Atlaskorrektur und Taubheitsgefühl im Arm: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Die Halswirbelsäule (HWS) ist ein bemerkenswertes und zugleich empfindliches Konstrukt, in dem der Atlaswirbel eine Schlüsselrolle spielt. Als Teil des oberen Rückgrats trägt er wesentlich zur Stabilität des gesamten Körpers bei. Eine Fehlstellung des Atlaswirbels kann eine Vielzahl von Symptomen auslösen, darunter auch Taubheitsgefühle in den Armen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen einer Atlasfehlstellung, den möglichen Ursachen und Symptomen sowie den verschiedenen Behandlungsansätzen, insbesondere die Atlaskorrektur.

Einführung in die Atlaskorrektur

Die Atlaskorrektur ist eine alternative medizinische Behandlungsmethode, die darauf abzielt, den Atlas, den obersten Halswirbel, in seine optimale Position zu bringen. Eine Fehlstellung dieses Wirbels kann eine Kaskade von Problemen im Körper auslösen, da er eine zentrale Rolle für die Statik, die Nervenfunktion und die Durchblutung des Kopfes spielt.

Der Atlaswirbel: Schlüsselstelle der Halswirbelsäule

Der Atlaswirbel (C1) ist der oberste Halswirbel und bildet zusammen mit dem zweiten Halswirbel, dem Axis (C2), die Kopfgelenke. Diese Gelenke ermöglichen die vielfältigen Bewegungen des Kopfes, wie Nicken und Drehen. Der Atlas trägt den Kopf und schützt das Rückenmark, das durch seinen Wirbelkörper verläuft. Durch Öffnungen im Atlas ziehen wichtige Blutgefäße, die den Kopf versorgen.

Ursachen einer Atlasfehlstellung oder Atlasblockade

Eine Atlasfehlstellung oder Atlasblockade kann verschiedene Ursachen haben:

  • Dauerhafte Fehlhaltungen und Fehlbelastungen: Langes Sitzen, insbesondere bei der Arbeit am Computer oder bei der Verwendung von mobilen Geräten, kann zu muskulären Verspannungen und einer Fehlstellung des Atlas führen.
  • Stress und psychische Anspannungen: Stress kann zu Verspannungen der Nackenmuskulatur führen, die den Atlas aus seiner Position ziehen können.
  • Stürze: Stürze im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter können eine Atlasfehlstellung verursachen.
  • Verdrehung bei der Geburt: Insbesondere bei schwierigen Geburten, wie Saugglocken- und Zangengeburten oder Kaiserschnitt, kann es zu einer Verdrehung des Atlas kommen.
  • KISS-Syndrom: Das KISS-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Symmetriestörung) betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder und kann zu einer Atlasfehlstellung führen.
  • Sportunfälle: Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko können eine Atlasfehlstellung begünstigen.
  • Starke Verspannungen der Nackenmuskulatur: Verspannungen können durch verschiedene Faktoren wie Stress, Fehlhaltungen oder Zugluft entstehen.
  • Unfälle und Schleudertraumata: Bei einem Schleudertrauma kann es zu einer Zerrung der Nackenmuskulatur und einer Verschiebung des Atlas kommen.
  • Plötzliche Gewalteinwirkung: Auch plötzliche, unerwartete Krafteinwirkungen können den Atlas aus seiner Position bringen.

Symptome einer Atlasfehlstellung

Eine Atlasfehlstellung kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, da sie das Nervensystem, die Muskulatur und die Durchblutung beeinträchtigen kann. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

