Ein neues Tattoo ist ein aufregendes Erlebnis, doch es ist wichtig, sich der möglichen Komplikationen bewusst zu sein. Eine der Sorgen, die nach dem Stechen eines Tattoos auftreten können, ist die Reizung von Nerven. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von gereizten Nerven nach dem Tätowieren, um Ihnen zu helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und Komplikationen zu minimieren.
Was ist ein entzündetes Tattoo?
Ein frisch gestochenes Tattoo ist wie eine Wunde: Schmerzen und Rötungen sind in den ersten Tagen normal. Wird es jedoch mit der Zeit schlimmer statt besser, hat sich womöglich das Tattoo entzündet. Mangelnde Hygiene beim Stechen oder die falsche Nachsorge verwandeln das Motiv schnell zu einem Ort, an dem sich Bakterien wohlfühlen und leicht vermehren.
Wie man ein entzündetes Tattoo erkennt
Wer sich bereits ein Tattoo hat stechen lassen, kennt die Sorge, dass sich der Körperschmuck möglicherweise entzündet. Dennoch ist es normal, dass ein Tattoo in den ersten Tagen etwas empfindlicher ist, leicht anschwillt oder zu Rötungen neigt. Im Normalfall sollten diese Symptome aber kontinuierlich nachlassen. Ist das Gegenteil der Fall, liegt möglicherweise eine Entzündung vor.
Typische Symptome einer Tattoo-Entzündung:
- Brennen, Rötung oder Schwellung nehmen zu
- Bläschen und Pusteln, gegebenenfalls mit wässriger oder eitriger Flüssigkeit
- Angeschwollene Lymphknoten
- Schüttelfrost
- Fieber
Bildet sich eine rote Linie um das Tattoo herum, handelt es sich möglicherweise um eine Blutvergiftung (Sepsis). Holen Sie in diesem Fall unverzüglich ärztlichen Rat ein.
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Was tun bei einem entzündeten Tattoo?
Stellen Sie Symptome fest, die auf eine Entzündung hinweisen, informieren Sie den Tätowierer und bitten um eine Hautarztempfehlung. Vereinbaren Sie schnellstmöglich einen Termin bei einer Dermatologin und weisen Sie auf die Dringlichkeit hin - eine Entzündung ist immer ein Fall für den Mediziner.
Behandeln Sie die Entzündung nicht selbst mit Hausmitteln oder beispielsweise einer Zinksalbe. Eine Verschlimmerung tritt dadurch möglicherweise ein.
Je nach Schweregrad entscheidet der Arzt, ob eine medikamentöse Behandlung notwendig ist oder die Entzündung von selbst abheilt. Mithilfe eines Abstrichs kann er ermitteln, welche Bakterien für die Entzündung verantwortlich sind und mit welchen Medikamenten Sie gegensteuern können. Häufig sind Antibiotika oder eine cortisonhaltige Creme die Mittel der Wahl.
Entstehen bei der Behandlung Schäden an Ihrem Tattoo, sprechen Sie mit Mitarbeitenden Ihres Studios: Oft wird der Körperschmuck auf Kulanz nachgestochen.
Ursachen für ein entzündetes Tattoo
Beim Tätowieren bringt eine feine Nadel mit vielen Einstichen Farbe unter die Haut - dabei entstehen kleinste Verletzungen auf der obersten Hautschicht (Epidermis) und der darunterliegenden, durchbluteten Dermis. Das macht es Bakterien leicht, in die frische Wunde einzudringen und sich dort zu vermehren.
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Sterile Bedingungen sind beim Stechen daher genauso wichtig, wie die entsprechende Nachsorge des Tattoos. Warum aber kommt es in wenigen Fällen doch zu einer Entzündung?
- Mangelnde Hygiene im Studio: Wichtig ist, dass Sie sich ein Studio aussuchen, das Geräte und Oberflächen ausreichend sterilisiert. Außerdem sollten beim Tätowieren nur Einwegnadeln- und -handschuhe zum Einsatz kommen. Ist das nicht der Fall, entstehen möglicherweise nicht nur Entzündungen, sondern es werden auch Krankheiten wie HIV oder Hepatitis übertragen.
- Allergische Reaktionen auf Tätowiermittel: Vor allem, wenn es Ihr erstes Tattoo ist, kommt bei einer Entzündung eine allergische Reaktion auf die Inhaltsstoffe der Tätowiermittel infrage. Diese können bereits während des Stechens, aber auch zeitverzögert auftreten. Nickel, Konservierungsstoffe oder bestimmte Farbstoffe stellen beispielsweise ein erhöhtes Risiko für solche Irritationen dar. Brechen Sie die Sitzung in diesem Fall ab und wenden Sie sich umgehend an einen Dermatologen.
