Der Schwarzmilan (Milvus migrans) ist global betrachtet eine der häufigsten Greifvogelarten. Er ist ein mittelgroßer Greifvogel mit langen, breiten Flügeln und einem leicht gegabelten Schwanz. Die Art bewohnt mit ihren Unterarten große Teile Europas, Asiens und Afrikas und bevorzugt dabei Lebensräume in Wassernähe. In Bayern ist der Schwarzmilan ein seltener Brutvogel, der sensibel auf Störungen in Horstnähe reagiert.
Merkmale des Schwarzmilans
Aussehen und Unterscheidung vom Rotmilan
Der Schwarzmilan ist ein mittelgroßer Greifvogel. Sein Schwanz ist schwach gegabelt und erinnert, wenn er ausgefächert ist, an ein Dreieck. Im Vergleich zum Rotmilan ist die Gabelung jedoch weniger tief. Anhand des Flugbildes lassen sich die beiden Arten gut unterscheiden: Die Handschwingen des Schwarzmilans weisen sechs "Finger" am Flügelende auf, während der Rotmilan fünf hat. Zudem ist das Gefieder des Schwarzmilans im Flugbild weniger kontrastreich gefärbt als das des Rotmilans.
Gefieder und Körperbau
Das Gefieder des Schwarzmilans ist dunkelbraun gefärbt und unterseits fein schwarz gestrichelt. Kopf, Kehl- und Nackenpartien sind heller, hellgrau mit feiner schwarzer Strichelung. Die schwärzlichen Spitzen der Handschwingen setzen sich deutlich vom restlichen Flügel ab. Schwarzmilane haben einen gelben Schnabel mit Reiß-Haken, der an der Spitze schwarz ist. Die Beine ausgefärbter Vögel sind gelb, die Krallen schwarz. Jungvögel haben einen helleren Körper und sind auf der Körperoberseite kontrastreicher gefärbt. Die Umfärbung der Iris von hellbraun in ein mattes Gelb findet erst im 7. oder 8. Lebensjahr statt.
Männchen sind kleiner und leichter als Weibchen, unterscheiden sich aber nicht im Gefieder. Das Gewicht der Männchen beträgt etwa 810 g, das der Weibchen ca.
Flugweise und Rufe
Der Flug des Schwarzmilans ist durch den Wechsel von flachen und relativ schnellen Flügelschlägen und Gleitphasen gekennzeichnet. Die Flügel sind leicht abwärts gerundet und von unten betrachtet nicht so stark nach hinten geknickt wie beim Rotmilan. Die Rufe des Schwarzmilans sind wiehernde oder trillernde Rufreihen ("hüiijhrr" oder "wuhihihi"), die zum Ende der Gesangstrophe immer schneller werden. Bei Störung oder starker Erregung äußern Schwarzmilane "gihwiwiwi"-Rufe, die denen des Rotmilans ähneln. Am Brutplatz ist auch duettartiges Rufen beider Geschlechter zu vernehmen.
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Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung in Bayern und Deutschland
In Bayern ist der Schwarzmilan ein seltener Brutvogel mit einem Brutbestand von etwa 500 bis 650 Paaren. Die Verbreitung erstreckt sich von Unterfranken über die Donau-Iller-Lech-Platten bis in den Pfaffenwinkel sowie in die Donauniederung. In den letzten Jahren hat der Schwarzmilan sein Brutgebiet in Bayern um das voralpine Hügel- und Moorland bis an die Alpen erweitert. Auch an Isar und Inn siedelt er inzwischen regelmäßiger. Im östlichen Donauabschnitt ist hingegen eine Abnahme zu verzeichnen. Generell ist der Schwarzmilan in weiten Teilen Europas verbreitet, vor allem in den östlichen und südlichen Bundesländern Deutschlands.
Bevorzugte Lebensräume
Der Schwarzmilan lebt vorzugsweise in gewässerreichen Landschaften und brütet in der Regel in der Nähe von stehenden und fließenden Gewässern in alten Waldbeständen. Wenn das Nahrungsangebot und der Niststandort passen, können auch trockene, wasserferne Lebensräume genutzt werden. Der Schwarzmilan bevorzugt Lebensräume in Wassernähe, insbesondere baumbestandene Seeuferabschnitte, Aulandschaften oder Baumreihen entlang langsam fließender Flüsse.
