Ursachen beschleunigten Hirntumorwachstums: Ein umfassender Überblick

Ein Hirntumor ist eine abnorme Gewebemasse, die im Gehirn wächst. Während einige Hirntumoren langsam wachsen und gutartig sind, können andere aggressiv sein und sich schnell ausbreiten. Das Wachstum eines Hirntumors kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, darunter genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und hormonelle Einflüsse. Dieser Artikel untersucht die Ursachen, die das Wachstum von Hirntumoren beschleunigen können, und bietet einen umfassenden Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse und Erkenntnisse auf diesem Gebiet.

Meningeome und hormonelle Einflüsse

Meningeome sind Hirntumoren, die aus den Hirnhäuten entstehen. Sie sind in der Regel gutartig und wachsen langsam, können aber in seltenen Fällen ernste Probleme verursachen, abhängig von ihrer Lage im Gehirn oder Rückenmark.

Ein bekannter Zusammenhang besteht zwischen Sexualhormonen und Meningeomen. Studien haben gezeigt, dass vorwiegend Frauen (und weniger Männer) ein Meningeom entwickeln und dass auch eine Schwangerschaft das Wachstum eines Meningeoms beschleunigen kann. Nach der Entbindung nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit hingegen wieder ab. In 60 bis 80 Prozent der Meningeome lassen sich zudem Progesteronrezeptoren im Tumorgewebe nachweisen, was auch von der Lokalisation des Tumors abhängt. So sollen vor allem Meningeome an der Schädelbasis über viele Progesteronrezeptoren verfügen.

Der PRAC (Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz) der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) hat Bedenken hinsichtlich der Anwendung von Hormonpräparaten mit Chlormadinon und Nomegestrol geäußert. Diese Bedenken basieren auf epidemiologischen Studien und Sicherheitsdaten, die ein erhöhtes Risiko für Meningeome bei der Anwendung dieser Gestagene zeigen. Der PRAC empfiehlt, Chlormadinon und Nomegestrol nur dann zu verordnen, wenn andere Gestagene oder Maßnahmen zur Behandlung der vorliegenden gynäkologischen Beschwerden nicht geeignet sind. Patientinnen sollten Chlormadinon und Nomegestrol in der niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzestmögliche Zeit anwenden. Patientinnen, die bereits an einem Meningeom leiden, dürfen weder Chlormadinon noch Nomegestrol erhalten. Der PRAC erachtet es als sinnvoll, wenn Patientinnen unter Chlormadinon- beziehungsweise Nomegestrol-Therapie auf typische Meningeomsymptome überwacht werden, wie Sehveränderungen, Hörverlust oder Ohrensausen, Geruchsverlust, Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Krampfanfälle und Schwäche in Armen oder Beinen. Lässt sich ein Meningeom nachweisen, müssen die Patientinnen ihre Chlormadinon- oder Nomegestrol-Therapie „dauerhaft“ absetzen.

Strahlentherapie und Tumorwachstum

Die Strahlentherapie ist eine gängige Behandlungsmethode für Hirntumoren. Das Ziel der Strahlentherapie ist immer die Zerstörung der DNA in den Tumorzellen, um deren Teilungsfähigkeit und damit deren Wachstum zu stoppen. Bei einer Strahlentherapie werden Energiepakete oder Teilchen in sogenannten Beschleunigern auf eine sehr hohe Energie gebracht, damit sie ins Gewebe eindringen und dort wirken können.

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Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, darunter die konventionelle Strahlentherapie mit Photonen und die Protonentherapie. Die Protonentherapie ist eine moderne Form der Strahlentherapie, die den Vorteil hat, dass sie nur geringen Einfluss auf gesundes Gewebe ausübt. Der Grund dafür liegt in dem fokussierten Protonenstrahl, welcher auf seinem Weg zu den kranken Tumorzellen nur wenig Energie abgibt. Sobald der Strahl den Tumor erreicht hat, stoppt er zudem schlagartig ab (Bragg Peak), wodurch das den Tumor umgebende gesunde Gewebe eine deutlich geringere Strahlenbelastung erfährt.

