Dieser Artikel bietet verständliche Informationen über Milgamma, einschließlich seiner Zusammensetzung, Wirkungsweise, Anwendung und möglichen Nebenwirkungen.
Was ist Milgamma?
Milgamma ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von neurologischen Systemerkrankungen und kardiovaskulären Störungen eingesetzt wird, die auf einem nachgewiesenen Mangel an Vitamin B1 und B6 beruhen. Es ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Milgamma protekt enthält den Wirkstoff Benfotiamin, eine Vorstufe von Vitamin B1, die vom Körper besser aufgenommen werden kann als herkömmliches Vitamin B1 (Thiamin).
Zusammensetzung von Milgamma
Milgamma ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Filmtabletten.
Milgamma 300 mg Filmtabletten:
- Wirkstoffe: 300 mg Benfotiamin (lipidlösliches Vitamin B1) und 100 mg Pyridoxinhydrochlorid (Vitamin B6).
Milgamma protekt Filmtabletten:
- Wirkstoff: Benfotiamin 300 mg (Vorstufe von Vitamin B1)
Wie wirken die Inhaltsstoffe von Milgamma?
Die Inhaltsstoffe von Milgamma wirken auf unterschiedliche Weise, um den Körper bei einem Mangel an Vitamin B1 und B6 zu unterstützen.
Benfotiamin
Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe (Prodrug) von Thiamin (Vitamin B1). Es wird im Körper sehr gut aufgenommen und schnell in seine wirksame Form umgewandelt. Benfotiamin behebt den Vitamin-B1-Mangel als eine Ursache von Nervenschädigungen und kann so bei regelmäßiger Einnahme die Begleitsymptome einer auf einem Vitamin-B1-Mangel beruhenden Neuropathie wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle und Schmerzen in den Füßen lindern.
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- Wirkmechanismus: Nach der Umwandlung in aktives Thiamin wirkt es als Coenzym im Kohlenhydratstoffwechsel. Es trägt dazu bei, den Glukosestoffwechsel zu regulieren und übermäßige Bildung von fortgeschrittenen Glykationsendprodukten (AGEs) zu verhindern. Dadurch kann es Nervenschäden, insbesondere bei diabetischer Neuropathie, und vaskulären Komplikationen entgegenwirken. Benfotiamin wirkt somit antioxidativ und neuroprotektiv.
Pyridoxin (Vitamin B6)
Pyridoxin (Vitamin B6) steuert im Körper eine Reihe von Stoffwechselvorgängen, zum Beispiel die Herstellung von Eiweißbestandteilen, von Botenstoffen des Nervensystems wie Adrenalin und die Herstellung des roten Blutfarbstoffes. Außerdem beeinflusst er die Blutgerinnung.
Vitamin B1 und seine Bedeutung
Vitamin B1 ist lebensnotwendig und kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Es ist an Prozessen im Energiestoffwechsel maßgeblich beteiligt und zählt zu den wasserlöslichen Vitaminen, die nur in begrenztem Umfang im Körper gespeichert werden können. Daher ist es wichtig, Vitamin B1 regelmäßig und in ausreichender Menge über die Nahrung aufzunehmen.
Anwendungsgebiete von Milgamma
Milgamma wird hauptsächlich in folgenden Fällen eingesetzt:
- Behandlung und Vorbeugung von Vitamin-B1-Mangel: Insbesondere wenn der Mangel nicht durch die Ernährung behoben werden kann. Ein Vitamin-B1-Mangel kann beispielsweise bei Mangel- und Fehlernährung, parenteraler Ernährung, Null-Diät, Dialyse, Resorptionsstörungen oder chronischem Alkoholismus auftreten.
- Behandlung von Nervenerkrankungen: Die durch einen Mangel an Vitamin B1 und B6 verursacht werden.
- Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die durch einen Mangel an Vitamin B1 verursacht werden.
- Neuropathien und kardiovaskuläre Störungen: Die durch Vitamin-B1-Mangel hervorgerufen werden.
- Klinische Vitamin-B1-Mangelzustände: Sofern diese nicht ernährungsmäßig behoben werden können.
