Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu vielfältigen Symptomen wie Muskelschwäche, Koordinationsproblemen und Fatigue führen kann. Die gute Nachricht: Mit gezielten physiotherapeutischen Übungen können Betroffene ihre Beweglichkeit verbessern, Schmerzen reduzieren und ihre Lebensqualität deutlich steigern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten der Physiotherapie bei MS, von grundlegenden Übungen bis hin zu speziellen Techniken wie PNF.
Einführung
Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie führt zu einer Vielzahl von Symptomen, darunter Muskelsteifheit, Koordinationsprobleme und Schwäche in Armen und Beinen. Viele Betroffene kämpfen im Alltag mit Bewegungseinschränkungen und suchen nach Möglichkeiten, ihre Mobilität zu verbessern. Physiotherapie ist ein zentraler Baustein in der Behandlung von Multipler Sklerose. Für viele Betroffene stellt sich allerdings die Frage: Wie fange ich richtig an, ohne mich zu überfordern?
MS und Sport: Wie Bewegung helfen kann
Sport kann für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) eine wichtige Rolle spielen, um Beschwerden zu lindern und aktiv am Leben teilzunehmen. Die chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems beeinträchtigt oft Körperfunktionen wie Sehen, Sprechen, Muskelkraft und Koordination, was die soziale Teilhabe einschränken kann.
Vorteile von Sport bei MS
Entgegen früherer Annahmen hat Sport keine negativen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf. Im Gegenteil: Körperliche Betätigung setzt entzündungshemmende Botenstoffe frei, die sich günstig auf MS auswirken können. Sport und Bewegung können Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsprobleme lindern sowie die Mobilität verbessern. Zudem verringert Sport das Risiko von Begleiterkrankungen wie Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Krebs, Arthritis, Osteoporose und Depressionen.
Die positiven Auswirkungen von Sport auf Menschen mit MS sind vielfältig:
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- Verbesserung der Muskelkraft
- Steigerung der Mobilität
- Stärkung des Gleichgewichts und der Körperstabilität
- Förderung des Selbstvertrauens
- Steigerung der Lebensqualität
Geeignete Sportarten für Menschen mit MS
Eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining, Beweglichkeits- und Koordinationsübungen ist empfehlenswert. Sportarten wie Laufen, Walken, Schwimmen oder Radfahren belasten Herz und Kreislauf gleichmäßig. Krafttraining im Fitnessstudio oder bei der Wassergymnastik kann dem Abbau der Muskeln und der Verringerung der Knochendichte entgegenwirken. Flexibilitäts-, Gleichgewichts- und Dehnungsübungen, wie sie zum Beispiel beim Yoga oder Pilates vorkommen, machen Muskeln und Gelenke stark und geschmeidig und können schmerzende Muskelkrämpfe verringern. Auch Stürzen können Betroffene so vorbeugen.
Empfehlenswerte Sportarten bei MS:
- Wassergymnastik: Stabilisiert die Mobilität und unterstützt das Herz-Kreislauf-System. Besonders gut geeignet bei spastischen MS-Symptomen, weil der Körper aktiv und passiv bewegt wird.
- Outdoor-Sportarten wie Nordic Walking: Verbessern Bewegungsabläufe, Koordination sowie Lungenfunktion und können Fatigue-Beschwerden lindern.
- Tai Chi und Qi Gong: Rhythmische und langsame Bewegungen helfen besonders bei Ataxie, also bei Störungen in der Bewegungskoordination.
- Kanufahren oder Stand-up-Paddling: Trainieren den ganzen Körper, fördern den Gleichgewichtssinn sowie Bewegungsabläufe. Je nach Schwere der Erkrankung kann Stand-up-Paddling aber auch zum Sit-up-Paddling werden.
Wichtige Hinweise für Sport bei MS
- Ärztliche Beratung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, bevor Sie mit einer neuen Sportart beginnen.
- Realistische Ziele: Stecken Sie sich realistische Ziele und trainieren Sie regelmäßig.
- Eigene Grenzen beachten: Starten Sie langsam und steigern Sie zuerst die Dauer der körperlichen Aktivität, dann die Häufigkeit und schließlich die Intensität.