Verhalten und Lebensweise
Horstbau und Brutverhalten
Beide Partner sind am Horstbau beteiligt, wobei das Männchen den größeren Teil der Arbeit übernimmt. Der Horst wird gleich zu Beginn der Rückkehr aus dem Überwinterungsgebiet gebaut, wobei auch verlassene Greifvogelnester übernommen werden. Hoch auf einem alten Baum ist das Nest meist nicht weit vom Waldrand entfernt. Wichtig bei der Horstplatzwahl ist eine freie Anflugmöglichkeit. Als Nestmaterial werden unbelaubte Äste und Zweige verwendet. Die Nestmulde wird mit Gräsern, Moosen, Laub und auch Papier und Plastikfetzen ausgekleidet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Greifvögeln bessert der Schwarzmilan seinen Horst nicht mit belaubten Ästen aus.
Während der Brutzeit bleibt das Weibchen nachts im Horst und das Männchen in dessen Nähe. Schwarzmilane bleiben wegen der ausgeprägten Reviertreue oft über Jahre hinweg verpaart und zeigen während der Balz beeindruckende Balzflüge. In nahrungsreichen Lebensräumen brüten oft mehrere Paare in enger Nachbarschaft. Die meiste Zeit brütet das Weibchen, dem auch die Jungenpflege obliegt. Das Männchen kümmert sich um die Nahrungsbeschaffung und löst das Weibchen mehrmals täglich für kurze Zeit beim Brüten ab.
Ernährung und Jagdverhalten
Die tagaktiven Schwarzmilane sind sehr gesellig und bilden nach der Phase der Jungenaufzucht Schlafgesellschaften von mehreren Vögeln auf Schlafbäumen. Gelegentlich gesellen sich auch Rotmilane dazu. Der Schwarzmilan erspäht seine Nahrung im langsamen, niedrigen Suchflug über offenem Gelände und Wasserflächen und erbeutet sie oft im Flug.
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Milane sind weitgehend Nahrungsgeneralisten und passen sich den örtlichen Nahrungsressourcen an. Auf ihrem Speiseplan stehen Kleinsäuger, junge Vögel sowie Fische. Sie fressen aber auch Aas und Fleischabfälle und suchen dafür oftmals die Umgebung von Mülldeponien oder Kompostieranlagen nach geeigneter Beute ab. Wie der Rotmilan erbeutet auch der Schwarzmilan verschiedene Großinsekten, Regenwürmer und Schnecken. Ab und zu nimmt er anderen Vogelarten die Beute ab und frisst zum Teil auch pflanzliche Kost. Am Aas erscheint der Schwarzmilan oft als erste Vogelart.
In Wassernähe brütende Schwarzmilane erbeuten vor allem lebende und tote Fische. In Mittel- und Osteuropa überwiegen dabei sehr auffällig die Plötze (Rutilus rutilus) und die Brachse (Abramis brama). Fischnahrung kann in solchen Populationen 80 % des Gesamtnahrungsgewichtes erreichen. Daneben werden verschiedene Vögel bis zur Rebhuhngröße und Säugetiere, wie Kaninchen, kleine Hasen, Ratten und Mäuse, erbeutet. In Trockengebieten erbeutet die Art an Lebendbeute vor allem Vögel, Reptilien, Amphibien und kleinere Säugetiere (wie zum Beispiel Igel (Erinaceidae) und Springmäuse (Dipodidae)). Tauben (Columbidae) und Krähen (Corvidae) können in Trockenhabitaten einen großen Anteil der Beutetiere ausmachen. Aber auch verschiedene Großinsekten, Regenwürmer und Schnecken werden regelmäßig verzehrt.
Wanderverhalten und Fortpflanzung
Die europäischen Schwarzmilane sind in der Regel Zugvögel und überwintern überwiegend in Afrika südlich der Sahara und vereinzelt auch in Südeuropa, z.B. in Sizilien. Der Wegzug vom Brutgebiet beginnt teilweise schon Ende Juli. Die Elterntiere ziehen meist 3 bis 4 Wochen vor den Jungvögeln ab. Der Heimzug ins Brutgebiet ist im Mittelmeerraum hauptsächlich in der zweiten Märzhälfte zu beobachten. Jungvögel kommen erst mit der Geschlechtsreife im 4. bis 5. Lebensjahr in ihre Brutheimat zurück.
