Ellenbogenschmerzen können viele alltägliche Aktivitäten erheblich beeinträchtigen, da das Ellenbogengelenk bei fast jeder Armbewegung benötigt wird. Die Schmerzen können an verschiedenen Stellen des Ellenbogens auftreten, z. B. an der Außenseite, der Innenseite oder beim Aufstützen. Sie können auch beim Strecken des Arms oder im Ruhezustand auftreten. Die Schmerzen können von kurzer Dauer sein oder die Armbewegung langfristig einschränken.
Ursachen von Ellenbogenschmerzen
Ellenbogenschmerzen können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter:
- Schädigungen der Knochen, Kapsel, Bänder und Sehnen: Diese Strukturen können durch Verletzungen, Überlastung oder altersbedingten Verschleiß beschädigt werden.
- Nervenkompressionssyndrome: Nerven, die durch den Ellenbogen verlaufen, können eingeklemmt oder komprimiert werden, was zu Schmerzen, Taubheit und Kribbeln führen kann.
- Entzündliche Erkrankungen: Erkrankungen wie Arthritis, Sehnenscheidenentzündung und Gicht können Entzündungen im Ellenbogengelenk verursachen, was zu Schmerzen, Schwellungen und Steifheit führen kann.
- Krampfanfälle: In seltenen Fällen können Ellenbogenschmerzen nach einem Krampfanfall auftreten. Dies kann auf eine Luxation des Schultergelenks zurückzuführen sein, die während des Anfalls auftritt.
Ellenbogenschmerzen nach einem Krampfanfall
Ein Krampfanfall, auch als epileptischer Anfall bezeichnet, ist eine plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladung im Gehirn. Krampfanfälle können verschiedene Ursachen haben, darunter Epilepsie, Fieber, Vergiftungen und Schlafmangel.
In einigen Fällen können Krampfanfälle zu Verletzungen führen, wie z. B. Zungenbiss, Schulterluxationen, Hüftgelenksluxationen und Frakturen. Eine Schulterluxation liegt vor, wenn der Oberarmknochen aus der Gelenkpfanne des Schulterblatts herausspringt.
Ein 50-jähriger Patient wurde beispielsweise mit der Verdachtsdiagnose "zerebraler Krampfanfall" in ein Krankenhaus eingeliefert, nachdem er krampfend und nicht ansprechbar aufgefunden worden war. Obwohl Röntgenbilder der Schultern angefertigt wurden, wurde die Luxation beider Schultergelenke nicht erkannt. Dies führte zu anhaltenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
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Symptome einer Schulterluxation
Typische klinische Zeichen einer posterioren Schulterluxation sind:
- Hintere Prominenz des Humeruskopfes
- Abflachung des ventralen Schulterreliefs mit Hervortreten des Processus coracoideus
- Federnde Innenrotationsstellung des Armes
- Eingeschränkte oder aufgehobene Außenrotation
- Eingeschränkte Elevation
Diagnose einer Schulterluxation
Die Diagnose einer Schulterluxation wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen gestellt. In einigen Fällen kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich sein.
Behandlung einer Schulterluxation
Die Behandlung einer Schulterluxation besteht in der Regel darin, den Oberarmknochen wieder in die Gelenkpfanne einzurenken. Dies kann manuell oder operativ erfolgen. Nach der Repositionierung wird der Arm in der Regel für einige Wochen in einer Schlinge oder einem Gipsverband ruhiggestellt.
Andere Ursachen von Ellenbogenschmerzen
Neben einer Schulterluxation nach einem Krampfanfall gibt es viele andere mögliche Ursachen für Ellenbogenschmerzen. Einige der häufigsten Ursachen sind:
Golferellenbogen (Epicondylitis medialis)
Der Golferellenbogen ist eine Entzündung der Sehnenansätze auf der Innenseite des Ellenbogens. Die Schmerzen werden als dumpf beschrieben, können in den gesamten Unterarm ausstrahlen und werden bei Belastung stärker. Ursächlich sind in der Regel häufige oder ruckartige Bewegungen, wie beim Abschlag eines Golfballs. Aber auch handwerkliche Tätigkeiten (Schraubendrehen) und langes Arbeiten mit gebeugten Armen sowie Fehlhaltungen können dazu führen.
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Werferellenbogen
Beim Werferellenbogen ist das Innenband im Gelenk des Ellenbogens dauerhaft überlastet oder sogar geschädigt. Das verursacht in diesem Bereich Schmerzen bei Bewegung, aber auch bei Druck von außen. Wie der Name schon sagt, sind vor allem Sportler*innen betroffen, die Wurfsportarten betreiben, wie zum Beispiel Handball. Darüber hinaus können die Beschwerden durch eine Verletzung des Innenbands entstehen.
