Mirena bei Epilepsie: Erfahrungen und Überlegungen zur Kontrazeption

Epilepsie und die damit verbundene Behandlung mit Antiepileptika stellen besondere Herausforderungen an die Kontrazeption dar, insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Mirena, einem Intrauterinpessar mit lokaler Gestagenabgabe, bei Epilepsiepatientinnen und diskutiert alternative Verhütungsmethoden unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen mit Antiepileptika und den potenziellen Auswirkungen auf die Anfallshäufigkeit.

Epilepsie, Antiepileptika und hormonelle Kontrazeption: Ein komplexes Zusammenspiel

Etwa eine von 200 Schwangeren leidet an Epilepsie oder wird mit Antiepileptika behandelt. Antiepileptika finden jedoch auch in anderen Bereichen Anwendung, beispielsweise in der Psychiatrie als Stimmungsstabilisatoren bei bipolaren Störungen oder in der Neurologie bei neuropathischen Schmerzen.

Bestimmte Antiepileptika können die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigen. Insbesondere Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Felbamat und in dosisabhängigem Maße auch Oxcarbazepin und Topiramat können das Cytochrom-P450-Enzymsystem induzieren. Dies führt zu einem beschleunigten Abbau oraler Kontrazeptiva und kann ungewollte Schwangerschaften zur Folge haben. Es wird daher empfohlen, systemische Hormontherapien, einschließlich oraler Kontrazeptiva, zu vermeiden, da selbst eine Dosisverdopplung nicht immer die gewünschte Sicherheit bietet.

Mirena als bevorzugte Verhütungsmethode

Ein Intrauterinpessar mit lokaler Gestagenabgabe (Mirena®) stellt eine bevorzugte Option dar. Eine etwas geringere Sicherheit bietet ein Intrauterinpessar (IUD). Nur wenn diese Methoden nicht vertragen werden, sollte eine höher dosierte hormonelle Kontrazeption in Betracht gezogen werden, wobei die Verlässlichkeit eingeschränkt sein kann. In diesem Fall kann eine durchgehende Einnahme von täglich zwei Dosen eines niedrig dosierten, monophasischen Präparats im Langzyklus über drei bis neun Monate in Erwägung gezogen werden. Alternativ werden „Pillen“ mit einer höheren ovulationshemmenden Dosis empfohlen.

Erfahrungen einer Epilepsiepatientin mit Mirena

Eine Patientin berichtet von ihrer langjährigen Erfahrung mit Epilepsie und der Verhütung mit Mirena. Seit 20 Jahren leidet sie an Epilepsie, wobei die Anfälle in den ersten drei Jahren auftraten. Seitdem ist sie anfallsfrei und ihr EEG ist seit etwa 14 Jahren unauffällig. Sie nimmt Ergenyl chrono 300 ein. Ihre Ärzte vermuten, dass Schlafmangel oder Alkohol die Anfälle auslösen. Hormonuntersuchungen wurden bisher nicht durchgeführt.

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Nach einer anfänglichen Verhütung mit einer hochdosierten Pille wechselte sie nach ihrer Schwangerschaft vor 15 Jahren zu Mirena. Seitdem leidet sie unter Nervosität, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Eierstockzysten, vermehrter Behaarung und Schlaflosigkeit. Sie ist unsicher, ob diese Beschwerden von Mirena oder Ergenyl verursacht werden, da beide Medikamente diese Nebenwirkungen aufweisen können. Sie erwägt das Absetzen von Mirena, hat jedoch Angst vor erneuten Anfällen, da ein Zusammenhang mit Hormonen nicht ausgeschlossen werden kann.

Weitere Aspekte bei Epilepsie und Kontrazeption

Auswirkungen von Epilepsie und Antiepileptika auf die Fertilität

Epilepsie und Antiepileptika können die Fertilität beeinträchtigen. So besteht beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Temporallappenepilepsie und Valproat-Therapie einerseits und anovulatorisch bedingter Fertilitätsminderung mit polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS) andererseits. Dieses Syndrom tritt bei 10 bis 25 % der epilepsiekranken Frauen auf, bei Patientinnen unter Valproattherapie noch häufiger, und bei 5 % aller gesunden Frauen. Adipositas mit Hyperinsulinismus bzw. Insulinresistenz scheint eine fördernde Rolle zu spielen.

Embryotoxisches Potenzial von Antiepileptika

Antiepileptika können ein embryotoxisches Potenzial aufweisen. Dies betrifft vor allem die klassischen Antiepileptika Valproinsäure, Carbamazepin, Phenobarbital/Primidon und Phenytoin. Kinder von Müttern, die mit diesen Medikamenten behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Dysmorphien des Mittelgesichts und der Endphalangen, intrauterine Wachstumsretardierung und insbesondere bei Valproinsäure funktionelle Entwicklungsstörungen des Zentralnervensystems (ZNS). Jedes fünfte bis zehnte pränatal exponierte Kind weist zumindest eine dieser Auffälligkeiten auf. Zu neueren Antiepileptika liegen, mit Ausnahme von Lamotrigin und Levetiracetam, noch nicht genügend Daten vor, um das Risiko einer Monotherapie abzuschätzen. Valproinsäure scheint das riskanteste Antiepileptikum für den Embryo zu sein und sollte daher, wenn möglich, bei Frauen im gebärfähigen Alter vermieden werden.

Katameniale Epilepsie: Hormonelle Schwankungen als Trigger

Einige Mediziner sprechen von katamenialer Epilepsie, wenn hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus die Anfallshäufigkeit beeinflussen. Östrogen kann die Anfallsfrequenz erhöhen, während Progesteron eine schützende Wirkung haben kann. Es gibt Therapien, die darauf abzielen, diese Schwankungen mit synthetischem oder natürlichem Progesteron zu behandeln, jedoch liegen hierzu nur kleine, nicht doppelblinde Studien vor.

Interaktion von Antiepileptika mit Sexualhormonen

Bestimmte Antiepileptika interagieren mit Sexualhormonen und können deren Abbau beschleunigen. Dies betrifft insbesondere Estrogene, die durch die Induktion von Cytochrom-P450-Enzymen verstärkt metabolisiert werden. Dies kann zu niedrigeren Estrogenspiegeln führen und die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigen.

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Weitere Verhütungsmethoden

Neben Mirena und der Kupferspirale können auch Barrieremethoden wie Kondome oder Diaphragma in Betracht gezogen werden. Hormonelle Kontrazeptiva wie Hormonringe, Cremes und Sprays sind jedoch oft ungeeignet.

Sexualität und Verhütung bei Menschen mit geistiger Behinderung

Auch bei Menschen mit geistiger Behinderung sind Sexualität und Verhütung wichtige Themen. Früher war die Sterilisation eine gängige Praxis, aber heute werden zunehmend andere Methoden in Betracht gezogen. Es ist wichtig, dass Menschen mit geistiger Behinderung die Möglichkeit haben, ihre Sexualität normal zu entwickeln und selbstbestimmte Entscheidungen über Verhütung zu treffen. Dabei ist es entscheidend, sie altersgerecht aufzuklären und ihnen die Tragweite ihrer Entscheidungen zu vermitteln.

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