Viele Menschen kennen das Problem: Lärm in der Wohnung, der die Ruhe stört. Ob es sich um Geräusche von Nachbarn, Hall in den eigenen vier Wänden oder Windgeräusche handelt, die Ursachen können vielfältig sein. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Windgeräusche in der Wohnung und gibt Tipps, wie man diese reduzieren oder beseitigen kann.
Lärmquellen in der Wohnung: Eine Übersicht
Wer sich durch Lärm in seiner Wohnung gestört fühlt, sollte zunächst den Quellen der störenden Geräusche auf den Grund gehen. Das hilft einzuschätzen, was man selbst dagegen unternehmen kann. Grundsätzlich wird bei Geräuschen zwischen Luftschall und Körperschall unterschieden. Luftschall breitet sich in Form von Schallwellen über die Luft aus und wird von den Ohren wahrgenommen. Körperschall breitet sich dagegen in festen Körpern wie Stahl, Beton oder Holz aus. Typische Beispiele dafür sind der Trittschall oder die Wand, die bei lauter Musik förmlich vibriert. Zu hören ist Körperschall selbst zwar nicht. Er geht aber an der Oberfläche dieser festen Körper in Luftschall über, wo er dann hörbar wird.
Halleffekt in modernen Wohnungen
Glatte Flächen wie Fliesen, Betonwände, Glas, Laminat- oder Terrazzoböden verstärken die Geräusche in der Wohnung, denn die Schallwellen werden von diesen Materialien nicht aufgenommen, sondern reflektiert. Besonders in modernen Wohnungen mit vielen glatten Oberflächen und großen Fensterfronten zeigt sich ein Halleffekt, der irgendwann unangenehm wird. Die Geräusche in der Wohnung, Gespräche, Musik, das Brummen des Geschirrspülers summieren sich, man habe das Gefühl, dass es immer lauter werde.
Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik
Bewohner können einiges tun, um die Raumakustik in ihrer Wohnung zu verbessern. Vor allem Textilien wie Vorhänge oder Gardinen vor dem Fenster, Kissen, dicke Teppiche oder Polstermöbel schlucken Lärm. An glatten Wänden und Decken leisten sogenannte Absorber gute Dienste. Sie sind auch als Akustikelemente bekannt und haben offenporige Oberflächen, die den Schall schlucken. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel von der Decke abgehängt als Deckensegel oder als Wandelement mit Stoff bezogen, auch mit einem individuellen Bild bedruckt. Auch einzelne abgedeckte Bereiche zeigen Wirkung.
Windgeräusche in der Wohnung: Ursachenforschung
Windgeräusche in der Wohnung können verschiedene Ursachen haben. Eine häufige Ursache sind undichte Fenster und Türen. Aber auch andere Faktoren können eine Rolle spielen:
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- Undichte Fenster und Türen: Hier pfeift der Wind durch Ritzen und Spalten.
- Dachgeschosswohnungen: Hier kann der Wind besonders stark durch Undichtheiten pfeifen.
- Falsch eingebaute Dampfsperre: Wenn die Dampfsperre oder Dampfbremse nicht richtig angebracht oder beschädigt ist, kann der Wind durch die Dachgeschosswohnung pfeifen, zum Teil zieht es sogar aus der Steckdose.
- Regel Air Falzlüfter: Bei Fenstern mit Regel Air Falzlüftern können Windgeräusche auftreten, wenn Luft in die Ausschnitte in der Fensterdichtung gedrückt wird.
- Kamin: Der Kamin kann bei starkem Wind Windgeräusche verursachen.
