Musiker und Epilepsie: Eine Liste und Betrachtung

Die Verbindung zwischen Epilepsie und Musik ist vielschichtig. Musik kann sowohl Auslöser als auch Therapieform sein. Viele Musiker mit Epilepsie verarbeiten ihre Erfahrungen in ihren Kompositionen. Dieser Artikel beleuchtet das Thema, gibt Einblicke in das Leben bekannter Musiker mit Epilepsie und betrachtet die Auswirkungen der Erkrankung auf das soziale Leben.

Epilepsie und Musik: Eine Wechselwirkung

Die Beziehung zwischen Epilepsie und Musik ist komplex. Einerseits kann Musikhören oder Musizieren bei manchen Menschen epileptische Anfälle auslösen. Andererseits wird Musik auch als Therapieform eingesetzt, um beispielsweise Stress abzubauen und Entspannung zu fördern, was sich positiv auf die Anfallshäufigkeit auswirken kann.

Bekannte Musiker mit Epilepsie

Viele talentierte Musiker haben trotz ihrer Epilepsie bemerkenswerte Karrieren hingelegt. Hier eine Liste einiger bekannter Persönlichkeiten:

  • Prince: Der legendäre Musiker litt an Epilepsie.
  • Lil Wayne: Der Rapper thematisierte seine Epilepsie offen und erlitt mehrfach Anfälle, unter anderem während eines Fluges. Nach Schwächeanfällen in einem Privatjet wurde Rapper Lil Wayne in ein Krankenhaus in Nebraska gebracht. Dem Promi-Portal "TMZ" zufolge soll der 33-Jährige mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Kalifornien gewesen sein. Zuvor habe er einen Auftritt in Milwaukee im Mittleren Westen der USA absolviert gehabt. Lil Waynes Jet sei in Omaha (US-Bundesstaat Nebraska) notgelandet, berichtet "TMZ" weiter. Der Musiker habe am Boden untersucht werden sollen, die Behandlung jedoch zunächst verweigert. Sein Jet sei daraufhin wieder gestartet. Aber: "Kurze Zeit später meldete der Pilot einen erneuten medizinischen Notfall. Das Flugzeug drehte um und landete", so ein Flughafenmitarbeiter gegenüber dem "Omaha World-Herald"."Unter Aufsicht seiner eigenen Ärzte ist er in stabiler Lage und frohen Mutes", erklärte ein Sprecher des Rappers im Gespräch mit dem US-Musikmagazin "The Fader". Lil Wayne erklärte in einem Interview, er sei schon seit seiner Kindheit Epileptiker. Stress und zu wenig Pausen bei der Arbeit verschlimmerten den Zustand.
  • Elton John: Auch Elton John leidet seit den 1980er Jahren an Epilepsie, sein Zustand hat sich aber verbessert.
  • Amy Lee: Die Sängerin von Evanescence gehört ebenfalls zu den Musikern mit Epilepsie.
  • DJ Ötzi: Der Musiker litt nicht nur an Epilepsie, sondern auch an Krebs.
  • Roland Voit: Organist, Pianist, Komponist, Kantor, Dozent an der Musikschule Hagen (Klavier, Kirchenorgel, Sonderpädagogik, Harfe) und an der Bischöflichen Kirchenmusikschule Essen. Von seinem 12. bis zu seinem 35. Lebensjahr hatte er epileptische Anfälle mit Bewusstseinsstörungen. Er selber erzählt seine Geschichte so:„Im Alter von zwölf Jahren - nach dem 1. Preis im Wettbewerb „Jugend musiziert“, nach dem äußerst früh schon abgelegten C-Examen als Kirchenmusiker (Orgel/Chorleitung), und während der Schulzeit am Gymnasium - brach bei mir plötzlich diese Krankheit aus. Sie war im Baby-Alter von neun Monaten durch einen Fieberkrampf entstanden, während der Pubertät dann - vermutlich durch einen kleinen Unfall - ausgelöst worden. Die medizinische Forschung war damals zumindest schon so weit, dass man mit (vielen und sehr starken) Medikamenten die Anfälle auf Bewusstseinsstörungen reduzieren konnte. Mit durchschnittlich 100 solcher Bewusstseinsstörungen pro Jahr habe ich 23 Jahre lang leben müssen. Trotz der starken Beeinflussung und Nebenwirkungen der Medikamente - aber auch aufgrund dieser medizinischen Hilfe - habe ich dann mit 18 Jahren das Abitur und danach die Diplome an der Staatlichen Hochschule für Musik in Köln machen können (SMP Orgel 1979/SMP Klavier 1980/Künstlerische Reifeprüfung Orgel 1980).Erst lange nach Antreten meines Dienstes an der Musikschule Hagen im Jahr 1980, meiner zusätzlichen kirchenmusikalischen Tätigkeit, lange nach der Hochzeit (1982) und den Geburten der Kinder (1986/1988) kam die Frage auf, ob die Möglichkeit und die Chancen für eine gehirnchirurgische Behandlung untersucht werden sollten.Nachdem die ärztlichen Mitarbeiter des Betheler Epilepsieteams 1990 von ihren bis zu zweijährigen Trainingsaufenthalten in der Cleveland Clinic Foundation (USA) zurückgekommen waren, konnten auch in Deutschland, in Bethel, epilepsiechirurgische Eingriffe durchgeführt werden. Als sechstem Patient dieser neuen operativen Epilepsietherapie in Bethel erfolgte bei mir 1991 zunächst eine so genannte diagnostische Operation, deren Ziel die exakte Ortung des Anfallsherdes ist. Nachdem dieser Schritt erfolgreich abgeschlossen war und ich mich wieder erholt hatte, wurde 1992 erst die eigentliche Hauptoperation durchgeführt. Hierbei wurde das aktiv epileptogene Hirngewebe unter äußerster Schonung der umliegenden gesunden Hirnregionen entfernt. Seit dieser Zeit bin ich von der Epilepsie geheilt. Die zahlreichen Medikamente wurden danach sehr langsam und vorsichtig abgesetzt, seit 1994 lebe ich ohne jegliche Medikamente, ohne Anfälle und Bewusstseinsstörungen. Seitdem hat sich für mich nun in kleinen und großen Punkten einiges verändert, sowohl persönlich als auch beruflich: Ich darf z. B.

