Multiple Sklerose und Fieberschübe: Ursachen, Symptome und Management

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch ein Zusammenspiel von genetischen und Umweltfaktoren entsteht. Die Erkrankung ist heute gut behandelbar, dennoch ist es wichtig, die Ursachen von Fieberschüben und deren Management zu verstehen.

Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems. In Österreich sind etwa 14.000 Menschen betroffen, was einer Häufigkeit von etwa 160 Personen pro 100.000 Einwohner entspricht. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die MS tritt üblicherweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, kann aber auch in anderen Altersgruppen vorkommen.

Entstehung von Entzündungsherden

Bei der MS entstehen Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark. Autoaggressive Entzündungszellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, dringen durch die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn ein und bilden dort sogenannte Plaques. Diese Entzündungsherde treten bevorzugt im Sehnerven, Hirnstamm, um die Liquorräume oder im Rückenmark auf.

Ursachen und Risikofaktoren

Die MS ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Ungefähr ein Viertel der Ursachen ist angeboren, also genetisch bedingt. Es gibt aber auch Faktoren, die das MS-Risiko vermindern, wie ein hoher Vitamin-D-Spiegel und viel körperliche Bewegung, besonders in der Jugend. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Genetische Faktoren: MS ist zwar keine erbliche Erkrankung, aber das Risiko zu erkranken ist höher, wenn ein Familienmitglied betroffen ist.
  • Bestimmte Infektionen im Kindes- und Jugendalter: Das Epstein-Barr-Virus (EBV) steht besonders im Verdacht, das MS-Risiko zu erhöhen. Auch Masern und das humane Herpesvirus 6 werden diskutiert. Eine aktuelle US-Studie hat einen engen Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Multipler Sklerose bestätigt. Bei allen Betroffenen wurde das Epstein-Barr-Virus im Blut nachgewiesen.
  • Vitamin-D-Mangel: Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut ist ein Risikofaktor. Vitamin D unterstützt die Funktion des Immunsystems.
  • Rauchen: Rauchen kann den Verlauf der MS beschleunigen und verschlimmern.
  • Übergewicht: Übergewicht im Kindes- und Jugendalter kann das MS-Risiko erhöhen.
  • Luftverschmutzung: Schadstoffe wie Stickoxide, Schwefeloxide und Mikrofeinstaub stehen im Verdacht, MS zu begünstigen oder zu verschlimmern.

Symptome der Multiplen Sklerose

Die Symptome der MS sind vielfältig und können sich im Verlauf der Erkrankung verändern. Typische Symptome sind:

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  • Sehnerventzündung: Schmerzen hinter dem Auge und Sehverschlechterung, die von minimal bis ausgeprägt sein kann.
  • Gefühlsstörungen: Jegliche Art von Gefühlsstörungen, beispielsweise an den Beinen oder Armen.
  • Kognitive Symptome: Verminderung der Arbeitsgeschwindigkeit, Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Informationen.
  • Müdigkeit (Fatigue): Abnorme Tagesmüdigkeit, die das am meisten einschränkende Symptom sein kann.
  • Schmerzen: Treten bei etwa 86% der Betroffenen auf, beispielsweise in Zusammenhang mit einem Schub oder im Rahmen einer Gefühlsstörung.
  • Weitere Symptome: Sehstörungen, Muskelschwäche und Missempfindungen können auftreten, sich verändern oder zeitweise verschwinden.

Verlaufsformen der MS

Bei der MS werden drei grundlegende Verlaufsformen unterschieden, die ineinander übergehen können:

  • Schubförmig-remittierende MS (RRMS): Bei den meisten Betroffenen treten die ersten Symptome in Schüben auf und lassen zwischendurch wieder komplett oder teilweise nach.
  • Sekundär progrediente MS: Eine ursprünglich schubförmig verlaufende MS entwickelt sich häufig nach 10 bis 20 Jahren in eine sekundär progrediente Form, bei der sich die Beschwerden langsam verschlechtern und weniger in Schüben auftreten.
  • Primär progrediente MS: Diese Form ist seltener und tritt bei etwa 10% bis 15% der Betroffenen auf.

Fieberschübe bei Multipler Sklerose

Schübe sind die klassische Äußerung der MS. Ein Schub ist definiert als das Auftreten neuer Symptome oder die Verschlechterung bestehender Symptome, die in den letzten vier Wochen nicht vorhanden waren und die mindestens 24 Stunden anhalten. Es ist wichtig, Schübe von Pseudoschüben zu unterscheiden, die beispielsweise infektbedingt auftreten.

Ursachen von Schüben

Schübe können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Infekte: Erkältungskrankheiten oder Harnwegsinfekte können Schübe triggern.
  • Stress: Besondere familiäre oder berufliche Belastungen können eine Rolle spielen.
  • Unbekannte Ursachen: In den meisten Fällen treten Schübe ohne nachweisbare Ursache auf.

Symptome eines Schubs

Die Symptome eines Schubs können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Bereich des Nervensystems betroffen ist. Die Symptome beginnen in der Regel nicht akut, sondern entwickeln sich über Stunden und Tage. Ein Schub dauert mindestens 24 Stunden. Es gibt leichte und schwere Schübe. Leichte Schübe können beispielsweise Gefühlsstörungen sein, die einen Arm oder ein Bein betreffen und den Alltag nicht unbedingt beeinträchtigen müssen.

Behandlung von Schüben

Nicht jeder Schub muss zwangsweise mit Cortison behandelt werden. Bei leichteren Schüben, insbesondere wenn man im Alltag nicht beeinträchtigt ist, kann man durchaus abwarten. Bei schweren Schüben kann eine Kortisonstoßtherapie erforderlich sein, um die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.