Wenn der Wind durch die Dachwohnung pfeift
Ausgebaute Dachgeschosswohnungen sind sehr beliebt. Aber wenn beim Bau gepfuscht wird, haben die Bewohner viel Ärger: Der Wind pfeift durch die Dachgeschosswohnung, zum Teil zieht es sogar aus der Steckdose. Die Heizkosten werden in die Höhe getrieben, weil durch Undichtheiten Wärme verloren geht. "Wie so oft am Bau ist die Ursache klein, die Wirkung aber um so größer", so Heinz Fritsch, Branchenmanager Bau beim TÜV Süddeutschland. "Oft liegt es daran, dass die Dampfsperre oder Dampfbremse nicht richtig angebracht oder beschädigt wird." Bei der Dampfsperre handelt es sich um eine Kunststoff- oder Metallfolie, die von entscheidender Bedeutung für die Luftdichtheit ist und die verhindert, dass Feuchtigkeit aus der Wohnung in die Dachkonstruktion eindringt. "Die Luftdichtheit der äußeren Gebäudehülle ist im Dachgeschoss besonders wichtig, da es sich um den oberen Gebäudeabschluss handelt", so der TÜV-Ingenieur Thomas Frick. Der physikalische Vorgang ist leicht zu verstehen: Die erwärmte Innenluft steigt nach oben und kann bei ungenügender Luftdichtheit im oberen Dachbereich nach außen entweichen. Durch diese Lecks geht viel Heizenergie verloren. Der Energieeinsparungseffekt von Wärmedämmmaßnahmen wird dadurch verringert, die Heizkosten sind viel höher als sie sein müssten. Durch Lecks im unteren Bereich kann kalte Außenluft einströmen. Das führt zu Beeinträchtigungen der Behaglichkeit im Innenraum. Außerdem kommt es zu Bauschäden durch Kondenswasser und Schimmelbildung. Thomas Frick: "Da warme Luft wesentlich mehr Wasser aufnehmen kann als kalte Luft, kommt es beim Eindringen warmer und feuchter Innenluft durch Lecks in der Luftdichtheitsschicht in Wärmedämmung oder Holzkonstruktion zu Tauwasserausfall. Durch dieses Wasser werden Wärmedämmstoffe und Holzbauteile durchfeuchtet. Schließlich kommt es zum Pilzbefall, wodurch die Holzkonstruktion in kurzer Zeit massiv beschädigt werden kann." Manchmal wird die Luftdichtheitsschicht nicht sauber und fachgerecht angebracht. In anderen Fällen wurde sie zwar fachgerecht eingebaut, aber durch nachfolgende Arbeiten beschädigt. "Ein typisches Beispiel, das wir häufig beobachten, ist der Einbau von Geräteträgerdosen für Schalter und Steckdosen, bei denen die Luftdichtheitsschicht aufgeschnitten wird", so TÜV-Fachmann Frick. Dadurch kommt es an den Steckdosen zu so starken Zugerscheinungen, dass sogar die Flamme einer Kerze dadurch ausgeblasen werden kann. Heinz Fritsch empfiehlt: "Da Dachstühle oft eine Vielzahl von Durchdringungen durch die Luftdichtheitsschicht besitzen, sollte nach dem Einbau dieser Schicht eine Luftdichtheitsmessung vorgenommen werden. Damit kann die erreichte Luftdichtheit überprüft werden. Mögliche Leckstellen werden so frühzeitig identifiziert, dass sie in diesem Stadium der Arbeit noch ohne großen Aufwand geschlossen werden können." Eine solche Messung ist nicht in jedem Fall nötig.
Maßnahmen zur Reduzierung von Windgeräuschen
Abhängig von der Ursache der Windgeräusche gibt es verschiedene Maßnahmen, um diese zu reduzieren oder zu beseitigen:
- Fenster und Türen abdichten: Undichte Fenster und Türen lassen sich mit Dichtungsbändern abdichten. Hierbei sollte man auf die richtige Dichtung achten (Schaumstoff oder Gummi) und die passenden Maße wählen. An der Haustüre kann eine neue Tür-Dichtschiene befestigt werden. Beim Kauf sollte man auf die passende Höhe achten.
- Vorhänge und Gardinen: Schwere Vorhänge vor Fenstern und Türen können die Kälte abhalten und Windgeräusche reduzieren.
- Luftdichtheitsmessung: Bei Dachgeschosswohnungen kann eine Luftdichtheitsmessung helfen, Leckstellen zu finden und zu beseitigen.
- Schallschutzfenster: Bei starker Lärmbelästigung durch Windgeräusche können Schallschutzfenster eine sinnvolle Investition sein.
- Kamin überprüfen: Bei Windgeräuschen im Kamin sollte dieser von einem Fachmann überprüft werden.
Zusätzliche Tipps zur Verbesserung der Raumakustik
- Bücherregal: Ein gut gefülltes raumhohes Bücherregal vor der Wand kann Geräusche aus der Nachbarwohnung reduzieren.