  • Häufige Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen, Migräne oder andere Arten von Kopfschmerzen können durch eine Atlasfehlstellung ausgelöst werden.
  • Schwindel: Drehschwindel oder ein allgemeines Schwindelgefühl kann auftreten, da der Atlas das Gleichgewichtsorgan im Innenohr beeinflusst.
  • Gleichgewichtsprobleme: Eine gestörte Koordination und Schwierigkeiten beim Halten des Gleichgewichts können die Folge sein.
  • Nackenverspannungen: Verspannungen und Schmerzen im Nackenbereich sind typische Begleiterscheinungen einer Atlasfehlstellung.
  • Rückenschmerzen: Eine Fehlstellung des Atlas kann die gesamte Statik des Körpers beeinträchtigen und zu Rückenschmerzen führen.
  • Muskelverspannungen: Verspannungen können sich im gesamten Körper ausbreiten, insbesondere im Schulter- und Nackenbereich.
  • Hörsturz und Ohrengeräusche (Tinnitus): Eine Atlasfehlstellung kann die Durchblutung des Innenohrs beeinträchtigen und zu Hörproblemen führen.
  • Schleudertrauma-Beschwerden: Nach einem Schleudertrauma können Symptome wie Nackenschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten.
  • Bandscheibenbeschwerden und Bandscheibenvorfall: Eine Fehlstellung des Atlas kann die Wirbelsäule belasten und Bandscheibenprobleme begünstigen.
  • Blockaden der Wirbel: Blockaden in der Hals- und Brustwirbelsäule können durch eine Atlasfehlstellung verursacht werden.
  • HWS-Syndrom (Zervikalsyndrom): Beschwerden im Halswirbelbereich, wie Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Verspannungen, können auftreten.
  • Skoliose: Eine seitliche Verbiegung der Wirbelsäule kann durch eine Atlasfehlstellung verstärkt werden.
  • Hexenschuss (Lumbago): Akute Schmerzen im unteren Rücken können durch eine Atlasfehlstellung ausgelöst werden.
  • Beinlängendifferenz und Beckenschiefstand: Eine Fehlstellung des Atlas kann zu einer ungleichmäßigen Belastung des Beckens und zu einer scheinbaren oder tatsächlichen Beinlängendifferenz führen.
  • Häufige Müdigkeit und Schlafstörungen: Durch die ständige Anspannung und Fehlregulation des Nervensystems kann es zu Müdigkeit und Schlafproblemen kommen.
  • Verdauungsprobleme: Eine Atlasfehlstellung kann das vegetative Nervensystem beeinflussen und Verdauungsstörungen verursachen.
  • Migräne: Migräneattacken können durch eine Atlasfehlstellung ausgelöst oder verstärkt werden.
  • Konzentrations- und Lernstörungen: Eine gestörte Nervenfunktion kann die Konzentration und das Lernvermögen beeinträchtigen.
  • Erschöpfung und Lustlosigkeit: Die ständige Belastung des Körpers kann zu Erschöpfung und Antriebslosigkeit führen.
  • Psychische Belastungen: Dauerhafte Schmerzen und Beschwerden können die Psyche belasten und zu Angstzuständen oder Depressionen führen.
  • Kieferverspannungen und Kieferschmerzen: Eine Atlasfehlstellung kann die Muskulatur des Kiefers beeinflussen und zu Verspannungen und Schmerzen führen.
  • Sehstörungen: In einigen Fällen kann eine Atlasfehlstellung zu Sehstörungen führen, da sie die Nerven und Muskeln beeinflusst, die die Augen steuern.
  • Spannungskopfschmerzen: Spannungskopfschmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung einer Atlasfehlstellung.
  • Taubheitsgefühle in den Händen und Fingern: Eine Atlasblockade kann sich auch auf die Nervenwurzeln auswirken, was zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen in den Armen und Händen führen kann.

Taubheitsgefühl im Arm als Folge einer Atlasfehlstellung

Das Taubheitsgefühl in den Armen und Händen, das bei einer Atlasfehlstellung auftreten kann, wird in der Regel durch eine Irritation oder Kompression der Nerven verursacht, die vom Nacken in die Arme verlaufen. Die Fehlstellung des Atlas kann Druck auf die Nervenwurzeln ausüben, was zu den genannten Symptomen führt.

Diagnose einer Atlasfehlstellung

Die Diagnose einer Atlasfehlstellung erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), körperlicher Untersuchung und gegebenenfalls bildgebenden Verfahren. Ein erfahrener Arzt, Physiotherapeut, Chiropraktiker oder Osteopath kann die Fehlstellung des Atlas durch Abtasten (Palpation) feststellen. In manchen Fällen kann eine Röntgenaufnahme oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein, um andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen. Eine (PET) Positronen-Emissions-Tomographie ist dazu in der Lage, eine Kopfgelenkinstabilität deutlich zu erkennen und präzise zu messen.

Behandlungsansätze bei Atlasfehlstellung

Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, um eine Atlasfehlstellung zu korrigieren und die damit verbundenen Beschwerden zu lindern.

Atlaskorrektur

Die Atlaskorrektur ist eine manuelle Therapie, die darauf abzielt, den Atlaswirbel sanft in seine optimale Position zu bringen. Es gibt verschiedene Methoden der Atlaskorrektur, wie die Atlastherapie nach Arlen oder die atlasreflexTh®-Methode. Bei der Atlastherapie nach Arlen werden kurze, gezielte Druckimpulse auf die Muskeln und Faszien im Bereich der obersten Halswirbelsäule gesetzt. Die atlasreflexTh®-Methode arbeitet mit einem speziellen Gerät, das elektromechanische Mikrobewegungen erzeugt, um die Muskeln und Sehnen zu entspannen und den Atlas zu mobilisieren.

Chiropratik

Die Chiropraktik ist eine weitere manuelle Therapie, die sich auf die Diagnose, Behandlung und Prävention von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule, konzentriert. Chiropraktiker verwenden verschiedene Techniken, um Blockaden zu lösen und die Wirbelsäule auszurichten.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Manuelle Therapie

Die manuelle Therapie umfasst verschiedene Techniken, die darauf abzielen, Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zu beheben. Dazu gehören Mobilisationen, Weichteiltechniken und Muskeldehnungen.