- Falsche Nachsorge: Auch Fehler bei der Nachsorge zu Hause sind möglicherweise Auslöser für eine Entzündung von Tattoos. Haben Sie beispielsweise die Schutzfolie zu früh abgenommen oder die vom Tätowierer empfohlene Salbe nicht aufgetragen, beeinträchtigen Sie damit einen reibungslosen Heilungsprozess und geben Bakterien die Möglichkeit, in die Wunde einzudringen. Vermeiden Sie außerdem während der Heilungsphase kratzende Kleidung, waschen Sie das Tattoo nur mit seifenfreier Waschlotion und fassen Sie es unter keinen Umständen mit ungewaschenen Händen an.
- Risikofaktor Schwimmbad und Sauna: Ebenso sind zu frühe Besuche im Schwimmbad oder der Sauna sowie Bäder und langes Duschen eine potenzielle Gefahr für den frisch gestochenen Körperschmuck. An diesen Orten tummeln sich potenzielle Erreger. Sprechen Sie mit Ihrem Tätowierer, wann solche Aktivitäten wieder bedenkenlos möglich sind. Vermeiden Sie zudem für einige Wochen nach dem Stechen intensives Sonnenbaden. Durch die Hitze schwitzt die Haut. Auch das begünstigt eine Entzündung. Außerdem wirkt sich die Sonneneinstrahlung negativ auf den Heilungsprozess aus.
Wie lange dauert die Heilung eines Tattoos?
Wie lange es dauert, bis ein Tattoo vollständig abgeheilt ist, hängt stark von der Größe des Motivs ab. Die oberste Hauschicht ist nach etwa spätestens zehn Tagen wieder hergestellt. Die darunterliegende Dermis, in der auch die Farbpigmente eingelagert sind, ist nach einigen Wochen oder auch Monaten vollständig regeneriert.
Kommt es zu einer Entzündung bei Ihrem Tattoo, verzögert sich dieser Heilungsprozess. Handelt es sich um eine ausgeprägte Infektion, zieht er sich eventuell über Monate.
Nervenreizung nach Tattoo: Mögliche Ursachen
Es gibt verschiedene Gründe, warum Nerven nach dem Tätowieren gereizt sein können:
- Direkte Verletzung: Während des Tätowierens kann die Nadel direkt einen Nerv verletzen, besonders in Bereichen, in denen Nerven nahe an der Hautoberfläche verlaufen.
- Entzündung: Eine Entzündung im Bereich des Tattoos kann die umliegenden Nerven reizen und zu Beschwerden führen.
- Tiefe des Stichs: Wenn die Tätowiernadel zu tief in die Haut eindringt, kann dies Nerven schädigen.
- Druck: Durch die Schwellung nach dem Tätowieren kann Druck auf die Nerven ausgeübt werden, was zu Reizungen führen kann.
- Narbenbildung: In einigen Fällen kann die Narbenbildung nach dem Tätowieren Nerven einklemmen oder reizen.
Symptome von gereizten Nerven nach dem Tattoo
Die Symptome von gereizten Nerven nach dem Tätowieren können vielfältig sein und hängen von der Schwere der Reizung und der betroffenen Nerven ab. Einige häufige Symptome sind:
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- Schmerzen: Schmerzen können von leichtem Unbehagen bis zu starken, stechenden Schmerzen reichen.
- Taubheit: Ein Gefühl von Taubheit oder verminderter Empfindung im Bereich des Tattoos oder in den umliegenden Bereichen.
- Kribbeln: Ein Kribbeln oder "Ameisenlaufen" im Bereich des Tattoos.
- Brennen: Ein brennendes Gefühl im Bereich des Tattoos.
- Muskelschwäche: In einigen Fällen kann es zu Muskelschwäche in den von den betroffenen Nerven versorgten Bereichen kommen.
- Überempfindlichkeit: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen oder Temperaturänderungen.
Was tun bei Verdacht auf Nervenreizung?
Wenn Sie nach dem Tätowieren Symptome einer Nervenreizung verspüren, ist es wichtig, folgende Schritte zu unternehmen:
- Beobachten Sie die Symptome: Notieren Sie sich die Art der Symptome, ihre Intensität und wann sie auftreten.
- Kontaktieren Sie Ihren Tätowierer: Besprechen Sie Ihre Bedenken mit Ihrem Tätowierer. Er kann Ihnen möglicherweise Ratschläge geben und Sie gegebenenfalls an einen Arzt verweisen.