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Pseudoschübe und das Uhthoff-Phänomen

Eine vorübergehende Verschlechterung der MS-Symptome bedeutet nicht immer, dass ein Schub vorliegt. Es kann sich auch um das sogenannte Uhthoff-Phänomen handeln, eine Form des MS-Pseudoschubs.

Was ist das Uhthoff-Phänomen?

Das Uhthoff-Phänomen ist eine vorübergehende Verschlechterung neurologischer Symptome oder der allgemeinen Leistungsfähigkeit im Rahmen erhöhter Umgebungs- oder Körpertemperatur (auch bei Fieber). Die Symptome bilden sich immer wieder zurück. Die Ursache liegt in einer Erhöhung der Körpertemperatur, die die Leitfähigkeit der Nervenbahnen verringert.

Auslöser des Uhthoff-Phänomens

Das Uhthoff-Phänomen kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Fieber: Infektionen oder Erkältungen mit Fieber.
  • Hitze: Heiße Bäder, Saunabesuche oder hohe Umgebungstemperaturen.
  • Körperliche Anstrengung: Körperliche Aktivität kann ebenfalls zu einer Erhöhung der Körpertemperatur führen.

Symptome des Uhthoff-Phänomens

Die Symptome des Uhthoff-Phänomens sind vielfältig und können sich von Person zu Person unterscheiden. Typische Symptome sind:

  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen oder Sehen wie durch einen Nebel.
  • Fatigue: Verstärkte Müdigkeit und Erschöpfung.
  • Kognitive Störungen: Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme.
  • Tremor: Zittern.
  • Gefühlsstörungen: Kribbeln oder Taubheitsgefühl.
  • Spastik: Muskelsteifheit.

Umgang mit dem Uhthoff-Phänomen

Das beste Mittel gegen das Uhthoff-Phänomen ist, die Auslöser zu vermeiden. Einige Tipps sind:

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  • Vermeiden Sie Hitze: Meiden Sie heiße Bäder, Saunabesuche und anstrengende körperliche Aktivitäten bei hohen Temperaturen. Suchen Sie im Sommer kühle Plätze auf und nutzen Sie Klimaanlagen oder Ventilatoren.
  • Kühlen Sie sich ab: Kühle Duschen, Fußbäder mit Eiswürfeln oder Kühlkleidung können helfen, die Körpertemperatur zu senken.
  • Trinken Sie ausreichend: Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken, um einem Flüssigkeitsverlust vorzubeugen.
  • Passen Sie Ihre Kleidung an: Tragen Sie leichte, atmungsaktive Kleidung.
  • Planen Sie Ihren Tag: Bereiten Sie notwendige Dinge am besten abends vor, wenn es kühler ist.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Die Diagnose der MS ist zunächst eine klinische Diagnose. Der Arzt beschäftigt sich ausführlich mit den Symptomen des Patienten. Eine Sehnerventzündung ist beispielsweise typisch für die MS, insbesondere wenn sie bei Personen im MS-typischen Alter auftritt, also im jungen Erwachsenenalter.

MRT-Untersuchung

Der nächste wichtige Baustein für die Diagnose der MS ist eine MRT-Untersuchung. Dabei können im Gehirn und im Rückenmark die typischen Entzündungsherde nachgewiesen werden. Eine MRT-Untersuchung kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden.

Lumbalpunktion

Darüber hinaus wird eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt. In der Rückenmarksflüssigkeit werden die Entzündungszellen untersucht, um festzustellen, ob ein aktiver Entzündungsprozess vorhanden ist. Zum anderen sucht man die sogenannten oligoklonalen Banden, das sind Eiweißstoffe.

Therapie der Multiplen Sklerose

Die MS ist nicht heilbar, aber behandelbar. Die Behandlung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die auf die Betroffenen abgestimmt werden.

Krankheitsmodifizierende Therapie

Krankheitsmodifizierende Therapien sind Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen und den Verlauf der Erkrankung verlangsamen oder abmildern können. Zu Beginn der Diagnose sind die meisten MS-Betroffenen jung und wollen wissen, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und wie die MS den Alltag beeinflussen kann.

Symptomatische Therapie

Die symptomatische Therapie zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Dazu gehören beispielsweise Physiotherapie, neuropsychologisches Training und Psychotherapie.

Anpassung des Lebensstils

MS-Patienten können durch einen gesunden und ausgewogenen Lebensstil den Verlauf ihrer Erkrankung und die Stärke ihrer Symptome beeinflussen. Kraft- und Ausdauertrainings helfen, die Muskelkraft und Balance zu verbessern. Zudem profitieren die Lebensqualität und Psyche von regelmäßigem Sport.

Leben mit Multipler Sklerose

Heutzutage ist es das Ziel, das Leben möglichst so zu führen, dass man sich auch mit MS seine Berufs- und Familienwünsche erfüllen kann. Die MS beeinflusst in der Regel nicht die Fruchtbarkeit, und viele Frauen bekommen Kinder. Stress sollte vermieden werden, da er sich negativ auf die Erkrankung auswirken kann.

Impfungen

Impfungen sind ein wichtiges Thema bei MS, da sie mit viel Angst verbunden sind. Studien haben gezeigt, dass Impfungen das Risiko für MS nicht erhöhen und auch keine Schübe auslösen. Zusätzlich sind Impfungen wichtig, da sie Infektionen vorbeugen können, beispielsweise die jährliche Grippeimpfung oder auch die COVID-Impfung.

Ernährung

Es gibt keine spezifische Diätform für die MS, die wissenschaftlich untersucht ist. Grundsätzlich ist eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen.

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