Kopfschiefhaltung nach Hirntumor-OP: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Einleitung:

Nach einer Hirntumoroperation kann es bei Patienten zu verschiedenen neurologischen Auffälligkeiten kommen. Eine davon ist die Kopfschiefhaltung. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für eine Kopfschiefhaltung nach einer Hirntumor-OP und gibt einen Überblick über Behandlungsansätze.

Ursachen für Kopfschiefhaltung nach Hirntumor-OP

Eine Kopfschiefhaltung nach einer Hirntumoroperation kann verschiedene Ursachen haben, die oft miteinander zusammenhängen. Hier sind einige der Hauptgründe:

Schädigung des Kleinhirns oder Hirnstamms

Das Kleinhirn ist das Kontrollorgan für das Zusammenspiel von Muskelbewegungen (Koordination), für die Feinabstimmung von Bewegungsabläufen und für die Regulierung der Muskelspannung. Tumoren im Bereich der hinteren Schädelgrube, wo sich das Kleinhirn befindet, können dieses Organ direkt schädigen oder indirekt durch Druck beeinträchtigen. Auch der Hirnstamm, der unmittelbar an das Kleinhirn angrenzt, kann betroffen sein. Schädigungen in diesen Bereichen können zu Gleichgewichts- oder Bewegungsstörungen führen, die sich in einer Kopfschiefhaltung äußern.

Beeinträchtigung der Hirnnerven

Der Hirnstamm ist der Ursprung wichtiger Hirnnerven, die für verschiedene Funktionen verantwortlich sind, darunter Augenbewegungen, Gesichtsmuskulatur und Gleichgewicht. Eine Schädigung dieser Nerven durch den Tumor selbst oder durch die Operation kann zu einer Kopfschiefhaltung führen. Insbesondere der Gehör- und Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibulocochlearis) spielt hier eine wichtige Rolle.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Sehstörungen und Doppelbilder

Tumoren im Bereich der Sehbahn oder des Zwischenhirns können zu Sehstörungen führen. Die Sehbahn ist die Nervenverschaltung zwischen den Augen und dem Sehzentrum im Hinterhauptslappen des Großhirns. Wenn diese Strukturen beeinträchtigt sind, kann es zu Doppelbildern oder einer verminderten Sehschärfe kommen. Um diese visuellen Defizite auszugleichen, nehmen manche Patienten unbewusst eine Kopfschiefhaltung ein.

Muskelverspannungen und Kieferprobleme

Nach einer Hirntumor-OP kann es zu Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich kommen. Dies kann durch die Operation selbst, durch eine Schonhaltung oder durch Stress verursacht werden. In manchen Fällen kann auch der Kiefer einseitig arbeiten, beispielsweise wenn der Temporalismuskel für die OP entfernt und wieder befestigt wurde. Diese muskulären Probleme können ebenfalls zu einer Kopfschiefhaltung beitragen.

Hydrozephalus (Wasserkopf)

Tumoren im Bereich der hinteren Schädelgrube können zu Abfluss-Störungen von Nervenwasser aus den Hirnkammern (Hirnventrikeln) führen. Dies kann einen Hydrozephalus verursachen, bei dem sich überschüssige Flüssigkeit im Gehirn ansammelt und Druck auf umliegende Strukturen ausübt. Dieser Druck kann zu neurologischen Symptomen führen, einschließlich einer Kopfschiefhaltung.

Entzündungen und Infektionen

In seltenen Fällen können Entzündungen oder Infektionen nach der Operation, wie beispielsweise eine Hirnhautentzündung (Meningitis), den Zustand des Patienten verschlechtern und neurologische Ausfälle verstärken, die eine Kopfschiefhaltung bedingen.

Diagnose und Abklärung

Bei Auftreten einer Kopfschiefhaltung nach einer Hirntumor-OP sind verschiedene diagnostische Schritte notwendig, um die Ursache zu ermitteln:

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Neurologische Untersuchung

Eine umfassende neurologische Untersuchung ist entscheidend, um neurologische Defizite zu identifizieren und die Funktion der Hirnnerven zu überprüfen.

Bildgebende Verfahren

Magnetresonanztomographie (MRT): Das MRT ist das wichtigste bildgebende Verfahren, um den Zustand des Gehirns nach der Operation zu beurteilen. Es kann zeigen, ob es zu einem Tumorrezidiv gekommen ist, ob Wundwasser vorhanden ist oder ob andere Komplikationen aufgetreten sind.

Augenärztliche Untersuchung

Eine augenärztliche Untersuchung ist notwendig, um Sehstörungen und Doppelbilder zu diagnostizieren und deren Ursache zu bestimmen.

Untersuchung des Gleichgewichtsorgans

Eine Untersuchung des Gleichgewichtsorgans kann helfen, Störungen des Gleichgewichtssystems als Ursache für die Kopfschiefhaltung zu identifizieren.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Kopfschiefhaltung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:

Lesen Sie auch: Was Sie über epileptische Anfälle nach Hirnblutungen wissen sollten

Physiotherapie

Physiotherapie kann helfen, Muskelverspannungen zu lösen, die Körperhaltung zu verbessern und die Koordination zu fördern.

