Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Stress, Schlafmangel oder Überlastung können die Ursachen sein. Es gibt viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen, wobei der sogenannte Spannungskopfschmerz am häufigsten vorkommt. Dieser kann leichte bis mittelstarke Kopfschmerzen verursachen, die sich als Druck auf beiden Seiten des Kopfes anfühlen. Auch die Stirn oder der Hinterkopf können schmerzen und der Kopf fühlt sich eng an. Medikamente wie Aspirin oder Paracetamol können helfen, haben aber auch diverse Nebenwirkungen. Als natürliche Alternative gilt Pfefferminzöl als Geheimtipp zur Linderung von Kopfschmerzen.
Was ist Pfefferminzöl?
Die Pfefferminze (Mentha x piperita L.) ist eine natürliche Kreuzung zwischen Wasserminze und Ährenminze. Sie gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und wird seit Jahrtausenden als Heilpflanze verwendet. Aufzeichnungen aus dem antiken Griechenland, Rom und Ägypten zeigen, dass die Pfefferminze unter anderem gegen Verdauungsstörungen eingesetzt wurde.
Heutzutage wächst die Pfefferminze in ganz Europa und Nordamerika. Sie ist ein gängiger Aromastoff in Lebensmitteln und Getränken und wird als Duftstoff in Seifen und Kosmetika verwendet.
Man verwendet sowohl die Pfefferminzblätter als auch das ätherische Öl der Pfefferminze (Oleum menthae piperitae) in verschiedenen Formen:
- Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium)
- Pfefferminzblättertrockenextrakt (Menthae piperitae folii extractum siccum)
- Pfefferminzöl (Oleum menthae piperitae)
- Pfefferminztinktur (Menthae piperitae tinctura)
Pfefferminzblattzubereitungen sind entweder als Kräutertee zum Trinken oder in flüssiger oder fester Form zum Einnehmen erhältlich. Für letzteres werden die Blätter getrocknet und zerkleinert und dann in ein Lösungsmittel (z.B. Ethanol) eingelegt, um einen flüssigen Extrakt herzustellen. Wird das Lösungsmittel im Anschluss verdampft, erhält man einen Trockenextrakt. Die Konzentration der Wirkstoffe ist in diesen Präparaten höher als im Tee, aber geringer als im Pfefferminzöl. Denn Pfefferminzöl enthält konzentrierte ätherische Öle, die durch Wasserdampfdestillation aus den blühenden Teilen und Blättern der Pfefferminzpflanze gewonnen werden. Darin befinden sich unter anderem die Wirkstoffe Menthol (früher als Pfefferminzcampher bezeichnet) und Menthon, wobei Menthol für den charakteristischen Geruch des Öls verantwortlich ist.
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Die Wirkung von Pfefferminzöl
Pfefferminzöl soll Kopfschmerzen wirksam lindern, wenn man es auf die Schläfen tupft. Das liegt daran, dass Pfefferminzöl Menthol enthält. Wenn man das ätherische Öl auf Stirn und Schläfen reibt, werden Kältesensoren in der Haut aktiviert. Es regt die Durchblutung an und kann verspannte Schädelmuskeln lockern. Und das Minzöl hemmt bestimmte Schmerzbotenstoffe.
Je nach Pfefferminz-Präparat und entsprechenden Inhaltsstoffen und Dosierungen werden unterschiedlich Wirkmechanismen diskutiert:
- Kühlende und schmerzlindernde Wirkung: Das enthaltene Menthol wirkt auf die Kälterezeptoren auf der Haut und kann bei lokaler Anwendung einen kühlenden Effekt auslösen. Damit lässt sich auch eine schmerzlindernde Wirkung erklären, denn die Kältereize führen zu einer Blockade der Weiterleitung von Schmerzreizen. Dafür bedarf es aber tendenziell höhere Menthol-Konzentration von 2-5%, damit sich diese lokalanästhetische Wirkung entfalten kann.
- Beeinflussung von Schmerzbotenstoffen: Pfefferminzöl kann auch die Wirkung von Schmerzbotenstoffen wie Serotonin herabsetzen.
- Muskelentspannung: Menthol kann Muskelentspannung fördern, indem es die glatte Muskulatur entspannt. Dies kann Muskelverspannungen lösen und die Durchblutung verbessern.
- Vasokonstriktion: Wendest du Pfefferminzöl lokal auf der Haut an, kann es zu einer Vaskonstriktion kommen, d.h. es ziehen sich die Gefäße zusammen.
