Migräne, Serotoninmangel und ihre Ursachen: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch heftige Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Die Ursachen für Migräne sind vielfältig und komplex, wobei ein Zusammenspiel genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren und biochemischer Prozesse im Gehirn eine Rolle spielt. In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Aspekte von Migräne, einschließlich der Rolle von Serotoninmangel und Stress, detailliert untersuchen.

Was ist Migräne?

Migräne wird zu den neurologischen Erkrankungen gezählt. Wer an Migräne leidet, kennt leider nur zu gut Symptome wie heftige Kopfschmerzen, die einseitig, pulsierend oder pochend auftreten, Licht- und Geruchsempfindlichkeit und Übelkeit bis hin zu Erbrechen. Dabei kann Migräne viele Ursachen haben. Häufig gehören dazu psychische Faktoren. Bei einer Migräne treten sehr starke Kopfschmerzen auf, die sich klassischerweise in Form von Migräneattacken äußern. Unabhängig von den Migräne-Ursachen verläuft eine solche neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns in der Regel in mehreren Phasen.

Die Rolle von Serotonin bei Migräne

Serotonin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle im menschlichen Körper spielt. Er ist an der Regulierung von Stimmung, Appetit und Schlaf beteiligt. Serotonin wird im Körper aus der Aminosäure Tryptophan hergestellt. Tryptophan ist in Lebensmitteln wie Eiern, Fleisch, Nüssen und Samen enthalten. Der Serotoninspiegel kann auch durch Stress, Ängste und Depressionen beeinträchtigt werden.

Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.

Serotoninmangel und Migräne

Ein Mangel an Serotonin kann zu einer Reihe von Symptomen führen, darunter Depressionen, Angstzustände und Schlaflosigkeit. Serotoninmangel kann auch Kopfschmerzen und Migräne verursachen. Außerdem neigen Menschen mit einem Serotoninmangel eher zu zwanghaftem Verhalten und impulsiven Gedanken.

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Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Migränepatienten häufig einen niedrigen Serotoninspiegel haben. Möglicherweise kann der niedrige Serotoninspiegel zu einer Weitung der Blutgefäße führen und Schmerzrezeptoren sensibler gegenüber Schmerzreizen machen37. Einige Migränepatient:innen berichten außerdem, dass die Migräneattacken aufhören, nachdem sie erbrochen haben. Auch dies könnte zumindest teilweise durch den Serotoninspiegel erklärt werden. Denn Erbrechen erhöht über komplexe Stoffwechselwege den Serotoninspiegel37.

Serotonin und der weibliche Zyklus

Mit dem weiblichen Zyklus schwankt auch die Konzentration von Serotonin. Konkret bedeutet das: Ist der Östrogenspiegel hoch, ist auch der Serotoninspiegel hoch. Zu Beginn der Menstruation sinkt der Östrogenspiegel dann ab. In der Folge sinkt auch der Serotoninspiegel. Sowohl das Absinken von Östrogen als auch von Serotonin können zu der Entstehung einer menstruellen Migräne („Kopfschmerzen Periode“) beitragen26.

Möglichkeiten zur Steigerung des Serotoninspiegels

Wie lässt sich also der Serotoninspiegel steigern oder während der Periode ausgleichen? Genau wie beim Dopamin, spielt auch hier die Ernährung eine Rolle. Denn Serotonin wird im Körper aus der Aminosäure Tryptophan hergestellt, welche in verschiedenen Lebensmitteln enthalten ist. Dazu gehören besonders Nüsse, Hülsenfrüchte, Fisch, oder Vollkorngetreide34. Ein Großteil des Serotonins wird im Darm unter der Beteiligung von wichtigen Darmbakterien gebildet. Die gesundheitsfördernden Darmbakterien benötigen wiederum Ballaststoffe und auch probiotische Lebensmittel können unterstützen, dass sich diese vermehren. Daher sollte auch hier auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden35.

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den Serotoninspiegel im Körper zu erhöhen, darunter Bewegung, Entspannungstechniken und Ernährungsumstellung. Eine Erhöhung des Serotoninspiegels kann dazu beitragen, die Stimmung zu verbessern, Ängste abzubauen und den Schlaf zu verbessern.

Migräne mit Aura

Neben der „klassischen“ Migräne leiden bis zu 20 % der Betroffenen an der sogenannten Migräne mit Aura. In dem Fall kündigt sich eine Migräneattacke mit Symptomen wie Sehstörungen, darunter Lichtblitze oder Doppelbilder, Taubheit oder ein kribbliges Gefühl im Gesicht, Sprachstörungen, Schwindel oder Schwierigkeiten beim Gehen an, um nur einige zu nennen. Die Gründe für Migräne mit Aura sind ebenso vielfältig wie die Ursachen einer Migräne ohne Aura. Allen voran steht der Botenstoff Serotonin in Verdacht, eine tragende Rolle bei Migräne Ursachen zu spielen.