- Vorwand: Eine Vorwand aus Gipskarton, entkoppelt vor der Wand montiert, kann einen Teil der Schallwellen aus der Wand aufnehmen. Diese Maßnahme sollte aber vorab mit dem Vermieter besprochen werden.
- Abhangdecke: Gelangt Lärm durch die Decke von der oberen Wohnung, kann eine sogenannte Abhangdecke Linderung verschaffen. Sie wird frei schwebend auf Federbügeln unter der eigenen Zimmerdecke befestigt.
- Musikanlage richtig platzieren: Wer seinen Nachbarn mehr Ruhe gönnen möchte, sollte seine Musikanlage, Lautsprecherboxen und das Fernsehgerät nicht direkt auf den Boden oder an eine angrenzende Wand stellen.
Brummgeräusche in der Wohnung
Ein Brummgeräusch in der Wohnung kann verschiedene Ursachen haben, die oft sowohl interne als auch externe Faktoren umfassen. Ein häufiger Verdacht ist, dass das Brummen durch Infraschall entsteht - Schallwellen, die unterhalb des normalen Hörbereichs (ca. 20 Hz) liegen. Obwohl Infraschall oft nicht bewusst wahrgenommen wird, können die damit verbundenen Schwingungen ein spürbares Brummen verursachen. In vielen Fällen ist eine umfassende Analyse notwendig, um festzustellen, ob Infraschall die Ursache für das Brummgeräusch in der Wohnung ist.
Lärm durch Lüftungsanlagen
Die dezentrale Lüftungsanlage bekommt oft nachgesagt, ihre zu hohe Lautstärke würde die Bewohner vom Schlafen abhalten. Jedes Schallproblem kann durch effektive Angebote am Markt gelöst werden - das gilt selbst für bereits verbaute Geräte. Dezentrale Lüfter mit Wärmerückgewinnung laufen überwiegend im Pendelbetrieb. Das bedeutet, dass der Lüftungsventilator seine Laufrichtung alle 70 Sekunden ändert. So wird abwechselnd verbrauchte Raumluft nach draußen und Frischluft ins Wohnungsinnere befördert. Durch diese Richtungsänderung wird das ansonsten monotone Ventilatorgeräusch kurzzeitig unterbrochen, da der Motor stoppt und in der gegensätzlichen Richtung wieder neu anläuft. Besonders geräuschsensiblen Bewohnern kann die Unterbrechung der Monotonie auffallen und der Eindruck entstehen, dass dezentrale Lüfter nicht leise wären. Tatsächlich ist die Geräuschentwicklung des Geräts in einer normalen Lüftungsstufe aber vergleichbar mit dem Netzteil eines laufenden Laptops. Als Durchgangsschall (in Fachkreisen auch „Normschallpegeldifferenz“, kurz NSPD genannt) werden Geräusche bezeichnet, die von außen durch den Lüftungskanal ins Wohnrauminnere gelangen.
Maßnahmen zur Reduzierung von Lärm durch Lüftungsanlagen
- Je öfter der Schall im Lüftungsrohr gebrochen oder durch Schalldämm-Maßnahmen gemindert wird, desto geringer ist die Geräuschentwicklung der Anlage und desto weniger werden Sie diese im Inneren Ihrer Wohneinheit hören.
- Richten Sie Ihre Lüftungseinstellungen am Regler entsprechend Ihren Anforderungen aus. Oftmals sorgt eine sehr hohe Lüftungsstufe für zusätzlichen Schall, obwohl eine derart hohe Stufe gar nicht benötigt wird.
- Achten Sie bereits beim Kauf Ihres Lüftungsgeräts darauf, dass der Lüftungsventilator eine geschlossene Geometrie aufweist.
- Vermeiden Sie beim Einbau Ihrer dezentralen Lüftungsanlage, dass die Löcher in der Außenwand nicht hin zu einer besonders geräuschintensiven Umgebung eingeplant werden.
- Planen Sie gleich dezentrale Anlagen ein, die über einen Winddruckstabilisator verfügen, um diesem Schallproblem von vornherein aus dem Weg zu gehen.
- Dezentrale Lüftungsgeräte sollten standardmäßig vom Fachplaner auf einer 50% Lüftungsstufe eingeplant werden - und das maximal.
- Achten Sie auch auf die Auslegung nach DIN 1946-6.