- Beruhigende Wirkung durch Aromatherapie: Der frische Duft des Pfefferminzöls kann eine beruhigende Wirkung haben und wird auch gerne in der Aromatherapie eingesetzt. In Kombination mit einem Ritual der Entspannung und Wohlbefinden, soll der Geruch eine beruhigende Wirkung haben.
Studienlage zu Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen und Migräne
Klinische Studien belegen, dass Pfefferminzöl tatsächlich hilft - und zwar genau so gut wie Paracetamol oder Aspirin. Studien konnten die Wirksamkeit der lokalen Anwendung von Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp (auch als Spannungskopfschmerz bekannt) nachweisen. Die Wirksamkeit war in einer Studie sogar vergleichbar mit der von Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Paracetamol.
Pfefferminzöl ist daher auch in der Praxisleitlinie „Primäre Kopfschmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin als ein Standard-Akuttherapie-Maßnahme von Spannungskopfschmerzen bei Erwachsenen und Kindern über 6 Jahren gelistet. Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind die häufigste Form von Kopfschmerzen und können laut Berichten von Migräne-Betroffenen oft in einen Migräne-Anfall übergehen.
Auch während einer Migräneattacke können somit die oben genannten Effekte wie Kühlung, Schmerzlinderung, Entspannung und Vasokonstriktion vorteilhaft sein. Es gibt zudem Studien, die einen Effekt von Pfefferminzöl auf Migräne-Kopfschmerzen nachweisen konnten, wobei die Effekt je nach Präparat und der entsprechenden Zusammensetzung sowie Dosierung variieren. Rafieian-Kopaei et al. konnten zum Beispiel zeigen, dass die nasales Einnahme von Menthol zu einer Verringerung der Intensität und Häufigkeit der Kopfschmerzen führte. Allerdings müssen weitere qualitativ hochwertigere Studien folgen um die Wirksamkeit ausreichend zu belegen und den Zusammenhang besser zu verstehen.
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Man ist sich dennoch über folgende Vorteile der Anwendung von Pfefferminzöl bei Migräne einig: Es hat keine systemischen Effekte, da es nur lokal wirkt, es besteht kein Risiko für einen Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK), und es ist eine gute Alternative zu Schmerzmitteln, wenn Kontraindikationen wie Schwangerschaft, Stillzeit oder Kindesalter vorliegen.
Diese Vorteile gelten auch für weitere natürliche Akut- und Prophylaxe-Maßnahmen, wie z.B. regelmäßige Entspannungsmethoden bei Migräne und Sport bei Migräne (moderater Ausdauersport) sowie eine blutzuckerstabilisierende (niedrig-glykämische) Ernährung, die helfen können Migräneattacken vorzubeugen.
Anwendung von Pfefferminzöl
Das ätherische Öl kann man ganz einfach auf die Schläfen und die Stirn reiben. Wichtig bei der Anwendung ist, dass man es nicht pur aufträgt, sondern verdünnt. Im Prinzip kann man selber Pfefferminze anbauen und daraus das Minzöl machen oder man kauft sich die fertige Lösung in der Apotheke. Die ist auch schon zugelassen für Kinder ab sechs Jahren.
Wichtig ist, dass man kein reines Pfefferminzöl direkt aufträgt. Denn das würde die Haut zu stark reizen. Man muss es vor dem Auftragen mit hochprozentigem medizinischem Alkohol verdünnen - am besten im Verhältnis 1:10.
Am besten wendest du Pfefferminzöl niemals unverdünnt bzw. in zu starken Konzentrationen an, da dies zu Reizungen führen kann. Die gängigen Produkte werden jedoch meist sowieso bereits verdünnt angeboten. Eine zu geringe Konzentration ist jedoch auch nicht vorteilhaft, da Studien die beste Wirkung für 10 %-iges Pfefferminzöl gezeigt haben (auch die Empfehlung in den allgemeinen Leitlinien).
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Dabei trägst du das Pfefferminzöl großflächig auf Stirn und Schläfen auf. Achte dabei darauf, dass du das Öl nicht in die Augen bekommst. Bei akuten Kopfschmerzen kannst du das Öl zweimal innerhalb von 15 Minuten anwenden. Denn im Vergleich zu einem Placebo konnte mit Pfefferminzöl bereits nach 15 Minuten eine signifikante Reduktion der Kopfschmerzen erzielt werden.
