N-Acetylcystein (NAC) ist ein vielseitiges Molekül mit bemerkenswerten gesundheitlichen Vorteilen, insbesondere für das Gehirn. Als eine stabilere und bioverfügbarere Form von Cystein spielt NAC eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung verschiedener Körperfunktionen.
Was ist N-Acetylcystein (NAC)?
N-Acetylcystein (NAC) ist die acetylierte Form von L-Cystein, einer schwefelhaltigen Aminosäure. Der Körper kann Cystein aus der Aminosäure L-Methionin selbst herstellen, aber unter bestimmten Bedingungen reicht diese Synthese nicht aus, um den Bedarf zu decken. Daher gilt NAC als semi-essentielle Aminosäure. NAC ist stabiler, besser bioverfügbar und im Körper deutlich effizienter als reines Cystein. Nach der Einnahme wird es in der Leber umgewandelt und wirkt von dort aus im gesamten Organismus.
Die vielfältigen Wirkungen von NAC
NAC ist ein echter Allrounder mit verblüffendem Potenzial. Es ist ein Prodrug von Cystein, das bedeutet, es wird im Körper direkt in die Aminosäure Cystein umgewandelt. Cystein ist ein entscheidendes Element bei der Herstellung von Glutathion, einem starken Antioxidans, das der Körper selbst produziert. Freie Radikale sind hochreaktive Moleküle, die in Prozessen wie Stoffwechsel und Immunantwort entstehen und Zellen schädigen können, wenn sie sich in zu hohen Konzentrationen ansammeln. NAC wird von den Zellen aufgenommen und in Cystein umgewandelt. Dieses Cystein ermöglicht dann die Produktion von Glutathion. Durch die Erhöhung der Verfügbarkeit von Cystein kann NAC somit helfen, den Glutathionspiegel im Körper aufrechtzuerhalten oder zu erhöhen.
Antioxidative Wirkung
NAC erhöht die Produktion von Glutathion im Körper. Glutathion ist ein Antioxidans, das den Körper vor Schäden durch freie Radikale und Entzündungen schützt. Es schützt Gewebe und Organe vor Alterung und Schädigung durch freie Radikale.
Unterstützung der Lebergesundheit
Glutathion spielt auch eine Schlüsselrolle bei der Entgiftung der Leber. NAC unterstützt die Leberfunktion und schützt vor toxischen Wirkungen verschiedener Stoffe, darunter Schwermetalle, Zytostatika und Paracetamol. Bei einer Paracetamol-Vergiftung wird NAC zur Inaktivierung leberschädlicher Abbauprodukte eingesetzt. Bei starker Belastung der Leber mit Schadstoffen und Keimen werden die Glutathion-Speicher rasch aufgebraucht.
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Unterstützung der Atemwege
NAC ist bekannt dafür, Schleim in den Atemwegen zu verdünnen, was zu verbesserter Atmungsleistung und Linderung von Symptomen bei Atemwegserkrankungen führen kann. Es wirkt, indem es die Disulfidbrücken bricht, die Schleimproteine miteinander verbinden. Dies führt dazu, dass der Schleim flüssiger wird und leichter aus den Atemwegen entfernt werden kann. Dies macht NAC zu einer wertvolle Unterstützung für die Gesundheit der Atemwege. NAC ist ein Klassiker bei Husten und Bronchitis, weil es zähen Schleim verflüssigt und so das Durchatmen erleichtert. Wegen seiner Fähigkeiten wird NAC als ergänzende Therapie bei chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD), chronischer Bronchitis und bei Infektionen mit dem Corona Virus (SARS-CoV-2) diskutiert.
Psychische Gesundheit
Forschung hat gezeigt, dass NAC eine positive Wirkung auf einige psychische Erkrankungen wie Depressionen, Zwangsstörungen und Schizophrenie haben kann. Neben den entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften, die NAC auch im Gehirn entfaltet und auf diese Weise vor neurodegenerativen Erkrankungen schützen kann, haben Wissenschaftler weitere Mechanismen entdeckt, die die Anwendung bei Störungen im zentralen Nervensystem und bei psychiatrischen Fragestellungen aussichtsreich machen. Dazu gehört die Aktivierung von bestimmten Glutamat-Rezeptoren, die die Freisetzung von Dopamin fördern. Glutamat und Dopamin sind sogenannte Neurotransmitter, also Botenstoffe, die Erregung von einer Nervenzelle auf eine Zielzelle übertragen. Glutamat ist an der Schmerzübertragung und Appetitssteuerung beteiligt. Eine erhöhte Dopamin-Freisetzung steht im Zusammenhang mit Lernvorgängen sowie verschiedenen psychischen und neurologischen Erkrankungen, bei denen eine Imbalance in der Dopamin-Konzentration auftritt.
Erhöhung der Übungsausdauer
NAC kann auch die sportliche Leistung verbessern und die Erholungszeit verkürzen, auch wegen seiner antioxidativen Aktivität im Muskelgewebe. Bei Sportlern wirkt sich NAC günstig auf die Ausdauer aus.
Weitere Vorteile
NAC kann bei verschiedenen (chronischen) Erkrankungen eingesetzt werden, bei denen oxidativer Stress und/oder Entzündungsvorgänge eine Rolle spielen. NAC kann als Quelle für die Aminosäure L-Cystein auch zur Stärkung der Gesundheit von Haaren und Nägeln beitragen. Denn L-Cystein ist wichtiger Bestandteil einer Gruppe von Proteinen, die unter dem Sammelbegriff Keratin zusammengefasst werden.
