Multiple Sklerose Behandlung: Alternativen, wenn Kortison nicht hilft

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Die Therapie der MS hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, wobei neue Medikamente und Behandlungsansätze entwickelt wurden, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Behandlung verbessern. Da MS jedoch nicht heilbar ist, zielen die Behandlungen darauf ab, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, Schübe zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Kortison, ein Glukokortikoid, wird häufig als Stoßtherapie bei akuten MS-Schüben eingesetzt, um Entzündungen zu hemmen und Symptome zu mildern. Wenn Kortison jedoch nicht die gewünschte Wirkung zeigt, stehen alternative Behandlungsoptionen zur Verfügung.

Kortison bei MS-Schüben: Wirkung und Grenzen

Bei einem MS-Schub kommt es zu einer akuten Entzündung im ZNS, die die Nervenzellen schädigt. Kortison wirkt stark entzündungshemmend und kann die Symptome eines Schubs verkürzen und mildern. Es wird in der Regel als hochdosierte Infusion über mehrere Tage verabreicht. Obwohl viele Menschen die Nebenwirkungen von Kortison fürchten, sind diese bei einer kurzzeitigen Schubtherapie meist gering. Da Magenbeschwerden auftreten können, wird oft ein Magenschutzmittel verschrieben.

Kortison ist jedoch nicht für die Langzeitbehandlung geeignet, da es den Krankheitsverlauf nicht verbessert und erhebliche Nebenwirkungen verursachen kann. Zudem spricht nicht jeder Patient auf Kortison an. Prof. Mäurer betont, dass Kortison nicht aufgrund von MRT-Veränderungen allein eingesetzt werden sollte, sondern nur bei klinischen Symptomen, die auf einen Schub hinweisen. Er rät davon ab, mit der Kortisontherapie zu warten, da ein verzögerter Therapiebeginn weniger wirksam ist.

Alternative Behandlungsoptionen bei Kortison-Versagen

Wenn Kortison nicht hilft oder nicht vertragen wird, gibt es alternative Therapieoptionen, die in Betracht gezogen werden können:

Plasmapherese (Blutwäsche)

Die Plasmapherese, auch Blutwäsche genannt, ist eine Kurzzeittherapie, die bei schweren Schüben oder Kortison-Unwirksamkeit eingesetzt werden kann. Dabei wird dem Patienten Blut entnommen und in einer speziellen Apparatur vom Plasma gereinigt. Das gereinigte Blut wird dann mit neuem Plasma wieder in den Körper zurückgeführt. Dadurch werden Autoantikörper entfernt, die bei MS die Nervenzellen angreifen. Die Plasmapherese erfordert einen stationären Aufenthalt und mehrere Behandlungen über einige Tage.

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Immunadsorption

Die Immunadsorption ist ein weiteres Blutwäscheverfahren, bei dem das Blut von schädlichen Antikörpern gereinigt wird. Dieses Verfahren kann ebenfalls bei Kortison-Unwirksamkeit in Betracht gezogen werden.

Langzeittherapie zur Verhinderung von Schüben

MS-Schübe sind nur ein Teil der Krankheitsaktivität. Auch ohne Schübe schreitet die MS "im Verborgenen" fort. Daher ist eine verlaufsmodifizierende Langzeittherapie entscheidend, um die Entzündungsaktivität im ZNS zu reduzieren und das Fortschreiten der MS dauerhaft abzumildern. Diese Therapie reguliert das Immunsystem und trägt dazu bei, dass weniger Schübe auftreten.

Immunmodulatoren und Immunsuppressiva

Es gibt verschiedene Medikamente, die in der verlaufsmodifizierenden Therapie eingesetzt werden:

  • Immunmodulatoren: Diese Medikamente verändern das Immunsystem, indem sie seine überschießenden Reaktionen dämpfen und das Gleichgewicht zwischen immunstimulierenden und immunhemmenden Mechanismen wiederherstellen.
  • Immunsuppressiva: Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem, um seinen schädigenden Angriff auf das Nervensystem zu verhindern. Selektive Immunsuppressiva blockieren gezielt bestimmte Funktionen des Immunsystems und werden häufiger eingesetzt als unspezifische Immunsuppressiva.

Je früher mit der Langzeittherapie begonnen wird, desto milder verläuft die Erkrankung in der Regel.

Arten von Immuntherapeutika

Es gibt verschiedene Immuntherapeutika zur Behandlung der MS, darunter:

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  • Beta-Interferone (inkl. PEG-Interferon)
  • Glatirameracetat
  • Dimethylfumarat
  • Teriflunomid
  • S1P-Rezeptor-Modulatoren (Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Ponesimod)
  • Cladribin
  • Natalizumab
  • Ocrelizumab
  • Ofatumumab
  • Rituximab (keine Zulassung für Multiple Sklerose)
  • Alemtuzumab

Die Auswahl des geeigneten Immuntherapeutikums hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der MS-Form, der Krankheitsaktivität, vorherigen Behandlungen, individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Verträglichkeit und Begleiterkrankungen.

Symptomatische Therapie zur Verbesserung der Lebensqualität

Neben der Schubtherapie und der verlaufsmodifizierenden Therapie ist die symptomatische Therapie ein wichtiger Baustein der MS-Behandlung. Sie zielt darauf ab, die Symptome der MS zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu gehören:

  • Medikamente: Schmerzmittel, Muskelrelaxantien und andere Medikamente können eingesetzt werden, um spezifische Symptome zu behandeln.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Physiotherapie, Logopädie, Psychotherapie, Neuropsychologische Therapie, Multimodale Rehabilitation und tiergestützte Therapien können helfen, Krankheitsanzeichen zu lindern und die körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu erhalten.

Physiotherapie

Die Physiotherapie stärkt die Muskelkraft, verbessert die Ausdauer und Koordination und hilft, ein aktives Leben mit MS zu führen.

Logopädie

Die Logopädie behandelt Sprach- und Schluckbeschwerden, indem sie die Muskulatur von Zunge, Wangen, Lippen und Mund stärkt.

Psychotherapie

Eine begleitende psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung kann bei Angst, Unsicherheit und Traurigkeit helfen, die durch den unvorhersehbaren Verlauf der MS entstehen können.

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Neuropsychologische Therapie

Die neuropsychologische Therapie trainiert Gedächtnis und Aufmerksamkeit, unterstützt bei der Rückkehr in den Alltag und vermittelt Strategien zur Bewältigung von Einschränkungen.

Multimodale Rehabilitation

Die multimodale Rehabilitation kombiniert verschiedene Therapieansätze, um körperliche Fähigkeiten zu erhalten und Einschränkungen aufzuheben.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Neben den genannten Therapieformen gibt es weitere Maßnahmen, die Menschen mit MS unterstützen können:

  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit Antioxidantien, Vollkornprodukten, Vitamin D und Kalzium kann vorteilhaft sein.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung stärkt die Knochen, verhindert den Abbau von Muskeleiweiß und reguliert den Blutzuckerspiegel.
  • Infektionsschutz: Da Kortison und andere Immuntherapeutika das Immunsystem beeinträchtigen können, ist es wichtig, Infektionen vorzubeugen.
  • Apps und Webanwendungen: Es gibt verschiedene Apps und Webanwendungen, die bei der Bewältigung der MS unterstützen können.

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