Milgamma protekt: Spezifische Anwendungsgebiete
- Behandlung von Neuropathien (Nervenschäden), die durch einen Vitamin-B1-Mangel hervorgerufen werden.
- Zur Therapie oder Prophylaxe von klinischen Vitamin-B1-Mangelzuständen, sofern diese nicht ernährungsmäßig behoben werden können.
Vitamin-B1-Mangel bei Diabetikern
Ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven und erhöht gleichzeitig den Vitamin-B1-Bedarf im Körper. Studien haben gezeigt, dass Diabetiker vermehrt Vitamin B1 über die Nieren ausscheiden, was zu einem massiven Mangel führen kann. Für Diabetiker ist daher neben einer guten Blutzuckereinstellung auch der Ausgleich eines Vitamin-B1-Mangels besonders wichtig.
Dosierung und Anwendung von Milgamma
Die Dosierung von Milgamma variiert je nach Art und Schwere des Vitaminmangels sowie der spezifischen Produktvariante. Es ist wichtig, die Anweisungen des Arztes oder Apothekers genau zu befolgen.
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Allgemeine Dosierungsempfehlungen
Milgamma 300 mg Filmtabletten:
- Erwachsene: Soweit nicht anders verordnet, nehmen Erwachsene einmal täglich eine Filmtablette ein. Bei akuten Beschwerden kann die Dosis nach Rücksprache mit dem Arzt auf bis zu 3-mal täglich 1 Tablette erhöht werden. Nach spätestens vier Wochen sollte der Arzt entscheiden, ob die höhere Dosierung weiterhin erforderlich ist.
Milgamma protekt Filmtabletten:
- Alle Altersgruppen: 1 Tablette täglich.
- Zur Therapie von Neuropathien: Sollte das Präparat initial über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen eingenommen werden. Nehmen Sie die Filmtabletten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit ein. Wann Sie die Tabletten einnehmen macht keinen Unterschied.
Art der Anwendung
Nehmen Sie das Arzneimittel unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein (z.B. 1 Glas Wasser). Der Zeitpunkt der Einnahme ist unabhängig von den Mahlzeiten.
Dauer der Anwendung
Die Anwendungsdauer richtet sich nach der Art der Beschwerden, dem Verlauf der Erkrankung und dem Behandlungserfolg. Sie sollte in Absprache mit Ihrem Arzt festgelegt werden. Zur Behandlung von Nervenerkrankungen durch Mangel an Vitamin B1 sollte das Arzneimittel zu Beginn mindestens 3 Wochen lang angewendet werden. Die Weiterbehandlung ist abhängig vom Erfolg der Behandlung. Sollte nach vier Wochen keine oder eine zu geringe Wirkung erkennbar sein, sollte die Therapie der Beschwerden überprüft werden.
Wichtige Hinweise zur Einnahme
- Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.
- Eine vom Arzt verordnete Dosierung kann von den Angaben der Packungsbeilage abweichen. Da der Arzt sie individuell abstimmt, sollten Sie das Arzneimittel daher nach seinen Anweisungen anwenden.
- Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben.
Gegenanzeigen von Milgamma
In bestimmten Fällen darf Milgamma nicht angewendet werden. Dies umfasst:
- Überempfindlichkeit: Gegen die Inhaltsstoffe des Arzneimittels.
Schwangerschaft und Stillzeit
- Schwangerschaft: Wenden Sie sich an Ihren Arzt. Es spielen verschiedene Überlegungen eine Rolle, ob und wie das Arzneimittel in der Schwangerschaft angewendet werden kann. Wenn Sie schwanger sind, ist dieses Arzneimittel aufgrund seiner Wirkstoffmenge nur zur Behandlung eines nachgewiesenen Vitamin-B1-Mangels sinnvoll. Daher dürfen Sie das Präparat nur anwenden, wenn Ihr behandelnder Arzt dies für unbedingt erforderlich hält. In der Schwangerschaft beträgt die empfohlene tägliche Zufuhr für Vitamin B1 1,2 mg im 2. Trimester und 1,3 mg im 3. Trimester.
