Die Münchner Alzheimer Gesellschaft e.V. (AGM) ist seit ihrer Gründung im Jahr 1986 eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und alle, die sich für das Thema interessieren. Mit einem breiten Spektrum an Angeboten und Projekten trägt die AGM dazu bei, die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern, Angehörige zu unterstützen und die Gesellschaft für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu sensibilisieren.
Auftaktveranstaltung der „Fachtage Demenz“
Am 10. Oktober fand im Saal des Alten- und Service- Zentrums Perlach die Auftaktveranstaltung der 3. „Fachtage Demenz“ statt. Frau Kern von der Alzheimergesellschaft München referierte über die Folgen der Diagnose Demenz für Betroffene und die Gesellschaft. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus medizinischen, sozialen und kirchlichen Arbeitsbereichen beleuchtete das Spektrum von ambulanten bis vollstationären Unterstützungs- und Versorgungsangeboten. Der Eintritt war frei.
Angebote und Projekte der Münchner Alzheimer Gesellschaft
Die AGM bietet eine Vielzahl von Angeboten und Projekten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen:
- Beratungsstelle Demenz: Hier erhalten Betroffene und Angehörige Informationen, Beratung und Unterstützung zu allen Fragen rund um das Thema Demenz.
- Fachstelle für pflegende Angehörige: Die Fachstelle informiert über Hilfs- und Entlastungsmöglichkeiten und berät zu Problemen und Fragen rund um die Themen Demenz und Pflege. Ziel ist es, die Angehörigen durch Beratung und Begleitung zu stärken, zu unterstützen und einen individuellen Lösungsweg für Schwierigkeiten zu finden.
- Gesprächsgruppen: Je nach Alter können sich Menschen mit Demenz und Angehörige einer Gesprächsgruppe anschließen. Die selbsthilfeorientierten Gruppen werden regelmäßig in den Räumen der Alzheimer Gesellschaft München fachlich begleitet. Menschen mit Demenz im frühen Stadium der Erkrankung treffen sich zeitgleich mit den Angehörigen in getrennten Räumen.
- Musik- und Tanzcafé: Seit über 12 Jahren findet am letzten Freitag des Monats das Musik- und Tanzcafé statt. Hier können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gemeinsam singen, tanzen und sich austauschen.
- Projekt "Frühe Diagnose": Das Projekt richtet sich an Menschen im frühen Stadium der Demenz und ihre Angehörigen. Es bietet Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen mit anderen über den Umgang mit der Diagnose zu informieren und auszutauschen.
- Projekt "EinBlickDemenz": In Kooperation mit Munich Cluster for Systems Neurology (SyNergy) und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) werden wissenschaftliche Forschungsergebnisse verständlich formuliert und für jedermann zugänglich gemacht.
- Schulungen und Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter von Krankenhäusern: Die Alzheimer Gesellschaft München bietet seit Jahren Schulungen und Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter von Krankenhäusern an, um das Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz im Krankenhaus zu verbessern.
- Reisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen: Die Alzheimer Gesellschaft München organisiert regelmäßig Reisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, um ihnen eine Auszeit vom Alltag zu ermöglichen.
Musik und Demenz - Tanzcafé im ASZ Perlach
Im Rahmen der 3. „Fachtage Demenz“ fand am 18. Oktober im ASZ Perlach ein Kurzvortrag mit anschließendem Tanzcafé für Menschen mit Demenz, Angehörige und alle Interessierten statt. Nach einem Kurzvortrag zur Bedeutung der Musik für Menschen mit Demenz wurden gemeinsam praxisnah kreative Ansätze mit Musik, Bewegung und Tanz erprobt. Die Seniorentanzgruppe aus der Pfarrei St. Michael brachte Schwung in den Nachmittag.
Gymnastik für türkischsprachige SeniorInnen im Caritas ASZ Perlach
Am 1. Oktober startete im Caritas Alten- und Service-Zentrum Perlach ein neuer Gymnastikkurs, der sich an türkischsprachige SeniorInnen wendet. Die Gymnastik ist ein Ganzkörpertraining, das aus Kräftigungs-, Dehnungs- und Lockerungsübungen für die Muskulatur besteht. Ergänzt wird die Stunde durch kleinere Einheiten zur Förderung der Koordination und des Gleichgewichts. Die Kurssprache ist türkisch.
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Unterstützung im Alltag
Neben den spezifischen Angeboten der Alzheimer Gesellschaft München gibt es auch im Alltag viele Möglichkeiten, Menschen mit Demenz zu unterstützen:
- Nachbarschaftliche Hilfe: Wenn ein Nachbar verwirrt erscheint, ist nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft dringend gefragt. Man muss versuchen, mit demjenigen in Kontakt zu kommen und vor allem zu bleiben. Am besten ist, direkt auf den Nachbarn zuzugehen und konkrete Unterstützung anzubieten.
