Eine ausgewogene Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Morbus Parkinson. Sie kann nicht nur das allgemeine Wohlbefinden verbessern, sondern auch die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen und Begleiterkrankungen vorbeugen. Dabei ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen von Parkinson-Patienten zu berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf die Trinkmenge, die Nährstoffaufnahme und mögliche Verdauungsprobleme.
Grundlagen der Ernährung
Der Körper benötigt durch die Ernährung lebenswichtige Nährstoffe, um optimal zu funktionieren. Dazu gehören Makronährstoffe wie Fette, Eiweiße (Proteine) und Kohlenhydrate, die Energie liefern und wichtige Aufgaben im Körper erfüllen. Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sind für Zellwachstum und Nervenfunktionen unerlässlich. Ausreichend Flüssigkeit ist ebenfalls wichtig, um Nährstoffe zu transportieren, Giftstoffe auszuscheiden und die Verdauung zu unterstützen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine abwechslungsreiche und überwiegend pflanzliche Ernährung.
Veränderungen im Alter und bei Pflegebedürftigkeit
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Körperfunktionen. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, der Fettanteil steigt, während der Wassergehalt und die Muskelmasse sinken. Dadurch sinkt der Energiebedarf. Bei älteren, pflegebedürftigen Menschen ist der Bedarf jedoch individuell verschieden und hängt von Faktoren wie körperlicher Aktivität und Erkrankungen ab. Bettlägerige Menschen benötigen weniger Kalorien als aktive Personen. Bei Demenz mit starkem Bewegungsdrang kann der Energiebedarf erhöht sein. Auch bei Bewegung, Hitze oder Durchfall kann der Körper mehr Flüssigkeit benötigen. Bei bestimmten Erkrankungen wie Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen kann eine Anpassung der Ernährung erforderlich sein. In einigen Fällen kann die gezielte Zufuhr bestimmter Nährstoffe Gesundheitsproblemen vorbeugen oder die Heilung unterstützen, beispielsweise Proteine bei Infektionen oder Wunden.
Ernährungsprobleme bei älteren, pflegebedürftigen Menschen
Ältere, pflegebedürftige Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Probleme beim Essen und Trinken. Ursachen können alters- oder krankheitsbedingte Veränderungen des Hunger-, Durst-, Geruchs- und Geschmackssinns sein, die zu Appetitmangel führen können. Auch Mundtrockenheit und Verdauungsprobleme können den Appetit beeinträchtigen. Weitere mögliche Gründe sind Schmerzen, Medikamentennebenwirkungen, Depressionen und Einsamkeit. Schluck- oder Kauprobleme können die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren, ebenso wie mangelnde Kraft, Beweglichkeit oder Sehprobleme. Geistige Einschränkungen, wie Demenz, können dazu führen, dass Betroffene vergessen zu essen oder zu trinken.
Mögliche Folgen von Ernährungsproblemen
Eine nicht bedarfsgerechte Ernährung kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen:
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- Flüssigkeitsmangel (Dehydration): Entsteht, wenn der Körper mehr Wasser verliert als er erhält. Folgen können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Vergesslichkeit oder Mundtrockenheit sein. Flüssigkeitsmangel kann auch Verdauungsprobleme wie Verstopfung verstärken und zu Schwäche, Kreislaufproblemen und Verwirrtheit führen.
- Mangelernährung: Der Körper erhält zu wenig Nährstoffe, was sich in ungewolltem Gewichtsverlust und Untergewicht äußern kann. Mangelernährung kann zu fehlender Muskelkraft, Konzentrationsproblemen, Antriebsmangel, Müdigkeit und Kreislaufproblemen führen. Das Risiko für Stürze, Druckgeschwüre und Infektionen ist erhöht, Heilung und Erholung können sich verlangsamen.
- Überernährung: Zu viele Fette und Kohlenhydrate können zu Übergewicht führen.
Hilfsmittel und Unterstützung
Geeignete Hilfsmittel können pflegebedürftige Menschen unterstützen, selbstständig und sicher zu essen und zu trinken. Besteck in gebogener Form oder mit Griffverstärkung kann bei eingeschränkter Kraft oder Beweglichkeit hilfreich sein. Standfestes Geschirr, Tellerranderhöhungen oder spezielle Einhandteller erleichtern das Essen bei Zittern oder Bewegungseinschränkungen. Gefäße mit Rillen, Vertiefungen oder Griffen lassen sich gut greifen und festhalten. Nasenbecher oder Gefäße mit breitem Rand ermöglichen ein Trinken mit nur leichter Neigung des Kopfes.
Spezielle Ernährungsempfehlungen bei Morbus Parkinson
Bei Morbus Parkinson ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität zu erhalten. Die Ernährung sollte auf die individuellen Bedürfnisse, Medikamente und den Krankheitsverlauf abgestimmt sein.
