Muskelkater nach Sport: Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Muskelkater ist ein weit verbreitetes Phänomen, das fast jeder kennt, besonders nach ungewohnten oder intensiven sportlichen Aktivitäten. Das unangenehme Ziehen, Spannen und Brennen in den Muskeln kann die Freude am Sport trüben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Muskelkater, gibt Tipps zur Behandlung und zeigt Möglichkeiten zur Vorbeugung auf, um das Training angenehmer zu gestalten.

Was ist Muskelkater?

Muskelkater ist ein verzögert auftretender Muskelschmerz, der typischerweise 12 bis 24 Stunden nach ungewohnter oder intensiver körperlicher Belastung einsetzt. Die Symptome können bis zu einer Woche andauern. Er äußert sich durch Schmerzen, Steifheit und Druckempfindlichkeit in den betroffenen Muskeln. Obwohl Muskelkater unangenehm ist, ist er in der Regel harmlos und hinterlässt keine bleibenden Schäden.

Ursachen von Muskelkater

Lange Zeit wurde angenommen, dass Muskelkater durch die Bildung von Milchsäure (Laktat) nach starker körperlicher Aktivität verursacht wird. Diese Theorie der Übersäuerung ist jedoch wissenschaftlich widerlegt.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass Muskelkater durch Mikrotraumata, also winzige Risse in den Muskelfasern, entsteht. Diese Mikrorisse treten besonders bei exzentrischen Kontraktionen auf, bei denen der Muskel gleichzeitig angespannt und gedehnt wird, z.B. beim Bergablaufen oder beim Abbremsen von Bewegungen.

Die genauen Ursachen von Muskelkater sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die die Entstehung begünstigen können:

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  • Ungewohnte oder intensive Belastungen: Werden Muskeln über das normale Maß hinaus beansprucht, sind sie anfälliger für Mikrotraumata.
  • Körperliche Aktivität nach längerer Trainingspause: Nach einer Pause sind die Muskeln nicht an die Belastung gewöhnt, was das Risiko für Muskelkater erhöht.
  • Exzentrische Belastungen: Bewegungen, bei denen sich der Muskel unter Spannung verlängert, sind besonders belastend für die Muskelfasern.
  • Mangelndes Aufwärmen und Dehnen: Unzureichendes Aufwärmen und Dehnen vor dem Training kann die Muskulatur anfälliger für Verletzungen machen.

Konkret kommt es zu kleinen Einrissen in den Myofibrillen, die sich in den Muskelfasern befinden. Dadurch kann Wasser in die Fasern eindringen, der Muskel schwillt an und wird gedehnt, was die typischen Beschwerden verursacht. Gleichzeitig setzt der Körper Entzündungsstoffe frei, die zu den Beschwerden beitragen können.

Was passiert im Körper bei Muskelkater?

Die kleinsten Funktionseinheiten des Muskels, die Sarkomere, spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Muskelkater. Diese Einheiten sind durch Z-Scheiben verbunden. Bei zu intensiver Belastung können im Bereich der Z-Scheiben kleinste Risse entstehen.

Der Körper reagiert auf diese Mikroverletzungen mit Entzündungsprozessen, um die Heilung einzuleiten. Fresszellen sammeln die Bruchstücke auf, verdauen sie und setzen Entzündungsstoffe frei. Dadurch schwillt der Muskel an, wird steif, hart und druckempfindlich.

Symptome von Muskelkater

Die Symptome von Muskelkater treten meist verzögert auf, in der Regel 12 bis 36 Stunden nach der Belastung. Typische Anzeichen sind:

  • Ziehende, drückende oder stechende Schmerzen in den betroffenen Muskeln
  • Muskelsteifheit und eingeschränkte Beweglichkeit
  • Druckempfindlichkeit der Muskeln
  • Kraftlosigkeit

Die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt meist nach ein bis drei Tagen und klingen dann innerhalb einer Woche wieder ab.

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Was hilft gegen Muskelkater?

Es gibt kein Wundermittel gegen Muskelkater, aber verschiedene Maßnahmen können die Beschwerden lindern und die Regeneration unterstützen:

