Wirksamkeit von Gruppentherapie bei Morbus Parkinson

Einführung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Zu den häufigsten Symptomen gehören Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamte Bewegungen, Gleichgewichtsstörungen, Depressionen, Angstzustände und kognitive Beeinträchtigungen.

Die Behandlung von Morbus Parkinson zielt in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Neben medikamentösen Therapien spielen auch nicht-medikamentöse Ansätze eine wichtige Rolle. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Psychotherapie. In den letzten Jahren hat die Gruppentherapie zunehmend an Bedeutung gewonnen, da sie eine Reihe von Vorteilen bietet, die über die individuellen Therapieansätze hinausgehen.

Multidisziplinäre Ansätze in der Parkinson-Behandlung

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Parkinson und andere Bewegungsstörungen sind vielschichtige Erkrankungen, deren Auswirkungen auf Psyche, Teilhabe und Lebensqualität durch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen gelindert werden können. Der Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe und eine kollegiale Kommunikation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen sind notwendig, damit dies gelingen kann. Auf dem Parkinson-Kongress werden aktuelle Entwicklungen in der spezialisierten Pflege und den aktivierenden Therapien diskutiert.

Kognitive Störungen und psychologische Therapie

Das Thema kognitive Störungen ist bei Menschen mit Parkinson besonders brisant. In diesem Bereich gibt es aufgrund der bislang nur unzureichend angebotenen Interventionen eine erhebliche Versorgungslücke. Eine Gruppentherapie, die aus kognitiven Übungen, Biografiearbeit, Realitätsorientierung sowie Bewegungs- und Entspannungsübungen zusammengesetzt ist, kann eine indirekte Methode zur Stimulation der kognitiven und sozialen Fähigkeiten darstellen. Künftig werden auch kognitiv-physische Interventionen und innovative Hirnstimulationstechniken das Behandlungsspektrum im Bereich kognitiver Störungen bereichern.

Physiotherapie und körperliche Aktivierung

Neben Interventionen zum Training der Kognition hat auch die körperliche Aktivierung das Potenzial, die Lebensqualität von Menschen mit Parkinson positiv zu beeinflussen. Hierzu sollten schon in der Frühphase der Parkinson-Erkrankung physiotherapeutische Interventionen in den Behandlungsplan aufgenommen werden. Physiotherapien sollten individuell abgestimmte Trainings zur Verbesserung der Gangfähigkeit, Haltung, Kraft, allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit und des Gleichgewichts einbeziehen. Konventionelle physiotherapeutische Maßnahmen hätten zudem neuroprotektive Effekte, was insgesamt zur Stabilisation der Erkrankung beitragen könne.

Lesen Sie auch: Morbus Parkinson: Richtige Ernährung

Logopädie bei Schluckstörungen

Ein weiterer Aspekt, der Menschen mit Morbus Parkinson Schwierigkeiten bereiten kann, sind Schluckstörungen (Dysphagie). Da sich die Dysphagie bei Parkinson nur selten durch die Pharmakotherapie verbessern lässt, ist ein rechtzeitiges Management in multidisziplinärer Zusammenarbeit besonders entscheidend.

Weitere Trainingsmethoden

Im Rahmen der Multidisziplinären Akademie werden darüber hinaus auch verschiedene Trainingsmethoden vorgestellt, wie Split-Belt-Laufbandtherapie, Schreib- oder sensomotorisches Training, Tablet-basierte Heimtrainingsprogramme oder Trainings, die auf kommerziell erhältliche, ganzkörperkontrollierte Videospiele (Exergames) zurückgreifen. Auch die Palliativmedizin oder die Diagnostik und Behandlung des spastischen Fußes werden im Programm aufgegriffen.

Die Vorteile der Gruppentherapie bei Morbus Parkinson

Gruppentherapie bietet Menschen mit Morbus Parkinson eine Reihe von Vorteilen, die in der Einzeltherapie möglicherweise nicht erreicht werden können. Zu diesen Vorteilen gehören:

  • Soziale Unterstützung: Gruppentherapie bietet eine unterstützende und verständnisvolle Umgebung, in der sich die Teilnehmer mit anderen austauschen können, die ähnliche Erfahrungen machen. Dies kann dazu beitragen, Gefühle der Isolation und Einsamkeit zu reduzieren, die häufig mit Morbus Parkinson einhergehen.