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Wenn Sie von einer Migräne mit Aura betroffen sind, können Sie während einer Migräneattacke an verschiedenen Seh-, Gefühls- und sogar Sprachstörungen leiden. Menschen mit Migräne haben häufig eine Überempfindlichkeit der Nervenzellen in der Hirnrinde. Bei Migräne mit Aura wird zusätzlich oft eine verminderte Durchblutung in bestimmten Hirnregionen festgestellt. Daher wird angenommen, dass ein Sauerstoffmangel in den betroffenen Hirnarealen für die Migräne mit Aura verantwortlich sein könnte.

Stress als Migräne-Auslöser

Als einer der häufigsten Migräne-Gründe wird Stress genannt. Hierbei spielt die beschriebene Stoffwechselstörung der Hirnzellen eine Rolle, wodurch die Schmerzareale getriggert und aktiviert werden. Trigger beschreiben innere und äußere Faktoren, die zu einer Migräne führen können. Es sind also potentielle Migräne-Ursachen, die das Entstehen einer Attacke begünstigen können. Trigger unterscheiden sich von Patient zu Patient und lassen sich nur mit einer guten Selbstbeobachtung identifizieren.

Ja. Die Wissenschaft geht davon aus, dass eine der Ursachen Stress sein kann. Warum aber kann Migräne bei Stress ausgelöst werden? Hier ist es wichtig zu wissen, dass Migräne nicht innerhalb einer akuten Stress-Situation auftritt, sondern vielmehr in der Entspannungsphase danach. Studien zeigen zudem, dass es dabei nicht auf den Grad des Stresses ankommt, sondern vielmehr auf die plötzlichen Veränderungen von einer „normalen“ zu einer „stressigen“ Situation und andersherum, also von der „stressigen“ zur „normalen“ Situation. Auch eine Ende 2014 veröffentlichte Studie im Journal Neurology zeigt, dass Stress durch Migräne erst in den Tagen nach einer Stressphase auftritt. So gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Entspannung nach dem Stress mit größter Wahrscheinlichkeit die eigentliche Migräne-Ursache ist und nicht der Stress per se.

Davon ausgehend, dass eine Migräne durch Stress ausgelöst bzw. begünstigt wird, zielt eine Behandlung darauf ab, langfristig den Niveauunterschied zwischen Normalzustand und Stress zu reduzieren. Vor jeder Behandlung einer Migräne steht eine genaue Diagnostik der Migräne-Ursachen im Vordergrund. Darauf aufbauend kann ein individuelles Therapiekonzept erstellt werden. Eine akute Migräne lässt sich meist mit Medikamenten reduzieren. Neben Migräne gelten auch Depressionen, Burnout und zahlreiche andere psychosomatische Beschwerden als stressassoziiert.

Cortisol und Blutzucker

Um zu verstehen, warum das Stresshormon Cortisol in Bezug auf Migräne wichtig ist, wollen wir zunächst kurz in die Evolution des Menschen eintauchen: Unsere Urahnen mussten sich schnell verteidigen oder fliehen können, sobald sie einer Gefahrensituation ausgesetzt waren. Im Nervensystem gibt es daher zwei Gegenspieler: Den Sympathikus und den Parasympathikus. Sie sind nicht gleichzeitig aktiv und haben gegensätzliche Effekte. Wird der Sympathikus aktiviert, reagiert der Körper nach dem Prinzip „fight or flight“ („Kämpfen oder Fliehen“)8.

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Die erhöhte Flucht- und Alarmbereitschaft führt zur Ausschüttung der Stresshormone, zu denen auch Cortisol gehört. In der Folge steigen Blutdruck und Herzfrequenz, die Atmung wird schneller und flacher und die Skelettmuskeln werden stärker durchblutet. All das dient einer erhöhten Aufmerksamkeit8,9.

Die Ausschüttung von Cortisol hat aber noch einen anderen, nicht zu unterschätzenden Effekt. Denn der Körper mobilisiert Energiereserven. Konkret heißt das, der Körper verbraucht die gespeicherten Glukosereserven. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt. Stress und der damit einhergehende hohe Cortisolspiegel bewirken außerdem, dass die Wirkung von Insulin gehemmt wird. Das trägt noch einmal zusätzlich zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel und einem möglichen Mangel an Energie in den Zellen9,10.

Stressmanagement

Stressmanagement inklusive Achtsamkeit, Meditation und Yoga sowie ausreichend Bewegung und Schlaf können helfen, das Stresslevel zu senken. Das wirkt sich auch positiv auf den Blutzucker aus18-20. Meditieren kann außerdem Kopfschmerzen reduzieren und die Lebensqualität der Migräne Betroffenen verbessern21.