  • Schonung und Erholung: Gönnen Sie den betroffenen Muskeln Zeit zur Erholung. Vermeiden Sie intensive Belastungen, die die Schmerzen verstärken könnten.
  • Leichte Bewegung: Sanfte Aktivitäten wie Spazierengehen, leichtes Radfahren oder Schwimmen fördern die Durchblutung und beschleunigen die Heilungsprozesse.
  • Wärme: Warme Bäder, Duschen oder Saunagänge können die Durchblutung fördern und die Muskeln entspannen.
  • Dehnen: Leichte Dehnübungen können die Muskelsteifheit reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Vermeiden Sie jedoch zu starkes Dehnen, das die Schmerzen verstärken könnte.
  • Massage: Sanfte Massagen können die Durchblutung fördern und die Muskeln lockern. Vermeiden Sie jedoch zu starken Druck, der die Beschwerden verschlimmern könnte.
  • Kaltwasserbäder: Einige Studien deuten darauf hin, dass Kaltwasserbäder (< 15°C) Schwellungen und Entzündungen lindern können.
  • Ingwer-Tee: Laut einer Studie kann Ingwer die Beschwerden des Muskelkaters verringern.
  • Pflanzliche Cremes: Cremes mit Pflanzenextrakten können den Regenerationsprozess unterstützen.
  • Ausreichend Schlaf: Während des Schlafs regeneriert sich der Körper besonders effektiv.
  • Eiweißreiche Ernährung: Eiweiß unterstützt die Reparaturprozesse in den Muskeln.
  • Viel trinken: Muskeln bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und benötigen ausreichend Flüssigkeit, um optimal zu funktionieren und zu regenerieren. Kohlensäurearme und natriumreiche Getränke sind besonders geeignet.

Was man bei Muskelkater vermeiden sollte

  • Intensives Training: Vermeiden Sie intensives Training auf demselben Muskelbereich, da dies die Beschwerden verlängern oder verschlimmern kann.
  • Starkes Dehnen: Vermeiden Sie zu starkes Dehnen, das die Muskeln zusätzlich belasten und die Risse in den Muskelfibrillen vergrößern könnte.
  • Vollständige Ruhigstellung: Völlige Ruhe ist kontraproduktiv, da sanfte Bewegung die Durchblutung fördert und die Heilungsprozesse beschleunigt.

Vorbeugung von Muskelkater

Muskelkater lässt sich durch gezielte Vorbeugung oft vermeiden oder zumindest abschwächen:

  • Gründliches Aufwärmen: Bereiten Sie die Muskulatur vor dem Training auf die kommenden Bewegungen vor.
  • Langsame Steigerung der Trainingsintensität: Erhöhen Sie die Belastung allmählich, um die Muskeln nicht zu überfordern.
  • Regelmäßiges Training: Trainieren Sie regelmäßig, um die Muskeln an die Belastung zu gewöhnen.
  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine eiweißreiche Ernährung, um die Reparaturprozesse in den Muskeln zu unterstützen.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Trinken Sie ausreichend Wasser, um die Muskeln optimal zu hydrieren.
  • Regeneration: Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Ruhe und Schlaf, um sich zu erholen.
  • Faszienrolle: Die Verwendung einer Faszienrolle nach dem Training kann die Durchblutung fördern und Muskelkater vorbeugen.

Mythen rund um Muskelkater

Es gibt einige Mythen rund um Muskelkater, die sich hartnäckig halten:

  • Muskelkater wird durch Milchsäure verursacht: Diese Theorie ist wissenschaftlich widerlegt.
  • Dehnen verhindert Muskelkater: Dehnen kann die Muskeln zwar lockern, verhindert aber nicht die Entstehung von Mikrotraumata.
  • Magnesium hilft gegen Muskelkater: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Magnesium Muskelkater lindert.
  • Muskelkater ist ein Zeichen für Muskelwachstum: Muskelkater ist ein Zeichen für Mikroverletzungen in der Muskulatur, aber nicht unbedingt ein Zeichen für Muskelwachstum. Muskelaufbau findet auch ohne Muskelkater statt.
  • Massagepistolen helfen gegen Muskelkater: Nach heutigem Kenntnisstand sind Massagepistolen gegen Muskelkater ebenso wirkungslos wie herkömmliche Massagen.

Muskelkater vs. Muskelverletzung

Es ist wichtig, Muskelkater von ernsthafteren Muskelverletzungen wie Zerrungen oder Muskelfaserrissen zu unterscheiden. Bei Verletzungen treten oft akute, stechende Schmerzen und Blutergüsse auf, während Muskelkater lokal begrenzt bleibt, nicht ständig zunimmt und nach einigen Tagen von selbst verschwindet.

Dürfen Kinder Muskelkater bekommen?

Ja, auch Kinder können Muskelkater bekommen. Allerdings tritt er bei ihnen seltener auf als bei Erwachsenen, da sie sich ständig bewegen und aktiv sind. Ihre Muskeln sind an unterschiedliche Bewegungen und Belastungen angepasst. Bei neuen oder sehr intensiven Bewegungen können aber auch Kinder Muskelkater entwickeln. Achten Sie darauf, wie Ihr Kind sich fühlt und verhindern Sie Überanstrengungen der betroffenen Muskeln.

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