Wadenkrämpfe bei Multipler Sklerose: Ursachen, Behandlung und Linderung

Wadenkrämpfe sind ein verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft, insbesondere im höheren Alter. Bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) können Wadenkrämpfe jedoch eine besondere Herausforderung darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Strategien zur Linderung von Wadenkrämpfen im Zusammenhang mit MS.

Einführung

Unser Körper verfügt über mehr als 600 Muskeln, die ständig zusammenarbeiten, um unsere Bewegungen zu steuern. Muskelkrämpfe oder Steifheit betreffen mindestens jeden fünften Menschen mit MS. Es ist wichtig, die Ursachen von Muskelkrämpfen zu verstehen, um die bestmögliche Behandlung und Linderung zu gewährleisten.

Ursachen von Wadenkrämpfen bei MS

Die Ursachen von Wadenkrämpfen sind vielfältig und können sowohl harmloser Natur als auch auf ernsthafte Erkrankungen zurückzuführen sein. Bei MS-Patienten spielen jedoch spezifische Faktoren eine Rolle:

  • Muskelschwäche: Nervenfasern können beschädigt sein oder die Muskeln werden nicht benutzt. Selbst Muskeln, die nicht direkt von der MS betroffen sind, können schwach werden, wenn Symptome wie Fatigue, Gleichgewichtsstörungen und Schmerzen den Patienten daran hindern, sich zu bewegen und zu trainieren.
  • Muskelsteifheit (Spastik): Bei einer Muskelsteifheit oder auch Spastik spricht man bei einer anhaltend erhöhten Muskelspannung in Rumpf, Armen oder Beinen. Menschen, die mit MS leben, können dies auf viele Arten erleben. Manchmal wirkt sich MS auf die Muskeln des Fußes aus, was es schwierig macht, in einem normalen Fersen-Zehen-Muster zu gehen. Infolgedessen kann der Fuß beim Gehen auf dem Boden schleifen.
  • Neurologische Ursachen: Nervenkrankheiten wie Multiple Sklerose können Wadenkrämpfe auslösen.
  • Venenschwäche: Nächtliche Ruhekrämpfe können ein erstes Anzeichen einer beginnenden Venenschwäche sein. Bei einer Venenschwäche werden die Venenwände durch den erhöhten Druck porös und durchlässig. Tagsüber tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus und sammelt sich dort an. Nachts, wenn die Beine hochgelagert sind, fließt diese Flüssigkeit mitsamt Elektrolyten und anderen Stoffen plötzlich zurück in die Blutbahn. Diese rasche Verschiebung kann zu Krämpfen führen.
  • Elektrolytstörungen: Ein Mangel an Magnesium, Kalium oder Kalzium kann zu Muskelverspannungen und anhaltenden Wadenschmerzen führen. Ein Magnesiummangel kann Krämpfe begünstigen.
  • Weitere mögliche Ursachen:
    • Starke oder abnormale Belastung des betroffenen Muskels
    • Verminderter Blutzufluss
    • Störung des Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalts
    • Schilddrüsen- und Hormonstörungen
    • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
    • Parkinson
    • Restless-Legs-Syndrom
    • Beginnende Varikose bzw. Venenschwäche
    • Nierenschwäche
    • Medikamentöse Nebenwirkungen

Diagnose von Wadenkrämpfen

Die Diagnose von Wadenkrämpfen bei MS-Patienten umfasst in der Regel eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird nach den spezifischen Symptomen, der Häufigkeit und Dauer der Krämpfe sowie möglichen Auslösern fragen.

Zusätzlich können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

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  • Neurologische Untersuchung: Prüfung der Muskeltonus und der Reflexe, um Anzeichen einer erhöhten Muskelspannung zu identifizieren.
  • Blutuntersuchungen: Überprüfung der Elektrolytwerte (Magnesium, Kalium, Kalzium), Blutzucker, Leber- und Nierenwerte sowie Schilddrüsenhormone.
  • Elektromyografie (EMG): Messung der elektrischen Muskelaktivität, um Muskelerkrankungen oder Nervenstörungen zu erkennen.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT), um Schädigungen im zentralen Nervensystem zu visualisieren.
  • Doppler-Ultraschall: Um die Durchblutung der Gefäße zu prüfen.