Weitere Migräne-Auslöser

Die genaue Ursache für einen Migräneanfall hängt in der Regel von mehreren Faktoren ab und kann sich deshalb auch in den Migräne-Symptomen unterscheiden. Auch welche Migräne-Auslöser oder Triggerfaktoren zu den starken Kopfschmerzen führen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb sollten immer Ihre persönlichen Lebensumstände bei der Migräne Diagnose berücksichtigt werden.

Häufig besteht jedoch ein Zusammenhang mit einer plötzlichen Änderung der regulären Lebensgewohnheiten. Wenn man sich seiner persönlichen Migräne-Auslöser bewusst ist, kann einem diese Information dabei helfen, schneller auf eine Migräne zu reagieren. Im besten Fall kann dadurch sogar ein Migräneanfall verhindert, oder aber das Auftreten von Migräneattacken deutlich reduziert werden.

Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. am Wochenende)
  • Ernährung
  • Stress
  • Saunabesuch
  • Wetterwechsel
  • Hormonelle Schwankungen, insbesondere während der Menstruation
  • Einnahme von Hormonpräparaten (z. B. die Pille)
  • Psychische Belastung

Ernährung als Migräne-Auslöser

Auch Ernährungsgewohnheiten und Veränderungen davon, können Migräneattacken auslösen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
  • Alkoholkonsum, insbesondere Rotwein
  • Kaffee
  • Lebensmittelzusätze
  • Diverse Nahrungsmittel wie z. B. Käse, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze
  • Zu wenig Wasser - 2L pro Tag sind empfohlen

Was passiert im Körper bei einer Migräne?

Der Prozess, der die Migränesymptome auslöst, beginnt unter anderem in den Nervenzellen. Diese produzieren in bestimmten Situationen eine Überdosis von Botenstoffen - zum Beispiel Serotonin, die die Blutgefäße verengen und Entzündungsprozesse hemmen.

Der Körper versucht nun, die Überdosis an Botenstoffen abzubauen - jedoch so stark, dass nur noch wenig Serotonin übrigbleibt. Das führt zu einer Weitung der Hirnhautgefäße; sie werden durchlässig für gewebefeindliche Stoffe. An den Gefäßen entstehen kleine Entzündungen . Gleichzeitig kann es durch die zunächst starke Anregung der Nervenzellen, gefolgt von einer Deaktivierung, zu einer Störung der Elektrolytkonzentration kommen. Insgesamt kommt es so zur Migräne . Die Betroffenen nehmen als Symptom dieses Vorgangs den typisch pochenden Kopfschmerz wahr, der meist von zusätzlichen Beschwerden wie Übelkeit begleitet wird.

Genetische Faktoren bei Migräne

Leider sind die Ursachen für Migräne und akut auftretende Migräne-Anfälle noch nicht vollständig aufgeklärt . Die Wissenschaft vermutet jedoch, dass bei häufigen Migräneattacken genetische Faktoren eine Rolle spielen. Neueste medizinische Untersuchungen weisen zusätzlich darauf hin, dass ein Ungleichgewicht von neuronalen Botenstoffen im Gehirn ein Auslöser für Migräne sein könnte.

Es gibt klare Hinweise darauf, dass genetische Prädispositionen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Eine spezielle Form der Migräne, die familiäre hemiplegische Migräne (FHM), wird durch Mutationen in spezifischen Genen, wie dem CACNA1A-Gen, vererbt. Diese genetische Ursache erklärt, warum Migräne in bestimmten Familien gehäuft auftritt und warum die Erkrankung als nicht heilbar gilt.

Diagnose und Behandlung von Migräne

Die Identifikation der individuellen Migräne-Ursachen ist für eine professionelle Behandlung unabdingbar und hat großen Einfluss auf den Behandlungserfolg. Nur so lassen sich Maßnahmen gezielt auf die Migräne-Auslöser abstimmen und prophylaktische Lösungen finden. Eine psychotherapeutische Behandlung kann beispielsweise bei Migräne hilfreich sein, da sie Ihnen im Rahmen einer Verhaltenstherapie hilft, innere und exogene Stressoren zu erkennen und Ihnen die nötigen Hilfswerkzeuge zur Seite stellt, um mit diesen Stressoren besser umzugehen.

Eine akute Migräne lässt sich meist mit Medikamenten reduzieren. Dazu gehören unter anderem Triptane. Die Mittel stoppen die Entzündung an den Gefäßen, hemmen die Weiterleitung des Botenstoffs CGRP, und verhindern auch, dass der Schmerzreiz von den Hirnhäuten an das Gehirn gemeldet wird. So helfen Triptane akut gegen den Schmerz.

Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe. Dazu gehören unter anderem Antidepressiva und Betablocker.

"Wir haben jetzt eine Möglichkeit, eine fast nebenwirkungsfreie, sehr, sehr wirksame Therapie zu haben. Und ja, das ist schon eine kleine Revolution, das kann man schon sagen." Gemeint sind Antikörper-Spritzen oder auch CGRP-Antagonisten.

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