Morgellons: Neurologische Syndrome, Ursachen und Behandlungsansätze

Die Morgellons-Krankheit ist ein kontrovers diskutiertes und wenig verstandenes Syndrom, das durch eine Vielzahl von belastenden Symptomen gekennzeichnet ist. Betroffene berichten von Hautläsionen, dem Gefühl von Krabbeln unter der Haut (Dermatozoenwahn) und dem Auftreten von Fasern oder Filamenten in oder auf der Haut. Hinzu kommen oft neurologische und psychische Symptome, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Was ist das Morgellons-Syndrom?

Das Morgellons-Syndrom ist eine komplexe Erkrankung, deren Ursachen und Natur in der medizinischen Fachwelt umstritten sind. Während einige Experten es als eine Form des Dermatozoenwahns (auch bekannt als Acarophobie, Parasitophobie, Insektenwahn, wahnhafter Ungezieferbefall, Befallswahn, Epizoonose-Wahn oder Ekbom-Syndrom) betrachten, bei dem die Betroffenen felsenfest davon überzeugt sind, von Parasiten befallen zu sein, sehen andere darin eine eigenständige Erkrankung mit organischen Ursachen.

Dermatozoenwahn als mögliche Erklärung

Der Dermatozoenwahn ist eine wahnhafte Störung, bei der Patienten Insekten, Würmer oder andere Parasiten unter ihrer Haut zu spüren meinen. Die Ursachen können vielfältig sein, von unbekannten Faktoren bis hin zu psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression, Demenz, Zwangs- oder Angststörungen oder organischen Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12-Mangel oder Durchblutungsstörungen im Gehirn. Auch Alkoholentzug und Drogenmissbrauch können Auslöser sein.

Symptome des Morgellons-Syndroms

Die Symptome des Morgellons-Syndroms sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:

  • Hautsymptome:
    • Juckreiz und Kribbelgefühl auf der Haut (oft als "Ameisenlaufen" beschrieben)
    • Hautläsionen, die nicht heilen wollen
    • Das Gefühl, dass sich etwas unter der Haut bewegt
    • Das Auftreten von Fasern oder Filamenten in oder auf der Haut (blau, rot, grün, durchsichtig oder weiß)
    • Schwarze Körner auf oder unter der Haut
  • Neurologische Symptome:
    • Mentale Verwirrung
    • Gedächtnisverlust
    • Konzentrationsschwierigkeiten
    • Sehstörungen
  • Psychische Symptome:
    • Angststörungen
    • Depressionen
    • Soziale Isolation
    • Lebensunlust
    • In extremen Fällen: Selbstmordgedanken

Die Rolle von Fasern und Filamenten

Ein besonderes Merkmal des Morgellons-Syndroms ist das Auftreten von Fasern oder Filamenten in oder auf der Haut. Diese Fasern können unterschiedliche Farben haben (blau, rot, grün, durchsichtig oder weiß) und werden von den Betroffenen oft als "biegsames Plastik" beschrieben. Unter dem Mikroskop können sie ein Leuchten abgeben. Die Zusammensetzung und Herkunft dieser Fasern ist bislang ungeklärt. Einige Forscher vermuten, dass es sich um Textilfasern, Pflanzenfasern oder Gewittertierchen handeln könnte, die in die Haut gelangt sind. Andere sehen in ihnen ein Zeichen einer tieferliegenden organischen Ursache.

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Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen des Morgellons-Syndroms sind bislang unbekannt. Es gibt verschiedene Theorien, die jedoch noch nicht ausreichend belegt sind. Einige mögliche Faktoren, die in Betracht gezogen werden, sind:

  • Infektionen: Einige Forscher vermuten, dass bestimmte Infektionen, wie z. B. Borreliose, eine Rolle bei der Entstehung des Morgellons-Syndroms spielen könnten.
  • Umweltfaktoren: Auch Umweltgifte oder andere Umweltfaktoren könnten möglicherweise eine Rolle spielen.
  • Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass eine genetische Veranlagung das Risiko für das Morgellons-Syndrom erhöhen könnte.
  • Psychische Faktoren: Wie bereits erwähnt, wird das Morgellons-Syndrom von einigen Experten als eine Form des Dermatozoenwahns betrachtet, der durch psychische Faktoren ausgelöst werden kann.
  • Geschwächtes Immunsystem: Ein geschwächtes Immunsystem könnte möglicherweise die Entstehung des Syndroms begünstigen.

