Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Erkrankung ist durch eine Demyelinisierung gekennzeichnet, bei der die schützende Myelinschicht um die Nervenfasern abgebaut wird, was zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen kann. Die Suche nach wirksamen Behandlungen und unterstützenden Therapien für MS ist ein fortlaufender Prozess, und die Rolle von Nahrungsergänzungsmitteln wie Methylsulfonylmethan (MSM) ist Gegenstand aktueller Forschung.
Was ist MSM?
Methylsulfonylmethan (MSM), auch bekannt als Dimethylsulfon oder organischer Schwefel, ist eine natürlich vorkommende Schwefelverbindung, die in vielen Pflanzen, Tieren und im menschlichen Körper vorkommt. Schwefel ist ein essentieller Mineralstoff, der an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt ist, darunter die Bildung von Proteinen, Enzymen, Hormonen und Antioxidantien. MSM wird als Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung der Gelenkgesundheit, zur Reduzierung von Entzündungen und zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit eingesetzt.
Die Rolle von Schwefel im Körper
Schwefel ist ein wichtiger Nährstoff, der an vielen lebenswichtigen Prozessen im Körper beteiligt ist. Einige der wichtigsten Funktionen von Schwefel sind:
- Bestandteil von Aminosäuren: Schwefel ist Bestandteil der Aminosäuren Cystein und Methionin, die für den Aufbau von Proteinen und die Funktion von Enzymen unerlässlich sind. Cystein wird in der Medizin (NAC oder ACC-Hustenlöser) als Medikament zum Lösen des Bronchialschleims verwendet. Zudem bindet es freie Radikale an sich und verstärkt die Abwehrkräfte. Methionin ist eine essentielle Aminosäure und zugleich wichtig zur Bildung weiterer schwefelhaltiger Aminosäuren wie Cystein und Taurin.
- Produktion von Glutathion: Schwefel ist für die Produktion von Glutathion erforderlich, einem wichtigen Antioxidans, das den Körper vor Schäden durch freie Radikale schützt. Glutathion ist ein körpereigenes Antioxidans. Es schützt den Körper vor freien Radikalen. Damit spielt es im Immunsystem eine große Rolle. Zudem gilt ein Mangel an Glutathion als wichtiger Indikator für Immunerkrankungen. Unter anderem bei Rheuma oder Multipler Sklerose wird bei den Betroffenen häufig ein erniedrigter Glutathion-Spiegel im Blut nachgewiesen.
- Bildung von Bindegewebe: Schwefel ist ein wichtiger Bestandteil von Kollagen, einem Protein, das für die Festigkeit und Elastizität von Bindegewebe, Knorpel und Knochen verantwortlich ist.
- Entgiftung: Schwefel spielt eine Rolle bei der Entgiftung von Schadstoffen im Körper.
MSM und Multiple Sklerose: Der aktuelle Stand der Forschung
Obwohl es keine spezifischen Studien gibt, die die Auswirkungen von MSM auf MS untersucht haben, gibt es Hinweise darauf, dass MSM aufgrund seiner entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften potenziell positive Auswirkungen auf MS-Patienten haben könnte:
- Entzündungshemmende Wirkung: MSM hat in Studien entzündungshemmende Eigenschaften gezeigt. Es kann die Produktion von Entzündungsmediatoren reduzieren und die Aktivität von Immunzellen modulieren. Da MS eine entzündliche Erkrankung ist, könnte MSM dazu beitragen, Entzündungen im zentralen Nervensystem zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Studien zeigten positive Effekte auf den verminderten Entzündungsgrad.
- Antioxidative Wirkung: MSM wirkt als Antioxidans und schützt den Körper vor Schäden durch freie Radikale. Oxidativer Stress spielt eine Rolle bei der Pathogenese von MS, daher könnte MSM dazu beitragen, oxidative Schäden im Gehirn und Rückenmark zu reduzieren.
- Unterstützung des Immunsystems: MSM kann das Immunsystem unterstützen, indem es die Produktion von Immunzellen erhöht und die Immunantwort reguliert. Dies könnte dazu beitragen, die Autoimmunreaktion bei MS zu modulieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese potenziellen Vorteile von MSM bei MS derzeit nur auf indirekten Beweisen und den bekannten Wirkmechanismen von MSM basieren. Es sind weitere Studien erforderlich, um die spezifischen Auswirkungen von MSM auf MS-Patienten zu untersuchen.
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Weitere potenzielle gesundheitliche Vorteile von MSM
Neben den potenziellen Vorteilen bei MS hat MSM eine Reihe weiterer gesundheitlicher Vorteile, die in Studien nachgewiesen wurden:
- Gelenkgesundheit: MSM wird häufig zur Behandlung von Arthrose eingesetzt, da es Schmerzen und Entzündungen reduzieren und die Gelenkfunktion verbessern kann.
- Muskelregeneration: MSM kann die Muskelregeneration nach dem Training beschleunigen und Muskelkater reduzieren.
- Allergiebehandlung: MSM kann helfen, Allergiesymptome wie Niesen, Juckreiz und verstopfte Nase zu lindern.
- Hautgesundheit: MSM kann die Hautgesundheit verbessern, indem es die Kollagenproduktion fördert und Entzündungen reduziert.
