Multiple Sklerose: Die Rolle der "ausbrennenden" Phase und ihre Symptome

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es zu einer Schädigung der Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark kommt. Ein Begriff, der im Zusammenhang mit MS oft fällt, ist die "ausbrennende Phase". Doch was bedeutet das eigentlich, und welche Konsequenzen hat diese Phase für Betroffene? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der "ausbrennenden" Phase bei MS, ihre Symptome und Implikationen für die Forschung und Behandlung.

Was bedeutet "Ausbrennen" bei MS?

Der Begriff "Ausbrennen" im Zusammenhang mit MS bezieht sich auf die Beobachtung, dass die Entzündungsaktivität im Laufe der Jahre tendenziell abnimmt. Dies bedeutet, dass die Rate der Neubildung von MS-Herden im Gehirn und Rückenmark sinkt. In vielen Fällen produziert eine MS nach etwa 20 Jahren keine oder nur noch wenige neue Herde.

Einige Betroffene und auch Forscher interpretieren dies als ein Zeichen dafür, dass die MS im Laufe der Zeit zum Stillstand kommt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dies nicht immer der Fall ist. Auch wenn die entzündliche Aktivität nachlässt, können in bestehenden Herden (z.B. in sogenannten "schwarzen Löchern") weiterhin Entzündungsprozesse ablaufen, die zu einer fortschreitenden Schädigung des Nervengewebes führen.

Die Metapher des "Ausbrennens" kann daher irreführend sein, da sie suggeriert, dass die Krankheit vollständig zum Stillstand kommt, was nicht immer der Realität entspricht.

Entzündliche vs. Degenerative Phase

Ein wichtiger Aspekt beim Verständnis der "ausbrennenden" Phase ist die Unterscheidung zwischen der entzündlichen und der degenerativen Phase der MS. In den jungen Lebensjahren dominiert oft die entzündliche Aktivität, die zu akuten Schüben und der Bildung neuer Herde führt. Im Laufe der Jahre kann diese entzündliche Aktivität nachlassen, während degenerative Prozesse, wie der Abbau von Nervenzellen und Axonen, in den Vordergrund treten.

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Die Ursachen für diese Veränderung im Krankheitsverlauf sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Faktoren, die in jungen Jahren das Gewebe stark schädigen, im Laufe der Zeit schwächer werden. Es bleiben dann vor allem Herde zurück, die durch Remyelinisierung weitgehend ausgeheilt sind, und andere Herde, in denen die Entzündung nicht zur Ruhe kommt.

Einige Forscher glauben, dass die Demyelinisierung in bestimmten Herden so ausgeprägt war, dass die entstandenen Narben sich bis zum Axon hin weiterfressen bzw. die Nervenzellen schädigen.

Symptome der "ausbrennenden" Phase

Die Symptome der "ausbrennenden" Phase können vielfältig sein und hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Lokalisation der MS-Herde, dem Ausmaß der Schädigung des Nervengewebes und dem individuellen Krankheitsverlauf.

Einige häufige Symptome sind:

  • Progression der Behinderung: Auch wenn keine neuen Schübe auftreten, kann es zu einer langsamen, aber stetigen Verschlechterung der neurologischen Funktionen kommen. Dies kann sich inForm von zunehmenden Lähmungen, Koordinationsstörungen,Sensibilitätsverlusten oder kognitiven Beeinträchtigungen äußern.
  • Fatigue: Viele MS-Patienten leiden unter chronischer Müdigkeit und Erschöpfung, die auch in der "ausbrennenden" Phase bestehen bleiben oder sich sogar verstärken kann.
  • Schmerzen: Chronische Schmerzen, wie z.B. Nervenschmerzen, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen, sind ein häufiges Problem bei MS und können auch in der "ausbrennenden" Phase auftreten.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Schwierigkeiten bei der Informationsverarbeitung können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
  • Blasen- und Darmfunktionsstörungen: Inkontinenz, häufiger Harndrang oder Verstopfung sind häufige Begleiterscheinungen der MS und können auch in der "ausbrennenden" Phase bestehen bleiben.
  • Psychische Veränderungen: Depressionen, Angstzustände und Stimmungsschwankungen können ebenfalls auftreten.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle MS-Patienten die gleichen Symptome entwickeln und dass der Schweregrad der Symptome von Person zu Person variieren kann.