Ein Pfefferminzöl Roll-on kann als Fertigprodukt in der Apotheke gekauft oder ganz einfach und ganz schnell selbst hergestellt werden. Einzig kompliziert daran mag die Bestellung des kleinen Roll-on sein.
Pfefferminzöl Roll-on selbst herstellen:
Sie benötigen:
- Wodka
- 20 Tropfen Pfefferminzöl
- 1 Roll-on-Fläschchen
In ein Roll-on-Fläschchen geben Sie Wodka und verschütteln ihn mit 20 Tropfen Pfefferminzöl (bitte nicht stattdessen japanisches Heilpflanzenöl verwenden, das ist zu scharf).
Anwendung: Wenn Sie beim ersten Brummen und Ziehen im Kopf gleich zum Kühlstift greifen und nach Bedarf alle 5 Minuten die pochenden Stellen (Nacken, Schläfen und Stirn am Haaransatz, Nebenhöhlenbereich) einreiben, bleibt Ihnen in vielen Fällen eine schlimmere Kopfschmerzepisode erspart.
Bei Kindern ab etwa 7 Jahren können ein oder zwei Anwendungen die Kopfschmerzen regelrecht wegzaubern, sodass sie sich erst gar nicht den schnellen Griff zur Tablette angewöhnen.
Bitte nicht in die Nähe der Augen kommen, das Brennen oder Tränen vergeht zwar nach einigen Minuten, Sie sollten es jedoch gar nicht erst provozieren.
Außerdem sollten Sie den Stift vor jeder Anwendung gut schütteln, denn sonst tragen Sie zunächst nur ätherisches Öl auf und später fast nur Wodka. Manchmal wirkt der Trick überhaupt nicht, aber ein Versuch ist das Auftragen der erfrischenden Mixtur allemal wert.
Risiken und Nebenwirkungen
Vorsicht ist geboten bei Kleinkindern und Babys: Die sollten auf keinen Fall Pfefferminzöl einatmen, das kann im Extremfall lebensgefährlich sein. Auch Asthmatiker sollten das ätherische Öl meiden, denn es reizt die Lunge und kann einen Asthmaanfall auslösen.
Tee gegen Kopfschmerzen, der aus Pfefferminzblättern hergestellt wird, enthält nur eine sehr geringe Konzentration. Auch Pfefferminzöl ist in der allgemein empfohlenen Dosierung über die Haut aufgenommen gut verträglich, kann aber bei höherer Dosierung unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen, wie zum Beispiel allergische Reaktionen oder Hautausschläge und -reizungen.
Pfefferminzöl sollte nicht bei Babys und Kleinkindern unter sechs Jahren sowie Asthma-Betroffenen angewendet werden, da die Einatmung des Menthols zu Atemnot und entsprechenden Asthmaanfällen führen kann.
Was spricht gegen eine Anwendung?
- Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe
- Gallenblasenentzündung
- Gallenwegsverschluss
- Leberschäden
- Gallensteinleiden
- Bronchien, die überempfindlich reagieren, z.B. bei:
- Asthma bronchiale
- Stark verminderte Magensaftproduktion
- Kinder mit Anfallsleiden
- Verletzungen der Haut
Weitere Tipps bei Kopfschmerzen
Auf jeden Fall sollten Sie darauf achten, genug Wasser zu trinken. Denn wenn der Körper zu wenig Flüssigkeitsreserven hat, können Kopfschmerzen auftreten. Viel trinken kann den Schmerz lindern.
Sollten die Schmerzen häufiger auftreten, sich verändern oder sogar stärker werden, dann sprechen sie am besten mit ihrem Hausarzt darüber. Denn es könnten auch Verspannungen, unerträgliche Cluster-Kopfschmerzen oder andere Ursachen die Symptome auslösen.
Weitere Anwendungsgebiete von Pfefferminze
Pfefferminzblätter und Pfefferminzöl werden schon seit langem als Heilmittel eingesetzt und sollen durch ihre Wirkmechanismen bei folgenden weiteren Indikationen helfen:
- Verdauungsproblemen: Pfefferminztee kann bei leichten Magen-Darm-Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, leichten Bauchkrämpfen, Übelkeit und Blähungen helfen, indem er unter anderem die Darmmuskeln entspannt.
- Erkältung: Pfefferminzöl kann bei einer Erkältung helfen, indem es Husten lindert und das Atmen bei einer verstopften Nase erleichtern.