Diagnose des Morgellons-Syndroms

Die Diagnose des Morgellons-Syndroms ist oft schwierig, da es keine spezifischen Tests gibt, die die Erkrankung eindeutig nachweisen können. Viele Betroffene suchen zunächst Hautärzte (Dermatologen), Parasitologen oder Tropenmediziner auf, die jedoch oft keine Ursache für die Beschwerden finden können. Letztendlich ist meist die Hilfe eines Psychiaters oder Psychotherapeuten erforderlich.

Die Diagnose basiert in der Regel auf einer Kombination aus:

  • Anamnese: Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Symptomen, der Dauer der Beschwerden und eventuell bestehenden Vorerkrankungen.
  • Körperliche Untersuchung: Im Fokus stehen Hautstellen, die besonders von Missempfindungen (wie Juckreiz) betroffen sind und Verletzungen aufweisen.
  • Laboruntersuchungen: Sie können andere Ursachen der Missempfindungen aufdecken (z. B. Vitamin B12-Mangel).
  • Weiterführende Untersuchungen: Sinnvoll bei Verdacht auf eine konkrete Erkrankung als Auslöser des Wahns, z.B. hirnorganische Erkrankungen (Abklärung mittels Kopf-MRT).
  • Psychiatrische Einschätzung: Unterstützt ebenfalls die Diagnose und kann andere psychische Erkrankungen als Ursache der Wahnvorstellungen aufdecken (z.B. Schizophrenie).

Behandlung des Morgellons-Syndroms

Die Behandlung des Morgellons-Syndroms ist komplex und erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Da die Ursachen der Erkrankung noch nicht vollständig geklärt sind, zielt die Behandlung in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Medikamentöse Behandlung:
    • Antipsychotika: Bei Verdacht auf einen Dermatozoenwahn können Antipsychotika (Neuroleptika) eingesetzt werden, um die Wahnvorstellungen zu reduzieren.
    • Antidepressiva: Bei Depressionen oder Angststörungen können Antidepressiva helfen, die Stimmung zu verbessern und die Angst zu reduzieren.
    • Antiseptische Cremes: Hautschäden durch Selbstverletzungen können mit antiseptischen Cremes behandelt werden, um Hautinfektionen zu verhindern und die Wundheilung zu unterstützen.
  • Psychotherapie:
    • Eine Psychotherapie kann helfen, die Ursachen des Dermatozoenwahns zu identifizieren und zu behandeln.
    • Verhaltenstherapeutische Maßnahmen können helfen, den Juckreiz-Kratz-Zyklus zu durchbrechen und alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
    • Hypnose-Therapie kann ebenfalls eine Besserung erzielen.
  • Behandlung von Grunderkrankungen:
    • Bei sekundären Formen von Dermatozoenwahn steht die Therapie der Grunderkrankung im Mittelpunkt. Mediziner müssen also beispielsweise eine zugrundeliegende Schizophrenie oder Schilddrüsenunterfunktion fachgerecht behandeln.
  • Unterstützung im Alltag:
    • Ein stabiles und sicheres soziales Umfeld kann den Betroffenen helfen, mit ihrer Erkrankung umzugehen.
    • Angehörige sollten den Erkrankten signalisieren, dass sie nicht allein sind und man sie ernst nimmt.
    • Psychotherapeutische Unterstützung kann auch für Angehörige hilfreich sein, um mit der Situation umzugehen.

Prognose des Morgellons-Syndroms

Die Prognose des Morgellons-Syndroms ist sehr unterschiedlich. Generell gilt: Je früher die Patienten die richtige Behandlung erhalten, desto besser ist die Prognose. Eine Heilung ist prinzipiell möglich, aber viele Patienten sind auf eine langfristige Therapie mit Medikamenten und/oder Psychotherapie angewiesen. Manche Betroffene lernen auch, mit den Missempfindungen umzugehen und sie richtig einzuordnen.

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Die Rolle der Forschung

Um das Morgellons-Syndrom besser zu verstehen und wirksamere Behandlungen zu entwickeln, ist weitere Forschung dringend erforderlich. Es ist wichtig, die Ursachen der Erkrankung aufzuklären, die Rolle der Fasern und Filamente zu untersuchen und neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Umgang mit Verschwörungstheorien

Im Zusammenhang mit dem Morgellons-Syndrom sind in den letzten Jahren vermehrt Verschwörungstheorien aufgetaucht. So wird beispielsweise behauptet, dass die Erkrankung durch Corona-Teststäbchen oder Einwegmasken übertragen werde. Diese Behauptungen sind jedoch wissenschaftlich nicht belegt und tragen lediglich dazu bei, Angst und Hysterie zu schüren. Es ist wichtig, sich über vertrauenswürdige Quellen zu informieren und sich nicht von unbewiesenen Behauptungen verunsichern zu lassen.

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