- Konsultieren Sie einen Arzt: Ein Arzt kann die Ursache Ihrer Symptome diagnostizieren und eine geeignete Behandlung empfehlen. Dies kann eine körperliche Untersuchung, neurologische Tests oder bildgebende Verfahren wie MRT umfassen.
Behandlung von gereizten Nerven nach dem Tattoo
Die Behandlung von gereizten Nerven nach dem Tätowieren hängt von der Ursache und Schwere der Reizung ab. Einige gängige Behandlungsoptionen sind:
- Schmerzmittel: Über-the-counter Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können helfen, leichte Schmerzen zu lindern. Bei stärkeren Schmerzen kann der Arzt stärkere Schmerzmittel verschreiben.
- Entzündungshemmende Medikamente: Entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide können helfen, die Entzündung um die gereizten Nerven zu reduzieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskeln zu stärken und die Beweglichkeit zu verbessern, was den Druck auf die Nerven verringern kann.
- Nervenblockaden: In einigen Fällen kann der Arzt Nervenblockaden durchführen, um die Schmerzen zu lindern.
- Chirurgie: In seltenen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um eingeklemmte Nerven zu befreien oder beschädigte Nerven zu reparieren.
Zusätzliche Informationen und Ratschläge
Einige zusätzliche Informationen und Ratschläge, die Ihnen helfen können, das Risiko von Nervenreizungen nach dem Tätowieren zu minimieren:
- Wählen Sie einen erfahrenen Tätowierer: Ein erfahrener Tätowierer kennt die Anatomie der Haut und kann das Risiko von Nervenverletzungen minimieren.
- Befolgen Sie die Pflegeanweisungen: Befolgen Sie die Pflegeanweisungen Ihres Tätowierers sorgfältig, um Infektionen und Entzündungen zu vermeiden.
- Vermeiden Sie bestimmte Bereiche: Einige Bereiche des Körpers sind anfälliger für Nervenverletzungen als andere. Besprechen Sie Ihre Bedenken mit Ihrem Tätowierer, bevor Sie sich für ein Tattoo in einem dieser Bereiche entscheiden.
- Seien Sie geduldig: Die Heilung von Nerven kann lange dauern. Seien Sie geduldig und befolgen Sie die Anweisungen Ihres Arztes.
Neurodermitis und Tattoos
Menschen mit Neurodermitis (atopische Dermatitis) sollten besonders vorsichtig sein, wenn sie sich tätowieren lassen möchten. Neurodermitis ist eine Erkrankung der Haut, die zu Überempfindlichkeit und allergischen Reaktionen führt. Die Körperstellen, die häufig von Neurodermitis betroffen werden, sind Armbeugen, sowie Kniekehlen, Hände und Gesicht. Generell kann Neurodermitis aber am ganzen Körper auftreten.
Im Grunde genommen sind Tattoos nicht unmöglich, aber wichtig ist nur, dass kein akuter Schub vorhanden ist und die zu tätowierende Körperstelle nicht von Ekzemen bedeckt ist. Rücksprache mit dem begleitenden Hautarzt macht alle mal Sinn.
Wer wie die meisten Menschen im Winter an trockener Haut leidet, weiß aus eigener Erfahrung: Trockene Haut juckt und reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse - besonders dann, wenn sie aufgekratzt wurde. Genau das passiert zwangsläufig beim Tätowieren. Durch die Nadeln werden 1000 kleine Wunden in die Haut gestochen. Nun kann es zu einer Sensibilisierung kommen: Das Immunsystem macht sich bereit zum Angriff und produziert verstärkt Abwehrstoffe (Immunglobulin E, IgE) - auch gegen eigentlich harmlose Allergene wie Blütenpollen, Tierhaare oder Haushalts- oder Kosmetikprodukte. Diese Abwehrstoffe fördern allerdings den Entzündungsprozess, indem sie wiederum andere Immunzellen (Mastzellen) dazu anregen, entzündungsfördernde Stoffe auszuschütten.
💡 Ich arbeite daher bei Neurodermitis- Kunden vorzugsweise mit kleinen Nadeln, um die Linie filigran zu halten, selbst wenn diese etwas verläuft. Vorteilhaft sind auch große Motive, flächig schattiert, oder farbig. Denn je kleiner und enger, desto eher besteht die Gefahr, dass die Details in einander verlaufen und unschön aussehen. Je größer, je mehr Abstand und Haut dazwischen ist, desto schöner lässt sich ein Tattoo trotz Neurodermitis gestalten.