Logopädie

Bei Beeinträchtigungen der Gesichtsmuskulatur oder Schluckbeschwerden kann Logopädie sinnvoll sein.

Ergotherapie

Ergotherapie kann helfen, Alltagskompetenzen zu verbessern und Strategien zu entwickeln, um mit den Einschränkungen besser umzugehen.

Sehhilfen und Prismenbrillen

Bei Sehstörungen und Doppelbildern können Sehhilfen oder Prismenbrillen helfen, die visuellen Defizite auszugleichen.

Medikamentöse Therapie

Je nach Ursache können Medikamente eingesetzt werden, um beispielsweise Entzündungen zu reduzieren oder Muskelverspannungen zu lösen.

Operation

In manchen Fällen kann eine erneute Operation notwendig sein, beispielsweise um einen Hydrozephalus zu behandeln oder einen Tumorrest zu entfernen.

Strahlentherapie und Chemotherapie

Bei bösartigen Tumoren kann eine Strahlentherapie oder Chemotherapie erforderlich sein, um das Tumorwachstum zu kontrollieren.

Psychosoziale Unterstützung

Die Krebserkrankung eines Kindes ist für die ganze Familie eine belastende Situation. Das Psychosoziale Team der Klinik oder später der Nachsorgeeinrichtung steht Patienten und ihren Angehörigen von der Diagnose bis zum Abschluss der Behandlung sowie während der Nachsorge beratend und unterstützend zur Seite. Zögern Sie nicht, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Es ist fester Bestandteil des Behandlungskonzepts aller kinderonkologischen Zentren im deutschsprachigen Raum.

Fallbeispiele und Erfahrungsberichte

Viele Betroffene berichten von ähnlichen Erfahrungen nach einer Hirntumor-OP. Einige Beispiele:

  • Eine Mutter bemerkte bei ihrem dreijährigen Sohn eine Kopfschiefhaltung. Nach der Diagnose Hirntumor und der operativen Entfernung verbesserte sich sein Zustand durch Physiotherapie.
  • Ein Patient berichtete, dass er nach einer Meningeom-OP Doppelbilder hatte und den Kopf schief hielt, um dies auszugleichen. Eine Prismenbrille half ihm, die Doppelbilder zu reduzieren.
  • Eine Frau, die an einem Keilbeinflügelmeningeom operiert wurde, hatte nach der OP Kopfschmerzen und Nackenverspannungen. Physiotherapie und Stressreduktion halfen ihr, die Beschwerden zu lindern.

Choroid-Plexus-Tumoren als seltene Ursache

Es ist wichtig zu erwähnen, dass Choroid-Plexus-Tumoren (CPT) eine seltene Ursache für Kopfschiefhaltung nach Hirntumor-OP sein können. Diese Tumoren entstehen durch Wucherung des Adergeflechts der Hirnkammern (Hirnventrikel), dem so genannten Plexus choroideus. Sie können sowohl gutartig als auch bösartig sein und treten am häufigsten bei Kleinkindern auf. Die Behandlung von CPT umfasst in der Regel eine Operation, gefolgt von Chemo- und/oder Strahlentherapie, abhängig von der Art des Tumors.

Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Behandlung von Patienten mit Kopfschiefhaltung nach Hirntumor-OP erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, darunter Neurochirurgen, Neurologen, Augenärzte, Physiotherapeuten, Logopäden und Psychologen. Nur durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit kann eine umfassende Diagnostik und eine individuelle Therapieplanung gewährleistet werden.

Studien und Register

Alle Kinder- und Jugendlichen, die in Deutschland an einem Tumor des Zentralnervensystems erkranken, werden in der Regel im Rahmen von klinisch kontrollierten Studien oder Registern behandelt. Patienten, die an keiner Studie teilnehmen, entweder weil zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung keine Studie verfügbar ist oder weil sie die Einschlusskriterien einer bestehenden Studie nicht erfüllen, werden oft in ein so genannten Register aufgenommen. Ein solches Register dient zunächst dazu, die Patienten während der Dauer der Therapie und Nachsorge wissenschaftlich zu begleiten. In Deutschland ist 2010 eine langjährige internationale Studie zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Choroidplexustumoren regulär beendet worden: die Studie CPT-SIOP 2000. Derzeit gibt es für betroffene Patienten noch keine offene Folgestudie. Diese ist jedoch in Planung und wird, aufgrund der Seltenheit der Erkrankung, gemeinsam mit Nordamerika durchgeführt werden. Die aktuellen Therapieempfehlungen der Registerzentrale basieren auf den Ergebnissen der Studie CPT-SIOP 2000, den Ergebnissen internationaler Studien sowie auf den regelmäßigen Auswertungen der Registerdaten. Bei Bedarf können behandelnde Ärzte die Registerzentrale kontaktieren. Im Rahmen des ERN PaedCan-Projektes erfolgt momentan die Erstellung von europäisch einheitlichen Behandlungsrichtlinien. Die nationale CPT-Register- und Studienleitung für Deutschland befindet sich an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf unter der Leitung von Dr. med.

tags: #nach #hirntumor #op #halt #sie #den