Behandlung von Wadenkrämpfen bei MS

Die Behandlung von Wadenkrämpfen bei MS zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Krämpfe zu reduzieren, die Muskelspannung zu normalisieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Krämpfe eingesetzt werden können:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Muskelrelaxantien: Baclofen und Tizanidin sind gängige Medikamente zur Reduzierung der Spastik.
    • Botulinumtoxin: Gezielte Injektionen in bestimmte Muskelgruppen, um die Überaktivität zu reduzieren.
    • Chininsulfat: Kann bei schweren, nächtlichen Wadenkrämpfen eingesetzt werden (nur nach ärztlicher Rücksprache).
    • Magnesium: Kann bei Magnesiummangel helfen.
  • Physio- und Ergotherapie:
    • Dehnübungen: Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur kann Krämpfen vorbeugen und sie im Akutfall lindern.
    • Bewegungstherapie: Sanftes, regelmäßiges Training zur Aufrechterhaltung der Muskelkraft und Vermeidung von Schwäche. Übungen im Wasser können besonders schonend sein.
    • Manuelle Therapie: Massagen zur Entspannung der Muskulatur und Förderung der Durchblutung.
  • Alternative Therapien:
    • Akupunktur: Kann helfen, den Energiefluss zu harmonisieren und Muskelverspannungen zu lösen.
    • Homöopathie: Verschiedene homöopathische Mittel können bei Muskelkrämpfen entspannend und schmerzlindernd wirken.
  • Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen:
    • Dehnen: Strecken Sie das betroffene Bein und ziehen Sie die Zehen sanft zu sich heran.
    • Massage: Massieren Sie die verkrampfte Muskulatur vorsichtig mit den Händen.
    • Wärme: Eine warme Dusche oder eine auf die betroffene Stelle gelegte Wärmflasche können hilfreich sein.
    • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser oder isotonische Getränke, um den Elektrolythaushalt auszugleichen.
    • Kalte Wadenwickel: Bei venös bedingten Wadenkrämpfen können kalte Wadenwickel helfen, die Venen zu verengen und den Blutrückfluss zu verbessern.
    • Aktive Bewegung: Stehen Sie auf und laufen Sie ein paar Schritte.
    • Ruhe bewahren: Panik kann den Krampf verschlimmern. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und sich auf einen Punkt zu konzentrieren.

Vorbeugung von Wadenkrämpfen

Neben der Behandlung akuter Krämpfe ist die Vorbeugung von Wadenkrämpfen ein wichtiger Aspekt für MS-Patienten. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Regelmäßige Bewegung und Dehnung: Sanftes Training und Dehnübungen halten die Muskeln geschmeidig und beugen Verkürzungen vor.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Magnesium, Kalium und Kalzium.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser, um den Elektrolythaushalt stabil zu halten.
  • Vermeidung von Überanstrengung: Vermeiden Sie übermäßige Belastung der Beinmuskulatur.
  • Ergonomische Maßnahmen: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und vermeiden Sie ungünstige Schlafpositionen.
  • Kompressionsstrümpfe: Bei Venenschwäche können Kompressionsstrümpfe tagsüber helfen, den Blutfluss in den Beinen zu verbessern und nächtlichen Krämpfen vorzubeugen.
  • Regelmäßige Venengymnastik: Fördert die Durchblutung und stärkt die Venen.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Identifizieren und vermeiden Sie individuelle Auslöser für Wadenkrämpfe, wie z.B. Temperaturschwankungen oder bestimmte Aktivitäten.

Alltagstipps für MS-Patienten mit Spastik

Für Menschen mit Multipler Sklerose und Spastik können alltägliche Anpassungen einen großen Unterschied machen:

  • Ergonomische Hilfsmittel: Verwenden Sie Hilfsmittel, die die Belastung der Muskeln reduzieren.
  • Wohnraumanpassungen: Gestalten Sie Ihr Zuhause so, dass Bewegungen erleichtert werden.
  • Zeitmanagement: Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein.
  • Regelmäßige angepasste körperliche Aktivität: Bleiben Sie aktiv, aber überlasten Sie sich nicht.
  • Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation, um Muskelverspannungen zu reduzieren.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Unterstützung und Selbsthilfegruppen

Die Unterstützung durch Familie, Freunde und Selbsthilfegruppen spielt eine entscheidende Rolle. Sie bieten nicht nur emotionale Unterstützung, sondern auch praktische Hilfe und wertvolle Informationen.

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