- Umlenken statt korrigieren: Irrt ein dementer Mensch hilflos umher, ist es wichtig, ihn wertschätzend zu begleiten und zu versuchen, ihn in seiner Welt „abzuholen“. Versuchen Sie, auf ihn einzugehen und ihn ernst zu nehmen. Man sollte die Erkrankten nach Möglichkeit nicht korrigieren, sondern besser umlenken.
- Bezirkssozialarbeit kontaktieren: Im akuten Fall sollte man immer erst versuchen, die Nachbarin zu beruhigen und ihren nötigsten Hilfebedarf zu erfassen. Gibt es keine Angehörigen oder Freunde, kann man z. B. die BSA (Bezirkssozialarbeit der Sozialbürgerhäuser) kontaktieren, deren Mitarbeiter bei Bedarf auch Hausbesuche machen, beraten und Hilfen vermitteln. Auch das nächstgelegene Alten- und Servicezentrum, die Nachbarschaftshilfe, den Gerontopsychiatrischen Dienst, die Fachstelle für häusliche Versorgung und natürlich den Hausarzt, soweit bekannt, kann man zu Rate ziehen.
- Gerontopsychiatrische Dienste: Die Gerontopsychiatrischen Dienste (GpDi´s) bieten Hilfe an, wenn man sich Sorgen um einen sich auffällig benehmenden, verwirrt erscheinenden älteren Nachbarn macht. Diese Zustände können verschiedene Gründe haben, wie z.B. eine Depression, Angst oder auch eine Psychose. Die Mitarbeiter sind auch geschult, diese Krankheitsbilder von einer Demenz zu unterscheiden und vermitteln gegebenenfalls weiter.
Spirituelle und religiöse Begleitung
Auch im Alltag kann man Menschen mit Demenz spirituell begleiten. Wer spirituell begleiten will, muss dafür offen sein, dass sein Gegenüber ein Geheimnis ist. Und dieses Geheimnissein gibt dem Menschen eine besondere, unverlierbare Würde. Der Begleitende versucht zu erspüren, was dem Menschen mit Demenz wichtig ist, was ihm Sinn verleiht, was ihn teilhaben lässt an der Gemeinschaft, was ihm ein Selbstwertgefühl vermitteln kann. Diese Dinge können religiöser oder auch nicht religiöser Natur sein. Ganz praktisch gesagt soll man z.B. versuchen, die Menschen noch am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, damit sie sich zugehörig fühlen können. Das heißt auf religiöser Ebene, sie (falls möglich) noch in die Gottesdienste oder Veranstaltungen der Pfarrei mitnehmen. Auch eine Möglichkeit ist, das kirchliche Brauchtum zu pflegen.
Persönlichkeiten im Bereich Demenz
Viele engagierte Persönlichkeiten setzen sich für Menschen mit Demenz ein:
- Christian Zimmermann: Der Münchener möchte anderen von Gehirnalterung betroffenen Menschen ein Beispiel dafür geben, wie man mit der Alzheimerdemenz umgehen und sie in sein Leben integrieren kann.
- Michaela Kaplaneck: Die Sozialarbeiterin hat ein spezielles Gruppenangebot für Frühbetroffene entwickelt, das einen geschützten Raum und die Möglichkeit bietet, sich mit Menschen in einer vergleichbaren Lebenssituation auszutauschen, aber auch dazu ermutigen soll, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen und sich selbstbewusst zu äußern.
- Sylvia Kern: Als Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. vertritt sie einen Selbsthilfeverband, der vor allem die Situation der direkt und indirekt Betroffenen im Blick hat.
- Dr. Elisabeth Stechl: Ihr Forschungsschwerpunkt ist seit 2002 das Krankheitserleben bei Demenz im Frühstadium. Frau Stechl ist es wichtig, Demenz nicht nur als Leid und Verlust von Fähigkeiten darzustellen.
- Dr. Richard Taylor: Der sich selbst als Alzheimer-Aktivist bezeichnende Psychologe ist ein leidenschaftlicher Fürsprecher von Menschen mit Demenz.
- Dr. Peter J. Whitehouse: Er sieht die Alzheimer-Demenz nicht als Krankheit mit einer singulären Ursache, sondern eher als eine besondere Form der Hirnalterung.
- Doris Wohlrab: Im Rahmen des Projekts "Demenz mitten im Leben" begleitet und berät Doris Wohlrab jüngere Menschen mit einer Demenzdiagnose, Menschen im frühen Stadium einer Demenz und deren Angehörige.
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