Kubitaltunnelsyndrom
Die Schädigung eines Unterarmnervs (Ellennerv, Nervus ulnaris) durch Einklemmen oder einen starken Aufprall wird auch als Kubitaltunnelsyndrom bezeichnet. Als Folge kommt es innen am Ellenbogen zu Schmerzen. Zusätzlich können taube Finger auftreten, in der Regel sind Ringfinger und kleiner Finger betroffen.
Tennisarm (Epicondylitis lateralis)
Der Tennisarm ist eine Überlastung des Sehnenansatzes außen am Ellenbogen. Die oft ziehenden Schmerzen treten bei Bewegung auf und strahlen Richtung Handgelenk aus, sodass die Funktion des ganzen Arms und der Hand eingeschränkt sein kann. Sogar das Heben von Gegenständen kann schmerzhaft sein. Als Auslöser kommen häufige, einseitige Bewegungen infrage - wie Tennisspielen, handwerkliche Tätigkeiten oder das Spielen von Musikinstrumenten. Eine plötzliche, starke Belastung der Muskulatur kann ebenfalls einen Tennisarm begünstigen, wenn man ungewohnte Aktivitäten ausführt.
Supinatortunnelsyndrom (Radialtunnelsyndrom)
Auch außen im Bereich des Ellenbogens, aber etwas weiter in Richtung Hand, können Schmerzen auftreten, die auf das Supinatortunnelsyndrom (Radialtunnelsyndrom) zurückzuführen sind. Dabei wird der Radialnerv im Unterarm eingeengt (Nervenkompression), was sich durch stechende Nervenschmerzen bei Bewegung bemerkbar macht. Zusätzlich kann der Engpass zu tauben Fingern führen. Das Supinatortunnelsyndrom weist ganz ähnliche Symptome wie der Tennisarm auf, kommt aber wesentlich seltener vor.
Radiusköpfchenfraktur
Ein Knochenbruch am oberen Ende der Speiche, dem Radiusköpfchen, wird häufig durch einen Sturz auf den gestreckten Arm verursacht. Typisch für die Radiusköpfchenfraktur sind sofortige, starke Schmerzen nach dem Sturz an der Außenseite des Ellenbogens, die bis in die Hand ausstrahlen können. Zusätzlich ist die verletze Stelle oft gerötet und geschwollen, außerdem bildet sich ein blauer Fleck am Ellenbogen.
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Radiusköpfchen-Subluxation (Chassaignac-Lähmung)
Die Radiusköpfchen-Subluxation (auch Chassaignac-Lähmung) tritt vor allem bei Kleinkindern auf und macht sich durch Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens und einen schlaff herunterhängenden Arm bemerkbar. Die Ursache ist ein kräftiger Zug am gestreckten Arm, bei dem es zu einer Ausrenkung im Ellenbogengelenk kommt.
Bizeps-Tendopathie
Menschen, die wiederholt den Arm beugen, beispielsweise in bestimmten Berufsgruppen (schweres Heben und Tragen) oder beim Kraftsport, können die Sehne überanstrengen, die den Oberarmbeuger (Bizeps) mit dem Ellenbogengelenk verbindet. Durch diese Überlastung kann es zu einer Entzündung des Sehnenansatzes kommen, einer sogenannten Bizeps-Tendopathie. Die Schmerzen in der Ellenbeuge treten dann vor allem bei Beugung des Arms gegen einen Widerstand auf.
Pronator-teres-Syndrom
Beim Pronator-teres-Syndrom, das selten auftritt, wird ein Teil eines Unterarmnervs (Nervus medianus) eingeengt. Die Folgen der Druckschädigung sind Schmerzen in der Ellenbeuge und Taubheitsgefühle oder Kribbeln insbesondere in Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Häufig werden die Beschwerden durch Drehbewegungen ausgelöst.
Schleimbeutelentzündung (Bursitis olecrani)
Typisch für eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis olecrani) ist, dass der betroffene Bereich an der Rückseite des Ellenbogens schmerzt und warm ist. Zusätzlich kommt es zu einer Schwellung, Rötung und einem Spannungsgefühl im Bereich des Schleimbeutels, der am Ellenbogen direkt unter der Haut liegt. Eine Schleimbeutelentzündung kommt recht häufig vor und ist in den meisten Fällen auf eine übermäßige Belastung zurückzuführen, beispielsweise durch häufiges Aufstützen auf den Ellenbogen. Daher trägt die Schleimbeutelentzündung auch den Namen "Studentenellenbogen". Weitere Gründe, warum sich der Schleimbeutel entzündet, sind starke Stöße und Prellungen. In manchen Fällen dringen Erreger ein und können zu einer bakteriellen Infektion des Schleimbeutels führen.
Trizeps-Tendopathie
Eine Überlastung der Trizepssehne äußert sich durch Schmerzen auf der Rückseite des Ellenbogens beim Strecken des Arms. Grundsätzlich kommt die sogenannte Trizeps-Tendopathie selten vor, am häufigsten sind Personen betroffen, die Kraftsport betreiben.
