Legionellen-Pneumonie: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Die Legionellen-Pneumonie, auch bekannt als Legionärskrankheit, ist eine ernstzunehmende Form der Lungenentzündung, die durch Bakterien der Gattung Legionella verursacht wird. Diese Bakterien sind weit verbreitet und kommen natürlicherweise in geringer Anzahl in Oberflächengewässern und im Grundwasser vor. Sie können sich jedoch in künstlichen Wassersystemen wie Warmwasseranlagen, Klimaanlagen, Schwimmbädern und Whirlpools vermehren und so zur Gefahr für den Menschen werden.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind gramnegative, aerobe Stäbchenbakterien, die zur Familie der Legionellaceae gehören. Derzeit sind über 60 Arten bekannt, die mindestens 79 verschiedene Serogruppen umfassen. Im europäischen Raum werden die meisten ambulant erworbenen Erkrankungen durch Erreger der Spezies Legionella (L.) pneumophila, Serogruppe 1 verursacht. Innerhalb der Serogruppe 1 lassen sich monoklonale Subtypen unterscheiden. Stämme, die mit dem monoklonalen Antikörper (MAb) 3-1 reagieren, gelten dabei als besonders pathogen.

Legionellen nutzen bestimmte Einzeller - meist Amöben - als Wirt.

Wie kommt es zu einer Legionellen-Infektion?

Eine Infektion mit Legionellen erfolgt in der Regel durch das Einatmen von fein zerstäubtem, Legionellen-haltigem Wassernebel (Aerosol). Dies kann beispielsweise beim Duschen, in Whirlpools oder durch Klimaanlagen geschehen. Seltener erfolgt die Infektion durch die (Mikro-)Aspiration von kontaminiertem Wasser, welches versehentlich in die Luftröhre statt in die Speiseröhre gelangt.

Der Kontakt mit Legionellen muss nicht in jedem Fall schwere Folgen haben. Werden die Bakterien vom Menschen geschluckt, sind sie in der Regel ungefährlich, da die Magensäure sie rasch unschädlich macht. Auch bei Kontakt mit einer erkrankten Person besteht kein Grund zur Sorge: Von Mensch zu Mensch sind Legionellen nicht ansteckend.

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Risikofaktoren für eine Legionellen-Infektion

Grundsätzlich kann sich jeder Mensch mit Legionellen infizieren. Männer erkranken jedoch zwei- bis dreimal häufiger an einer Legionellose als Frauen, insbesondere im fortgeschrittenen Lebensalter. Als besonders gefährdet gelten:

  • Raucherinnen und Raucher
  • Menschen mit chronischen Grunderkrankungen (wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Personen mit einer geschwächten Immunabwehr (etwa durch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken)
  • Ältere Menschen

Krankheitsbilder bei einer Legionellen-Infektion

Bei einer Legionellen-Infektion lassen sich zwei wichtige Krankheitsbilder unterscheiden:

  • Pontiac-Fieber: Dies ist die mildere Verlaufsform, die mit grippeähnlichen Symptomen einhergeht.
  • Legionärskrankheit (Legionellen-Pneumonie): Dies ist eine schwere Form der Lungenentzündung, die lebensbedrohlich verlaufen kann.

Pontiac-Fieber

Das Pontiac-Fieber beginnt meist wenige Stunden bis Tage nach der Ansteckung mit Legionellen. Typische Symptome sind:

  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Trockener Husten
  • Manchmal Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen

Die Erkrankten erholen sich meist nach zwei bis fünf Tagen wieder. Eine spezielle Therapie ist in der Regel nicht erforderlich.

Legionärskrankheit (Legionellen-Pneumonie)

Die Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung, die durch Legionellen verursacht wird. Die ersten Symptome zeigen sich meist zwei bis zehn Tage nach der Infektion. In manchen Fällen beginnt die Legionärskrankheit ähnlich wie das Pontiac-Fieber mit Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden. Bei vielen Betroffenen treten allerdings sehr plötzlich schwere Symptome auf:

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  • Hohes Fieber (über 40°C), oft mit Schüttelfrost
  • Starker Husten; erst trocken, dann mit Auswurf (grün, gelb, braun oder rostfarben)
  • Herzrasen
  • Atemnot
  • Bläulich verfärbte Nägel und Schleimhäute (Zyanose)
  • Manchmal wässriger oder blutiger Durchfall
  • Verwirrtheit

Die Legionärskrankheit ist durch einen schnellen und schweren Verlauf der Lungenentzündung gekennzeichnet.