- Wurden die Geräte in einem Positionsvorschlag definiert, sollten Sie beim Angebot Ihres Lüftungsherstellers darauf achten, dass zusätzliches Schallzubehör unbedingt bei allen Lüftern mit eingeplant wurde. Dies ist besonders für Geräte wichtig, die in Wohnräumen verbaut werden sollen, wie im Schlafzimmer.
- Achten Sie bei der Berechnung der Wärmerückgewinnung im Lüftungskonzept darauf, dass die Abluftgeräte mit berücksichtigt wurden.
Fehler beim Einbau von Lüftungsanlagen vermeiden
- Der Lüftungsmonteur sollte unbedingt darauf achten, dass die Schallentkopplung zur Außenwand sichergestellt ist. Ist dies nicht der Fall, kann die Wand als Resonanzkörper den Schall im Lüfter verstärken. Der Lüftungskanal sollte daher in die Außenwand eingeschäumt werden.
- Der Eigenschall des Geräts wird durch den Lüftungsventilator erzeugt. Damit dieser möglichst gering ausfällt, können Sie den gesamten Einschub (Wärmetauscher und Motor) an das äußerste Ende des Lüftungskanals schieben.
- Gerade beim Thema Schallreduktion ist zusätzliches Schallzubehör unerlässlich. Hier wird unterschieden in Schallschutzmaßnahmen, die in den Kanal eingesetzt oder direkt an den Außen- und Innenhauben befestigt werden.
Zusätzliche Maßnahmen zur Geräuschreduzierung bei bereits verbauten Lüftungsanlagen
- Reinigen und warten Sie die Lüftungsanlage regelmäßig.
- Tauschen Sie auch Ihre Filtereinsätze regelmäßigen aus, da auch hier Schmutzpartikel für zusätzlichen Schall sorgen können.
- Kontrollieren Sie bei der Wartung zusätzlich, ob die Einzelteile fest im Lüftungskanal sitzen.
- Überprüfen Sie in Ihrer Lüftungsplanung, mit welcher Lüftungsstufe der Mindestluftwechsel berechnet wurde und regulieren Sie Ihre Lüftung entsprechend herunter.
Tieffrequente Geräusche
Als tieffrequent bezeichnet man Geräusche mit vorherrschenden Frequenz-Anteilen unterhalb von etwa 100 Hertz. Infraschall ist der Frequenzbereich des tieffrequenten Schalls unterhalb des Hörbereichs, also unterhalb etwa 20 Hertz. Tieffrequente Geräusche können Grund für erhebliche Belästigungen sein. Zu Zeiten allgemeiner Ruhe, wie z. B. in der Nacht, werden sie oftmals als besonders störend empfunden. Das menschliche Ohr verarbeitet tieffrequente Geräusche anders als mittel- oder hochfrequente: Im Frequenzbereich von 20 bis etwa 60 Hertz nehmen wir Tonhöhen und Lautstärke kaum noch wahr. Vielfach empfinden wir „Schwebungen“. Unterhalb von 20 Hertz fehlen Tonhöhen- und Lautstärkeempfindung meist vollständig. Stattdessen spüren wir - sofern der Schallpegel hoch genug ist - ein Pulsieren oder Vibrieren, das mit einem Druckgefühl auf den Ohren verbunden sein kann. Tieffrequente Geräusche können sich von der Quelle durch Körperschall oder Luftschall in die Nachbarschaft ausbreiten. Bei Körperschallausbreitung werden Schwingungen durch feste Stoffe wie Fundamente, Boden, Decken oder Wände übertragen. Die Ausbreitungswege können dabei komplex sein. Am Immissionsort geben die Gebäudeteile die Körperschallschwingungen als sekundären Luftschall in den Raum ab. Körperschallschwingungen können aber auch direkt über den menschlichen Körper oder Körperteile als Vibrationen wahrgenommen werden. Tieffrequente Geräusche treten daher oftmals in Verbindung mit Vibrationen oder Erschütterungen auf. Die Ursachen und Ursprünge tieffrequenter Geräusche sind vielfältig und lassen sich im konkreten Fall oftmals nur schwer aufklären. Zu den möglichen Quellen gehören z. B. niedertourig laufende Motoren, Feuerungsanlagen oder durch Schwingungen hervorgerufener sekundärer Luftschall. Auch Installationen der Energiewirtschaft, die mit Wechselspannung arbeiten, können zu Schwingungen oder tieffrequenten Schallemissionen führen.
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