- Stillzeit: Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Er wird Ihre besondere Ausgangslage prüfen und Sie entsprechend beraten, ob und wie Sie mit dem Stillen weitermachen können. Wenn Sie stillen, ist dieses Arzneimittel aufgrund seiner Wirkstoffmenge nur zur Behandlung eines nachgewiesenen Vitamin-B1-Mangels sinnvoll. Daher dürfen Sie das Präparat nur anwenden, wenn Ihr behandelnder Arzt dies für unbedingt erforderlich hält. In der Stillzeit beträgt die empfohlene tägliche Zufuhr für Vitamin B1 1,3 mg. Die Sicherheit einer Anwendung höherer als der täglich empfohlenen Dosis ist bislang nicht belegt.
Ist Ihnen das Arzneimittel trotz einer Gegenanzeige verordnet worden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Der therapeutische Nutzen kann höher sein, als das Risiko, das die Anwendung bei einer Gegenanzeige in sich birgt.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bei der Anwendung von Milgamma sollten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:
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- Allergien: Vorsicht bei Allergie gegen Bindemittel (z.B. Carboxymethylcellulose mit der E-Nummer E 466), Propylenglykol oder das Süßungsmittel Saccharin (E-Nummer E 954)!
- Wechselwirkungen: Es kann Arzneimittel geben, mit denen Wechselwirkungen auftreten. Sie sollten deswegen generell vor der Behandlung mit einem neuen Arzneimittel jedes andere, das Sie bereits anwenden, dem Arzt oder Apotheker angeben. Das gilt auch für Arzneimittel, die Sie selbst kaufen, nur gelegentlich anwenden oder deren Anwendung schon einige Zeit zurückliegt. Wenden Sie mehrere Arzneimittel gleichzeitig an, kann es zu Wechselwirkungen zwischen diesen kommen. Das kann Wirkungen und Nebenwirkungen der Arzneimittel verändern.
- Lagerung: Das Arzneimittel muss vor Hitze geschützt im Dunkeln (z.B. im Umkarton) aufbewahrt werden.
- Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil: Das Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil kann die Wirkung von Thiamin (Vitamin B1) inaktivieren.
Nebenwirkungen von Milgamma
Für das Arzneimittel sind nur Nebenwirkungen beschrieben, die bisher nur in Ausnahmefällen aufgetreten sind.
- In klinischen Studien wurden Einzelfälle von gastrointestinalen Störungen wie z. B. Übelkeit oder andere Beschwerden dokumentiert.
- Selten können Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag (Urtikaria) oder allergische Reaktionen auftreten.
Die genaue Häufigkeit und ein kausaler Zusammenhang mit der Einnahme von Benfotiamin sind jedoch nicht vollständig geklärt.
Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
Überdosierung von Milgamma
Bisher sind keine Überdosierungserscheinungen bekannt. Bei der Einnahme von Benfotiamin sind keine Überdosierungserscheinungen zu erwarten. Bei kurzfristiger Einnahme hoher Dosen (über 1 g/Tag) von Vitamin B6 sowie bei langfristiger Einnahme (über 6 Monate) kann es zu einer nervenschädigenden Wirkung, unter anderem zu lokalen Nervenleiden mit Missempfindungen und zu Störungen der Bewegungsabläufe kommen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an Ihren Arzt.
Generell gilt: Achten Sie vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen auf eine gewissenhafte Dosierung. Im Zweifelsfalle fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach etwaigen Auswirkungen oder Vorsichtsmaßnahmen.
Tipps für Menschen mit Neuropathie
- Ernährung und Bewegung: Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind wichtig für die Gesunderhaltung der Nerven. Vermeiden Sie Rauchen und hohen Alkoholkonsum.
- Empfindungsstörungen ernst nehmen: Brennen und Kribbeln in den Füßen können erste Anzeichen für eine Nervenerkrankung sein. Wenden Sie sich an Ihren Arzt.
- Füße täglich kontrollieren: Nervenschäden in den Beinen führen dazu, dass die Füße besonders anfällig für Verletzungen sind. Achten Sie auf passende Schuhe.
- Aktiv bleiben: Trotz aller Einschränkungen ist es wichtig, aktiv zu bleiben und sich die Lebensfreude zu bewahren.