Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die weit mehr als nur Kopfschmerzen verursacht. Sie geht oft mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit einher und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Ein Faktor, der Migräneattacken begünstigen kann, ist Nachtarbeit. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Migräne und Nachtarbeit, die Ursachen, Auswirkungen und Präventionsmaßnahmen.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung des Gehirns. Sie ist keine gewöhnliche Kopfschmerzerkrankung. Sie tritt oft einseitig und pulsierend auf, mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Viele Patient:innen sind während der Attacke stark eingeschränkt. Wichtig ist die frühe Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen. Wenn Übelkeit & Erbrechen dazukommt, empfehlen sich Antiemetika wie Dimenhydrinat, z. B. in Vomex A®.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Etwa zwei Drittel der Patient:innen haben nahe Verwandte, die auch betroffen sind. Forscher:innen gehen daher davon aus, dass bestimmte Erbanlagen bei den Betroffenen dazu führen, dass sich ein „Migräne-Gehirn“ entwickelt, das besonders empfindlich auf äußere und innere Reize reagiert.
Neben der genetischen Veranlagung gibt es verschiedene Auslöser (Trigger), die eine Migräneattacke provozieren können. Dazu gehören Stress, hormonelle Schwankungen, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel und Reizüberflutung. Es ist wichtig zu beachten, dass Triggerfaktoren nicht die Ursache der Migräne sind, sondern lediglich Auslöser einer Attacke bei einem bereits empfindlichen Gehirn.
Formen der Migräne
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet verschiedene Arten von Migräne, darunter:
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- Migräne ohne Aura: Die häufigste Form der Migräne, gekennzeichnet durch anfallsartige, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität, begleitet von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Migräne mit Aura: Hier treten neurologische Symptome wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder Missempfindungen vor oder während der Kopfschmerzphase auf.
- Chronische Migräne: Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat über mehr als drei Monate, wobei an mindestens acht Tagen die Kriterien von Migränekopfschmerzen erfüllt sind.
Nachtarbeit und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit
Nachtarbeit stellt eine besondere Belastung für den Körper dar, da sie gegen den natürlichen Biorhythmus des Menschen verstößt. Die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonproduktion und andere Körperfunktionen steuert, wird durch die unregelmäßigen Arbeitszeiten gestört.
Schichtarbeits-Krankheit
Die sogenannte „Schichtarbeits-Krankheit“ (engl. „shift work disorder“) ist ein vielgestaltiges Erkrankungsbild mit starken körperlichen und emotional-seelischen Komponenten. Die bedeutendste Störung sind Schlafstörungen und eine insgesamt gegenüber Tagarbeitenden verminderte Schlafdauer. Hinzu kommen Störungen im Magen-Darm-Bereich, die langfristig auch zu entzündlichen Erkrankungen des Verdauungstraktes führen können. Auch Herz-Kreislauf-Probleme sind Teil des Krankheitsbildes. Im mentalen Bereich findet man häufig depressive Störungen und Angststörungen, aber auch erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche und Nervosität.
Gesundheitliche Risiken der Nachtarbeit
Schichtarbeit birgt grundsätzlich gesundheitliche Risiken. Das wurde in einer breit angelegten dänischen Untersuchung an mehr als 5000 medizinischen und nicht-medizinischen Mitarbeiter*innen nachgewiesen. Besonders bei weiblichen Teilnehmern war durch die Schichtarbeit die Anfälligkeit für Migräne erhöht.
Zu den möglichen Folgen von Nachtarbeit gehören:
- Schlafstörungen
- Magen-Darm-Probleme
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Depressionen und Angstzustände
- Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten
- Migräne und Kopfschmerzen
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Nachtarbeit
Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und dem Auftreten von Migräneattacken. Die Störung des natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus, der Stress und die unregelmäßigen Mahlzeiten, die mit Nachtarbeit einhergehen, können Migräne triggern.