- Körper beobachten: Achten Sie auf Ihren Körper und unterbrechen Sie bei auftretenden Symptomen wie Müdigkeit oder Gleichgewichtsproblemen das Training.
- Überhitzung vermeiden: Tragen Sie atmungsaktive Sportkleidung und haben Sie immer etwas zur Kühlung dabei. Trainieren Sie nicht an heißen Tagen.
- Training nach Schub: Trainieren Sie nicht während eines akuten Schubes und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, ehe Sie nach einem Schub wieder mit dem Training beginnen.
- Aufwärmen und Dehnen: Wärmen Sie sich gut auf und dehnen Sie sich ausgiebig nach dem Sport. Das beugt Versteifungen und Spastiken vor.
PNF: Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation
Eine bewährte Methode in der Physiotherapie, die MS-Patienten helfen kann, ist die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF). Diese spezielle Technik nutzt gezielte Bewegungsmuster, um die Nerven-Muskel-Kommunikation zu fördern, Spastiken zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
Was ist PNF?
Die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF) ist eine physiotherapeutische Technik, die darauf abzielt, das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln zu verbessern. Ursprünglich wurde sie in den 1940er Jahren von dem Neurophysiologen Herman Kabat entwickelt, um Patienten mit neurologischen und muskulären Einschränkungen zu helfen.
PNF basiert auf drei zentralen Prinzipien:
- Propriozeption: Die Wahrnehmung der eigenen Körperbewegung und -stellung wird geschult.
- Neuromuskuläre Fazilitation: Die gezielte Aktivierung von Muskeln durch bestimmte Bewegungsmuster und Widerstände.
- Dynamische Bewegungsmuster: Anstatt isolierte Muskeln zu trainieren, werden natürliche, funktionelle Bewegungen genutzt.
Ein Kernaspekt von PNF sind die sogenannten diagonalen Bewegungsmuster. Diese entsprechen den natürlichen Bewegungen unseres Körpers - beispielsweise die Drehbewegung beim Greifen eines Gegenstandes oder das Zusammenspiel von Armen und Beinen beim Gehen. Durch gezielten Widerstand, verbale Anweisungen und taktile Reize (z. B. durch Berührung des Therapeuten) werden geschwächte Muskeln aktiviert und neuromuskuläre Verbindungen gestärkt.
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Warum ist PNF für MS-Patienten wichtig?
Weil MS häufig die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskulatur stört, kann PNF helfen, diese Verbindung zu reaktivieren und Bewegungsabläufe effizienter zu gestalten.
Wie PNF bei MS helfen kann
Da Multiple Sklerose die Signalübertragung zwischen Gehirn und Muskeln stört, ist es wichtig, alternative Wege zu finden, um Bewegungsabläufe zu erleichtern und die Muskelkontrolle zu verbessern. Genau hier setzt Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF) an.
PNF nutzt gezielte Bewegungsmuster, Widerstandstechniken und taktile Reize, um die neuronale Kommunikation zu verbessern und Muskelfunktionen zu aktivieren. Dies kann MS-Patienten in mehrfacher Hinsicht unterstützen:
- Verbesserung der Beweglichkeit: Viele MS-Patienten leiden unter eingeschränkter Beweglichkeit, sei es durch Muskelsteifheit oder reduzierte Kraft. PNF nutzt diagonale Bewegungsmuster, um Gelenke und Muskeln auf natürliche Weise zu mobilisieren. Dies hilft, versteifte Strukturen zu lockern und die Flexibilität zu erhöhen.
- Reduktion von Spastiken: Muskelspastiken sind eine häufige Begleiterscheinung von MS. Sie können schmerzhaft sein und Bewegungen erschweren. Durch gezielte Stretch-Techniken innerhalb der PNF-Therapie werden die betroffenen Muskeln sanft gedehnt und entspannen sich besser.
- Stärkung geschwächter Muskulatur: Da MS oft zu Muskelschwäche führt, ist es wichtig, die verbleibende Muskelkraft zu aktivieren und gezielt zu trainieren. PNF arbeitet mit gezieltem Widerstand, um Muskeln zu stimulieren und Kraft aufzubauen, ohne sie zu überlasten.