Weitere historische Persönlichkeiten mit möglicher Epilepsie

Neben den Musikern gibt es auch in anderen Bereichen der Geschichte Hinweise auf Epilepsie bei bekannten Persönlichkeiten:

  • Sokrates: Dem griechischen Philosophen wurde eine Art "innere Stimme" zugeschrieben, die heute als epileptische Aura interpretiert wird.
  • Sir Isaac Newton: Auch bei dem berühmten Wissenschaftler gibt es Hinweise auf Epilepsie.
  • Alfred Nobel: Der Erfinder des Dynamits litt in seiner Kindheit an Epilepsie.
  • Dante: Der italienische Dichter könnte ebenfalls betroffen gewesen sein.
  • Fyodor Dostojevsky: Der Schriftsteller schuf in seinen Romanen Figuren mit Epilepsie und beschrieb eigene ekstatische Erfahrungen vor Anfällen.
  • Lewis Carroll: Seine Krankheitserfahrungen inspirierten ihn zu "Alice im Wunderland". Das Alice-im-Wunderland-Syndrom tritt oft bei Epilepsie auf.
  • Michelangelo: Ob der Maler Epilepsie hatte, ist unsicher.
  • Hugo Weaving: Der Schauspieler nahm ab dem 13. Lebensjahr Medikamente gegen Epilepsie.
  • Napoléon Bonaparte: Es wird häufig berichtet, dass der Kaiser an Epilepsie litt.
  • Julius Caesar: In seiner Familie gab es scheinbar mehrere Fälle von Epilepsie.
  • Alexander der Große: Auch bei ihm wird Epilepsie vermutet.
  • Joan of Arc: Die Jungfrau von Orléans wird ebenfalls mit Epilepsie in Verbindung gebracht.
  • Hannibal: Der Feldherr wird ebenfalls mit Epilepsie in Verbindung gebracht.
  • Papst Pius IX.: Litt in seiner Jugend an Epilepsie, die aber ausheilte.

