Mucuna Pruriens und die Erhöhung des Dopaminspiegels: Studien und Anwendungen

Mucuna pruriens, auch bekannt als Juckbohne oder Samtbohne, ist eine tropische Pflanze, die in der traditionellen Medizin, insbesondere im Ayurveda, seit Jahrhunderten verwendet wird. Ihre Fähigkeit, den Dopaminspiegel zu beeinflussen, hat in den letzten Jahren vermehrt das Interesse von Forschern und Anwendern geweckt. Dieser Artikel untersucht die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Wirkung von Mucuna pruriens auf den Dopaminspiegel und beleuchtet potenzielle Anwendungen und Risiken.

Was ist Mucuna Pruriens?

Mucuna pruriens ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchte, die vor allem in Südostasien, Afrika und Amerika beheimatet ist. In der ayurvedischen Medizin wird Mucuna pruriens seit Jahrhunderten als Heilpflanze unter anderem zur Behandlung nervöser Störungen, Asthma, Diabetes, Verdauungsbeschwerden und als Aphrodisiakum eingesetzt. Die Samen von Mucuna sind reich an Protein, Kohlenhydraten, essentiellen Fettsäuren (z. B. Linolsäure, Palmitinsäure, Ölsäure), Ballaststoffen, Mineralien (u. a. Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium), Spurenelementen (Eisen, Zink, Kupfer, Mangan, Phosphor) und Vitaminen (Vitamin C, Niacin).

Die Rolle von L-Dopa

Zudem stellen die Samen eine bedeutende natürliche Quelle von L-Dopa (3,4-Dihydroxyphenylalanin) dar. L-Dopa ist ein direkter Vorläufer von Dopamin, einem Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stimmung, Motivation und Bewegung spielt. L-Dopa ist ein Zwischenprodukt in der Dopamin Synthese und die Vorstufe des Nervenbotenstoffes Dopamin, welcher anregend und stimmungsaufhellend wirkt, sowie die Feinmotorik und Körperbewegung reguliert. Dopamin wird nachfolgend über die Enzyme Dopamin-Monooxygenase und N-Methyltransferase zu Noradrenalin oxidiert und weiter zu Adrenalin methyliert. Auf diese Weise wird der gesamte Katecholaminstoffwechsel unterstützt. Da Dopamin die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann, erhalten Menschen, die auf Dopamin als Medikament angewiesen sind (z. B. Parkinson-Patienten), stattdessen L-Dopa. L-Dopa kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und wird dann im Gehirn zu Dopamin umgebaut.

Studien zur Dopaminerhöhung durch Mucuna Pruriens

Klinische Studien belegen, dass oral aufgenommenes Mucuna pruriens die Dopamin Konzentration im zentralen Nervensystem effektiv erhöht. In diesem Zusammenhang wird die Heilpflanze als alternative Behandlungsform für die Parkinson-Krankheit diskutiert.

Parkinson-Krankheit

Das Parkinson-Syndrom wird durch einen Mangel am Botenstoff Dopamin im Gehirn ausgelöst. Dies erschwert es Betroffenen unter anderem, ihre Muskulatur zügig zu bewegen. Die Bewegungen sind oft verlangsamt, die Muskulatur ist versteift, der Gang unsicher, und die Extremitäten beginnen, im Ruhezustand zu zittern. Zusätzlich können die Stimmung, die vegetative Steuerung von Blase, Darm oder Blutdruck sowie die kognitive Leistung eingeschränkt sein. Die wichtigste medikamentöse Therapie ist die Einnahme von L-Dopa, auch Levodopa genannt. Die Aminosäure L-Dopa wird im Gehirn zu Dopamin verstoffwechselt und kann damit den Dopaminmangel ausgleichen. Mittlerweile attestieren mehrere klinische Studien, dass die Wirkung der Juckbohne bei Menschen mit Parkinson vergleichbar mit der von L-Dopa-Medikamenten ist - bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Bei der Behandlung des Parkinson-Syndrom mit synthetischem L-Dopa treten typischerweise einschränkende Nebenwirkungen auf, zum Beispiel kann die Bewegungsfreiheit stark vermindert sein. Es besteht aufgrund bisheriger Studien der Grund zur Annahme, dass die Juckbohne besser vertragen wird. In den Studien wurden lediglich gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Völlegefühl nach der Einnahme der Juckbohne beobachtet.

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Weitere neuroprotektive Eigenschaften

Des Weiteren enthält Mucuna zahlreiche Inhaltsstoffe mit neuroprotektiven Eigenschaften. Das Isoflavonoid Genistein beispielsweise verbessert nachweislich die neuronale Plastizität im Gehirn und wirkt dem Absterben von Nervenzellen entgegen. Das Alkaloid β-Carbolin, Gallussäure und Phytinsäure, sowie deren Derivate, gelten als starke Antioxidantien und als effektive Schutzmechanismen gegen Neurodegeneration. Im Tierversuch wurde eine Erhöhung der Konzentration von antioxidativ wirkenden körpereigenen Enzymen und Verbindungen beobachtet.