- Förderung der Koordination und des Gleichgewichts: Durch die Beeinträchtigung des Nervensystems kann es MS-Patienten schwerfallen, koordinierte Bewegungen auszuführen. PNF nutzt rhythmische Bewegungsabläufe, die das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen verbessern. Das hilft, sicherer zu gehen und das Sturzrisiko zu reduzieren.
- Erhalt der Alltagsfähigkeiten: PNF ist nicht nur ein isoliertes Training, sondern setzt direkt bei den Bewegungen an, die im Alltag gebraucht werden. Ob Aufstehen, Gehen, Greifen oder Drehen - PNF fördert die Fähigkeit, diese Bewegungen bewusst und effizienter auszuführen.
Konkrete PNF-Techniken für MS-Patienten
PNF ist eine sehr vielseitige Methode, die individuell auf die Bedürfnisse jedes Patienten angepasst werden kann. Je nach Symptomatik - ob Muskelschwäche, Spastiken oder Gleichgewichtsprobleme - gibt es spezifische Techniken, die gezielt unterstützen. Hier sind einige bewährte PNF-Techniken für MS-Patienten:
Rhythmische Stabilisation - für mehr Muskelkontrolle
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- Ziel: Verbesserung der Stabilität und Körperspannung
- Wie funktioniert es? Der Therapeut gibt sanften Widerstand in verschiedenen Richtungen, während der Patient eine Position hält (z. B. im Sitzen oder Stehen). Durch den Wechsel von Anspannung und Entspannung wird die Muskelkontrolle verbessert, was besonders bei Gleichgewichtsproblemen hilft.
Dynamische Umkehrbewegungen - für bessere Koordination
- Ziel: Erleichterung von fließenden Bewegungen und Muskelansteuerung
- Wie funktioniert es? Der Therapeut führt den Patienten durch diagonale Bewegungen (z. B. das Greifen einer imaginären Flasche über die Körpermitte und das anschließende Absenken des Arms). Dies trainiert das natürliche Bewegungsmuster und hilft bei steifen oder schwachen Muskeln.
Bewegung nach Widerstand - für gezielten Muskelaufbau
- Ziel: Kräftigung der Muskulatur und Verbesserung der Muskelansteuerung
- Wie funktioniert es? Der Therapeut setzt gezielt Widerstand an bestimmten Körperpartien (z. B. Druck gegen die Hand beim Anheben des Arms). Dies aktiviert schwache Muskeln, ohne den Patienten zu überfordern. Besonders hilfreich für MS-Patienten mit schwacher Beinmuskulatur oder unsicherem Gangbild.
Stretch-Techniken - gegen Spastiken und Muskelverkürzungen
- Ziel: Reduzierung von Muskelverkrampfungen und Verbesserung der Beweglichkeit
- Wie funktioniert es? Durch gezielte Dehnungen der betroffenen Muskeln werden Spastiken gelockert. Der Therapeut führt die Bewegung langsam aus, um eine bessere Entspannung und Regulation der Muskelspannung zu erreichen.
PNF für das Gangtraining - für mehr Sicherheit beim Gehen
- Ziel: Verbesserung des Gangbildes und Reduktion des Sturzrisikos
- Wie funktioniert es? Durch sanfte Widerstände an Beinen oder Becken wird die Beinmuskulatur gezielt aktiviert. Das Training simuliert das natürliche Gehen, sodass Bewegungsmuster stabiler und sicherer werden.
Weitere physiotherapeutische Übungen bei MS
Neben PNF gibt es eine Vielzahl weiterer Übungen, die in der Physiotherapie bei MS eingesetzt werden. Dazu gehören:
- Bewegungstherapie gegen Krämpfe: Passive Bewegungsübungen helfen dabei, die Muskulatur wieder zu lockern und zu entspannen.
- Gleichgewichtstraining: Gezielte Gleichgewichtsübungen helfen Betroffenen dabei, wieder eine stabile Haltung einzunehmen, sich sicherer zu bewegen und Stürze zu vermeiden. Eine einfache, aber wirksame Übung ist die Balance-Haltung: Stelle dich in Schrittstellung hin, je breiter deine Beine, desto stabiler stehst du. Halte diese Position so lange wie möglich.