- Minderung von Stress: In einer Studie zeigen Tiere unter der Zugabe von Ashwagandha reduzierte Stress-Symptome, was eine Antistresswirkung bestätigt (PMID: 11137343). Auch als Antidepressiva und Angtlöser zeigte Ashwagandha in einer Studie an Nagetieren Wirkung, in der traditionellen chinesischen Medizin wird es zur Stabilisierung der Stimmung eingesetzt (PMID: 10075127).
- Ausdauer, Energie, Leistung: Eine aktuelle Studie bestätige den positiven Effekt von Withaniasomnifera auf die kardiorespiratorische Ausdauer und die maximale aerobeKapazität (V02 max). Das Ergebnis durchgeführter Fragebögen deutet aufeine verbesserte Erholung und Fitness hin (PMID: 33600918).
Wie man MSM einnimmt
MSM ist als Nahrungsergänzungsmittel in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Pulver, Kapseln, Tabletten und Cremes. Die empfohlene Dosierung von MSM variiert je nach Person und Anwendungsgebiet. Es ist ratsam, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese allmählich zu erhöhen, um die Verträglichkeit zu beurteilen.
Sicherheit und Nebenwirkungen von MSM
MSM gilt im Allgemeinen als sicher, wenn es in den empfohlenen Dosen eingenommen wird. Einige Personen können jedoch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Durchfall oder Kopfschmerzen erfahren. In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auftreten.
Weitere unterstützende Maßnahmen bei Multipler Sklerose
Neben MSM gibt es eine Reihe weiterer unterstützender Maßnahmen, die MS-Patienten ergreifen können, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren und das Immunsystem zu stärken. Der häufige Verzehr von fettigem Fisch 2-4 mal pro Woche kann sich positiv auf die Demyelinisierung und damit eventuell auf die MS auswirken. Man sollte hierbei auf die Qualität achten, denn Aquakultur und belastete Weltmeere schaden dem gesunden Fisch. Eine unterstützende Alternative könnten hochwertige Omega 3 Fettsäuren in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sein, wobei sie den Fischkonsum nicht ersetzen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Muskelkraft, die Ausdauer und die Lebensqualität verbessern.
- Stressmanagement: Stress kann die Symptome von MS verschlimmern, daher ist es wichtig, Stress abzubauen.
- Orthomolekulare Medizin: Orthomolekulare Medizin (auch Mikronährstoffmedizin genannt) ist ein ganzheitlicher Ansatz, der die Gesundheit durch optimale Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Vitalstoffen fördern soll. Der Begriff orthomolekular bedeutet wörtlich „die richtigen Moleküle“ - geprägt vom zweifachen Nobelpreisträger Linus Pauling, der 1968 betonte, dass Substanzen, die normalerweise im Körper vorhanden sind, in der richtigen Konzentration Gesundheit erhalten und Krankheiten behandeln können . Im Mittelpunkt stehen also natürliche Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren und Antioxidantien, die für einen reibungslosen Ablauf aller Körperfunktionen erforderlich sind.
Weitere interessante Substanzen und ihre potenziellen Vorteile
Neben MSM gibt es eine Vielzahl weiterer Substanzen, die potenziell positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnten. Einige Beispiele sind:
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- Akazienfaser: Die Akazienfaser ist ein wasserlöslicher Ballaststoff, der aus dem Saft der Akazienbäume gewonnen wird, insbesondere von Arten wie Acacia senegal und Acacia seyal. Aufgrund ihrer Faserstruktur kann Akazienfaser dazu beitragen, das Sättigungsgefühl zu erhöhen und so das Verlangen nach übermäßigem Essen zu reduzieren. Dies kann bei der Gewichtskontrolle hilfreich sein (PMID: 33435475).
- Artischockenextrakt: Artischockenextrakt kann die Verdauung fördern, indem er die Magensäureproduktion reguliert, die Gallenflüssigkeit erhöht und die Darmbewegungen stimuliert. Dies kann bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Sodbrennen helfen (PMID: 26310198).
- Ashwagandha: Studien zeigten positive Effekte auf den verminderten Entzündungsgrad (doi.org/10.3109/13880208509069028).
- Astragalus: Astragalus wird oft als Adaptogen betrachtet, eine Substanz, die dem Körper helfen soll, besser auf Stress und Krankheiten zu reagieren. Es wird angenommen, dass Astragalus das Immunsystem stimuliert und stärkt, indem es die Produktion von Immunzellen erhöht (PMID: 15035888, PMID: 26916911).
- Cholinbitartrat: Einige Studien deuten darauf hin, dass Cholin die Gedächtnisleistung und die kognitive Funktion verbessern kann (PMID: 36950691).
- Coenzym Q10: Coenzym Q10 wirkt zudem als Antioxidans, das die Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützen kann.
- Cordyceps: Cordyceps kann die Energieproduktion im Körper fördern, indem es die ATP-Synthese unterstützt.
- Kurkuma: Curcumin ist ein starkes natürliches entzündungshemmendes Mittel und kann dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
- N-Acetyl-L-Cystein (NAC): NAC kann als Quelle für die Aminosäure L-Cystein auch zur Stärkung der Gesundheit von Haaren und Nägeln beitragen.
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