Einleitung
Jeder Mensch sehnt sich nach Freundschaft, Geselligkeit und einem Gefühl der Zugehörigkeit. Die Realität sieht jedoch oft anders aus, und immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Multipler Sklerose (MS), die aufgrund ihrer Erkrankung oft Schwierigkeiten haben, stabile und vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Auswirkungen von Einsamkeit bei MS-Betroffenen und zeigt Wege auf, wie man der Isolation entkommen kann.
Was bedeutet Einsamkeit?
Einsamkeit beschreibt das Gefühl, von anderen Menschen getrennt und isoliert zu sein. Es ist der Wunsch nach sozialem Anschluss und emotionaler Bindung, der nicht erfüllt wird. Im Gegensatz zum Alleinsein, das ein neutraler Zustand sein kann, ist Einsamkeit immer negativ konnotiert. Man kann allein sein und sich wohlfühlen, aber einsam fühlt man sich, wenn man das Gefühl hat, nicht anerkannt, beachtet oder gebraucht zu werden. Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl und kann auch in Partnerschaften oder Familien auftreten, wenn emotionale Nähe fehlt.
Ursachen von Einsamkeit bei MS
Die Diagnose MS und die damit verbundenen körperlichen und psychischen Veränderungen können zu Gefühlen der Einsamkeit führen. Viele Betroffene ziehen sich zurück, weil sie nicht zur Last fallen wollen oder weil sie nicht mehr die Kraft haben, Freundschaften zu pflegen. Körperliche Einschränkungen können es erschweren, die Wohnung zu verlassen und soziale Kontakte zu pflegen.
Weitere Ursachen für Einsamkeit bei MS sind:
- Angst vor Ablehnung: MS-Betroffene befürchten, von anderen Menschen aufgrund ihrer Erkrankung ausgeschlossen oder gemieden zu werden.
- Verlust von Selbstbestimmung: Wenn andere Menschen einem nichts mehr zutrauen oder einen bevormunden, kann dies das Gefühl der Einsamkeit verstärken.
- Soziale Isolation: Aufgrund von Symptomen wie Fatigue oder Mobilitätseinschränkungen können MS-Betroffene seltener an sozialen Aktivitäten teilnehmen und dadurch isoliert werden.
- Veränderungen im sozialen Umfeld: Umbrüche im Leben, wie der Verlust von Freunden oder Familienmitgliedern, können zu Einsamkeit führen.
- Belastung der Partnerschaft: MS kann eine Partnerschaft stark belasten und zu emotionaler Distanzierung führen.
Auswirkungen von Einsamkeit
Einsamkeit hat negative Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit. Sie kann zu Trauer, Verzweiflung, Depressionen und Angststörungen führen. Studien haben gezeigt, dass Einsamkeit das Immunsystem schwächen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann. Bei MS-Betroffenen kann Einsamkeit den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen und Schübe auslösen. Stress, Angst und Einsamkeit können zu erhöhten Entzündungswerten im Körper führen.
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Wege aus der Einsamkeit
Es gibt viele Möglichkeiten, der Einsamkeit entgegenzuwirken und soziale Kontakte zu knüpfen. Hier sind einige Tipps für MS-Betroffene:
- Offen über MS sprechen: Sich anderen anzuvertrauen und über die eigenen Ängste und Einschränkungen zu sprechen, kann Verbundenheit entstehen lassen.
- Kontakte knüpfen: Mutig sein und sich an Neues heranwagen, unbekannte Interessen erforschen. Man kann eine Liste erstellen, was man mag und nicht mag, um neue Hobbys zu finden.
- Selbstliebe und Akzeptanz: Sich selbst genug sein, sich mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinandersetzen und sich annehmen, auch mit Beeinträchtigungen.
- Initiative ergreifen: Freunde und Familie kontaktieren, auch wenn es nicht immer sofort klappt. Nicht aufgeben und immer wieder nachfragen.
- Moderne Kommunikationsmittel nutzen: Internet, Telefon, Kurznachrichten und Social Media können helfen, Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.
- Selbsthilfegruppen und Vereine: Der Beitritt zu einer Selbsthilfegruppe oder einem Verein mit gemeinsamen Interessen kann neue Kontakte und Spaß bringen.
- Foren und Social Media: In Foren und Social-Media-Gruppen können sich MS-Betroffene austauschen, Fragen stellen und sich gegenseitig unterstützen.
- Professionelle Hilfe suchen: Wenn die Einsamkeit sich manifestiert und zu einer Belastung wird, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Eine Verhaltenstherapie kann helfen, mit der Situation umzugehen und neue Strategien zu entwickeln.
- Achtsamkeit und Entspannung: MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) kann helfen, Stress, Angst und Einsamkeit zu reduzieren und das Wohlbefinden zu steigern. Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training können helfen, bewusst auf den eigenen Körper zu hören und zur Ruhe zu kommen.
- Selbstfürsorge: Achten Sie im Alltag darauf, Körper und Seele ausreichend Erholungsphasen zu gönnen. Bewusst und ruhig bis tief in den Bauch zu atmen, kann nötige Ruhe zurückbringen.
- Umgang mit Angehörigen: Reden Sie mit Ihren Angehörigen über Ihre Bedürfnisse und Erwartungen. Angehörige sind nicht automatisch die Pfleger:innen, Betroffene nicht automatisch hilfsbedürftig.
MS in Beziehungen, Partnerschaften und Familien
MS betrifft nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Angehörigen. Es ist wichtig, offen über die Erkrankung und ihre Auswirkungen zu sprechen. Angehörige sollten die Bedürfnisse der Betroffenen respektieren und sie nicht bevormunden. MS-Betroffene sollten sich nicht scheuen, Hilfe anzunehmen, aber auch ihre Selbstständigkeit zu bewahren.
Umgang mit Stress und Belastungen
Stress und Belastungen können den Krankheitsverlauf von MS negativ beeinflussen. MS-Betroffene sollten lernen, "abzuschalten" und Umstände, über die man sich normalerweise ärgern würde, gelassener zu sehen. Es ist wichtig, Körper und Seele ausreichend Erholungsphasen zu gönnen und sich Zeit für Entspannung und positive Aktivitäten zu nehmen.
Die Rolle der Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen bieten MS-Betroffenen die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie können ein wichtigerAnker in schwierigen Zeiten sein und helfen, die Einsamkeit zu überwinden.
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