Die Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, betrifft Millionen von Menschen weltweit. Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen in Händen und Füßen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Während konventionelle Behandlungen darauf abzielen, die zugrunde liegenden Ursachen zu bekämpfen und die Symptome zu lindern, suchen Forscher kontinuierlich nach neuen therapeutischen Ansätzen. Mutterkraut (Tanacetum parthenium), eine Pflanze, die traditionell zur Behandlung von Migräne eingesetzt wird, hat in jüngster Zeit das Interesse der Wissenschaft geweckt, da sie möglicherweise eine Rolle bei der Regeneration geschädigter Nervenfasern spielen könnte.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die durch Schädigung der peripheren Nerven verursacht wird. Das periphere Nervensystem umfasst alle Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Diese Nerven sind für die Übertragung von Signalen zwischen dem Gehirn und dem Rest des Körpers verantwortlich. Eine Schädigung dieser Nerven kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter:
- Kribbeln, Brennen oder Stechen in Händen und Füßen
- Taubheitsgefühl in Händen und Füßen
- Schmerzen, die sich wie ein elektrischer Schlag anfühlen
- Muskelschwäche
- Koordinationsprobleme
- Empfindlichkeit gegenüber Berührungen
- Schwierigkeiten beim Gehen
Polyneuropathie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Diabetes: Hoher Blutzucker kann die Nerven schädigen.
- Alkoholmissbrauch: Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu Nervenschäden führen.
- Chemotherapie: Einige Chemotherapeutika können Nervenschäden verursachen.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Lupus und rheumatoide Arthritis können die Nerven angreifen.
- Infektionen: Bestimmte Infektionen, wie Borreliose und HIV, können Nervenschäden verursachen.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an bestimmten Vitaminen, wie Vitamin B12, kann zu Nervenschäden führen.
- Vererbung: In einigen Fällen kann Polyneuropathie vererbt werden.
Konventionelle Behandlungen von Polyneuropathie
Die Behandlung der Polyneuropathie zielt in erster Linie darauf ab, die zugrunde liegende Ursache der Erkrankung zu behandeln. Bei Diabetespatienten kann eine gute Blutzuckerkontrolle helfen, weitere Nervenschäden zu verhindern. Alkoholikern wird empfohlen, den Alkoholkonsum einzustellen. In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome der Polyneuropathie zu lindern. Dazu gehören:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen können helfen, leichte Schmerzen zu lindern. Bei stärkeren Schmerzen können Opioide verschrieben werden.
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin und Duloxetin, können bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen wirksam sein.
- Antikonvulsiva: Antikonvulsiva wie Gabapentin und Pregabalin werden häufig zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt.
- Topische Behandlungen: Capsaicin-Cremes und -Pflaster können helfen, Schmerzen in bestimmten Bereichen zu lindern.
Mutterkraut: Ein potenzieller neuer Ansatz zur Behandlung von Polyneuropathie
Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine Pflanze, die traditionell zur Behandlung von Migräne eingesetzt wird. Es enthält eine Reihe von Wirkstoffen, darunter Parthenolide. Studien haben gezeigt, dass Parthenolide entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften haben.
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Forscher der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf haben die Wirkung von Mutterkraut auf die Regeneration geschädigter Nervenfasern untersucht. In einer Studie an Mäusen mit geschädigten Ischiasnerven stellten sie fest, dass Mäuse, die mit Parthenolide behandelt wurden, ihre gelähmten Zehen schneller wieder bewegen konnten als Mäuse, die nicht behandelt wurden.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Parthenolide die Regeneration geschädigter Nervenfasern fördern können. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studie an Mäusen durchgeführt wurde. Es sind weitere Studien erforderlich, um festzustellen, ob Mutterkraut auch beim Menschen bei der Behandlung von Polyneuropathie wirksam ist.