- Krafttraining: Alle Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Kraft durch Training gesteigert werden kann. Negative Folgen treten nicht ein. Zur Stärkung deiner Rumpfstabilität eignen sich stehende Liegestütze: Stelle dich vor eine Arbeitsplatte und greife deren Rand. Beuge deine Arme und führe den Oberkörper in Richtung Hände, während deine Fersen am Boden bleiben.
- Ausdauertraining: Entsprechendes Training, zum Beispiel auf dem Laufband oder Fahrradergometer, kann die Ausdauerleistung langfristig verbessern.
- Dehnübungen: Sanfte Dehnung der Muskulatur kann helfen, Spastiken zu reduzieren.
- Koordinationsübungen: Die gut koordinierte Aktivierung der Muskeln ist der Schlüssel zu einer besseren Leistungsfähigkeit.
Beispiele für einfache Übungen im Alltag
- Baue kleine Übungen in deinen Alltag ein - empfehlenswert ist die mehrfache Durchführung für jeweils 10-15 Minuten, 2-3 Mal wöchentlich.
- Zehenstand: Drücke dich langsam mit den Fersen vom Boden ab, bis du auf den Zehen stehst.
- Wechselseitige Armschere: Im hüftbreiten Stand vor einer Küchenzeile eine Hand auf der Arbeitsplatte, die andere am Schrank.
Hilfsmittel und Technologien zur Unterstützung des Trainings
Hilfsmittel können Hindernisse beseitigen und dein Leben erheblich erleichtern. Für die Mobilität eignen sich Gehstöcke, Gehhilfen wie Rollatoren oder bei Bedarf ein Rollstuhl. Lasse dich vor der Anschaffung von einer Fachperson beraten, um die ideale Lösung für deine Situation zu finden. Moderne Technologien bieten hervorragende Möglichkeiten für ein individuelles Training. Für digitale Therapieansätze wurde in Studien eine sehr hohe Compliance von über 90% festgestellt.
Motivation und langfristiger Erfolg
Für den langfristigen Erfolg mit Physiotherapie bei MS ist es entscheidend, dranzubleiben und Übungen regelmäßig durchzuführen. Ein Sporttagebuch hilft dir, deine individuellen Belastungsgrenzen zu erkennen und einzuschätzen. Trage täglich deine Aktivitäten mit Dauer und resultierendem Befinden ein. Auf diese Weise kannst du mit der Zeit ablesen, welche Übungen besonders gut zu dir passen und welche du besonders gut verträgst. Die positiven Effekte einer regelmäßigen Rehabilitation halten bei MS etwa 6 bis 9 Monate an. Kleine Tricks und Kniffe können deine Motivation erheblich steigern. Besonders wirksam sind konkrete Belohnungen: Ist neben der Therapie-Praxis ein Sushi-Lokal? Dann gönne dir nach jedem vierten Training ein Sushi-Menü zum Mitnehmen. Zudem kann ein E-Bike eine fantastische Motivation sein, da die elektrische Unterstützung die Barriere abbaut, einfach loszuradeln. Nicht zuletzt kann auch der Besuch von Sportveranstaltungen motivierend wirken.
Tipps für MS-Patienten und Angehörige
PNF kann einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Beweglichkeit und Lebensqualität von MS-Patienten leisten - doch der Erfolg hängt stark davon ab, wie regelmäßig und konsequent die Übungen durchgeführt werden. Hier sind einige praktische Tipps, die den Alltag erleichtern und die Wirkung der Therapie optimieren können.
PNF-Übungen in den Alltag integrieren: Viele Bewegungsmuster aus der PNF-Therapie lassen sich leicht in den Tagesablauf einbauen:
- Beim Aufstehen aus dem Bett oder vom Stuhl bewusst diagonale Bewegungen nutzen.
- Beim Greifen von Gegenständen darauf achten, den ganzen Arm mit einzubeziehen.
- Beim Gehen darauf achten, dass Arme und Beine bewusst mitschwingen.
Auch kleine Bewegungseinheiten im Alltag helfen dabei, die neuromuskuläre Steuerung aktiv zu halten und Bewegungssicherheit zu verbessern.
