MMS-Studien bei Alzheimer: Fortschritte und Fallbeispiele

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist. Die Forschung zu Alzheimer ist ein dynamisches Feld, das ständig neue Erkenntnisse und Therapieansätze hervorbringt. In diesem Artikel werden wir uns mit der Rolle des Mini-Mental-Status-Tests (MMST) in Alzheimer-Studien befassen und Fallbeispiele der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS) vorstellen.

Der Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ein Überblick

Der Mini-Mental-Status-Test (MMST), oft auch als MMS-Test bezeichnet, ist ein weit verbreiteter und standardisierter Kurztest zur Beurteilung kognitiver Funktionen. Er dient als Screening-Verfahren zur Früherkennung von Demenzen, insbesondere der Alzheimer-Krankheit. Der MMST erfasst verschiedene Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit, darunter:

  • Orientierung (Zeitliche und räumliche Orientierung)
  • Gedächtnis (Merkfähigkeit und Erinnerungsvermögen)
  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Sprache
  • Visuell-räumliche Fähigkeiten

Der Test besteht aus einfachen Fragen und Aufgaben, die alltägliche Denkprozesse abbilden sollen. Die Testperson soll sich beispielsweise drei Begriffe merken, einfache Rechenaufgaben lösen oder das aktuelle Datum nennen. Typisch für die Aufgaben und Fragen ist, dass sie von Menschen ohne kognitive Einschränkungen meist mühelos beantwortet werden können, während Menschen mit einer beginnenden Demenz sich mit der Beantwortung deutlich schwerer tun.

Durchführung und Auswertung des MMST

Das etwa 10- bis 15-minütige Interview wird ausschließlich von Ärzten bzw. geschultem medizinischen Fachpersonal durchgeführt, zum Beispiel in einer Hausarztpraxis, einer neurologischen Praxis oder einer Gedächtnisambulanz. In Gedächtnisambulanzen arbeiten Fachleute, die auf die Abklärung von Gedächtnisstörungen spezialisiert sind.

Am Schluss rechnet der Untersucher alle Punkte zusammen, die der Patient bei den verschiedenen Aufgaben erzielt hat (Maximum: 30 Punkte). Die Auswertung erfolgt anhand folgender Richtwerte:

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  • 20 - 26 Punkte: leichte Alzheimer-Demenz
  • 10 - 19 Punkte: mittelschwere Alzheimer-Demenz
  • < 10 Punkte: schwere Alzheimer-Demenz

Grenzen des MMST

Obwohl der MMST ein nützliches Instrument zur Früherkennung von Demenzen ist, hat er auch einige Einschränkungen:

  • Sensitivität: Der MMST ist wenig sensitiv gegenüber geringen kognitiven Defiziten. Leichte kognitive Beeinträchtigungen lassen sich damit nur schwer feststellen.
  • Bildungsniveau: Bei Menschen mit hohem Bildungsstand kann der MMST leicht zu falsch-negativen Ergebnissen führen (also dass eine Demenz nicht erkannt wird). Umgekehrt kann es bei Patienten mit niedrigem Bildungsstand schnell zu einem falsch-positiven Ergebnis kommen.
  • Differenzierung: Der MMST erlaubt keine differenzierte Beurteilung der verschiedenen kognitiven Fähigkeiten. Er wird deshalb oft mit weiteren Testverfahren kombiniert.
  • Beeinflussbarkeit: Bildungsniveau, Muttersprache, psychische Belastungen oder andere Erkrankungen können das Ergebnis beeinflussen. Auch Tagesform oder persönliche Anspannung können eine Rolle spielen.
  • Spezifische Demenzformen: Bei bestimmten Demenzformen wie der Frontotemporalen Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz kann der MMST unauffällig ausfallen, obwohl kognitive Veränderungen bestehen.

MMST in der Demenz-Früherkennung

Trotz seiner Schwächen ist der MMST ein wertvolles Instrument in der Demenz-Früherkennung. Er ermöglicht es, kognitive Defizite frühzeitig zu erkennen und weitere diagnostische Maßnahmen einzuleiten.

