Grand-Mal-Anfälle nach Meningeom-Entfernung: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Einleitung:Epileptische Anfälle können eine belastende Komplikation nach der Entfernung eines Meningeoms darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze von Grand-Mal-Anfällen im Zusammenhang mit Meningeom-Operationen. Es werden verschiedene Aspekte wie die klinische Vorgeschichte, Pathologie und weitere relevante Informationen betrachtet, um ein umfassendes Verständnis dieser Thematik zu ermöglichen.

Was sind Meningeome und wie beeinflussen sie das Gehirn?

Meningeome sind Tumoren, die aus den Hirnhäuten entstehen, den Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Obwohl die Mehrzahl der Meningeome gutartig ist (WHO-Grad 1), können sie durch ihr Wachstum Druck auf das umliegende Hirngewebe ausüben. Dieser Druck kann zu einer Vielzahl von neurologischen Symptomen führen, darunter Kopfschmerzen, Erbrechen, Gedächtnisstörungen und epileptische Anfälle. In einigen Fällen können Meningeome auch Hirnnerven beeinträchtigen, die Blutzirkulation stören und die normalen Gehirnfunktionen beeinträchtigen.

Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten

Epileptische Anfälle sind ein häufiges Symptom bei Patienten mit Hirntumoren. Laut Statistik ist bei etwa 60 Prozent der Patienten mit einem primären Hirntumor ein epileptischer Anfall das erste Anzeichen der Erkrankung. Bei weiteren 10 bis 20 Prozent der Hirntumorpatienten treten im weiteren Verlauf der Erkrankung Anfälle auf. Bestimmte Hirntumoren sind häufiger mit Anfällen verbunden als andere. So sind mindestens 75 Prozent der Patienten mit Oligodendrogliomen und Gangliogliomen von epileptischen Anfällen betroffen, 60 bis 70 Prozent der Patienten mit differenzierten Astrozytomen, 15 bis 20 Prozent mit cerebralen Metastasen und 15 Prozent der Patienten mit primären ZNS-Lymphomen.

Arten von epileptischen Anfällen

Epileptische Anfälle bei Hirntumorpatienten sind generell fokale Anfälle, da sie von einem umschriebenen Herd (lateinisch „focus“) ausgehen, dem Hirngewebe um den Tumor. Ein Anfall selbst dauert meist nicht länger als 30 bis 90 Sekunden. Da jedoch oft im Anschluss an einen Anfall eine Funktionsstörung des Gehirns bestehen kann, die z.B. eine Phase der Reorientierung oder einen „Terminalschlaf“ nach einem großen Anfall bedingt, empfinden Beobachter die Zeitdauer des Anfalls oftmals als länger.

Es gibt verschiedene Arten von epileptischen Anfällen, die nach Meningeom-Operationen auftreten können:

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  • Fokale Anfälle: Diese Anfälle beginnen in einem bestimmten Bereich des Gehirns und können sich auf einen einzelnen Körperteil beschränken (z. B. Zuckungen eines Fingers oder Arms) oder sich auf andere Bereiche des Gehirns ausbreiten.
  • Generalisierte Anfälle: Diese Anfälle betreffen das gesamte Gehirn und führen zu Bewusstseinsverlust und Krämpfen. Ein Grand-Mal-Anfall ist eine Art von generalisiertem Anfall.
  • Fokale Anfälle mit sekundärer Generalisierung: Diese Anfälle beginnen als fokale Anfälle, breiten sich aber dann auf das gesamte Gehirn aus und führen zu einem generalisierten Anfall.

Ursachen von Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung

Es gibt verschiedene mögliche Ursachen für Grand-Mal-Anfälle nach der Entfernung eines Meningeoms:

  • Reizung des Hirngewebes: Die Operation selbst kann das Hirngewebe reizen und zu epileptischen Anfällen führen. Dies wird oft als "epileptogene Zone" bezeichnet.
  • Narbenbildung: Nach der Operation kann sich Narbengewebe im Gehirn bilden. Dieses Narbengewebe kann die normale elektrische Aktivität des Gehirns stören und zu Anfällen führen.
  • Veränderungen im Hirndruck: Die Entfernung des Meningeoms kann zu Veränderungen im Hirndruck führen. Diese Veränderungen können ebenfalls Anfälle auslösen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die nach der Operation eingenommen werden, können das Risiko von Anfällen erhöhen.
  • Hyponatriämie: Ein niedriger Natriumspiegel im Blut (Hyponatriämie) kann ebenfalls Anfälle auslösen. Dies kann durch bestimmte Medikamente oder andere medizinische Bedingungen verursacht werden.
  • Alkoholgenuss: In einigen Fällen kann auch Alkoholgenuss in Verbindung mit einer Hirnschädigung zu epileptischen Anfällen führen.