Obwohl die Strahlentherapie eine wirksame Behandlungsmethode für Hirntumoren sein kann, kann sie in einigen Fällen auch das Tumorwachstum beschleunigen. Dies kann auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, darunter die Entwicklung von Resistenzen gegen die Strahlung, die Aktivierung von Reparaturmechanismen in den Tumorzellen und die Schädigung des umgebenden gesunden Gewebes, was das Tumorwachstum fördern kann.

Hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF)

Es gibt Hinweise darauf, dass hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) das Wachstum bestimmter Tumoren beschleunigen können. Eine Pilotstudie des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2010 fand bei Mäusen, die mit einer nachgewiesenermaßen krebserregenden Substanz behandelt wurden, dass HF-EMF eine wachstumsfördernde Wirkung auf die sich entwickelnden Lungen- und Lebertumoren hatten, nicht jedoch für andere Tumoren. HF-EMF allein lösten keinen Krebs aus. Eine an der Jacobs Universität Bremen durchgeführte Folgestudie bestätigte die Ergebnisse der Pilotstudie: es zeigte sich eine tumorwachstumsfördernde Wirkung von HF-EMF auf den durch eine krebserregende Substanz ausgelösten Krebs. Auch hier war die tumorwachstumsfördernde Wirkung nur für Lungen- und Lebertumore sowie z.T. Lymphome, nicht jedoch Gehirn, Niere und Milz zu beobachten.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Ergebnisse auf Tierversuchen beruhen und nicht direkt auf den Menschen übertragen werden können. Die Exposition des Menschen (mit UMTS-Signalen) hat völlig andere körperinterne Feldverteilungen zur Folge (z.B. werden Lunge und Leber nicht erreicht). Zudem wurde in anderen Tiermodellen wie Ratten oder einem anderen Mausstamm keine tumorwachstumsfördernde Wirkung von HF-EMF gefunden. In der Gesamtschau der vorliegenden Studienergebnisse geht das BfS (Bundesamt für Strahlenschutz) daher nicht von einer tumorwachstumsfördernden Wirkung beim Menschen aus.

Stoffwechsel und Ernährung

Der Stoffwechsel von Tumorzellen unterscheidet sich von dem normaler Zellen. Tumorzellen haben einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen, insbesondere Zucker, um ihr schnelles Wachstum und ihre Teilung aufrechtzuerhalten. Einige Krebszellen können sich jedoch an widrige zuckerarme Nährstoffbedingungen anpassen, indem sie Mechanismen der normalen Zellen nutzen.

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Die Forschung konzentriert sich darauf, zu verstehen, wie die Zellen dies erreichen und anschließend sogar noch aggressiver werden. Eine Strategie könnte so aussehen, dass die Krebszellen einerseits „ausgehungert“ werden, indem man ihnen den überlebensnotwendigen Zucker vorenthält. Andererseits soll den bösartigen Zellen gezielt die Widerstandskraft entzogen werden, damit sie umso schneller untergehen.

Ein bestimmtes Protein scheint Tumorzellen zu stärken, die unter Nährstoffmangel leiden. Wird dieses Protein ausgeschaltet, sind sie nach kurzer Zeit dem Untergang geweiht. Untersuchungen haben gezeigt, dass im Gewebe von Glioblastom-Patienten eine ganze Reihe widerstandsfähiger Tumorzellen mit dem neu entdeckten Protein aktiv sind. Diese Zellen scheinen die schnelle Entwicklung des Tumors voranzutreiben und sind bisher auch gegen eine Chemotherapie resistent.

Weitere Faktoren

Neben den oben genannten Faktoren gibt es noch weitere Faktoren, die das Wachstum von Hirntumoren beschleunigen können, darunter:

  • Genetische Veranlagung: Einige Menschen haben eine genetische Veranlagung für die Entwicklung von Hirntumoren.
  • Umweltfaktoren: Die Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien und Strahlung kann das Risiko für die Entwicklung von Hirntumoren erhöhen.
  • Immunsystem: Ein geschwächtes Immunsystem kann das Wachstum von Hirntumoren begünstigen.

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