Dr. Volker von der Damerau-Dambrowski aus Stade betonte, dass jeder Hausarzt den Mut zu einer frühzeitigen Diagnostik haben sollte. Nach Angaben des Allgemeinmediziners und Psychotherapeuten liegt die diagnostische Sicherheit von Screening-Verfahren wie dem Uhren-Test, dem Test DemTect® und dem Mini-Mental Status Test (MMST) bei 80 bis 90 Prozent.

Damerau-Dambrowski sprach sich auch für regelmäßige Verlaufskontrollen der Betroffenen durch psychometrische Testverfahren alle sechs Monate aus.

In der Kommunikation mit Demenz-Kranken hat Damerau-Dambrowski gute Erfahrungen mit der ABC-Regel nach Jennie Powel gemacht. Negative Emotionen sollten vermieden werden. Humor, eine farbenfrohe und schöne Umgebung im Sprechzimmer sowie ein Gefühl der Geborgenheit erleichtern dagegen die Kommunikation. Die Sprache sollte klar und einfach sein, die Sätze kurz. Keinesfalls dürften Fragen "im Staccato" gestellt werden, betonte Gertz. Im Gespräch mit den Angehörigen sollten keine unrealistischen Erwartungen hinsichtlich der Therapie geweckt werden. Sie müßten lernen, die Alzheimer-Krankheit zu akzeptieren. Auch habe es keinen Zweck, den Patienten etwas beibringen zu wollen, sagte Gertz.

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Transkranielle Pulsstimulation (TPS): Neue Hoffnung für Alzheimer-Patienten?

Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS) ist ein relativ neues, nicht-invasives Verfahren zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Dabei werden kurze, hochenergetische Ultraschallimpulse durch den Schädelknochen ins Gehirn abgegeben. Diese Impulse sollen die Durchblutung und den Stoffwechsel im Gehirn anregen und die Bildung neuer Nervenzellen fördern.

Dr. med. Dr. med. Henning Lohse-Busch, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin in der Rheintalklinik in Bad Krozingen und wissenschaftlicher Wegbereiter sowie Mitentwickler der Transkraniellen Pulsstimulation (TPS), hat Fallbeispiele aus seiner Klinik zur Verfügung gestellt, die vielversprechende Ergebnisse zeigen.

Fallbeispiele aus der Rheintalklinik Bad Krozingen

Die folgenden Fallbeispiele basieren auf den von Dr. Lohse-Busch zur Verfügung gestellten Informationen. Es ist wichtig zu beachten, dass es sich um Einzelfallberichte handelt und keine randomisierten, kontrollierten Studien. Die Ergebnisse sollten daher mit Vorsicht interpretiert werden.

Fallbeispiel 1:

  • Patientin: (Angaben aus Diagramm)
  • MMST vor TPS: 60%
  • MMST 1 Jahr nach TPS: 73%
  • Weitere Beobachtungen: Vor den Behandlungen hatte die Patientin sehr ausgeprägte Weglauftendenzen, so dass sie tags und nachts unter Aufsicht sein musste. Nach der 2-wöchigen Behandlungsserie mit TPS lief sie kaum noch von zu Hause weg. Ihr Ehemann konnte sie für begrenzte Zeit durchaus allein in der Wohnung lassen, ohne sie hernach im ganzen Dorf suchen zu müssen.

Fallbeispiel 2:

  • Patient:
  • Beobachtungen: Die vormalig schwer erträglichen Aggressionen gegen Familienmitglieder und Fremde seien bei allfälligen Meinungsverschiedenheiten deutlich milder geworden. Vor allen Dingen ließe er sich durch guten Zuspruch sofort beruhigen. Man könne, so seine Frau, mit ihm wieder unter Menschen gehen. Der Patient irre sich gegenüber früher seltener beim Finden der Wege. Die Ehefrau meint, er würde jetzt auch allein nach Hause finden.

Fallbeispiel 3:

  • Patient: Ehemaliger Verwaltungsdirektor eines Krankenhauses
  • Beobachtungen: Der Patient ist außerordentlich zufrieden. Er kann wieder Zeitungen oder Bücher lesen, dabei den Sinn erfassen und anschließend selbst reflektieren. Vorher sei es schwierig gewesen, Dinge zu behalten, die 2-3 Absätzen weiter oben beschrieben worden waren. Er irre sich nicht mehr bei der Auswahl der richtigen Straßenbahn.

