Migräne betrifft einen großen Teil der Bevölkerung und stellt eine erhebliche Belastung im Alltag dar. Viele Betroffene haben keinen Zugang zu präventiven Medikamenten oder Verhaltenstherapien, und Unverträglichkeiten können zusätzliche Probleme verursachen. Hier setzt die Musiktherapie als alternative und gut zugängliche Behandlungsmethode an.
Die Bedeutung der Musiktherapie bei Kopfschmerzen
Chronische Kopfschmerzen und Migräne gehören zu den häufigsten Beschwerden, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Die Musiktherapie dringt in tiefere Schichten des Bewusstseins ein und kann dort mehr erreichen als manche Tablette. Sie kann den Teufelskreis durchbrechen, der immer tiefer in die soziale Isolation führt.
Wie Musiktherapie wirkt
Die Musiktherapie ist zwar nicht in der Lage, die neurochemischen Fehlprozesse im Gehirn direkt zu beeinflussen, kann aber in Kombination mit medizinischer Schmerztherapie auf die Gefühlswelt der Betroffenen einwirken. Sie dringt in tiefere Schichten des Bewusstseins ein, zu denen die Sprache keinen Zugang hat. Musik kann einzelne Komponenten, die das Schmerzempfinden beeinflussen, positiv beeinflussen und das Schmerzempfinden regulieren. Musik kann Schmerzfilter im Hirnstamm und im Rückenmark aktivieren, Stressreaktionen reduzieren, Muskelanspannungen entgegenwirken, ablenken und die Aufmerksamkeit vom Schmerz weglenken sowie die Schmerzempfindlichkeit senken.
Anwendungsbereiche der Musiktherapie
Die Musiktherapie findet Anwendung bei verschiedenen chronischen Schmerzen, darunter Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen, Nervenschmerzen, Entzündungsschmerzen, Schmerzen bei Operationen und Tumorschmerzen. Auch bei psychischen Beschwerden wie Depressionen und Angstzuständen kann sie eingesetzt werden.
Musiktherapie bei Kindern und Jugendlichen
Im Jugendalter gehören Kopfschmerzen zu den häufigsten Schmerzen. Studien zeigen, dass etwa jedes dritte Grundschulkind und bis zu 60 Prozent der 11- bis 17-Jährigen wiederkehrende Kopfschmerzen haben. Oft sind es Spannungskopfschmerzen, aber viele kennen auch Migräne-Attacken oder leiden an beiden Formen. Die Musiktherapie hat sich als wirksam bei der Behandlung von Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen erwiesen.
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Formen der Musiktherapie
Die Musiktherapie kennt zwei Hauptformen:
- Aktive Musiktherapie: Hier musiziert und improvisiert der Patient unter Anleitung des Therapeuten selbst.
- Rezeptive Musiktherapie: Hier steht das Hören von Musik im Vordergrund, oft verbunden mit Entspannungsübungen.
Aktive Musiktherapie
Bei der aktiven Musiktherapie wird der Patient angeregt, die Opferrolle aufzugeben, aktiv zu werden und angestaute Emotionen auf das Instrument zu projizieren. Dies kann eine positive Erfahrung sein und dem Schmerz einen Weg nach draußen bahnen.
Rezeptive Musiktherapie
Die rezeptive Musiktherapie, das Musikhören zur Entspannung, kann dazu beitragen, den Stresszustand zu mindern, in dem sich Kopfschmerzpatienten oft befinden. Bevorzugt werden einfache Harmonien, die zum Abschalten, Abschweifen und Träumen geeignet sind.
Der Ablauf einer Musiktherapie
Die Musiktherapie kann alleine oder in der Gruppe durchgeführt werden. Hauptziele sind Entspannung und Umlenkung der Aufmerksamkeit. Sie wird oft in Kombination mit anderen Entspannungsverfahren eingesetzt, wie z.B. progressiver Muskelrelaxation oder Imaginationsübungen. Je nach Beschwerdegrad empfehlen Experten wöchentliche Sitzungen von ca. einer halben bis zwei Stunden.
Musiktherapie in Eigenregie
Die Musiktherapie kann nach Anleitung auch in Eigenregie durchgeführt werden. Im Internet finden sich eine Reihe kostenfreier oder geführter Angebote zum Selbstlernen. Das Smartphone kann so zum Therapeuten werden, den man immer dabei hat.
