Eingerissene Mundwinkel, auch als Mundwinkelrhagaden, Cheilitis angularis, Perlèche oder Faulecken bezeichnet, sind ein häufiges und oft schmerzhaftes Problem. Sie äußern sich durch kleine Einrisse im Bereich der Mundwinkel, die gerötet, entzündet sein und mit Krustenbildung einhergehen können. Die Ursachen für eingerissene Mundwinkel sind vielfältig und reichen von lokalen Faktoren wie trockener Haut bis hin zu systemischen Erkrankungen und Nährstoffmängeln.
Ursachen für eingerissene Mundwinkel
Für Mundwinkelrhagaden gibt es eine Vielzahl von Ursachen, die man in zwei große Gruppen unterteilen kann: Lokale und systemische Ursachen.
Lokale Ursachen
Lokale Ursachen beziehen sich auf Faktoren, die direkt die Haut an den Mundwinkeln beeinflussen. Dazu gehören:
- Trockene Haut und Lippen: Die Haut an den Lippen ist besonders empfindlich, da sie dünner ist und weder Talg- noch Schweißdrüsen besitzt, die einen schützenden Fettfilm bilden könnten. Alles, was die Lippenhaut stark beansprucht, kann dazu führen, dass die Mundwinkel einreißen. Dazu zählen unter anderem:
- Kälte
- Heizungsluft
- Flüssigkeitsmangel
- Feuchtigkeit: Zu feuchte Mundwinkel, die zum Beispiel dadurch entstehen können, dass man sich häufig darüber leckt oder aber auch wenn eine Überproduktion von Speichel (Hypersalivation) vorliegt, können ebenfalls die Entstehung von Rhagaden begünstigen.
- Faltenbildung: Eine starke Faltenbildung im Bereich der Mundwinkel, die zum Beispiel durch einen Zahnverlust entstehen kann, kann dazu führen, dass sich vermehrt Flüssigkeit hier ansammeln kann, was ebenfalls die Entstehung von Rhagaden begünstigt.
- Infektionen: Oftmals liegen Mundwinkelrhagaden auch lokale Infektionen der Mundschleimhaut zugrunde, zum Beispiel eine Infektion durch Herpes Simplex Viren, bestimmte Bakterien (meist Streptokokken, vor allem bei Kindern häufig) oder auch durch den Pilz Candida albicans. Die infizierte Wunde wird dann größer und klafft eventuell auch leicht auseinander. An der infizierten Hautstelle können sich Erosionen und Bläschen bilden, die schließlich zu tieferen Wunden führen.
- Falsch sitzender Zahnersatz oder Zahnspange: Gleichermaßen kann ein falsch sitzender Zahnersatz, eine Zahnspange oder Zahnverlust für die Beschwerden verantwortlich sein. Schlecht angepasster Zahnersatz kann zu einem verstärkten Speichelfluss führen. In den Mundwinkelfalten quillt die Lippenhaut dann schnell auf - das fördert Entzündungen und damit schmerzhafte Einrisse, sogenannte Läsionen.
Systemische Ursachen
Systemische Ursachen sind Faktoren, die den gesamten Körper betreffen und sich indirekt auf die Mundwinkel auswirken können. Dazu gehören:
- Nährstoffmangel: Zu den häufigen Ursachen von eingerissenen Mundwinkeln zählen zudem Nährstoffmängel, allen voran ein Eisenmangel. Aber auch ein Zink-, ein Vitamin-C- oder ein Vitamin-B2-Mangel können für die Beschwerden verantwortlich sein.
- Eisenmangel: Neben Symptomen wie Müdigkeit, Blässe und Schwindel treten bei der sogenannten Eisenmangelanämie typischerweise Haut- und Haarprobleme wie sprödes Haar, brüchige Nägel oder Mundwinkelrhagaden auf.
- Vitamin B2-Mangel (Ariboflavinose): Vitamin B2 (Riboflavin) nimmt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel des Menschen ein. Folglich ist der Stoffwechsel gestört und es kommt unter anderem zum Einreißen der Mundwinkel.
- Vitamin C-Mangel: Folge eines Vitamin C-Mangels sind eingerissene Mundwinkel, die im schlimmsten Fall zur Krankheit Skorbut gehören (mit Haut-, Schleimhaut- und Zahnfleischblutungen).