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Studienlage
Eine neue Übersichtsarbeit von 2024 gibt einen umfangreichen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Auswirkung von Schichtarbeit auf Kopfschmerzen. Darin wird eine Reihe von wissenschaftlichen Studien ausgewertet, die an insgesamt mehr als 400.000 Teilnehmenden durchgeführt wurden. Für die Migräne zeigen Untersuchungen mit mehr als 4.500 Teilnehmenden, dass Nachtarbeit das Risiko für Attacken deutlich erhöht. Insbesondere die Anzahl von Nachtschichten pro Monat scheint entscheidend dafür zu sein, wie stark sich die Anzahl der Migräneattacken erhöhen kann.
Norwegische Wissenschaftlerinnen untersuchten die Zusammenhänge bei schichtarbeitenden Pflegemitarbeiterinnen. Dabei wurde eine Häufung und Verstetigung (sogenannte Chronifizierung) von Spannungskopfschmerz sowie ein verstärktes Auftreten von Migräneattacken bei den Studienteilnehmer*innen festgestellt.
Weibliche Beschäftigte besonders betroffen
Besonders stark vom Risiko für Kopfschmerz als Folge der Arbeit im Schichtbetrieb betroffen sind nach übereinstimmender Darstellung mehrerer Studien Mitarbeitende im Pflegesektor. Bezogen auf Migräne fand man - wie auch in der nicht von Schichtarbeit betroffenen Bevölkerung - beträchtliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten: Letztere hatten ein doppelt so hohes Risiko für Migränekopfschmerz wie ihre männlichen Kollegen.
Präventionsmaßnahmen für Migränepatienten in der Nachtarbeit
Für Menschen, die aufgrund ihres Berufs Nachtarbeit leisten müssen, gibt es verschiedene Maßnahmen, um das Risiko von Migräneattacken zu reduzieren.
Schlafhygiene
Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist entscheidend, auch wenn er aufgrund der Schichtarbeit nicht immer eingehalten werden kann. Es ist wichtig, auch über wechselnde Schichten hinweg regelmäßig zu essen. Dabei sind als warme Hauptmahlzeit Gerichte mit magerem Fleisch und Fisch sowie kohlenhydratreichen Beilagen wie Kartoffeln, Reis oder Gemüse zu empfehlen. Kalte Mahlzeiten können aus einem bunten Salat und/oder einem reichhaltig belegten Vollkornbrot bestehen. Auch regelmäßiges Trinken ist entscheidend, ca. Während Nachtschichten eignen sich zwei Nachtmahlzeiten.
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Weitere Tipps für eine gute Schlafhygiene:
- Sorgen Sie für eine dunkle, ruhige und kühle Schlafumgebung.
- Vermeiden Sie Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen.
- Nutzen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Yoga.
- Tragen Sie bei Helligkeit auf dem Heimweg eine Sonnenbrille.
Ernährung
Regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Unterzuckerung zu vermeiden, die Migräne triggern kann. Auch bestimmte Nahrungsmittel wie reifer Käse, Salami oder Glutamat sollten gemieden werden, wenn sie als Trigger identifiziert wurden.
Stressmanagement
Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräneattacken. Es ist wichtig, Stressoren zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um Stress abzubauen. Dazu können Entspannungstechniken, Sport oder Hobbys gehören.
Arbeitsplatzgestaltung
Ein ergonomischer Arbeitsplatz und eine angenehme Arbeitsumgebung können dazu beitragen, Stress und Verspannungen zu reduzieren. Trennwände im Großraumbüro können die Geräuschkulisse verringern, und regelmäßige Pausen können helfen, die Augen und die Muskulatur zu entlasten.
Kopfschmerztagebuch
Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, individuelle Triggerfaktoren zu identifizieren und die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen zu beurteilen.
Rechtliche Aspekte
Arbeitnehmer, die gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, in Nachtschichten zu arbeiten, haben nach dem aktuellen Urteil nachvollziehbar einen Anspruch auf eine Befreiung von der Nachtschicht wegen gesundheitlicher Probleme. Eine personenbedingte Kündigung kommt jedoch nicht in Frage.
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