Osteopathie

Die Osteopathie ist eine ganzheitliche Behandlungsmethode, die den Körper als Einheit betrachtet. Osteopathen verwenden manuelle Techniken, um Blockaden zu lösen, die Durchblutung zu verbessern und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Neben den manuellen Therapien können auch andere Behandlungen sinnvoll sein, um die Beschwerden einer Atlasfehlstellung zu lindern:

  • Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Nackenmuskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Fehlhaltungen zu korrigieren.
  • Massagen: Massagen können Verspannungen lösen und die Durchblutung fördern.
  • Akupunktur: Akupunktur kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme kann Verspannungen lösen, während Kälte Entzündungen reduzieren kann.
  • Schmerzmittel: In akuten Fällen können Schmerzmittel helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Isometrisches Training: Das isometrische Training ist statisch, es kommt ganz ohne Bewegung aus. Diese Übungen haben sich bei einer Vielzahl von Beschwerden bewährt.

Übungen zur Selbsthilfe

Ergänzend zu den genannten Behandlungen können Betroffene auch selbst aktiv werden, um ihre Beschwerden zu lindern:

  • Nackendehnung: Greife mit deinen Händen deinen Hinterkopf und drücke ihn langsam nach unten.
  • Halsrotationen: Setze dich aufrecht hin und drehe den Kopf langsam nach links und rechts.
  • Kinn einziehen: Kinn einziehen und nach ganz vorne bringen und wieder zurück.
  • Akupressur: Akupressur ist eine effiziente und bewährte Methode, um Schmerzen und muskuläre Verspannungen im Nacken zu lösen.

Was kann ich tun, damit die Atlasbehandlung länger hält?

Um die Dauerhaftigkeit einer Atlaskorrektur zu unterstützen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten

  • Vermeidung von Faktoren, die die Dauerhaftigkeit verkürzen: Dazu gehören beispielsweise Achterbahnfahrten, Mountainbike-Fahren, Brustschwimmen oder das Ausführen des Hundes an der Leine.
  • Ausbalancierung der Rumpfmuskulatur: Aufgaben wie Staubsaugen, Tragen von Taschen oder Zähneputzen können bewusst mit der linken Hand ausgeführt werden, um die Muskulatur auszugleichen.
  • Regelmäßige Pausen: Bei sitzenden Tätigkeiten sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden, um Verspannungen vorzubeugen.
  • Stressreduktion: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Muskulatur zu entspannen.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen kann die Nervenfunktion unterstützen. Besonders wichtig sind die B-Vitamine sowie Zink, Kupfer und Selen.

Risiken und Nebenwirkungen der Atlaskorrektur

Wie bei jeder medizinischen Behandlung können auch bei der Atlaskorrektur Risiken und Nebenwirkungen auftreten. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:

  • Muskelkaterähnliche Empfindungen: Da sich Skelett und Muskulatur neu strukturieren, kann es zu muskelkaterähnlichen Schmerzen kommen.
  • Müdigkeit: Insbesondere am Tag der ersten Behandlung kann es zu Müdigkeit kommen.
  • Vorübergehende Verschlimmerung der Symptome: In manchen Fällen kann es kurz nach der Behandlung zu einer vorübergehenden Verschlimmerung der Symptome kommen, bevor eine Besserung eintritt.
  • Schwindel: Ein Schwindel kann nach der Behandlung zunächst für einige Momente oder Stunden zunehmen, bevor er schließlich verschwindet.
  • Tinnitus: Bei Tinnitus kann es am Behandlungstag vorkommen, dass der Tinnitus vor seinem Verschwinden für einige Stunden zunächst lauter erscheint.

Schwerwiegende Komplikationen sind bei der Atlaskorrektur selten, können aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. Es ist daher wichtig, sich vor der Behandlung von einem erfahrenen Therapeuten beraten zu lassen und sich über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen zu informieren.

Wann ist eine Atlaskorrektur nicht geeignet?

Es gibt bestimmte Umstände, unter denen eine Atlaskorrektur nicht geeignet ist. Dazu gehören:

  • Frische Knochenbrüche: Bei frischen Knochenbrüchen im Bereich der Halswirbelsäule sollte keine Atlaskorrektur durchgeführt werden.
  • Akute Entzündungen: Bei akuten Entzündungen im Bereich der Halswirbelsäule sollte die Behandlung verschoben werden.
  • Tumore: Bei Tumoren im Bereich der Halswirbelsäule ist eine Atlaskorrektur kontraindiziert.
  • Instabilität der Halswirbelsäule: Bei einer Instabilität der Halswirbelsäule sollte die Behandlung nur mit großer Vorsicht erfolgen.

tags: #nach #atlasprofilaxe #arm #taubheitsgefuhl