Fallbeispiel 4:

  • Patient:
  • Beobachtungen: Der Patient hatte schwere Wortfindungsstörungen und konnte sich nicht örtlich orientieren, so dass er nur begleitet auf die Straße gehen konnte. Nach den Behandlungen kommt er allein mit einem Taxi, das er sich telefonisch selbst bestellt hat und findet sich ohne Schwierigkeiten in der Klinik zurecht. Er kann wie früher mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahren und problemlos wieder heimfinden. Das habe er über 3 Jahre nicht mehr gekonnt, ohne sich zu verirren. Die Wortfindungsstörungen seien immer noch störend aber doch deutlich milder, sodass durchaus einige Sätze fehlerfrei formuliert werden können. Er könne wieder alles sagen, was er wolle, auch wenn es bisweilen recht umständlich sei, weil er viele Begriffe umschreiben müsse. Immerhin könne er das aber wieder. Das Ergebnis ist über 1 Jahr stabil.

Fallbeispiel 5:

  • Patientin:
  • Beobachtungen: Sie sei vor den Behandlungen immer schweigsamer geworden und habe sich zunehmend isoliert. Nach den Behandlungen traue sie sich wieder, an Gesprächen mit sinnvollen Kommentaren teilzunehmen. Der Ehemann berichtet, dass sie zunehmend wieder selbstständig Arbeiten im Haushalt und Garten verrichte. Das vormals sehr störende distanzlose erotische Verhalten gegenüber anderen Männern käme nur noch selten vor.

Fallbeispiel 6:

  • Patientin: Bäuerin
  • Beobachtungen: Die Bäuerin merkt selbst, dass sich ihre kognitiven Leistungen verbessert haben. Sie habe zwar noch deutliche Defizite, käme aber doch im täglichen Leben und bei der Arbeit wieder gut zurecht. Sie ist dafür sehr dankbar. Ihr Ehemann berichtet, sie sei früher sehr humorvoll gewesen. Zwischenzeitlich hätte sie aber eine Art „Humor“ entwickelt, die außer ihr selbst niemand verstanden habe. Sie habe jetzt aber wieder zum alten Zustand zurückgefunden. Sie habe wieder „den Schalk im Nacken“. Zum Erstaunen der Familie habe sie wieder spontan begonnen, Akkordeon zu spielen. Das habe sie mindestens 2 Jahre vor Behandlungsbeginn nicht mehr gekonnt. Der Befund ist über 12 Monate stabil.

Fallbeispiel 7:

  • Patient: Ehemaliger Journalist
  • Beobachtungen: Der ehemalige Journalist hatte wegen seiner Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen seine Arbeit als Redakteur aufgeben müssen. Im Verlauf weniger Monate nach Beginn der TPS-Serie bemerkte er eine deutliche und stabile Verbesserung seiner kognitiven Leistungen. Inzwischen hat er sich an das Dasein als Frührentner mit all seinen Freiheiten gewöhnt und hat Sorge, dass man ihm wegen der Verbesserung seiner Hirntätigkeit die Rente streichen würde. Der Befund ist über 12 Monate stabil.

Fallbeispiel 8:

  • Patientin:
  • Beobachtungen: Nach den TPS beobachtete der Ehemann ein erfreuliches Nachlassen des häuslichen aggressiven Verhaltens und eine deutliche Verbesserung des Orientierungssinnes und der Gedächtnisleistungen. Wenn sie sich aufrege könne er sie wieder mit einfachen Worten beruhigen. Die Patientin selbst hält sich nach wie vor für gesund und leistungsfähig. Zur Behandlung kommt sie, weil sie sich gern für die Forschung zur Verfügung stelle und damit anderen Personen helfen könne. Man brauche schließlich ja auch gesunde Personen dazu…. Der Befund ist über 12 Monate stabil.