Diagnose der Legionellen-Pneumonie

Die Diagnose der Legionellen-Pneumonie basiert auf verschiedenen Untersuchungen:

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch, insbesondere das Abhören und Abklopfen der Lunge. Wichtig sind auch Fragen nach möglichen Infektionsquellen (z.B. kürzlicher Hotelaufenthalt).
  • Röntgenuntersuchung der Lunge: Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs zeigt Veränderungen im Lungengewebe, die auf eine Lungenentzündung hindeuten.
  • Laboruntersuchungen:
    • Urin-Antigen-Test (UAT): Dies ist die häufigste Methode zum Nachweis von Legionellen. Dabei werden im Urin ausgeschiedene Legionellen-Antigene nachgewiesen. Der Test ist bereits 24 Stunden nach Symptombeginn positiv. Allerdings erfasst dieser Test hauptsächlich Infektionen durch L. pneumophila Serogruppe 1.
    • Genamplifikation (PCR): Der Nachweis von Legionellen-Genen mittels PCR ist eine schnelle Methode, die auf Proben aus dem unteren Respirationstrakt angewendet wird.
    • Kultur: Der kulturelle Nachweis von Legionellen ist auf Spezialagar möglich, dauert aber mehrere Tage.
    • Direkte Immunfluoreszenz: Ein direkter Erregernachweis aus Sputum und Trachealsekret ist ebenfalls möglich, hat aber eine geringere Sensitivität.
    • Serologie: Ein Antikörpernachweis im Blut ist für die akute Diagnose nicht geeignet, da ein signifikanter Titeranstieg erst in der 6.-8. Krankheitswoche erfolgt.

Behandlung der Legionellen-Pneumonie

Die Legionellen-Pneumonie muss frühzeitig mit Antibiotika behandelt werden, um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Am wirksamsten sind hier Makrolide (z.B. Azithromycin) und Fluorchinolone (z.B. Levofloxacin). Die antibiotische Therapie dauert etwa 14 Tage.

Unterstützend ist es wichtig, dass die Betroffenen ausreichend trinken und sich körperlich schonen. Fiebersenkende Schmerzmittel können helfen, die Symptome zu lindern. In schweren Fällen können weitere Maßnahmen notwendig sein, z.B. Sauerstoffgabe oder Flüssigkeitsinfusionen.

Das Pontiac-Fieber erfordert keine antibiotische Therapie.

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Krankheitsverlauf und Prognose

Verschiedene Faktoren beeinflussen bei Menschen mit Legionärskrankheit Verlauf und Prognose:

  • Allgemeinzustand der Betroffenen
  • Eventuelle Grunderkrankungen
  • Krankheitsstadium zum Zeitpunkt der Diagnose

Bei vorher völlig gesunden Menschen beträgt die Sterblichkeit nur etwa fünf Prozent. Bei Patienten, die zuvor bereits an einer Herz- oder Lungenerkrankung litten oder immungeschwächt sind, endet die Legionellose hingegen in mehr als 50 Prozent der Fälle tödlich.

Grundsätzlich gilt: Je frühzeitiger die Legionärskrankheit fachgerecht behandelt wird, desto besser.

Wird die Erkrankung nicht, mit ungeeigneten Medikamenten oder zu spät behandelt, drohen Komplikationen. Die Bakterien können sich dann im Körper ausbreiten und beispielsweise Lunge und Nieren schädigen. Das kann zu Atem- oder Nierenversagen führen.

Das Pontiac-Fieber hat eine gute Prognose. Bisher sind keine Todesfälle durch diese Art der Legionellen-Infektion bekannt.

Eine Legionellen-Infektion hinterlässt keine Immunität. Daher ist es möglich, später erneut von der Legionärskrankheit betroffen zu sein.

Vorbeugung von Legionellen-Infektionen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um einer Legionellen-Infektion vorzubeugen:

  • Regelmäßige Wartung und Desinfektion von Warmwasseranlagen: Warmwasseranlagen müssen regelmäßig gewartet werden, um das Wachstum von Legionellen zu verhindern. Die Wassertemperatur sollte am Boiler auf 60°C eingestellt sein und auch im Leitungssystem mindestens 55°C aufweisen. In Kaltwasserleitungen sollten die Temperaturen unter 20°C liegen.
  • Vermeidung von Totleitungen: Vermeiden Sie sogenannte „Totleitungen“ mit stehendem Wasser. Wenn Sie über mehrere Wochen nicht zu Hause waren, drehen Sie bei Ihrer Rückkehr alle Wasserhähne auf, bis kühles Wasser hinauskommt.
  • Regelmäßige Reinigung von Inhalatoren und Luftbefeuchtern: Inhalatoren und Luftbefeuchter sollten regelmäßig gereinigt und bei längerer Nichtbenutzung trocken gelagert werden.
  • Schutz vor Aerosolen: In Hotels sollten Sie vor der Erstbenutzung der Dusche das Wasser mindestens drei Minuten lang heiß (mit 70°C) durch Hahn und Duschkopf laufen lassen. Verlassen Sie dabei das Bad, um eventuell vorhandene Bakterien nicht mit dem Wasserdampf einzuatmen!
  • Rauchverzicht: Raucherinnen und Raucher sind besonders gefährdet für die schwer verlaufende Legionärskrankheit.

Meldepflicht

In Deutschland besteht eine Meldepflicht für den Nachweis von Legionella gemäß § 7 Infektionsschutzgesetz (IfSG). Diese Meldung muss namentlich an das Gesundheitsamt erfolgen, das dann weitere Maßnahmen zur Kontrolle und Prävention der Infektionsausbreitung ergreift.

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