- Zinkmangel: Zink ist unerlässlich für das menschliche Immunsystem und zudem sehr wichtig für den Fett-, Zucker- und Eiweißstoffwechsel. Zinkmangel tritt durch Mangelernährung auf. Auch vegetarische Ernährung kann zu einem Zinkmangel führen.
- Erkrankungen: Bestimmte chronische Erkrankungen, die die Haut strapazieren oder zu einem erhöhten Speichelfluss führen, können das Entstehen eingerissener Mundwinkel begünstigen. Dazu zählen unter anderem Allergien, Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Diabetes mellitus, Lebererkrankungen oder Parkinson.
- Diabetes mellitus: Von Pilzinfektionen sind häufig Patienten betroffen, die grundsätzlich an immunsupprimierenden Krankheiten leiden. Dazu gehören Erkrankungen wie Diabetes mellitus.
- Neurodermitis: Sie können entstehen durch eine starke Faltenbildung der Haut, Erkrankungen mit Immunschwäche oder auch Hauterkrankungen wie zum Beispiel Neurodermitis und Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen.
- Parkinson: Auch Parkinson-Patienten leiden aufgrund eines vermehrten Speichelflusses häufiger unter Rissen im Mundwinkel.
- Geschwächtes Immunsystem: Alles, was die Lippenhaut stark beansprucht, kann dazu führen, dass die Mundwinkel einreißen. Dazu zählt unter anderem ein geschwächtes Immunsystem.
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft stellt sich der Körper hormonell sehr extrem um. Diese Veränderung kann zu verschiedenen Reaktionen im Körper führen. Unter anderem sind viele Schwangere von eingerissenen Mundwinkeln betroffen, die plötzlich während der Schwangerschaft gehäuft auftreten. Die Ursache dafür ist meistens ein Mangel an verschiedenen Vitaminen, Mineralien und besonders eine Minderversorgung mit dem Spurenelement Eisen (Anämie).
Symptome und Diagnose
Die charakteristischen Symptome von Mundwinkelrhagaden sind:
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- Mundwinkel, die eingerissen, gerötet und entzündet sind
- Einrisse (Fissuren) in den Mundwinkeln
- Schmerzen, die sich typischerweise durch Berührung verstärken lassen
- Spannungsgefühl oder seltener auch über ein Fremdkörpergefühl in den Mundwinkeln
- Eventuell Beeinträchtigung der Mimik oder der Aufnahme von festen Speisen aufgrund der Schmerzen
Die Diagnose von Mundwinkelrhagaden stellt normalerweise eine Blickdiagnose dar. Aufgrund des charakteristischen Erscheinungsbildes weiß ein Arzt meist direkt, um welche Erkrankung es sich handelt. Sollte der Erreger so nicht eindeutig identifizierbar sein, kann je nach Verdacht ein Abstrich einer betroffenen Stelle abgenommen werden, eine Stuhlprobe oder Blut auf den verdächtigten Erreger hin untersucht werden. Wenn der Arzt aufgrund der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), weiteren Symptomen bei seinem Patienten oder einer nicht anschlagenden Therapie den Verdacht auf eine systemische Grunderkrankung hegt, so schließen sich, je nach dem in welche Richtung dieser Verdacht geht, weitere Untersuchungen an.
Behandlung von eingerissenen Mundwinkeln
Die Therapie von Mundwinkelrhagaden richtet sich vor allem nach der ihnen zugrunde liegenden Ursache. Bei einer entsprechenden Therapie bilden sich dann fast immer auch die Mundwinkelrhagaden wieder zurück.
Lokale Behandlung
- Feuchthalten der Mundwinkel vermeiden: Da die angegriffenen Mundwinkel in der Regel stark ausgetrocknet sind, helfen fettige Substanzen dabei den Heilungsverlauf zu beschleunigen. Bei Vorliegen einer Mundwinkelrhagade sollten die betroffenen Stellen besonders trocken gehalten werden. Gerade Speichelflüssigkeit kann auf Grund der darin enthaltenen bakteriellen Erreger dazu führen, dass sich der eingerissene Mundwinkel infiziert und Entzündungen entstehen.