NAC und das Gehirn: Ein genauerer Blick
Bemerkenswert ist die Fähigkeit von N-Acetyl-L-Cystein, die Blut-Hirn-Schranke passieren zu können. Die Blut-Hirn-Schranke fungiert als Filter, bewahrt das zentrale Nervensystem vor toxischen Molekülen. NAC gelangt aus dem Blut ins Gehirn.
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Einfluss auf den Glukosestoffwechsel im Gehirn
Forscher führten eine Studie durch, um den Effekt von N-Acetyl-Cystein (NAC) auf den Gehirnstoffwechsel, speziell den Glukosestoffwechsel, zu ermitteln und seinen Effekt auf Symptome von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zu bestimmen. Die bildgebenden Daten zeigten einen signifikant erhöhten Glukosestoffwechsel in verschiedenen Gehirnregionen (Caudatum, inferior-frontaler Gyrus, lateral-temporaler Gyrus und mid-temporaler Gyrus) in der Patientengruppe, die ergänzend NAC erhalten hatte, im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass NAC einen positiven Einfluss auf den Glukosestoffwechsel des Gehirns bei Menschen mit MS hat. Dieser Einfluss scheint sich auch in qualitativen Verbesserungen von Denkleistung und Aufmerksamkeit niederzuschlagen, wie aus Patientenberichten ermittelt wurde.
Neuroprotektive Wirkung
NAC vermindert die Neurotoxizität von Schwermetallen (z. B. Methylquecksilber, Aluminium) im Gehirn und unterstützt durch Komplexierung deren Ausleitung aus dem Körper.
Regulierung von Glutamat und Dopamin
NAC kann nicht nur die antioxidativen Schutzsysteme verbessern, sondern auch die beiden Nerven-Botenstoffe Glutamat und Dopamin beeinflussen. Der unterstützende Einsatz von NAC bei psychischen Erkrankungen bedarf noch weiterer Forschung.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von N-Acetylcystein (NAC) kann je nach individuellen gesundheitlichen Bedürfnissen und Zielsetzungen variieren. Allgemein wird jedoch eine Tagesdosierung von 600 bis 1800 Milligramm empfohlen, aufgeteilt in mehrere kleinere Dosen im Laufe des Tages. Eine gängige Dosierungsstrategie ist die Einnahme von 600 Milligramm NAC zwei bis drei Mal täglich. Für die Unterstützung der psychischen Gesundheit kann eine höhere Dosierung notwendig sein. Studien haben gezeigt, dass bei einigen psychischen Erkrankungen eine Tagesdosis von 2000 bis 2400 Milligramm NAC positive Ergebnisse erzielen kann.
Empfohlen werden für die Einnahme Dosen zwischen 600 und 1500 Milligramm pro Tag, für Kinder 400 Milligramm in zwei Dosen über den Tag verteilt. Für die Behandlung von Lungenerkrankungen kommen in der überwiegenden Zahl der Studien 600 bis 1200 Milligramm N-Acetyl-L-Cystein zum Einsatz. Patienten mit COPD nahmen bis zu 3600 Milligramm NAC oral ein. Zur unterstützenden Therapie bei Herz-Kreislauferkrankungen wurden Dosen bis zu 15 Gramm pro Tag oder 50 bis 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht intravenös verabreicht.
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Es ist immer wichtig, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln einen Arzt oder eine qualifizierte Gesundheitsfachkraft zu konsultieren. Dies ist besonders relevant, wenn bereits Medikamente eingenommen werden oder bestehende gesundheitliche Beschwerden vorliegen.
Sicherheit und Nebenwirkungen
NAC ist allgemein als sicher anerkannt und wird oft gut vertragen. Es kann jedoch in einigen Fällen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen verursachen. Seltenere Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Schwindel, niedrigen Blutdruck, trockenen Mund und Hautausschläge sein. NAC kann mit bestimmten Medikamenten interagieren, einschließlich Nitroglycerin, was das Risiko von Nebenwirkungen wie schweren Kopfschmerzen und niedrigem Blutdruck erhöhen kann. Obwohl selten, können einige Personen allergisch auf NAC reagieren.
Von einer dauerhaften Einnahme sollte abgesehen werden, da es keine Studien gibt, welche über Jahre durchgeführt wurden. Besser ist es die Einnahme periodisch zu gestalten. Hohe Dosierungen sollten immer nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen! Die Einnahme empfiehlt sich auf 2 Einnahmen aufzuteilen. Bei Nebenwirkungen ist die Einnahme abzubrechen.
NAC in Lebensmitteln
N-Acetylcystein (NAC) kommt als synthetisches Molekül nicht natürlich in Lebensmitteln vor. Allerdings lässt sich der Gehalt an Cystein bzw. Cystin in bestimmten Lebensmitteln erhöhen.
- Eier und Milchprodukte: Hühnerei enthält etwa 310 mg Cystin pro 100g.
- Samen und Nüsse: Senfsamen führen die Liste mit 680 mg/100g an.
Die semi-essentielle Aminosäure Cystein kommt in eiweißreichen Nahrungsmitteln vor, so in Milchprodukten, Fleisch und Geflügel.
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