Nach der Ankunft im Brutrevier beginnt die Balz. Die ersten Schwarzmilane beginnen bereits Anfang April mit dem Legen der Eier. Das Bebrüten beginnt mit dem ersten der 2 bis 3 Eier, die im Abstand von 2 bis 3 Tagen gelegt werden. Nach durchschnittlich 32 Tagen schlüpfen die Jungen. 7 bis 8 Wochen später werden die Jungen flügge.
Schutzstatus und Gefährdung
Der Schwarzmilan unterliegt dem Jagdrecht, ist aber ganzjährig geschont und wird daher nicht bejagt. Die illegale Tötung eines ganzjährig geschonten Wildtieres stellt eine Straftat nach § 38 Abs.1 Nr.2 des Bundesjagdgesetzes dar. Auch das Sammeln und Stören von Gelegen des Federwildes ist verboten nach § 22 Abs. 4 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) und § 22 Abs.3 des Bayerischen Jagdgesetzes (BayJG). Der Schwarzmilan unterliegt dem Anhang I der Vogelschutzrichtlinie, daher wurden für ihn in Bayern Vogelschutzgebiete (SPA) ausgewiesen.
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Der Schwarzmilan im Vergleich zum Rotmilan
Obwohl beide Arten eng miteinander verwandt sind und ähnliche Lebensweisen aufweisen, gibt es einige wesentliche Unterschiede zwischen Schwarzmilan und Rotmilan:
- Verbreitung: Der Rotmilan ist hauptsächlich auf Europa beschränkt, während der Schwarzmilan ein viel größeres Verbreitungsgebiet hat.
- Lebensraum: Der Rotmilan ist weniger wassergebunden als der Schwarzmilan und bevorzugt offene Landschaften mit kleinen Wäldern oder Gehölzen.
- Nahrung: Der Rotmilan ist ein aktiverer Jäger als der Schwarzmilan und ernährt sich hauptsächlich von kleinen Säugetieren und Vögeln. Der Schwarzmilan ist ein Nahrungsgeneralist und frisst auch Aas und Abfälle.
- Gefieder: Das Gefieder des Rotmilans ist kontrastreicher gefärbt als das des Schwarzmilans. Der Rotmilan hat einen tief gegabelten, rostrot gefärbten Schwanz. Der Schwarzmilan hat einen schwächer eingekerbten Stoß und dunkelbraune Gefiederfarben.
- Flugbild: Die Handschwingen des Schwarzmilans weisen sechs "Finger" am Flügelende auf, während der Rotmilan fünf hat. Im Segelflug sind die Armschwingen des Rotmilans leicht über die Horizontale angehoben, die Handschwingen jedoch gerade oder leicht gesenkt, was ein erkennbar geknicktes Flügelprofil ergibt.
Bedrohungen des Schwarzmilans
Obwohl der Schwarzmilan global gesehen eine häufige Art ist, gibt es verschiedene Faktoren, die seinen Bestand gefährden können:
- Lebensraumverlust: Die Zerstörung und Fragmentierung von Lebensräumen durch Bebauung, Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte stellt eine Bedrohung dar.
- Nahrungsmangel: Die Intensivierung der Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden können zu einem Rückgang der Beutetiere führen.
- Illegale Verfolgung: In einigen Regionen werden Schwarzmilane illegal verfolgt, beispielsweise durch Abschuss oder Vergiftung.
- Windkraftanlagen: Kollisionen mit Windkraftanlagen können zu Verletzungen oder zum Tod von Schwarzmilanen führen.
Schutzmaßnahmen für den Schwarzmilan
Um den Schwarzmilan und seinen Lebensraum zu schützen, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:
- Erhaltung und Wiederherstellung von Lebensräumen: Die Sicherung und Aufwertung von Lebensräumen wie Feuchtgebieten, Auenlandschaften und naturnahen Wäldern ist von großer Bedeutung.
- Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft: Eine umweltfreundliche Landwirtschaft, die den Einsatz von Pestiziden reduziert und die Vielfalt der Landschaft fördert, kann die Nahrungsgrundlage des Schwarzmilans verbessern.
- Bekämpfung der illegalen Verfolgung: Die Verfolgung und Bestrafung illegaler Handlungen wie Abschuss oder Vergiftung ist wichtig, um den Schwarzmilan zu schützen.
- Berücksichtigung des Vogelschutzes bei der Planung von Windkraftanlagen: Bei der Planung und dem Bau von Windkraftanlagen müssen die Auswirkungen auf den Schwarzmilan und andere Vogelarten berücksichtigt werden.