Fallbeispiele und klinische Vorgeschichten

Die folgenden Fallbeispiele illustrieren die Vielfalt der klinischen Präsentationen und Verläufe bei Patienten mit Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung:

  • Fall 1: Eine 56-jährige Frau wurde nach einem Grand-Mal-Anfall bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Sie hatte zuvor über einen Zeitraum von sechs Monaten an wiederkehrenden Kopfschmerzen und Erbrechen gelitten. Die Bildgebung zeigte eine große Raumforderung, vermutlich ein Meningeom, das das Hirngewebe verdrängte.
  • Fall 2: Einer Frau wurde 2014 ein Meningeom rechts frontal entfernt. Vor, während und nach der OP traten keine Anfälle auf. Vorsorglich wurde 1 Tag vor der OP für 3 Monate 2 x 500 mg Levetiracetam gegeben. Nach ca. 4 Monaten wurde mit dem langsamen Absetzen begonnen. Nach ca. weiteren 7 Wochen trat ein Staus / Serie fokaler Anfälle über 80 Minuten auf.
  • Fall 3: Eine 26-jährige Frau erlitt circa 2 Wochen nach der Entbindung ihren ersten epileptischen Anfall. Im MRT stellte man dann fest, dass sie einen circa 5cm großes Meningeom hat, welches auf das Bewegungszentrum drückt und links liegt - daher die Zuckung im rechten Bein.

Symptome von Grand-Mal-Anfällen

Grand-Mal-Anfälle sind durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  • Bewusstseinsverlust: Der Betroffene verliert das Bewusstsein und ist nicht ansprechbar.
  • Krämpfe: Der Körper versteift sich und es kommt zu unkontrollierten Zuckungen der Muskeln.
  • Zungenbiss: Durch die Krämpfe kann es zu einem Zungenbiss kommen.
  • Einnässen: Es kann zu einem unkontrollierten Verlust von Urin oder Stuhl kommen.
  • Nach dem Anfall: Nach dem Anfall ist der Betroffene oft verwirrt, müde und hat Kopfschmerzen.

Diagnose von Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung

Die Diagnose von Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung umfasst in der Regel folgende Schritte:

  • Anamnese: Der Arzt wird den Patienten nach seiner Krankengeschichte, seinen Symptomen und eingenommenen Medikamenten fragen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird eine neurologische Untersuchung durchführen, um die Gehirnfunktion des Patienten zu beurteilen.
  • EEG (Elektroenzephalogramm): Ein EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann helfen, epileptische Aktivität zu identifizieren.
  • Bildgebung: Eine MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) des Gehirns kann helfen, Narbengewebe, Veränderungen im Hirndruck oder andere Ursachen für die Anfälle zu identifizieren.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Hyponatriämie oder andere Stoffwechselstörungen als Ursache für die Anfälle auszuschließen.

Behandlung von Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung

Die Behandlung von Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Behandlung kann folgende Maßnahmen umfassen:

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  • Antiepileptika: Antiepileptika sind Medikamente, die helfen, die elektrische Aktivität des Gehirns zu stabilisieren und Anfälle zu verhindern. Es gibt verschiedene Arten von Antiepileptika, und der Arzt wird das am besten geeignete Medikament für den Patienten auswählen. Häufig eingesetzte Medikamente sind Levetiracetam, Lamotrigin und andere.
  • Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Narbengewebe oder andere Ursachen für die Anfälle zu entfernen.
  • Vagusnervstimulation (VNS): Die VNS ist eine Therapie, bei der ein kleines Gerät unter die Haut im Brustbereich implantiert wird. Das Gerät sendet elektrische Impulse an den Vagusnerv, der eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Gehirnaktivität spielt.
  • Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine spezielle Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist. Diese Diät kann bei einigen Patienten mit Epilepsie helfen, die Anfälle zu kontrollieren.
  • Unterstützende Maßnahmen: Neben der medikamentösen und chirurgischen Behandlung können auch unterstützende Maßnahmen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie hilfreich sein, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.