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Bedeutung für die Forschung

Die "ausbrennende" Phase der MS ist ein wichtiger Forschungsbereich, da sie Einblicke in die langfristigen Mechanismen der Krankheitsentstehung und -progression geben kann. Ein besseres Verständnis dieser Mechanismen könnte zur Entwicklung neuer Therapieansätze führen, die nicht nur die Entzündung reduzieren, sondern auch die Degeneration des Nervengewebes aufhalten oder sogar umkehren können.

Einige vielversprechende Forschungsansätze sind:

  • Remyelinisierungs-Therapien: Diese Therapien zielen darauf ab, die beschädigte Myelinscheide der Nervenfasern zu reparieren und die Nervenleitgeschwindigkeit wiederherzustellen.
  • Neuroprotektive Therapien: Diese Therapien sollen die Nervenzellen vor weiteren Schäden schützen und ihr Überleben fördern.
  • Therapien zur Modulation der Mikroglia-Aktivität: Mikroglia, eine Art Immunzelle im Gehirn, spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Entzündung bei MS. Therapien, die die Aktivität der Mikroglia modulieren, könnten dazu beitragen, die Entzündung zu reduzieren und die Degeneration des Nervengewebes zu verlangsamen.
  • Anti-Aging-Strategien: Da die vorzeitige Alterung des Gehirns eine Rolle bei der schwelenden MS spielt, könnten Anti-Aging-Strategien, wie Bewegung, eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf, dazu beitragen, die Gehirngesundheit zu erhalten und die Progression der MS zu verlangsamen.

Individuelle Therapieansätze

Die Behandlung der MS sollte immer individuell auf die Bedürfnisse und den Krankheitsverlauf des einzelnen Patienten abgestimmt sein. In der "ausbrennenden" Phase kann der Fokus der Behandlung von der Reduktion der Entzündung auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität verlagert werden.

Einige wichtige Therapieansätze sind:

  • Symptomatische Therapie: Medikamente und andere Therapien können eingesetzt werden, um spezifische Symptome wie Schmerzen, Fatigue, Spastik, Blasenfunktionsstörungen und kognitive Beeinträchtigungen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit zu verbessern und die körperliche Funktion zu erhalten.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Alltagsfähigkeiten zu verbessern und die Selbstständigkeit im täglichen Leben zu erhalten.
  • Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu verbessern.
  • Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den psychischen Belastungen der MS umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Rehabilitation: Eine umfassende Rehabilitation kann helfen, die körperliche, kognitive und psychische Funktion zu verbessern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern.

Bedeutung der Zahnmedizin

Ein oft übersehener Aspekt bei MS ist die Bedeutung der Zahngesundheit. Entzündungen im Mundraum, wie z.B. Karies, Parodontitis oder NICO/FDOK-Herde (entzündliche Knochenveränderungen im Kiefer), können MS-Schübe auslösen oder laufende Therapien beeinträchtigen.

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Es ist daher wichtig, auf eine gute Mundhygiene zu achten und regelmäßige Zahnarztbesuche wahrzunehmen. Bei MS-Patienten sollte auch die Möglichkeit von NICO/FDOK-Herden im Kiefer in Betracht gezogen werden, da diese Entzündungsherde neurologische Erkrankungen wie MS verstärken können. Eine schonende Möglichkeit, Entzündungsherde im Kiefer zu lokalisieren, ist die absolut strahlungsfreie DVT-Tiefendiagnostik, ein spezielles Ultraschallverfahren, das zur Messung der Knochendichte dient und Rantes-Quellen farblich herausstellt.

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