Eine aktuellere Studie aus dem Jahr 2024, die ebenfalls im "Journal of Neuroscience" veröffentlicht wurde, hat die Wirkung von Vasohibin-Proteinen auf das Skelett der axonalen Wachstumsspitzen, auch bekannt als Mikrotubuli, untersucht. Die Forscher stellten fest, dass es Unterschiede im Gleichgewicht zwischen detyrosinierten und tyrosinierten Mikrotubuli bei erwachsenen Tieren und neugeborenen Tieren gibt. Diese Unterschiede sind von Bedeutung, da das axonale Wachstum bei Neugeborenen durch optimal tyrosinierte Mikrotubuli fast doppelt so hoch ist wie bei erwachsenen Tieren.
Durch die Hemmung der Vasohibin-Proteine mithilfe eines spezifischen Inhaltsstoffs aus dem Mutterkraut (Tanacetum Parthenium) konnten die Forscher das Gleichgewicht zwischen detyrosinierten und tyrosinierten Mikrotubuli bei Nervenzellen von erwachsenen Tieren dem von neugeborenen Tieren annähern. Dies führte zu einer signifikanten Beschleunigung der axonalen Regeneration bei den erwachsenen Nervenzellen. Interessanterweise konnten die Forscher auch im lebenden Tier zeigen, dass Parthenolid, nach täglicher intravenöser Verabreichung, den Heilungsprozess geschädigter Nerven deutlich beschleunigt. Dadurch konnten die Tiere nach der Behandlung früher wieder ihre Zehen bewegen und Reize spüren. Eine modifizierte Form von Parthenolid, die auch oral eingenommen werden kann, zeigte ähnliche Effekte.
Weitere pflanzliche Mittel gegen Polyneuropathie
Neben Mutterkraut gibt es noch weitere pflanzliche Mittel, die bei der Behandlung von Polyneuropathie eingesetzt werden können. Dazu gehören:
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- Capsaicin: Capsaicin ist der Wirkstoff in Chilischoten. Es kann helfen, Schmerzen zu lindern, indem es die Schmerzrezeptoren in der Haut desensibilisiert. Capsaicin ist in Form von Cremes und Pflastern erhältlich.
- Aconitum: Aconitum ist eine giftige Pflanze, die in der Homöopathie zur Behandlung von Polyneuropathie eingesetzt wird. Es wird angenommen, dass Aconitum die Schmerzen lindert, indem es die Nerven beruhigt. Aconitum ist in Form von Tabletten und Ölen erhältlich.
- Teufelskralle: Teufelskralle ist eine Pflanze, die in der traditionellen afrikanischen Medizin zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt wird. Es wird angenommen, dass Teufelskralle die Schmerzen lindert, indem es die Produktion von Entzündungsstoffen reduziert. Teufelskralle ist in Form von Kapseln und Tabletten erhältlich.
- Weidenrinde: Weidenrinde enthält Salicylsäure, den gleichen Wirkstoff wie Aspirin. Es wird angenommen, dass Weidenrinde die Schmerzen lindert, indem es Entzündungen reduziert. Weidenrinde ist in Form von Tee und Kapseln erhältlich.
- Antioxidantien: Antioxidantien wie die in Acai-Beeren, Noni-Früchten und Aronia (Apfelbeere) enthaltenen können im Stoffwechsel für ein schützendes Klima sorgen und somit die Symptome der Polyneuropathie lindern.
Wichtige Hinweise
Es ist wichtig zu beachten, dass pflanzliche Mittel nicht für jeden geeignet sind. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie pflanzliche Mittel zur Behandlung von Polyneuropathie einnehmen. Einige pflanzliche Mittel können mit anderen Medikamenten interagieren oder Nebenwirkungen verursachen.
Dietmar Fischer rät Patienten mit Polyneuropathien von der Einnahme von kommerziell erhältlichen Mutterkraut-Tees oder -Kapseln, beispielsweise zur Behandlung von Migräne, ab.
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