Morbus Handel Krampfanfall Ursachen: Ein umfassender Überblick

Epileptische Anfälle, oft auch als Krampfanfälle bekannt, sind ein vielschichtiges neurologisches Phänomen mit vielfältigen Ursachen und Erscheinungsformen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Krampfanfällen, insbesondere im Zusammenhang mit Epilepsie, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose, Behandlung und Erste Hilfe Maßnahmen.

Was ist ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns, die durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen verursacht wird. Diese Entladung kann sich auf unterschiedliche Weise äußern, von kurzen Aussetzern bis hin zu heftigen Krämpfen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Krampfanfall gleichbedeutend mit einer Epilepsie ist.

Dr. Rakicky erklärt: „Eine Epilepsie entsteht durch Hirnveränderungen, bei denen die elektrische Erregbarkeit erhöht ist. Ihre Ursache ist vielfältig, aber oft nicht eindeutig.“

Vielfalt der Erscheinungsformen

Die Erscheinungsformen eines epileptischen Anfalls variieren je nach Ursprungsort im Gehirn erheblich. Sie reichen von:

  • Absencen: Wenige Sekunden andauernde Aussetzer des Bewusstseins.
  • Zuckungen: Lokalisierte Zuckungen einer Extremität.
  • Komplexe Anfälle: Bewegungs- und Bewusstseinseinschränkungen.
  • Generalisierte tonisch-klonische Anfälle: Der eindrücklichste Form des Krampfanfalls, früher „Grand mal“ genannt. Er besteht aus einer tonischen Phase, in welcher sich die Muskeln versteifen und der Patient ohne jegliche Schutzreflexe plötzlich stürzt. Hierbei kann es zu einem Versteifen der Atemmuskulatur kommen, wodurch ein kurzzeitiger Atemstillstand entsteht. Im Anschluss folgt die klonische Phase mit Zuckungen der gesamten Körpermuskulatur, sichtbar vor allem an den Extremitäten.

Die Unterscheidung: Gelegenheitsanfall vs. Epilepsie

„Jeder Zehnte erlebt bis zu seinem 80. Lebensjahr einmal einen epileptischen Anfall. Er ist also keineswegs eine Seltenheit“, sagt der Neurologe aus Helmstedt. „Ein einzelner epileptischer Anfall bedeutet jedoch nicht, dass eine Epilepsie besteht. Etwa ein Prozent der Deutschen hat eine aktive Epilepsie. Die Diagnose hängt insbesondere von der Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anfalls ab.“

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Ein einzelner Anfall, der im Kontext einer anderen akuten Erkrankung auftritt, wird als akut symptomatischer Anfall (früher auch provozierter oder Gelegenheitsanfall) bezeichnet. Hierzu zählen beispielsweise Fieberkrämpfe bei kleinen Kindern. Von einer Epilepsie spricht man definitionsgemäß erst dann, wenn es wiederholt zu epileptischen Anfällen ohne spezifischen und vermeidbaren Auslöser kommt.

Ursachen von Gelegenheitsanfällen

  • Akute Erkrankungen des Gehirns (z.B. Hirnabszess)
  • Schwere Kopfverletzungen
  • Sauerstoffmangel des Gehirns
  • Überdosierung von Medikamenten
  • Alkoholgenuss
  • Drogenkonsum
  • Schlafmangel
  • Fieber

Die Krampfanfälle hören auf, wenn die eindeutigen Auslöser bzw. akuten Ursachen behandelt oder vermieden werden.

Ursachen von Epilepsie

Die Entstehung einer epileptischen Erkrankung ist vielfältig. Die Herausforderung besteht darin, eine möglichst eindeutige Ursache oder Auslöser zu identifizieren. Bei etwa 80 % gelingt durch entsprechende qualifizierte und manchmal aufwändige Untersuchungen eine Zuordnung zu einem spezifisch definierten Epilepsiesyndrom, einem fokalen Epilepsiesyndrom oder einem generalisierten (genetisch bedingten) Epilepsiesyndrom.

Mögliche Ursachen für Epilepsie sind:

  • Hirnschädigungen: Nach Schädel-Hirn-Trauma, Operationen oder Bestrahlungen am Kopf.
  • Hirntumoren und Hirnmetastasen: Raumforderungen im Gehirn.
  • Erhöhter Hirndruck: Zunahme des Drucks innerhalb des Schädels.
  • Entzündungen: Entzündliche Prozesse im Gehirn.
  • Stoffwechselerkrankungen: Erkrankungen, die sich auf die Funktion der Gehirnzellen auswirken.
  • Genetische Veranlagung: In manchen Familien tritt Epilepsie gehäuft auf.
  • Spätfolgen: Als Spätfolge einer Schädelverletzung oder einer angeborenen Veränderung des Gehirns erst Jahre nach dem Ereignis entwickeln.
  • Unbekannte Ursachen: Bei anderen Epilepsieformen findet man in den verschiedensten Untersuchungen gar keine auffälligen Veränderungen.

