie. Regelmäßiger Ausdauersport sowie Entspannungstraining in den schmerzfreien Phasen wirkt Studien zufolge ebenfalls vorbeugend. Insgesamt sollten Lebensmittel als Auslöser von Kopfschmerzattacken nicht überbewertet werden, da noch zahlreiche andere Faktoren abgesehen von der Ernährung eine Rolle spielen können. Dennoch lohnt es sich, genau zu beobachten, ob und welche Lebensmittel Schmerzattacken triggern. Eine Auslassdiät ist erst sinnvoll, wenn ein Nahrungsmittel eindeutig als persönlicher Trigger identifiziert ist.
Studie aus Turin
In der in Turin (Italien) durchgeführten Studie mit 38 Teilnehmern konnten die Autoren feststellen, dass sich eine ketogene Diät stark auf die Stärke, Dauer und Frequenz von Migräneanfällen auswirkt. Bei einer ketogenen Ernährung verzichtet man zu einem Großteil auf Kohlenhydrate und stellt so den Metabolismus gezielt um. Dabei werden Fette zur Haupt-Energiequelle. Insgesamt nahmen 38 Patienten an der Studie teil, allerdings beendeten sie nur 23. Der Altersdurchschnitt lag bei 46, das mittlere Gewicht bei 63,5 kg und der mittlere Body Mass Index (BMI) bei 26,5. Die hauptsächlich weiblichen Patienten (36 Frauen, 2 Männer) gaben im Durchschnitt an, Migränattacken von im Schnitt 24 Stunden Dauer und Symptome an 30 Tagen pro Monat zu erleiden. Die Kopfschmerzen erreichten typischerweise Stärke 3 auf einer Skala von 1-3.
Durchführung der Studie
Die Keto-Diät über 3 Monate wurde individuell an die Teilnehmer angepasst. Es wurden maximal 30 g Kohlenhydrate pro Tag eingenommen. Die Kalorienaufnahme pro Tag wurde nach BMI bestimmt: Je höher der BMI, desto niedriger die Kalorienaufnahme. Neben den vorgeschriebenen Mahlzeiten nahmen die Patienten zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe ein.
Ergebnisse der Studie
Nach der Diät konnten die Autoren eine starke Reduktion der Migräne-Symptome feststellen. Die Dauer der Migräneanfälle nahm um 77,1% ab, die Häufigkeit (Tage im Monat) von Tagen mit Symptomen sank im Schnitt um 75% und die Stärke der Schmerzen in der Skala von 1-3 reduzierte sich von ursprünglich 3 auf 1. Zudem nahmen die Teilnehmer nur noch 6 Schmerztabletten im Monat ein statt 30.
Bedeutung der kontrollierten Ketose
Die hier genutzte kontrollierte Ketose, die durch die Ernährung gezielt verursacht wird, scheint somit laut Autoren positive Auswirkungen auf die Migräne der Patienten zu haben. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass die Teilnehmerinnen von Spezialisten betreut wurden und bei fehlerhafter ketogener Ernährung die Gesundheit gefährdet werden kann. Zudem ist diese Art der Ernährung sehr unflexibel und schwer mit einem normalen Sozialleben zu vereinbaren.
Weitere Studien und Erkenntnisse
- Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden.
- Die ketogene Diät (KD) wird bereits seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar.
- Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt.
- Nach dem ersten Monat konnte neben einer Gewichtsreduktion eine deutliche Verringerung der Kopfschmerzhäufigkeit und der Medikamenteneinnahme festgestellt werden.
- Die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen.
- In einer doppelblinden Untersuchung konnte durch die Ernährungsumstellung bei 93 % der untersuchten Kinder eine Kopfschmerzreduktion erzielt werden.
- Darüber hinaus besserten sich während dieser Zeit auch andere Symptome wie Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Asthma und Ekzeme.
- Dabei war der Effekt nach 16 Wochen am stärksten ausgeprägt, wenn die Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl, Lachs) zu- und diejenige an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Schweinefleisch, tierische Fette, Innereien, Soja-/Maiskeimöl) abnahm.
