Migräne und Leber: Ein Zusammenhang aus verschiedenen Perspektiven

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und komplex. Neben genetischen Faktoren, Stress, hormonellen Schwankungen und Umweltfaktoren spielen auch Ernährung und Lebensstil eine wichtige Rolle. In diesem Artikel werden wir den Zusammenhang zwischen Migräne und Leber aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, einschließlich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und der westlichen Medizin.

Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Sie ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die mit einer Vielzahl von Symptomen einhergehen kann, darunter:

  • Pochende, pulsierende Kopfschmerzen, meist einseitig
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Sehstörungen (Aura)
  • Schwindel
  • Benommenheit

Die Symptome können so stark sein, dass Betroffene ihren Alltag nicht mehr bewältigen können und bettlägerig sind. Migräne kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Arbeitsunfähigkeit führen.

Die Leber: Ein zentrales Organ für die Entgiftung

Die Leber ist ein zentrales Organ für die Entgiftung des Körpers. Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut, produziert Galle zur Verdauung von Fetten und speichert wichtige Nährstoffe. Eine gesunde Leber ist essenziell für das allgemeine Wohlbefinden und kann auch eine Rolle bei der Vorbeugung von Migräne spielen.

Der Zusammenhang zwischen Leber und Kopfschmerzen aus westlicher Sicht

Aus westlicher medizinischer Sicht gibt es verschiedene Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Leber und Kopfschmerzen erklären können:

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  • Leaky-Gut-Syndrom: Bei einem Leaky-Gut-Syndrom ist die Darmbarriere gestört, wodurch vermehrt Toxine in die Pfortader und somit in die Leber gelangen können. Ist die Leber überlastet, verweilen die Toxine im Blut und können Entzündungen im Gehirn auslösen, die wiederum Kopfschmerzen verursachen können.
  • Energiestoffwechsel der Mitochondrien: Studien haben gezeigt, dass bei Migränepatienten ein erhöhter Energieverbrauch in den Mitochondrien im Gehirn auftreten kann. Die Leber spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und kann durch die Bereitstellung von Coenzym Q10 die Energiereserven der Mitochondrien auffüllen.
  • Fettsäuren: Eine ungesunde Lebensweise mit vielen leicht verdaulichen Kohlenhydraten, Koffein und Alkohol kann die Bakterien im Darm negativ beeinflussen. Dies kann zu einer verminderten Bildung von kurzkettigen Fettsäuren führen, die im Darm hergestellt werden, um die Entgiftungsprozesse im Gehirn zu unterstützen. Omega-3-Fettsäuren können hingegen neuroprotektive und entzündungshemmende Wirkungen ausüben und somit Migräneanfällen entgegenwirken.

Die Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

In der TCM wird Migräne oft als eine Störung des Energieflusses (Qi) im Körper betrachtet. Die Leber spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie für den reibungslosen Fluss des Qi verantwortlich ist.

Leber-Qi-Stagnation

Stress, Frustration und unterdrückte Emotionen können zu einer Stagnation des Leber-Qi führen. Diese Stagnation kann sich in Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Verdauungsbeschwerden und Verspannungen äußern.

Aufsteigendes Leber-Yang

Eine Leber-Blut-Leere oder eine Yin-Leere können dazu führen, dass das Leber-Yang aufsteigt und Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit verursacht.

Leber-Feuer

Ein loderndes Leber-Feuer kann ebenfalls Kopfschmerzen verursachen, die oft pochend, heftig und pulsierend sind. Begleitende Symptome können Reizbarkeit, Übelkeit, Erbrechen und ein bitterer Mundgeschmack sein.

Ernährungsempfehlungen der TCM

Die TCM empfiehlt bei Migräne eine individuelle Ernährung, die auf die spezifische Ursache der Beschwerden abgestimmt ist. Einige allgemeine Empfehlungen sind:

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  • Regelmäßige Mahlzeiten: Drei Mahlzeiten pro Tag, davon eine warm, um die Milz zu stärken.
  • Ausreichend trinken: Mindestens 1,5 Liter Wasser pro Tag.
  • Vermeidung von Trigger-Lebensmitteln: Histaminreiche Lebensmittel, Alkohol, Koffein, Zucker und Fertigprodukte sollten vermieden werden.
  • Stärkung der Milz: Gekochte Speisen, volles Getreide und Congee (Wasserreis) können die Milz stärken.
  • Beruhigung der Leber: Kumquats können bei Leber-Qi-Stagnation helfen. Spinat kann die Leber stützen und das Qi absenken.
  • Ausleitung von Feuchtigkeit: Klare Suppen, Hülsenfrüchte und Algen können bei Feuchtigkeit im Körper helfen.

Ernährungsempfehlungen im Detail

Je nach Lokalisation, Schmerzcharakter und Anlass der Kopfschmerzen können die Ernährungsempfehlungen variieren.