Es kann auch mal vorkommen - vor allem jetzt im Winter, wenn die Haut zusätzlich trocken und gereizt ist - dass wir eine Sitzung abbrechen, oder verschieben müssen, um die Haut nicht noch zusätzlich zu belasten. Das ist alles eine Frage der Kommunikation. Absprache, Teamwork und vor allem Vertrauen.
Schmerzempfinden beim Tätowieren
Um das Tätowieren und die Schmerzen dabei geht es häufig in den ersten Fragen von Neukunden*innen. Egal, ob Tattooanfänger oder (bunter) alter Hase, vor jedem neuen Tattoo stellt sich wohl jeder die Frage nach dem Unvermeidbaren: den Schmerzen während der Sitzung.
Ja, tätowiert werden tut weh und ja, es gibt Unterschiede, was Körperstelle und Technik betrifft, aber die aufgezählten Gerüchte sind zu ungenau und treffen nicht zwangsläufig auf jeden Kunden zu. Das heißt, die oberen zwei Hautschichten werden verletzt. Die Nattoonadel geht aber, anders als eine Injektionsnadel beim Arzt, nicht durch die ganze Haut hindurch. Es ist also nur logisch, dass eine Tätowierung keine unerträglichen Schmerzen nach sich zieht. Allerdings hat unser Körper einen natürlichen Abwehrmechanismus gegen Schmerzen. Für unseren Körper ist es nicht natürlich, sich für mehrere Stunden Schmerzen freiwillig und ohne Gegenmaßnahmen auszusetzen. Er sendet Flucht- und Warnsignale. Diese Signale sendet das Gehirn hartnäckig und immer nachdrücklicher, je länger das Tätowieren dauert. Daher tut Tätowieren am Anfang weniger weh und im Laufe der Sitzung wird es schlimmer. Erfahrungsgemäß empfinden Tattookunden nach der zweiten Stunde mehr Schmerzen, die sich weiter steigern.
Gängige Annahmen, dass zum Beispiel der Fußrücken sehr schmerzempfindlich ist oder ein Tattoo auf der Arminnenseite sehr weh tut, treffen nie auf jeden Kunden zu. Jeder Kunde empfindet den Schmerz anders.
Generell ist es aber nicht so, dass dicke Menschen weniger vom Tätowieren spüren, als knochige Typen. Die Innenseite vom Arm ist zwar empfindlicher als die Außenseite, aber eine besonders schmerzhafte Stelle gibt es am ganzen Arm nicht. Unsere Arme sind unsere Werkzeuge und Arbeitsgeräte am Körper. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sie robust sind und viel aushalten.
Ob die Linien oder die Füllung einer Tätowierung mehr schmerzt, ist sehr individuell. Viele Kunden fürchten sich vor großen Tattoonadeln. Aber der Schmerz steigt nicht proportional zur Größe der Tattoonadel, im Gegenteil. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei großen Nadeln der Schmerz auf eine größere Hautfläche verteilt wird und der Kunde dies als angenehmer empfindet. Je dünner die Nadel ist, desto „spitzer“ und „pieksiger“ wird sie auch empfunden.
Das Gute am Tätowieren ist, dass der Schmerz genau so rasch nachlässt, wie er beim Einstich gekommen ist. Bereits kurze Zeit nach Beenden einer Sitzung, lässt der Schmerz nach. Längere, intensivere Sitzungen können ein allgemeines Unwohlsein nach sich ziehen.
Tipps zur Schmerzlinderung beim Tätowieren
- Ausgeschlafen und entspannt: Eine erholsame Nacht vor deinem Tattootermin ist essentiell. Dein Körper sollte gut erholt sein, um den Tätowierprozess bestmöglich zu verarbeiten.
- Ernährung: Neben Flüssigkeitszufuhr spielt auch deine Ernährung eine Rolle. Trinke viele kleine Schlucke, insbesondere am Tag vor deinem Termin, und setze auf ausgewogene Mahlzeiten.
- Kleidung und Haltung: Trage bequeme Kleidung, die leicht auszuziehen ist und es dem Tätowierer oder der Tätowiererin ermöglicht, schnell an die Stelle zu kommen, die tätowiert werden soll.
- Atme richtig: Langsames, tiefes Atmen hilft nicht nur dabei, die Muskeln zu entspannen.
- Ablenkung ist der Schlüssel: Ob durch spannende Gespräche, Musik, die du liebst, oder interessante Podcasts - eine gute Ablenkung kann Wunder wirken.
- Betäubungscremes: Diese können helfen, das Schmerzempfinden zumindest für die ersten Stunden zu reduzieren.