- Regelmäßiges Üben - auch zu Hause: PNF entfaltet ihre volle Wirkung, wenn sie regelmäßig angewendet wird. Neben den physiotherapeutischen Sitzungen sollten Patienten einfache Übungen auch zu Hause durchführen. Das kann helfen, das Gelernte schneller in den Alltag zu übertragen und Bewegungsfortschritte zu stabilisieren. Ein einfacher Bewegungsplan mit 10-15 Minuten PNF-Übungen pro Tag kann bereits positive Effekte bringen.
- Auf die Körpersignale achten: Jeder MS-Patient hat eine andere Tagesform - und das sollte bei der Bewegungstherapie berücksichtigt werden. An „guten Tagen“ kann die Intensität der Übungen leicht gesteigert werden. An „schwächeren Tagen“ lieber sanftere Bewegungen nutzen, um die Muskeln nicht zu überlasten. Bei Spastiken oder Schmerzen sollten Übungen angepasst oder Pausen eingelegt werden.
- Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten und Angehörigen: MS ist eine Erkrankung, die sich über Jahre verändert - deshalb ist es wichtig, dass die Therapie immer individuell angepasst wird. Ein enger Austausch mit dem Physiotherapeuten hilft dabei, die Übungen optimal zu gestalten. Angehörige können unterstützen, indem sie Übungen mit dem Patienten gemeinsam durchführen oder Hilfestellungen im Alltag geben.
- Motivation nicht verlieren! Es ist ganz normal, dass Fortschritte nicht immer sofort sichtbar sind. Um motiviert zu bleiben: Kleine Erfolge bewusst wahrnehmen - jede Bewegung zählt! Ziele setzen: „Ich möchte sicherer Treppen steigen“ oder „Ich möchte länger ohne Pause gehen können“. Spaß an der Bewegung haben - vielleicht helfen Musik oder ein angenehmes Umfeld beim Üben!
Fazit
Regelmäßige Physiotherapie, einschließlich spezieller Techniken wie PNF, kann die Lebensqualität von MS-Patienten deutlich verbessern. Durch gezielte Übungen können Betroffene ihre Beweglichkeit erhalten oder verbessern, Spastiken reduzieren, Muskelkraft aufbauen und ihre Koordination schulen. Es ist wichtig, dass die Therapie individuell auf die Bedürfnisse und den Krankheitsverlauf des Patienten abgestimmt wird und dass die Übungen regelmäßig durchgeführt werden. Mit der richtigen Unterstützung und Motivation können Menschen mit MS ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen.
Glossar: Die wichtigsten Begriffe zu PNF und MS
- Propriozeption: Die Fähigkeit des Körpers, die Position und Bewegung der eigenen Gliedmaßen wahrzunehmen, auch ohne visuelle Kontrolle. Propriozeption spielt eine zentrale Rolle in der PNF-Therapie, da sie gezielt trainiert werden kann, um Bewegungsabläufe zu verbessern.
- Neuromuskuläre Fazilitation: Eine Technik, die darauf abzielt, die Zusammenarbeit zwischen Nerven und Muskeln zu verbessern. Durch gezielte Bewegungsmuster, Widerstände und sensorische Reize werden Muskeln aktiviert und Bewegungen erleichtert.
- Spastik: Unwillkürliche Muskelverkrampfungen, die häufig bei MS auftreten und Bewegungen erschweren oder schmerzhaft machen können. PNF-Techniken helfen, Spastiken zu lockern und die Muskelkontrolle zu verbessern.
- Diagonale Bewegungsmuster: Natürliche, über Kreuz verlaufende Bewegungen, die bei der PNF-Therapie gezielt genutzt werden, um funktionelle Bewegungen (z. B. Greifen oder Gehen) zu erleichtern. Diese Bewegungen entsprechen den Abläufen, die der Körper im Alltag benötigt.
- Rhythmische Stabilisation: Eine spezielle PNF-Technik, bei der sanfter Druck und Widerstand in verschiedene Richtungen gegeben wird, um die Stabilität und Muskelkontrolle zu verbessern. Besonders hilfreich für MS-Patienten mit Gleichgewichtsproblemen.
- Neuroplastizität: Die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und neue Verbindungen zwischen Nervenzellen zu bilden.
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