  • Austausch von Erfahrungen und Bewältigungsstrategien: In der Gruppentherapie können die Teilnehmer ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Bewältigungsstrategien miteinander teilen. Dies kann den Teilnehmern helfen, neue Perspektiven zu gewinnen, voneinander zu lernen und neue Wege zur Bewältigung ihrer Symptome zu finden.

    Lesen Sie auch: Die Rolle neurologischer Symptome bei Morbus Wilson

  • Verbesserung der sozialen Kompetenzen: Gruppentherapie bietet eine sichere Umgebung, in der die Teilnehmer ihre sozialen Kompetenzen üben und verbessern können. Dies kann dazu beitragen, soziale Ängste zu reduzieren und das Selbstvertrauen im Umgang mit anderen zu stärken.

  • Steigerung der Motivation und des Engagements: Die Teilnahme an einer Gruppentherapie kann die Motivation und das Engagement der Teilnehmer für ihre Behandlung erhöhen. Der Austausch mit anderen, die ähnliche Ziele verfolgen, kann dazu beitragen, die Teilnehmer zu ermutigen, aktiv an ihrer Therapie teilzunehmen und ihre Fortschritte zu verfolgen.

  • Reduktion von Stress und Angst: Gruppentherapie kann dazu beitragen, Stress und Angst bei Menschen mit Morbus Parkinson zu reduzieren. Der Austausch mit anderen, die ähnliche Herausforderungen meistern, kann dazu beitragen, die Teilnehmer zu beruhigen und ihnen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein.

  • Verbesserung der Lebensqualität: Studien haben gezeigt, dass Gruppentherapie die Lebensqualität von Menschen mit Morbus Parkinson verbessern kann. Durch die Reduktion von Symptomen wie Depressionen, Angstzuständen und sozialer Isolation kann die Gruppentherapie dazu beitragen, das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Teilnehmer zu steigern.

Verschiedene Formen der Gruppentherapie bei Morbus Parkinson

Es gibt verschiedene Formen der Gruppentherapie, die für Menschen mit Morbus Parkinson geeignet sein können. Dazu gehören:

Lesen Sie auch: Was ist idiopathischer Morbus Parkinson?

  • Psychoedukative Gruppen: Diese Gruppen konzentrieren sich auf die Vermittlung von Informationen über Morbus Parkinson, seine Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Sie bieten den Teilnehmern die Möglichkeit, Fragen zu stellen, sich auszutauschen und von Experten zu lernen.

  • Unterstützungsgruppen: Diese Gruppen bieten eine unterstützende Umgebung, in der sich die Teilnehmer austauschen, ihre Erfahrungen teilen und emotionale Unterstützung erhalten können. Sie werden in der Regel von einem Therapeuten oder einem erfahrenen Gruppenleiter geleitet.

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Gruppen: KVT-Gruppen konzentrieren sich auf die Identifizierung und Veränderung negativer Gedanken und Verhaltensweisen, die zu Depressionen, Angstzuständen und anderen emotionalen Problemen beitragen können. Sie vermitteln den Teilnehmern Strategien zur Bewältigung von Stress, zur Verbesserung der Stimmung und zur Steigerung des Selbstwertgefühls.

  • Bewegungsgruppen: Diese Gruppen kombinieren körperliche Aktivität mit sozialer Interaktion. Sie bieten den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern, ihre Muskelkraft zu stärken und ihre Flexibilität zu erhöhen. Beispiele für Bewegungsgruppen sind Tanztherapie, Yoga, Tai Chi und Nordic Walking.

  • Kreative Therapiegruppen: Diese Gruppen nutzen kreative Ausdrucksformen wie Kunst, Musik, Schreiben oder Theater, um den Teilnehmern zu helfen, ihre Emotionen auszudrücken, ihre Kreativität zu entfalten und ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Evidenzbasierte Wirksamkeit der Gruppentherapie

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit der Gruppentherapie bei Morbus Parkinson untersucht. Eine systematische Übersichtsarbeit von Boone et al. (2021) untersuchte die Wirksamkeit von Interventionen, die von Ergotherapeuten erbracht werden können, um Angehörige, die Menschen mit M. Parkinson betreuen oder pflegen, in ihrer Teilhabe zu unterstützen. Die Ergebnisse zeigten, dass Ergotherapie-Interventionen die Teilhabe und die Aufrechterhaltung der Pflege-/Betreuungsrolle von Angehörigen verbessern können.