Diagnose von Epilepsie

Um eine Epilepsie diagnostizieren zu können, bedarf es genauer Informationen zum Ablauf des Anfalls. Betroffene haben häufig keine Erinnerung daran. Hier setzt Dr. Laien sind meist unsicher, wenn sie einen epileptischen Anfall miterleben.

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Nach einem erstmaligen epileptischen Anfall sollte grundsätzlich eine ausführliche diagnostische Abklärung von erfahrenen Ärzten erfolgen. Die Fachärztin oder der Facharzt erhebt zunächst Ihre Krankheitsgeschichte (Anamnese) und Sie sollten ausführlich und möglichst genau den Verlauf des Anfallsereignis, mögliche Auslöser und auch Grunderkrankungen schildern.

Wichtige diagnostische Maßnahmen sind:

  • Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte und des Anfallsverlaufs.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Misst die Hirnströme und zeigt, ob eine Neigung zu epileptischen Anfällen besteht. Mithilfe eines Langzeit-Video-EEGs lassen sich möglicherweise Anfälle erfassen.
  • Bildgebung des Gehirns: Computertomogramm (CCT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zur Darstellung neurologischer Veränderungen.
  • Blutuntersuchungen: Zum Aufspüren möglicher Ursachen für den Krampfanfall.
  • Psychologische und/oder psychiatrische Untersuchung: Um psychogene Anfälle zu differenzieren.
  • EKG: Um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Genetische Testung: Manchmal wird eine genetische Testung veranlasst.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Laien sind meist unsicher, wenn sie einen epileptischen Anfall miterleben. Der Neurologe versichert: „Das richtige Verhalten ist gar nicht so kompliziert.“ Grundsätzlich ist es am wichtigsten, Ruhe zu bewahren und die betroffene Person nicht allein zu lassen - auch nicht, um Hilfe zu holen.

Dr. Rakicky zur Ersten Hilfe bei einem Anfall:

  • Ruhe bewahren: Panik vermeiden und die betroffene Person nicht allein lassen.
  • Schutz vor Verletzungen: Patienten sollten vor Verletzungen geschützt und aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. „Wichtig ist, auf den Kopf zu achten und möglichst eine Jacke oder ein Kissen darunter zu legen.“
  • Nicht festhalten: Auf keinen Fall sollten Betroffene während ihres Anfalls festgehalten oder zu Boden gedrückt werden.
  • Atemwege freihalten: Die Atemwege seien zudem möglichst freizuhalten - zum Beispiel durch eine Seitenlagerung. Sitzt die Kleidung am Hals eng, sollte sie gelockert werden. Nach dem Anfall ist es wichtig, die Atemwege zu kontrollieren.
  • Notruf bei Atemproblemen oder längerem Anfall: Bestehen Atemprobleme, muss der Notarzt gerufen werden. „Dauert ein epileptischer Anfall nämlich länger als fünf Minuten, handelt es sich um einen Notfall und ein Notarzt muss gerufen werden.“
  • Dauer des Anfalls dokumentieren: „Schauen Hilfeleistende während des Anfalls auf die Uhr, können sie dessen Dauer für den behandelnden Arzt dokumentieren.“
  • Notfallmedikament: Manche Menschen mit Epilepsie tragen ein Notfallmedikament bei sich.
  • Notfallausweis: Erlebt man einen Krampfanfall bei einer fremden Person mit, so kann es sinnvoll sein, die Taschen der Betroffenen nach einem Notfallausweis zu durchsuchen.

Was man NICHT tun sollte:

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  • Keine Gegenstände in den Mund stecken: Auf keinen Fall sollten Betroffene während ihres Anfalls festgehalten oder zu Boden gedrückt werden. Die Atemwege seien zudem möglichst freizuhalten - zum Beispiel durch eine Seitenlagerung. Sitzt die Kleidung am Hals eng, sollte sie gelockert werden. Nach dem Anfall ist es wichtig, die Atemwege zu kontrollieren.

Behandlung von Epilepsie

Bei einem einzelnen Anfall mit bekanntem Auslöser (akut symptomatischer Anfall) ist keine Behandlung erforderlich. Bei dieser Konstellation kommt es auf die sachgerechte Behandlung und zukünftige Vermeidung der anfallsauslösenden Störung bzw.