Snapping-Trizeps-Syndrom
Sehr selten sind Schmerzen am hinteren Ellenbogen auf das Snapping-Trizeps-Syndrom zurückzuführen.
Cubitalarthrose (Arthrose im Ellenbogen)
Der Gelenkverschleiß im Ellenbogen (Cubitalarthrose) macht sich anfangs durch schmerzhafte Ellenbogenbewegungen bemerkbar. Auch leiden Betroffene unter dem für Arthrose typischen Anlaufschmerz, der sich mit zunehmender Bewegung bessert. Schreitet die Arthrose weiter voran, kann es auch zu Schmerzen in Ruhe kommen. Eine Arthrose im Ellenbogen kann sogar nachts Schmerzen verursachen und tritt häufig im fortgeschrittenen Alter auf, insbesondere, wenn es Verletzungen oder Fehlbelastungen in der Vergangenheit gab.
Ellenbogenluxation (Ausrenkung des Ellenbogengelenks)
Erhebliche Schmerzen und eine starke Schwellung am Ellenbogen können die Folge einer Ausrenkung des Ellenbogengelenks (Ellenbogenluxation) sein. Dabei können sich die Gelenkflächen zwischen Oberarm und den beiden Unterarmknochen derart verschieben, dass sich das Gelenk nicht mehr bewegen lässt und gleichzeitig andere Gelenkstrukturen, wie zum Beispiel die Seitenbänder, verletzt werden können.
Entzündliche Erkrankungen
Entzündliche Erkrankungen im Ellenbogen, wie rheumatoide Arthritis, Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) oder Gicht, können folgende typische Beschwerden im Bereich des Ellenbogengelenks auslösen:
- Dumpfe, anhaltende Schmerzen, die sich bei Bewegungen des Ellenbogens verstärken. Auch in Ruhephasen kann es zu Schmerzen kommen.
- Schwellung des Ellenbogens aufgrund von Entzündungen.
- Eingeschränkte Bewegungsfreiheit des Ellenbogengelenks, was zu Steifheit führt, besonders nach Ruhephasen.
- Der Ellenbogen schmerzt und fühlt sich warm an.
Diagnose von Ellenbogenschmerzen
Bei Ellenbogenschmerzen nach einer Verletzung oder einem Unfall sollte immer zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden. Auch wenn Ellenbogenschmerzen ohne vorausgegangene Verletzung neu auftreten und sich nicht nach wenigen Tagen von allein wieder bessern oder wiederholt auftreten, sollte ebenfalls eine Arztpraxis aufgesucht werden. Erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis sein.
Aufgrund der von außen erkennbaren Symptome, wie Rötung, Schwellung, Fehlstellungen, Schmerzart, Lokalisation der Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, kann derdie ArztÄrztin in vielen Fällen schon einen Verdacht zur Ursache der Beschwerden äußern. Ergänzend zur körperlichen Untersuchung können bei Bedarf bildgebende Verfahren, wie Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) oder Röntgen, eingesetzt werden, um eine genaue Diagnose zu stellen.
Behandlung von Ellenbogenschmerzen
Die Behandlung von Ellenbogenschmerzen hängt von deren Ursache, Schwere und Dauer ab. Folgende Therapieansätze können in Betracht gezogen werden:
- Ruhigstellung: Liegt eine Verletzung, wie ein Knochenbruch, eine Prellung oder ein Bänderriss vor, ist eine vorübergehende Ruhigstellung des Ellenbogens erforderlich. Dazu werden Schienen, Bandagen oder Gipsverbände verwendet. In manchen Fällen kann auch eine Operation oder eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) nötig sein, etwa um gebrochene Knochen zu richten oder den Schleimbeutel zu entfernen.
- Kühlung und Schonung: Bei Entzündungen und Schmerzen empfiehlt es sich oft, den Ellenbogen zu kühlen und zu schonen.
- Medikamente: Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen, können auf ärztliche Verordnung hin als Tabletten oder Salben angewendet werden.
- Hausmittel: Auch Hausmittel wie Quarkwickel können bei entzündeten und schmerzenden Gelenken ohne offene Wunden eine Linderung bringen.
- Physiotherapie: Wenn die Beschwerden durch eine Überbelastung ausgelöst wurden, sollte der Arm zunächst geschont werden. Danach können gezielte Dehnungs- und Kräftigungsübungen helfen, die Schmerzen zu lindern und erneuten Beschwerden vorzubeugen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Treten Ellenbogenschmerzen immer wieder auf und sind diese auch mit Hausmitteln und Bewegung nicht in den Griff zu bekommen, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Diese können weiterführende Untersuchungen durchführen und möglichen Ursachen der Ellenbogenschmerzen auf den Grund gehen. Nur so erhalten Sie eine effektive Behandlung zur Beseitigung oder Linderung Ihrer Beschwerden.
Auch kann Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt Sie zur weiterführenden Diagnostik an Fachärztinnen oder Fachärzte überweisen (z. B. der Fachgebiete Orthopädie, Angiologie, Neurologie).
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