- Die Anzahl der Kopfschmerztage reduzierte sich um 2 bis 4 Tage; auch die Anzahl der Kopfschmerzstunden nahm ab. Einige konnten die Anzahl der eingenommenen Kopfschmerztabletten reduzieren.
- Menschen, die an Migräne leiden nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf.
- In Studien wurde gezeigt, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen.
Mögliche Trigger und Auslöser
Etwa 12-60 % der Migränepatienten berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe und Getränke einen Migräneanfall auslösen können. Es ist zudem bekannt, dass durch den Konsum oder den plötzlichen Entzug bestimmter Substanzen wie beispielsweise Koffein oder Alkohol ebenfalls Kopfschmerzen ausgelöst werden können.
Glutamat
Der in zahlreichen Fertigprodukten, Fertigsaucen und -dressings sowie Gewürzsalzen und Konserven zum Einsatz kommende Geschmacksverstärker gilt als möglicher Auslöser für Kopfschmerzen. Die Daten zur Rolle von Glutamat als Kopfschmerztrigger zeigen unterschiedliche Ergebnisse.
Alkohol
Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt. Die pathophysiologischen Zusammenhänge der Kopfschmerztriggerung durch Alkohol sind bisher unzureichend geklärt. Der Gehalt an Flavonoiden (z.B. Anthocyanine, Catechine) in Rot- und Weißweinen variiert stark. Rotweine enthalten bis zu 1200 mg/l, während Weißweine meist nicht mehr als 50 mg/l enthalten. Es wird angenommen, dass die Flavonoide im Rotwein möglicherweise die Thrombozyten-Phenolsulphotransferase P und in geringerem Maß die Thrombozyten-Phenolsulphotransferase M hemmen und direkten Einfluss auf die Blutgefäße haben.
Fettarme Diät
Die Wirksamkeit einer fettarmen Diät in der Behandlung einer Migräne wurde bisher jedoch nicht durch doppelblinde kontrollierte Studien überprüft. In einer Studie mit 54 Migränepatienten wurde gezeigt, dass sich die Häufigkeit, die Intensität sowie die Dauer der Attacken im Rahmen einer 12-wöchigen fettarmen Diät signifikant verbesserten.
Hunger und Hypoglykämie
Eine in den 1970er Jahren publizierte Studie zeigte, dass Migränepatienten, die insbesondere infolge von Hunger Kopfschmerzen entwickelten, im Rahmen eines 5-stündigen Glukosetoleranztests eine Hypoglykämie aufwiesen.
Künstliche Süßstoffe
Die Studienlage zu Aspartam und Migräne ist nicht eindeutig. Zudem stützen sich die bisherigen Ergebnisse auf Studien, die zum Teil mehr als 30 Jahre zurückliegen. Neue Studien fehlen. Anders als Aspartam gilt Sucralose nicht als Migräne-Trigger.
Nitrate und Nitrite
Nitrate und Nitrite kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck, Salami, Wurst oder Schinken sowie Fertigprodukten und geräuchertem Fisch zum Einsatz. Es handelt sich dabei um einen vaskulär vermittelten Schmerz.
Koffein
Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden sowie Erfrischungsgetränke aufgenommen. Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann. Zu der Beziehung zwischen Migräne und Koffeinkonsum existieren unterschiedliche Ergebnisse.
Ketogene Ernährungstherapie
Die ketogene Ernährungstherapie imitiert den Zustand des Fastens. Sie wird in der Regel wie ein Medikament ärztlich verordnet. Es gibt mehrere Formen, alle sind sehr fettreich und extrem kohlenhydratarm, liefern aber ausreichend Kalorien und Eiweiß. Die jeweilige Diätform wird von einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft für jede Patientin und jeden Patienten individuell, abhängig von Alter, Erkrankung und Situation festgelegt. Bei der klassischen ketogenen Diät wird das Gewichts-Verhältnis von Fett zu Nicht-Fett, das heißt von Fett zu Eiweiß und Kohlenhydraten definiert.