Mischform Migräne Cluster: Symptome, Ursachen und Behandlung

Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das fast jeder Mensch gelegentlich erlebt. Im Gegensatz dazu stellt die Migräne eine neurologische Erkrankung dar, die von Betroffenen oft als stark einschränkend empfunden wird. Wer noch nie eine Migräneattacke hatte, kann sich den damit verbundenen Leidensdruck kaum vorstellen. Aber wie erkennt man eine Migräne und welche Arten gibt es? Und wie unterscheidet sie sich von anderen Kopfschmerzarten wie dem Cluster-Kopfschmerz?

Was ist Migräne?

Die Migräne ist eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, mittelstarke bis starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Dauer und Schwere der Attacken variiert von Person zu Person. Bei einigen Patient:innen treten zusätzlich neurologische Ausfallerscheinungen auf, die als Auren bezeichnet werden. Migräneattacken können den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und ihre Lebensqualität stark mindern. Zudem kann Migräne bei einigen Patient:innen mit Begleiterkrankungen einhergehen. Typisch für eine Migräne ist, dass die Schmerzen häufig nur auf einer Kopfseite auftreten und sich bei körperlicher Aktivität verstärken.

Sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich feststellen, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.

Arten von Migräne

Die Migräne kann verschiedene Formen annehmen. Die meisten Patient:innen leiden unter einer episodischen Migräne. Die Form der Migräne wird unter anderem durch die Häufigkeit der Attacken und das Vorhandensein einer Aura bestimmt. Experten unterscheiden folgende Unterformen:

  • Migräne mit Aura: Hierbei gehen der Schmerzattacke neurologische Ausfallserscheinungen voraus. Typische Aura-Symptome sind Sehstörungen wie Flimmern, Blitze vor den Augen oder Doppelbilder. Jedes Aurasymptom entwickelt sich meist allmählich über mindestens fünf Minuten.

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  • Migräne ohne Aura: Bei dieser Form treten keine neurologischen Ausfallserscheinungen vor der Schmerzattacke auf.

  • Chronische Migräne: Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate hinweg Kopfschmerzen auftreten, die an mindestens acht Tagen die Kriterien einer Migräne erfüllen.

  • Hemiplegische Migräne: Eine seltene Form der Migräne mit Aura, die unter anderem durch Muskelschwäche gekennzeichnet ist.

Andere Kopfschmerzarten

Neben der Migräne gibt es weitere primäre Kopfschmerzarten, die keine spezifische Ursache haben:

  • Spannungskopfschmerzen: Diese werden als drückend und dumpf empfunden. Sie sind leicht bis mittelstark und betreffen meist beide Kopfseiten oder den Stirnbereich. Die Dauer kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Tagen variieren.

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  • Cluster-Kopfschmerzen: Diese treten in Episoden gehäuft auf. Der Schmerz ist sehr stark, einseitig und tritt im Bereich der Schläfe oder des Auges auf. Er wird als brennend, stechend oder bohrend empfunden.

Es ist wichtig zu wissen, dass es auch Mischformen der verschiedenen Kopfschmerzarten geben kann.

Die Mischform: Migräne und Cluster-Kopfschmerz

Eine besondere Herausforderung stellt die Diagnose dar, wenn Menschen gleichzeitig unter Migräne und Cluster-Kopfschmerzen leiden. Diese Kombination wird oft erst nach jahrelanger Odyssee erkannt, da spezialisierte Ärzt:innen diese Erkrankung oft nur schwer erkennen. Studien zeigen, dass Patienten oft 5 bis 10 Jahre auf die richtige Diagnose warten müssen. Es wird vermutet, dass diese spezielle Kopfschmerzkombination bei vielen Menschen überhaupt nie erkannt wird.

Symptome der Mischform

Die Mischform aus Migräne und Cluster-Kopfschmerz äußert sich durch das gleichzeitige Auftreten von Symptomen beider Erkrankungen. Dies kann die Diagnose erschweren, da die Symptome sich überlappen und untypisch erscheinen können. Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Anfallsartige, starke Kopfschmerzen, meist einseitig
  • Pulsierende, hämmernde oder pochende Schmerzen
  • Schmerzen im Bereich der Schläfe oder des Auges
  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Autonome Symptome wie tränendes Auge, verstopfte Nase, Schwitzen im Gesicht

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen für die Mischform aus Migräne und Cluster-Kopfschmerz sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Auch die komplexen Prozesse, die bei einem Anfall im Gehirn stattfinden, sind noch nicht vollständig erforscht.

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Bekannt ist, dass bei einer Migräne bestimmte Nervenzellen im Hirnstamm und im Mittelhirn besonders aktiv sind. Dies kann zu schmerzhaften entzündlichen Reaktionen führen, bei denen verschiedene Hirnbotenstoffe (Neurotransmitter) und Entzündungs-Botenstoffe freigesetzt werden. Ein wichtiger Botenstoff ist das CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), ein Neuropeptid, das eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Migräneschmerzen spielt. Auch der Botenstoff Serotonin spielt eine Rolle, dessen Konzentration im Blut mit dem weiblichen Zyklus schwankt.