Eine weitere Studie von Dobkin et al. (2013) untersuchte die Wirksamkeit einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) in der Gruppe bei Patienten mit Morbus Parkinson und Depressionen. Die Ergebnisse zeigten, dass die KVT in der Gruppe zu einer signifikanten Reduktion der Depressionssymptome und Angstzustände führte.

Auch andere Studien haben gezeigt, dass Gruppentherapie die Lebensqualität, die soziale Unterstützung und die Bewältigungsstrategien von Menschen mit Morbus Parkinson verbessern kann.

Die Rolle der Ergotherapie

Die Ergotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung der Teilhabe von Angehörigen, die Menschen mit Parkinson-Krankheit betreuen oder pflegen. Ergotherapeuten können Interventionen anbieten, die darauf abzielen, die körperlichen, kognitiven und emotionalen Bedürfnisse der Angehörigen zu erfüllen. Dazu gehören:

  • Beratung und Schulung: Ergotherapeuten können Angehörige über Morbus Parkinson, seine Symptome und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Sie können auch Schulungen zu Themen wie Stressmanagement, Zeitmanagement und Selbstpflege anbieten.

  • Anpassung der Wohnumgebung: Ergotherapeuten können die Wohnumgebung des Patienten und seiner Angehörigen begutachten und Empfehlungen für Anpassungen geben, die die Sicherheit und Funktionalität verbessern. Dazu gehören beispielsweise die Installation von Haltegriffen im Badezimmer, die Entfernung von Stolperfallen und die Anpassung der Beleuchtung.

  • Hilfsmittelversorgung: Ergotherapeuten können Angehörige bei der Auswahl und Anpassung von Hilfsmitteln unterstützen, die die Selbstständigkeit des Patienten fördern und die Pflege erleichtern. Dazu gehören beispielsweise Gehhilfen, Rollstühle, Badewannenlifter und Kommunikationshilfen.

  • Training von Betätigungsfertigkeiten: Ergotherapeuten können Angehörige darin schulen, den Patienten bei der Ausführung von alltäglichen Aktivitäten wie Anziehen, Essen, Waschen und Toilettengang zu unterstützen. Sie können auch Strategien vermitteln, die die Selbstständigkeit des Patienten fördern und die Belastung der Angehörigen reduzieren.

  • Förderung der Teilhabe: Ergotherapeuten können Angehörige dabei unterstützen, ihre eigenen Interessen und Hobbys weiterhin zu pflegen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie können auch Informationen über lokale Ressourcen und Unterstützungsgruppen bereitstellen.

Praktische Umsetzung der Gruppentherapie

Bei der praktischen Umsetzung der Gruppentherapie bei Morbus Parkinson sind einige wichtige Aspekte zu beachten:

  • Zielgruppe: Die Gruppentherapie sollte auf die spezifischen Bedürfnisse und Interessen der Zielgruppe zugeschnitten sein. Es ist wichtig, die Teilnehmer sorgfältig auszuwählen und sicherzustellen, dass sie von der Gruppentherapie profitieren können.

  • Gruppengröße: Die Gruppengröße sollte angemessen sein, um eine effektive Interaktion und den Austausch zwischen den Teilnehmern zu ermöglichen. In der Regel sind Gruppen mit 6-12 Teilnehmern ideal.

  • Gruppenleiter: Der Gruppenleiter sollte über fundierte Kenntnisse über Morbus Parkinson und Erfahrung in der Leitung von Gruppen verfügen. Er sollte in der Lage sein, eine unterstützende und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, die Teilnehmer zu ermutigen, sich zu beteiligen, und Konflikte zu lösen.

  • Inhalte und Methoden: Die Inhalte und Methoden der Gruppentherapie sollten auf die Ziele der Therapie und die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt sein. Es ist wichtig, eine Vielfalt von Methoden einzusetzen, um die Teilnehmer zu aktivieren und ihr Interesse aufrechtzuerhalten.

  • Evaluation: Die Wirksamkeit der Gruppentherapie sollte regelmäßig evaluiert werden, um sicherzustellen, dass die Ziele erreicht werden und die Teilnehmer von der Therapie profitieren. Die Ergebnisse der Evaluation können genutzt werden, um die Gruppentherapie zu verbessern und an die Bedürfnisse der Teilnehmer anzupassen.

tags: #morbus #parkinson #gruppentherapie