Stirnkopfschmerz

Ein Stirnkopfschmerz kann auf eine Beziehung zur Funktion des Magens und der Milz hindeuten. Bei einem dumpfen Schmerz kann ein Mi-Qi/Yang-Mangel vorliegen, der sich in Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Verdauungsschwäche äußert. Hier ist eine Ernährung, die die Milz stärkt, das Mittel der Wahl. Die Milz braucht Wärme und wird durch gekochte Speisen gestärkt. Das Qi der Milz wird durch die natürliche Süße des vollen Getreides gestärkt. Ein Congee (Wasserreis) ist leicht verdaulich, tonisiert Qi und Blut, stärkt und harmonisiert den Mittleren Wärmer und wirkt dazu diuretisch. Karotten können gedünstet gegessen werden, um die Milz zu kräftigen. Lauch kann das Nieren-Yang stärken.

Bei dumpfen, immer wiederkehrenden Kopfschmerzen hinter der Stirn spielt Feuchtigkeit eine Rolle, die transformiert werden muss. Hier sind klare Suppen wie z. B. eine Rinderkraftbrühe empfehlenswert. Für eine leichte Schärfe zur Mobilisation des Qi empfiehlt sich frischer Ingwer oder Huhn statt Rind. Der salzige Geschmack zum Lösen von Stagnation kommt über Petersilienwurzel, Stangensellerie und Tamari. Den bitteren Geschmack zur Trocknung, nach unten führend und zum Ausleiten der Feuchtigkeit bringen Mandarinenschale und auch die Petersilienwurzel mit. Bei der Elimination von Feuchtigkeit stehen besonders die Hülsenfrüchte zur Verfügung. Vor allem die Azukibohne eignet sich hier. Die Beigabe von Algen wie Kelp (Kombualge) leitet Hitze und Toxine aus, Hiziki oder Wakame vermögen Schleimhitze auszuleiten.

Bei einem Magen-Feuer zeigt sich der Schmerz auch im Stirnbereich, ist aber intensiv und mit den Begleitsymptomen einer Hitze wie Durst mit Verlangen nach Kaltem, Oberbauchschmerzen, v. a. morgens nüchtern, Obstipation oder Zahnfleischbluten verbunden. Auch hier kann ein Congee die Grundlage bilden. Die Zutaten werden angepasst in eine kühlende und den Magen befeuchtende Richtung. Als Getreide kommt hier zudem die Gerste als Brei- bzw. Suppengrundlage in Frage. Sie ist kühlend, eliminiert Wind, Hitze, Feuchtigkeit und Toxine und baut Blut, Yin und Qi auf. Rettich kann für Hitze-Kopfschmerzen roh verwendet werden.

Nackenkopfschmerz

Der vom Nacken nach oben ziehende Kopfschmerz ist meist von steifen Schultern und angestrengter Abgespanntheit begleitet und kann nach der TCM verschiedene Ursachen haben. Ist Du 14 schmerzhaft und findet eine Besserung durch das Hinlegen statt, liegt ein Mangel vor. Müdigkeit und Kopfschmerz am Morgen sind ein Hinweis auf Ni-Qi-Mangel, bei Blut- und Yin-Mangel wird der Kopfschmerz am Nachmittag stärker (oft auch Scheitelregion). Bei einer Schwäche des Nieren-Yang ist der Schmerz oft dumpf und auch mittig am Kopf vorhanden. Als wärmende Zutaten bei Ni-Yang-Mangel eignen sich wiederum der chinesische Lauch und Huhn. Probate Lebensmittel, die sowohl das Yin als auch das Yang der Niere vermehren, sind Kolbenhirse und Walnuss. Eine hervorragendes Nieren-Tonikum mit Jing-Qualität ist der Sesam.

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Seitlicher Kopfschmerz

Der seitliche Kopfschmerz hat seine Beziehung zur Gallenblase, der Schläfenkopfschmerz des Weiteren zum San Jiao und der „Deckel abhebende“ Kopfschmerz den Bezug zum aufsteigenden Leber-Yang, da der innere Verlauf der Leber-Leitbahn zum Vertex aufsteigt und sich mit Du 20 Bai Hui trifft. Zu diesem Kopfschmerz kann noch Schwindel hinzukommen. Der Schmerz kann wandernd, fixiert und stechend, einseitig oder beidseitig auftreten, was jeweils eine Variante in der Lebensmittel-Empfehlung mit sich bringt.

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung von Migräne

Neben einer gesunden Ernährung gibt es weitere Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Migräne beitragen können:

  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
  • Regelmäßiger Schlaf: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist wichtig für die Vorbeugung von Migräne.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten wie Joggen oder Schwimmen, können die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren.
  • Vermeidung von Trigger-Faktoren: Jeder Mensch hat individuelle Trigger-Faktoren, die Migräneattacken auslösen können. Es ist wichtig, diese Faktoren zu identifizieren und zu vermeiden. Ein Schmerztagebuch kann dabei helfen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei der Behandlung von Migräne helfen, indem sie den Energiefluss im Körper harmonisiert.
  • Probiotika: Die Einnahme von Probiotika kann die Darmflora verbessern und somit die Entgiftungsprozesse im Körper unterstützen.

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