Eine Reihe von inneren und äußeren Faktoren können bei Migränepatient:innen das Auftreten einer Migräne-Attacke begünstigen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruation)
  • Bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Käse, Schokolade, Rotwein)
  • Wetterwechsel
  • Reize wie Lärm, grelles Licht oder starke Gerüche

Auch ein Übergebrauch von Schmerzmedikamenten kann die Migräne verschlimmern.

Diagnose

Die Diagnose der Migräne und insbesondere der Mischform mit Cluster-Kopfschmerz basiert hauptsächlich auf der Anamnese, also dem Gespräch mit dem Arzt über die Art, Schwere und Häufigkeit der Symptome und Attacken. Da es keine spezifischen Labor-Tests oder Scans gibt, mit denen eine Migräne festgestellt werden kann, ist das Gespräch das wichtigste Diagnosekriterium.

Um dem Arzt ein genaues Bild der Beschwerden zu vermitteln, ist es hilfreich, ein Migräne-Tagebuch zu führen. Darin werden die Symptome, der Zeitpunkt des Auftretens sowie die Schwere der Attacken über mehrere Wochen festgehalten. Auch Informationen über eingenommene Medikamente und deren Wirkung sollten notiert werden.

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie eine Computer- oder Kernspintomografie des Kopfes sinnvoll sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen zielt darauf ab, die Schmerzen und Begleitsymptome während einer akuten Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Attacken langfristig zu reduzieren. Es gibt sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Therapieansätze.

Akuttherapie

In der Akuttherapie geht es darum, die Schmerzen und Begleiterscheinungen während einer Migräne-Attacke schnell und effektiv zu lindern. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelstarken Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.

  • Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräne entwickelt worden und wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen hemmen. Triptane sind als Tabletten, Nasensprays oder Injektionen erhältlich. Bei Cluster-Kopfschmerzen werden schnell wirksame Darreichungsformen wie Nasensprays oder Injektionen bevorzugt.

  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingenommen werden.

Bei Cluster-Kopfschmerzen kann auch die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Maske helfen, die Schmerzen zu lindern.

Prophylaxe

Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Migräneattacken zu reduzieren. Hierfür kommen verschiedene Medikamente in Frage:

  • Betablocker: Diese Medikamente werden eigentlich zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.

  • Antidepressiva: Einige Antidepressiva, insbesondere Amitriptylin, haben sich als wirksam in der Migräneprophylaxe erwiesen.

  • Antiepileptika: Topiramat und Valproinsäure sind Antiepileptika, die ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können.

  • CGRP-Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente blockieren die Wirkung des Botenstoffs CGRP und können die Häufigkeit von Migräneattacken deutlich reduzieren.

  • Kalziumantagonisten: Verapamil, ein Kalziumantagonist, wird häufig zur Prophylaxe von Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt.

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe beitragen:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein stabiler Schlafrhythmus kann helfen, Migräneattacken vorzubeugen.

  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser von Migräne. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga können helfen, Stress abzubauen.

  • Ausdauersport: Regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren, kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und das Vermeiden von bekannten Triggern können ebenfalls zur Migräneprophylaxe beitragen.

Weitere Behandlungsansätze

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen, die oft mit Migräne einhergehen, können weitere Behandlungsansätze sinnvoll sein:

  • Physiotherapie: Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich können Kopfschmerzen verstärken. Physiotherapie kann helfen, diese Verspannungen zu lösen.

  • Psychotherapie: Chronische Schmerzen können zu psychischen Problemen wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen führen. Eine Psychotherapie kann helfen, diese Probleme zu bewältigen und den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern.

  • Biofeedback: Diese Methode kann dem Erkrankten verdeutlichen, wie seine Muskeln auf eine belastende Situation reagieren. Dabei zeigt ihm ein Monitor den Spannungszustand seiner Muskulatur an.

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Chronische Spannungskopfschmerzen bringen oft Schlaflosigkeit, Angststörungen, Unruhe, Abgeschlagenheit und Stimmungsschwankungen mit sich. Daher kann eine Psychotherapie als Begleitung sinnvoll sein.

Mythen über Migräne

Über die Migräne kursieren viele Geschichten, insbesondere von Menschen, die nicht selbst unter der Erkrankung leiden. Hier sind einige der häufigsten Mythen:

  • Migräne ist eine „Ausrede“ bei schlechter Laune: Falsch. Migräne ist eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung.

  • Migräne ist Frauensache: Falsch. Obwohl Frauen häufiger betroffen sind als Männer, können auch Männer an Migräne leiden.

  • Handystrahlung löst Migräne aus: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Handystrahlung Migräne auslöst.

  • Schokolade löst Migräne aus: Das lässt sich so nicht sagen. Studien haben gezeigt, dass Schokolade nur von einem geringen Prozentsatz der Teilnehmenden als Migräne-Auslöser genannt wurde.

  • „Einmal Migräne, immer Migräne“: Das stimmt so nicht, denn eine Migräne ist wandelbar. Die Schmerzhäufigkeit kann sich mit den Jahren verändern.

Was Sie selbst tun können

Neben der ärztlichen Behandlung können Sie selbst einiges tun, um Ihre Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen zu lindern:

  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Notieren Sie, wann die Schmerzen auftreten, wie stark sie sind und welche Begleitsymptome auftreten. So können Sie mögliche Auslöser identifizieren.

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