Anwendungen von Mucuna Pruriens

Die Fähigkeit von Mucuna pruriens, den Dopaminspiegel zu erhöhen, macht sie zu einer potenziell wertvollen Ergänzung bei verschiedenen Anwendungen.

Stimmungsverbesserung und Motivation

Aufgrund seiner Rolle bei der Dopaminproduktion kann Mucuna pruriens zur Verbesserung der Stimmung beitragen. Dopamin fördert den Antrieb, eine positive Stimmung und die Motivation. In verschiedenen Kulturen und seit mindestens 2.000 Jahren wird Mucuna pruriens als natürliches mentales Aufputschmittel für mehr Klarheit, gesteigerte Konzentration und verbesserte Reaktionszeit verwendet.

Unterstützung der sexuellen Gesundheit

Dopamin spielt auch eine Rolle bei der Regulation des sexuellen Verlangens und der Libido. Viele Nutzer äußern, dass Mucuna pruriens sie "in die richtige Stimmung für Liebe bringt". Bei unfruchtbaren Männern wurde beispielsweise eine Verbesserung der Spermienqualität sowie eine Reduzierung des Stressempfindens festgestellt.

Nootropische Wirkung

Man geht davon aus, dass ʟ-DOPA als natürliches Nootropikum für die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit, Gedächtnisfunktion, Kreativität und Motivation agieren kann. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass sich Juckbohnen positiv auf die Stimmung auswirken können. Tierversuche zeigten sogar einen Einfluss auf den Dopamingehalt im Hirnkortex, was auf eine Verbesserung der kognitiven Funktionen hindeutet. Signifikante Erhöhungen der Levels von endogenem Levodopa, Dopamin, Noradrenalin und Serotonin in bestimmten Hirnregionen könnten zudem Motivation, Stimmung und mentale Leistungsfähigkeit beeinflussen.

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Risiken und Nebenwirkungen

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Verwendung von Mucuna pruriens als Nahrungsergänzungsmittel auch potenzielle Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen kann, insbesondere in Bezug auf die Regulation von Dopamin im Gehirn.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Wie oft in der modernen Phytotherapie liegen effektive und nebenwirkungsarme Lösungen zum Greifen nah - auch bei der Juckbohne. Die bisherigen Erkenntnisse sind aussichtsreich. Die Juckbohne könnte für viele vom Parkinson-Syndrom Betroffene eine Erleichterung darstellen. Leider fehlt noch der letzte Kraftakt von Seiten der Forschung und der Pharmaindustrie, damit ein wirksames Arzneimittel auf den Markt kommt. Merke: Von einer eigenmächtigen Einnahme eines Juckbohnenpulvers oder sonstiger Nahrungsergänzungsmittel mit Juckbohne ist abzuraten. Zum einen kann bei diesen die Reinheit und Identität nicht einwandfrei nachgewiesen werden, zum anderen können die in den Samen vorkommenden Indolalkaloide zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unwohlsein oder starken Durst führen. Bei Überdosierung oder individueller Unverträglichkeit können gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Völlegefühl auftreten.

Eigenanbau und Verarbeitung

Achten Sie darauf, falls Sie die Pflanze selbst anpflanzen wollten. In den Samen soll der Gehalt zwischen 3 und 6 % ausmachen (manche Kultursorten können bis zu 7 % enthalten), so dass diese früher auch als Rohstoff zur Herstellung von L-Dopa dienten. Die Samenschoten sind mit sehr feinen brennenden Härchen besetzt, die bei Hautkontakt durch den Stoff Mucunain starken Juckreiz auslösen (daher „Juckbohne“). Sei bei der Ernte vorsichtig! Es gibt inzwischen zwar einige Gartensorten der Juckbohne ohne juckende Borsten, aber viele Sorten haben diese lästigen Haare, die auf keinen Fall in Kontakt mit der Haut kommen sollten. Iss die Schoten nicht, da sie ein Gift enthalten und Dich krank machen könnten!

Dosierung und Einnahme

Für eine gezielte Einnahme (z. B. bei Parkinson) sollte man pro Dosis 100-300 mg L-Dopa einnehmen können. Bei milden Symptomen einmal täglich, ansonsten 2- bis 3-mal täglich (in Absprache mit dem Arzt). Damit das L-Dopa aus Mucuna seine Wirkung entfalten kann, muss es die Blut-Hirn-Schranke passieren. Ideal ist ein Abstand von ein bis zwei Stunden zu eiweißreichen Mahlzeiten wie solchen mit Fleisch, Eiern, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten und natürlich auch zu L-Tyrosin-Präparaten, falls Sie diese einnehmen sollten.

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