- Pflegende Cremes und Salben: Kurzzeitig können die Beschwerden bei eingerissenen Mundwinkeln durch spezielle Cremes und Salben gelindert werden. Eine Creme die viel Fett enthält kann dabei helfen eine Barriere zwischen dem bakterienreichen Speichel und dem eingerissenen Mundwinkel zu schaffen. Geeignet sind auch Zinkpasten, die die Feuchtigkeit aufnehmen und die Haut trocken halten.
- Hausmittel: Auch Hausmittel wie Olivenöl und Honig können Abhilfe verschaffen: Das Olivenöl spendet der trockenen Haut Feuchtigkeit und der Honig wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Oft hilft es, sich die betroffenen Stellen mit Honig einzuschmieren.
- Antimikrobielle Cremes: Wenn ein Nachweis von einem Erreger stattgefunden hat, so können diese Präparate zusätzlich mit einem Antibiotikum, einem antiviralen Mittel oder einem Anti-Pilzmittel (Antimykotikum) angereichert werden. Bei Nachweis bakterieller Erreger muss der betroffene Patient mehrmals täglich eine Creme mit lokal wirksamem Antibiotikum auftragen. Gegen Pilzinfektionen helfen Präparate mit Nystatin.
Behandlung der Grunderkrankung
- Nährstoffmängel beheben: Liegt den eingerissenen Mundwinkeln ein Vitaminmangel zugrunde, so sollte versucht werden, diesen zu beheben. In leichten Fällen genügt oft schon eine entsprechende Umstellung der Ernährung. Stellt der behandelnde Arzt ein Eisenmangel fest, kann der Patientin verschiedene Medikamente verschrieben werden, die die Eisenspeicher des Körpers wieder aufbauen. In manchen Extremfällen kann die Verabreichung von Eisen auch intravenös mittels einer Infusion notwendig sein.
- Chronische Erkrankungen behandeln: Chronische Erkrankungen, wie Diabetes, Neurodermitis oder Parkinson, begünstigen das Auftreten der Mundwinkel-Risse. Umso wichtiger ist eine konsequente Behandlung des zugrunde liegenden Leidens.
Zusätzliche Maßnahmen
- Vermeidung von Reizstoffen: Außerdem sollten Personen, die im Allgemeinen zu eingerissenen Mundwinkeln neigen, darauf achten, mögliche Auslöser oder begünstigende Faktoren für diesen Zustand auszuschalten. So sollte man potenzielle Allergene wie Nickel, scharfe, saure und sehr heiße Nahrung, Zahnpasta und reizende Kosmetika vermeiden. Der Kontakt mit sauren, salzigen oder scharfen Speisen und Getränken sollte eingeschränkt werden.
- Zahnersatz überprüfen lassen: Lassen Sie also gegebenenfalls vom Zahnarzt überprüfen, ob Ihre Prothesen noch richtig sitzen.
- Lippen nicht befeuchten: Dem Impuls, die Lippen und Mundwinkel mit der Zunge zu befeuchten, bitte nicht nachgeben. Denn der Speichel wirkt entfettend und verschlimmert die Symptome noch.
- Mundwinkel abtupfen: Ein Tipp der Apothekerin: nach dem Essen die Mundwinkel mit einem sauberen Tuch abtupfen.
Vorbeugung
Wer eingerissenen Mundwinkeln vorbeugen möchte, der sollte Risikofaktoren vermeiden und seine Lippen regelmäßig pflegen. Dazu gehören:
- Regelmäßige Lippenpflege: Um den Einrissen vorzubeugen sollten die Lippen regelmäßig mit Feuchtigkeit versorgt werden. Dazu eignen sich verschiedene Pflegeprodukte wie Lippenbalsam, die man im Drogeriemarkt oder der Apotheken bekommen kann. Umso wichtiger ist es, die Lippen mit Pflegestiften oder -cremes zu schützen, beispielsweise mit Dexpanthenol oder Melissenextrakt.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um trockene Haut zu vermeiden.
- Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um Nährstoffmängeln vorzubeugen.
- Vermeidung von Reizstoffen: Vermeiden Sie Reizstoffe wie scharfe Speisen oder aggressive Kosmetika.
- Schutz vor Kälte: Schützen Sie Ihre Lippen vor Kälte, indem Sie bei Bedarf einen Schal oder eine Maske tragen.
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