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Die Rolle der Musikrichtung
Eine generelle Festlegung zur Musikart gibt es in der Musiktherapie nicht. Menschen bringen Musik mit unterschiedlichen Erinnerungen und Empfindungen in Verbindung. Der Patient kann bei der Auswahl aktiv mitentscheiden: Ob Pop, Schlager oder Klassik, jede Musikrichtung kann auf den Einzelnen einen entspannenden, aufmunternden oder aktivierenden Effekt haben. In der Regel werden zur Entspannung oft ruhige Musikstücke, z.B. aus dem klassischen Bereich, aber auch Klangschalen-Musik genutzt.
Binaurale Beats
Im Internet findet man auch Playlisten mit sogenannten Binauralen Beats. Dabei werden auf jedes Ohr zwei minimal unterschiedliche Tonfrequenzen gegeben, die das Gehirn anregen, einen Mittelwert der Frequenzen zu bilden. Diese speziellen Musikstücke können ebenfalls einen positiven Effekt auf das Schmerzempfinden haben.
Musiktherapie in der Akutbehandlung
Der Hauptanwendungsbereich der Musiktherapie ist die Vorbeugung von Schmerzen. Es gibt aber auch spezielle musiktherapeutische Verfahren, die auf die Akutbehandlung von Schmerzspitzen gerichtet sind. Beim Zahnarzt kann Musik im Rahmen der Akutbehandlung effektiv eingesetzt werden. Auch während bestimmter Gelenkoperationen, die mit Rückenmarkanästhesie durchgeführt werden, kann Musik zur Schmerz- und Angstreduktion beitragen.
Die Rolle von Stress und Emotionen
Chronische Kopfschmerzen sind selten eine rein körperliche Erkrankung. Zumeist werden sie durch viele psychische und soziale Faktoren bedingt. Bei vielen Patienten ist eine gewisse Erstarrung festzustellen, die sich in allen Lebensbereichen zeigt. Die Musiktherapie kann helfen, diese Erstarrung zu lösen und die Expressivität von Emotionen zu fördern.
Der Zusammenhang zwischen Lebensstil und Kopfschmerzen
Es gibt einen Zusammenhang zwischen Lebensstil und Kopfschmerzen. Studien zeigen, dass wiederkehrende Kopfschmerzen signifikant häufiger mit Übergewicht, geringen sportlichen Aktivitäten, Rauchen und dem Konsum von Alkohol einhergehen. Durch eine gesunde Lebensweise kann man offenbar Einfluss auf die Kopfschmerzen nehmen.
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Studienergebnisse zur Wirksamkeit der Musiktherapie
Studien haben gezeigt, dass sich die Kopfschmerzen bei Patienten, die zusätzlich zur medizinischen Schmerztherapie eine Musiktherapie erhielten, deutlich verringern ließen. Besondere Erfolge wurden bei Kindern mit Migräne erzielt. Eine Pilotstudie zeigte eine deutliche Reduktion der Migränefrequenz nach einem dreimonatigen Studienzeitraum.
Musiktherapie als Prävention
Die Musiktherapie kann als erfolgreiche Prävention von Migräneanfällen dienen. Diese Form der Therapie ist gut verfügbar und einfach in der Anwendung.
Finanzierung der Musiktherapie
Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung (z.B. bei Depressionen, Angststörungen) oder einer Komplexbehandlung im Krankenhaus bezahlt die Krankenkasse die Therapie beim Arzt. Im Internet finden sich aber auch kostenfreie Angebote bei Streaming-Diensten, die dann in Eigenregie angewendet werden können.
Die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist wichtig, um sicherzustellen, dass für die Beschwerden keine ernsthaften Grunderkrankungen vorliegen und eine eventuelle Arzneimitteltherapie überwacht wird. Multimodale Behandlungskonzepte, zu denen auch die interdisziplinär eingebundene Musiktherapie gehört, sind sinnvoll.
Musiktherapie als Chance
Die Musiktherapie bietet eine Chance, den Schmerz nicht das Leben bestimmen zu lassen. Sie hilft Betroffenen, ihre Schmerzen zu verarbeiten, indem z.B. das Körperbewusstsein und -empfinden geschärft werden. Sie ist eine effektive Form der Therapie, die auch Spaß machen kann.
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