Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die weltweit Millionen Menschen betrifft. In Israel werden innovative Behandlungsansätze und aktuelle Forschungsergebnisse verfolgt, um die Lebensqualität von MS-Patienten zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Fortschritte und gibt einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten in Israel.
Innovative Stammzelltherapie in Jerusalem
Am medizinischen Zentrum Hadassah-Ein Kerem in Jerusalem wurde ein vielversprechender Ansatz zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) und Amyotropher Lateralsklerose (ALS) entwickelt. Ärzte setzten zum weltweit ersten Mal Stammzellen ein, um diese Krankheiten zu behandeln. Bei dieser neuartigen Behandlung werden dem Patienten Stammzellen aus seinem eigenen Körper injiziert, wodurch er gleichzeitig Spender und Empfänger ist.
Forschungsergebnisse und erste Erfolge
Zunächst testeten die Mediziner die Effektivität der Stammzellen an Labormäusen. Dabei zeigte sich, dass die Zellen aus dem Rückenmark Schäden am Gehirn reduzieren und den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern können. In den letzten zwei Jahren wurden 25 Patienten mit MS und ALS behandelt, die auf herkömmliche Medikamente nicht ansprachen. Die meisten dieser Patienten berichteten von einer Verbesserung ihres Zustandes.
Einschränkungen und weitere Forschung
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Tests noch als experimentell gelten, da alle Beteiligten lediglich eine Injektion erhalten haben, der Beobachtungszeitraum von zwei Jahren zu kurz für eine endgültige Beurteilung ist und es keine Kontrollgruppe ohne Behandlung zum Vergleich gibt.
Das neue Multiple-Sklerose-Zentrum in Hadassah
Parallel zu diesen vielversprechenden Ergebnissen eröffnete Hadassah ein hochmodernes Multiple-Sklerose-Zentrum. Hier arbeiten Neurologen, Reha-Spezialisten, Urologen, Augenärzte und Sozialarbeiter zusammen, um eine umfassende Betreuung der Patienten zu gewährleisten und gegen diese nicht heilbaren Krankheiten anzukämpfen. In Israel sind 3.000 bis 4.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, wobei ein Drittel von ihnen in Hadassah betreut wird.
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COVID-19 und Multiple Sklerose: Impfungen und Immuntherapie
Die COVID-19-Pandemie hat viele Fragen bezüglich der Impfung von MS-Patienten aufgeworfen, insbesondere in Bezug auf die Wirksamkeit unter Immuntherapie.
Impfempfehlungen und Immunantwort
Prof. Mathias Mäurer betont, dass MS-Betroffene sich weiterhin gegen Corona impfen lassen sollten, idealerweise einmal jährlich im Herbst. Auch wenn bestimmte MS-Medikamente die Antikörperbildung nach der Impfung beeinflussen können, ist eine Impfung wichtig. Studien aus Israel zeigten, dass bestimmte MS-Medikamente eine geringere Antikörperantwort nach der Corona-Impfung hervorrufen können. Prof. Mäurer erklärt jedoch, dass Impfen auch für diese Patienten wichtig ist.
T-Zellen und Immunantwort
Eine gute Nachricht für MS-Patienten unter Immunsuppressiva: Wenn aufgrund fehlender B-Zellen nach der Corona-Impfung wenig Antikörper gebildet werden, können die T-Zellen den Kampf gegen SARS-CoV-2 übernehmen.
KKNMS-Empfehlungen zur Impfung
Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) empfiehlt, dass MS-Patienten die Impfangebote gegen SARS-CoV-2 wahrnehmen sollten, unabhängig von der aktuellen Therapie. Selbst ein verringerter Schutz ist besser als kein Schutz. Eine aktive Therapieumstellung oder ein verzögerter Therapiebeginn aufgrund von Bedenken bezüglich der Impfung wird nicht empfohlen.