Trinkmenge
Eine ausreichende Trinkmenge ist für Parkinson-Patienten von großer Bedeutung, da sie dazu beitragen kann, Verstopfung vorzubeugen und die allgemeine Gesundheit zu unterstützen. Viele ältere, pflegebedürftige Menschen trinken nicht genug, etwa weil sie es vergessen, wenig Durst oder Schluckprobleme haben. Mitunter wollen sie so auch häufigen Harndrang vermeiden. Das kann zu Flüssigkeitsmangel führen. Weitere Gründe sind zum Beispiel entwässernde Medikamente oder Durchfall. Die richtige Trinkmenge ist jedoch lebenswichtig. Die DGE empfiehlt eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern. Bei starker Unruhe, Durchfall, Erbrechen oder an heißen Tagen sollte die Trinkmenge erhöht werden. Es ist ratsam, Getränke anzubieten, die die pflegebedürftige Person besonders mag. Ein gefülltes Trinkgefäß sollte immer in Griffweite stehen, auch nachts. Ein Trinkplan kann helfen, die Trinkmenge im Auge zu behalten und regelmäßiges Trinken zu fördern.
Energiezufuhr
Parkinson-Patienten haben oft einen erhöhten Energieverbrauch aufgrund von Zittern, Muskelanspannung und Bewegungsstörungen. Um ungewollten Gewichtsverlust zu vermeiden, ist eine ausreichende Energiezufuhr wichtig. Als Faustregel gelten 25 bis 30 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht. Bei unerwünschtem Gewichtsverlust sollte der Kaloriengehalt der Speisen erhöht werden, vor allem durch fettreiche Lebensmittel, da Fett mit 9 Kalorien pro Gramm mehr als doppelt so viele Kalorien liefert wie Eiweiß oder Kohlenhydrate.
Eiweiß (Protein)
Eiweiß ist wichtig für den Aufbau und Erhalt von Muskelmasse und das Immunsystem. Bei der Einnahme von Medikamenten mit dem Wirkstoff Levodopa (L-Dopa) ist auf den Eiweißgehalt der Mahlzeit zu achten. Proteinreiche Mahlzeiten können die Wirksamkeit des Medikaments beeinträchtigen, da L-Dopa und Aminosäuren (Bestandteile von Eiweiß) um den gleichen Transporter im Darm konkurrieren. Es empfiehlt sich, das Medikament 30 bis 45 Minuten vor der Mahlzeit oder 60 bis 90 Minuten nach der Mahlzeit einzunehmen. Die Medikamente sollten am besten mit Wasser, Tee, Saft (kein Orangen- oder Grapefruitsaft), Smoothie, Apfel- oder Fruchtmus eingenommen werden, wobei auf proteinhaltige Getränke oder Speisen verzichtet werden sollte.
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Ballaststoffe
Viele Parkinson-Patienten leiden unter Verdauungsproblemen, insbesondere Verstopfung. Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate, die die Darmtätigkeit anregen und für einen weichen Stuhl sorgen. Die DGE empfiehlt 30 g Ballaststoffe pro Tag. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Es ist wichtig, ausreichend zu trinken, damit die Ballaststoffe aufquellen und ihre Wirkung entfalten können.
Schluckstörungen (Dysphagie)
Schluckstörungen können das Essen und Trinken für Parkinson-Patienten sehr anstrengend machen und zu Mangelernährung führen. Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken lassen sich durch eine Anpassung der Konsistenz verbessern. Gerichte mit unterschiedlichen Konsistenzen oder stückigen Einlagen sollten vermieden werden. Das Andicken von Flüssigkeiten kann das Schlucken erleichtern. In schweren Fällen kann eine Ernährung über eine Sonde (PEG) erforderlich sein.
Weitere Tipps und Empfehlungen
- Regelmäßige Gewichtskontrolle: Eine monatliche oder wöchentliche Gewichtskontrolle hilft, rechtzeitig gegenzusteuern, wenn ein Gewichtsverlust auftritt.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert den Appetit, die Verdauung und das allgemeine Wohlbefinden.
- Logopädie und Ergotherapie: Logopädie kann bei Schluckstörungen helfen, während Ergotherapie die Bewegungsabläufe verbessern und den Umgang mit Essbesteck erleichtern kann.
- Appetit anregen: Kleine Portionen, appetitlich angerichtete Speisen, eine angenehme Atmosphäre und das Vermeiden unangenehmer Essensgerüche können den Appetit anregen.
- Hilfe zur Selbstständigkeit: Unterstützung bei der Vorbereitung der Mahlzeit und die Verwendung von geeigneten Hilfsmitteln können Parkinson-Patienten helfen, möglichst selbstständig zu essen und zu trinken.
Die Rolle der Ernährung bei der Entwicklung und dem Verlauf von Parkinson
Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ernährungsweisen das Risiko für die Entwicklung von Parkinson senken und den Verlauf der Erkrankung verlangsamen können. Die MIND-Diät, die auf der mediterranen Ernährung basiert und einen Schwerpunkt auf grünes Blattgemüse und Beeren legt, wird in diesem Zusammenhang diskutiert. Auch die Bedeutung des Darms für die Entstehung und den Verlauf von Parkinson wird zunehmend erforscht.
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