Medikamentöse Behandlung epileptischer Anfälle

Durch die Gabe von Antiepileptika wird das Wiederholungsrisiko für weitere Anfälle verringert. Häufig ist es jedoch ein langer Weg, bis der Betroffene das für ihn richtige Medikament in der optimalen Dosierung gefunden hat. Dieser Weg sollte gemeinsam mit einem erfahrenen Neurologen oder Epileptologen gegangen werden.

Posttraumatische Epilepsie nach Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Posttraumatische epileptische Anfälle gehören zu den häufigsten Komplikationen eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Das SHT ist weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem mit einer hohen Morbidität und Mortalität. Es ist am häufigsten Folge von Stürzen, Freizeitunfällen oder Verkehrsunfällen und hat einen Häufigkeitsgipfel im Kindes- und Jugendalter. Die geschätzte Inzidenz beträgt im Median etwa 180-250 Fälle/100.000 Einwohner/Jahr bzw. 690/100.000 Einwohner/Jahr (unter 20 Jahre). Kinder unter 5 Jahren haben die höchste Inzidenz.

Epileptische Anfälle als Folge eines SHT werden in 2 Kategorien - auf Basis der zeitlichen Beziehung zum Traumaereignis - eingeteilt: frühe und späte posttraumatische Anfälle. Die pathophysiologischen Mechanismen, die zum Auftreten der Früh- bzw. Spätanfälle führen, sind unterschiedlich. Während die Frühanfälle Begleiterscheinung der erwähnten unmittelbaren zytotoxischen und neuroinflammatorischen Prozesse nach Trauma darstellen, werden posttraumatische Spätanfälle als Ausdruck eines bereits etablierten exzitatorisch-inhibitorischem Missverhältnisses sowie einer multifaktoriell bedingten und bereits eingeleiteten Epileptogenese angesehen, als deren Folge weitere Anfälle (> 80 %) zu erwarten sind. Der Begriff posttraumatische Epilepsie wird angewendet, wenn es zu ≥ 2 unprovozierten posttraumatischen Anfällen kommt. Die zeitliche Grenze zwischen Früh- und Spätanfällen liegt - basierend auf Studien von Jennet bei 7 Tagen.

Klinisches Bild, Verlauf und Prognose posttraumatischer Anfälle

Patienten mit posttraumatischer Epilepsie bzw. Spätanfällen haben zumeist fokal eingeleitete Anfälle mit oder ohne Übergang zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen. Das klinische Bild ist letztlich v. a. abhängig von der Lokalisation eventueller traumatisch bedingter Läsionen. Die Neigung zum Übergang zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen könnte in Zusammenhang mit ausgedehnten Umbauvorgängen und multifokaler epileptogen aktiver Netzwerke interpretiert werden.

Prävention von Anfällen nach SHT

In der 4. Ausgabe der „Brain Trauma Foundation’s Guidelines for the Management of Severe Traumatic Brain Injury“ wird empfohlen, Phenytoin innerhalb der ersten 7 Tage nach SHT einzusetzen, um das Auftreten von Frühanfällen zu reduzieren. Der Einsatz von Phenytoin oder anderer antiepileptischer Präparate (Valproinsäure oder Levetiracetam) als Prävention vor Spätanfällen wird nicht empfohlen.

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Persönliche Erfahrungen und Bewältigungsstrategien

Die Diagnose und Behandlung von Grand-Mal-Anfällen nach Meningeom-Entfernung kann eine große Herausforderung für die Patienten und ihre Familien darstellen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Einige Patienten berichten, dass sie durch folgende Maßnahmen ihre Lebensqualität verbessern konnten:

  • Regelmäßige Einnahme von Medikamenten: Es ist wichtig, die verordneten Medikamente regelmäßig und in der richtigen Dosierung einzunehmen.
  • Vermeidung von Auslösern: Einige Patienten stellen fest, dass bestimmte Faktoren wie Stress, Schlafmangel oder Alkoholgenuss Anfälle auslösen können. Es ist ratsam, diese Auslöser zu vermeiden.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann dazu beitragen, die Anfallskontrolle zu verbessern.
  • Unterstützung suchen: Es ist wichtig, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die emotionalen und psychischen Herausforderungen der Erkrankung zu bewältigen.

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