Fallbeispiel 9:

  • Patientin:
  • Beobachtungen: Nach der Behandlungsserie blühte die Patientin sichtlich auf. Sie wurde gesprächig und entwickelte nach Aussage des Sohnes einen selbstkritischen, hintersinnigen Galgenhumor in Bezug auf ihren Zustand. Die Verbesserungen ihrer Gedächtnisleistungen vermerkt sie selbst mit großer Dankbarkeit. Der Pfarrer ließe sie wieder die Kirchenzeitung austragen, weil sie sich dabei nicht mehr verirre. Sie sei allerdings nicht in der Lage, die Zutaten für Backwaren zusammen zu stellen. Die eigentlichen handwerklichen Fähigkeiten seien nach Aussage ihres Sohnes aber wieder vorhanden, wenn man ihr die Zutaten hinstelle. Sie habe wieder begonnen, ihren Körper zu pflegen, das Gesicht zu schminken etc. Vor den Behandlungen habe ihr Sohn sie an die Körperhygiene erinnern müssen. Der Befund ist über 12 Monate stabil.

Fallbeispiel 10:

  • Patient:
  • Beobachtungen: Nach der Behandlungsserie hätten die Gedächtnisleistungen subjektiv deutlich zugenommen. Orientierungsstörungen habe er gar nicht mehr, so dass er ohne die Angst, evtl. nicht mehr heimzufinden, wieder allein spazieren gehen, oder mit dem Bus in die Stadt fahren könne.

Fallbeispiel 11:

  • Patient:
  • Beobachtungen: Nach der TPS-Serie berichtet der Patient selbst, dass er sich die Dinge besser merken könne und es ihm insgesamt irgendwie besser ginge. Er habe auch keine Orientierungsstörungen mehr. Seine Ehefrau berichtet, dass er seinen alten Humor wiedergefunden habe.

Fallbeispiel 12:

  • Patient:
  • Beobachtungen: Er kam ursprünglich wegen einer distalen symmetrischen Polyneuropathie unbekannter Ursache. Bei der Erhebung der Anamnese ließ er jeweils seine Ehefrau antworten, bevor er widerwillig auf meine Aufforderung hin selbst antwortete. Es zeigten sich erhebliche Wortfindungsstörungen, die mit teilweise recht bizarren semantischen Intrusionen umschrieben und dann als „Scherz“ deklariert wurden. Störungen zur örtlichen Orientierung (nicht nach Hause finden) habe es mehrmals gegeben. Er fände auch nach dem Einkauf im Supermarkt das geparkte Auto meistens nicht mehr. Das sehr häufige Verlegen von Gegenständen des täglichen Bedarfs sei unangenehm. Es wurden auch depressive Verstimmungen eingeräumt. Der Patient war sich seines Zustandes bewusst. Nach der 3. Behandlung wurden die Verbesserungen nicht nur durch die Ehefrau bemerkt, sondern waren auch für den behandelnden Arzt offenkundig. Der Patient beteiligte sich wieder lebhaft an den Gesprächen, machte Scherze, hatte spontane Einfälle und deutlich weniger Wortfindungsstörungen. Den erwachsenen Kindern des Patienten war aufgefallen, dass ihr Vater seinen alten, hintergründigen Humor wiedergefunden hätte. Die Ehefrau behauptete, ihr Mann sei wieder „der alte“. Sein Gedächtnis und seine Orientierung seien wieder „wie früher“. Dieser Patient kam in der 2. Woche der Behandlungsserie nicht mehr in Begleitung der Ehefrau, sondern mit seinem Auto allein.

Interpretation der Fallbeispiele

Die Fallbeispiele zeigen, dass die TPS bei einigen Alzheimer-Patienten zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungen, des Verhaltens und der Lebensqualität führen kann. Die Patienten berichteten von einer besseren Orientierung, einem verbesserten Gedächtnis, weniger Aggressionen und einer gesteigerten Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Ergebnisse der TPS-Behandlung individuell unterschiedlich sein können. Nicht alle Patienten profitieren von der Therapie, und bei einigen Patienten können Nebenwirkungen auftreten.

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Weitere Forschung zur TPS

Um die Wirksamkeit und Sicherheit der TPS bei Alzheimer-Patienten besser beurteilen zu können, sind weitere randomisierte, kontrollierte Studien erforderlich. Diese Studien sollten die langfristigen Auswirkungen der TPS untersuchen und die optimalen Behandlungsparameter ermitteln.

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