Die Rolle der Immunantwort
Es ist wichtig zu beachten, dass die Immunantwort auf eine SARS-CoV-2-Infektion vielfältig sein kann und Antikörper, B- und T-Zellen involviert sind. Antikörper- und zelluläre Immunantworten korrelieren eher gering. Eine Impfung gilt als erfolgreich, wenn kein schwerer COVID-19-Verlauf nach der vollständigen Impfung auftritt.
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Granatapfel-Extrakt zur Behandlung von MS-Symptomen
Wissenschaftler in Israel haben das Potenzial des Granatapfels bei der Behandlung von Multipler Sklerose (MS) untersucht.
Kognitive Verbesserungen durch Granatapfel-Extrakt
Dimitrios Karussis, Direktor des MS-Zentrums am Hadassah-Krankenhaus in Ein Kerem, berichtet von signifikanten kognitiven Verbesserungen bei MS-Patienten nach dreimonatiger Einnahme eines speziellen Granatapfelextrakts. Die Behandlung führte zu einer Steigerung der Lernfähigkeit, des Textverständnisses sowie des Worterinnerungsvermögens um zwölf Prozent.
Die Rolle von Omega 5 und Nanotechnologie
Das Nahrungsergänzungsmittel wurde von Ruth Gabizon und Shlomo Magdassi entwickelt und zeichnet sich durch eine hohe Konzentration der ungesättigten Fettsäure Punicin aus, besser bekannt als Omega 5, das als eines der wirkungsvollsten Antioxidantien gilt. Mithilfe der Nanotechnologie gelang es, Granatapfelöl in derart winzige Partikel zu verkleinern, dass sie ungehindert von der Filtertätigkeit der Leber ins Gehirn gelangen können.
Studienergebnisse und Ausblick
Das unter dem Namen GranaGard entwickelte Produkt wurde zuerst erfolgreich an Mäusen getestet, dann an Menschen. Die Probanden befanden sich in einem bereits fortgeschrittenen Stadium der Krankheit und litten seit über zehn Jahren an Multipler Sklerose. Die meisten Therapieansätze verbessern lediglich die motorischen und sensorischen Fähigkeiten, während der Degenerationsprozess, der durch das Absterben von Nervenzellen verursacht wird, eher außen vor bleibt. Eine weitere Testreihe in Kooperation mit dem Rambam-Hospital in Haifa ist geplant.
Medikamentenentwicklung und -missbrauch
Copaxone und der Wettbewerb
Der Arzneikonzern Teva, ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen mit Sitz in Israel, geriet in den Fokus der EU-Kommission, weil er seine marktbeherrschende Stellung mit dem Medikament Copaxone, das zur Behandlung von Multipler Sklerose eingesetzt wird, missbraucht haben soll. Die EU-Kommission verhängte eine Geldbuße in Höhe von 462,6 Millionen Euro gegen das Unternehmen.
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Rebif®: Ein führendes Medikament gegen Multiple Sklerose
Rebif® ist eines der führenden Medikamente gegen Multiple Sklerose (MS). Entdecker und Entwickler von Rebif® ist Michel Revel, der sein ganzes Forscherleben der Suche nach MS-Therapien gewidmet hat. Entscheidend für diesen Erfolg war die Produktion von Interferon-beta in Säugetierzellen. Noch heute wird Rebif®, die biotechnologisch produzierte Variante von Interferon-beta, von CHO-Zellen in Bioreaktoren hergestellt.
Zertifizierte MS-Zentren in Deutschland
Auch wenn der Fokus dieses Artikels auf Israel liegt, ist es wichtig zu erwähnen, dass es auch in anderen Ländern, wie Deutschland, Zentren gibt, die sich der Behandlung von MS widmen. Das Zentrum für Multiple Sklerose (MS) am Klinikum Lüdenscheid hat erneut die Zertifizierung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) erhalten.
Umfassende Betreuung und moderne Therapien
Das MS-Zentrum am Klinikum Lüdenscheid bietet seit 17 Jahren ein umfassendes und interdisziplinäres Behandlungskonzept für MS-Patienten. Dank der Fortschritte in der Forschung und Therapie können Betroffene heute deutlich besser mit modernen Therapeutika behandelt werden, was ihre Lebensqualität erheblich verbessert.
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