Leben mit Epilepsie: Herausforderungen und Strategien

Epilepsie kann das Leben der Betroffenen in vielerlei Hinsicht beeinflussen. Einschränkungen im Alltag, die Angst vor Anfällen und soziale Stigmatisierung sind nur einige der Herausforderungen.

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Soziale Auswirkungen und Ausgehen

Viele Menschen mit Epilepsie erleben soziale Auswirkungen, die oft die Einschränkungen durch die Anfälle selbst überwiegen. Das Ausgehen stellt für manche eine besondere Herausforderung dar. Faktoren wie Stroboskoplicht, Übermüdung und Stress können Anfälle auslösen.

  • Stroboskoplicht: Viele Clubs und Konzerte nutzen Stroboskoplicht, das bei lichtsensiblen Menschen Anfälle provozieren kann. Manche Betroffene suchen das Gespräch mit Lichttechnikern, um den Einsatz von Stroboskoplicht zu reduzieren.
  • Alkohol und Substanzen: Der Konsum von Alkohol und anderen Substanzen kann ebenfalls Anfälle begünstigen. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und Substanzen zu vermeiden, die Anfälle auslösen.
  • Stress und Übermüdung: Stress und Schlafmangel sind bekannte Auslöser für Anfälle. Ausreichend Schlaf und Stressmanagement sind daher wichtige Strategien.
  • Umgang mit der Angst: Die Angst vor einem Anfall in der Öffentlichkeit kann das soziale Leben stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich langsam an das Ausgehen heranzutasten, die eigenen Grenzen kennenzulernen und Freunde über die Erkrankung aufzuklären.

Strategien für ein aktives soziales Leben

Trotz der Herausforderungen ist ein aktives soziales Leben mit Epilepsie möglich. Hier einige Strategien:

  • Offene Kommunikation: Informiere Freunde und Familie über deine Epilepsie und wie sie im Notfall reagieren können.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
  • Anpassung des Lebensstils: Achte auf ausreichend Schlaf, Stressmanagement und vermeide bekannte Auslöser.
  • Kreative Lösungen: Finde Wege, um am sozialen Leben teilzunehmen, ohne deine Gesundheit zu gefährden. Sprich mit Lichttechnikern, wähle Clubs mit gedämpftem Licht oder treffe dich tagsüber mit Freunden.

Was tun bei einem Anfall?

Es ist wichtig zu wissen, wie man bei einem epileptischen Anfall reagiert:

  • Ruhe bewahren: Panik hilft niemandem.
  • Sicherheit gewährleisten: Bringe den Kopf in Sicherheit (z.B. mit einer Jacke polstern) und entferne gefährliche Gegenstände.
  • Atemwege freihalten: Lockere enge Kleidung am Hals.
  • Nichts in den Mund stecken: Auch wenn sich die Person auf die Zunge beißt.
  • Anfallsdauer beobachten: Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, den Notruf wählen.
  • Notruf rufen: Auch bei Verletzungen, Atemproblemen, mehreren Anfällen hintereinander oder wenn es der erste Anfall der Person ist.
  • Dableiben: Bleibe bei der Person, bis sie wieder orientiert ist. Sprich beruhigend und erkläre, was passiert ist.

Theater als Medium zur Aufklärung

Das Theaterstück "Steile Welle", entstanden in Kooperation mit dem Diakoniekrankenhaus Rothenburg und dem Gesundheitsladen Bremen e.V., greift das Thema Epilepsie auf einzigartige Weise auf. Es vermittelt auf anschauliche Weise Informationen über die Krankheit, persönliche Erfahrungen und Gefühle und bietet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Entstigmatisierung. Marion Witt, die Autorin und Schauspielerin, hat selbst seit über 25 Jahren Epilepsie und setzt sich mit dem Stück für ein gelebtes Empowerment ein.

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