Bei gesicherter Diagnose einer Epilepsie kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz, sogenannte Antiepileptika. Sie haben die Aufgabe, die überschießende Nervenzellenaktivität im Gehirn zu hemmen. Ihre Einnahme erfolgt meist über viele Jahre und bedarf in Abhängigkeit der Kontrolle der Anfallsereignisse gelegentlich entsprechender Anpassungen. Oberstes Ziel der medikamentösen Behandlung ist eine dauerhafte Anfallsfreiheit, die bei ca. 60-70 %, in Abhängigkeit des Epilepsiesyndroms, auch gelingt. Weitere 10-20 % werden mit einer Kombinationstherapie anfallsfrei.

Medikamentöse Therapie

  • Antiepileptika: Medikamente, die die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn reduzieren. Die Auswahl der Medikamente erfolgt individualisiert auf den Patienten bzw. die Patientin bezogen unter Berücksichtigung des Epilepsiesyndroms und potenzieller Nebenwirkungen.

Chirurgische Therapie

Für Menschen, die an einer sogenannten pharmakoresistenten fokalen Epilepsie leiden (nach 2 Jahren keine Anfallsfreiheit trotz mindestens 2 Medikamenten in ausreichend hoher Dosierung), sollte möglichst rasch geprüft werden, ob gegebenenfalls durch eine operative Behandlung die Heilung bzw. eine Verbesserung der Anfallssituation möglich ist. Bei operativen Therapieverfahren wird versucht, das anfallsauslösende Hirnareal zunächst klar zu definieren, um es dann, wenn keine schweren Folgeschäden zu erwarten sind, neurochirurgisch (Resektion) zu entfernen.

Weitere Therapieformen

  • Vagus Nerv Stimulator: Ein schrittmacherähnliches Aggregat wird unter die Haut im Brustbereich implantiert und gibt elektrische Impulse an den Vagusnerv ab, um die Überaktivität des Nervensystems zu hemmen.
  • Tiefe Hirnstimulation: Das Einbringen einer oder mehrerer hauchdünner Sonden in bestimmte Hirnareale im Gehirn, um die übererregbaren Zentren zu hemmen.

Komorbidität und besondere Aspekte

Unabhängig von den Anfällen leiden viele Erkrankte an weiteren Beschwerden. Dazu zählen etwa Schlafstörungen, permanente Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme.

Die psychische Gesundheit hängt bei Menschen, die an einer Epilepsie leiden, in hohem Maße von der Anfallsschwere, Anfallsfrequenz und dem Anfallstyp ab.

Epilepsie und neurodegenerative Erkrankungen

Klinische Daten deuten darauf hin, dass neurodegenerative Erkrankungen eine erhöhte Inzidenz von Epilepsie aufweisen. Insbesondere weisen Alzheimer (AD)-Patienten eine höhere Prävalenz von Krampfanfällen auf als ihre demenzfreien Altersgenossen. Auch bei Morbus Parkinson (MP) wurde ein erhöhtes Anfallsrisiko beschrieben, wobei man davon ausgeht, dass Entzündungen die Verbindung zwischen beiden Krankheiten darstellen. Und bei Multipler Sklerose (MS) deuten Daten auf eine drei- bis sechsfach höhere Prävalenz als in der Allgemeinbevölkerung hin.

Besonderes Augenmerk im Erwerbsleben

Besonderes Augenmerk ist auf Epilepsiepatient:innen im Erwerbsleben zu richten. Aufgrund individueller Risiken und Gefährdungslagen können sowohl hinsichtlich einer Eigen-, als auch Fremdgefährdung nachhaltige Einschränkungen im Erwerbsleben auftreten oder bestehen. Vor diesem Hintergrund besteht im Vergleich zu anderen chronischen Erkrankungen ein deutlich höheres Risiko für frühzeitige Erwerbsminderung oder Arbeitslosigkeit.

Rehabilitation

Wenn körperliche oder mentale Einschränkungen bestehen, Probleme beim Umgang mit der Erkrankung oder gar die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden ärztlichen Fachpersonal über die Möglichkeit einer neurologischen Rehabilitation mit Schwerpunkt Epilepsie sprechen. erfolgen über den behandelnden Arzt bzw. die behandelnde Ärztin (am besten Neurolog:in) mit Begründung, weshalb, mit welchem Ziel und ob sie als Patient:in in der Lage sind, eine Rehabilitationsmaßnahme durchzustehen.

Schwerpunkt der Rehabilitationsmaßnahme sind Minderung von Funktionseinschränkungen sowohl im Bereich der Hirnleistung (Gedächtnis, Aufmerksamkeit etc.) aber auch bei körperlichen Einschränkungen sowie bei Problemen im Umgang mit der Erkrankung und bei komplexen sozialmedizinischen und beruflichen Fragestellungen.

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