Nervenschmerzen nach Verbrennung: Behandlung und Linderung

Verbrennungen sind Verletzungen, die durch Hitzeeinwirkung auf die Haut entstehen. Dies kann durch Feuer, heiße Flüssigkeiten, Chemikalien, Strom oder Strahlung verursacht werden. Die Behandlung von Verbrennungen hängt vom Schweregrad der Verletzung ab. Neben den direkten Schäden an der Haut können Verbrennungen auch zu Nervenschmerzen führen, die eine zusätzliche Herausforderung in der Behandlung darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen.

Ursachen und Schweregrade von Verbrennungen

Verbrennungen passieren schnell und nicht immer ist Feuer im Spiel. Heiße Flüssigkeiten, Wasserdampf, erhitzte Motorrad-Auspüffe, Chemikalien oder Strom können rasch zu Verbrennungen führen. Je schneller Erste Hilfe geleistet wird, desto besser.

Ärzte beurteilen Verbrennungen nach Ausdehnung und Tiefe und teilen sie in verschiedene Grade ein:

  • Verbrennung ersten Grades: Die Haut ist gerötet, angeschwollen und schmerzt. Nur die oberste Hautschicht (Epidermis) ist betroffen, daher heilen diese Wunden vollständig und ohne Narben ab. Ein Beispiel hierfür ist ein leichter Sonnenbrand.
  • Verbrennung zweiten Grades: Die Haut ist stark gerötet, es kommt zu Blasenbildung und starken Schmerzen. Sind nur die oberen Hautschichten betroffen, ist eine vollständige Abheilung garantiert (Grad 2a). Geht die Verbrennung tiefer ins Gewebe (Grad 2b, tief dermal), ist das an weißem Wundgrund zu erkennen. Diese Wunde muss ärztlich versorgt und gegebenenfalls operiert werden; sie hinterlässt Narben.
  • Verbrennung dritten Grades: Die Hautschichten Epidermis, Dermis und Subcutis sind vollständig zerstört. Die Haut hängt in Fetzen, es sind weißliche Gewebeschäden sichtbar. Weil bei Verbrennungen dieser Art auch Nervenendigungen zu Schaden kommen, spürt der Betroffene keine Schmerzen. Es muss mit weiteren Komplikationen gerechnet und unbedingt behandelt werden.
  • Verbrennung vierten Grades: Die Haut ist regelrecht verkohlt; alle Hautschichten samt Unterfettgewebe sowie Muskel, Sehnen, Knochen und Gelenke sind angegriffen. Diese Brandwunden müssen im Krankenhaus versorgt werden und sind in der Regel mit weiteren Komplikationen verbunden.

Schwere Verbrennungen sind ein Fall für den Arzt.

Nervenschmerzen nach Verbrennungen: Eine besondere Herausforderung

Verbrennungen können nicht nur die Haut schädigen, sondern auch die darunterliegenden Nerven. Dies kann zu chronischen Nervenschmerzen führen, die sich von den akuten Schmerzen unmittelbar nach der Verbrennung unterscheiden. Diese neuropathischen Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems.

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Ursachen neuropathischer Schmerzen nach Verbrennungen

  • Direkte Nervenschädigung: Die Hitzeeinwirkung kann Nervenendigungen und Nervenfasern direkt schädigen.
  • Entzündung: Entzündungsprozesse im verletzten Gewebe können die Nerven reizen und sensibilisieren.
  • Narbenbildung: Narbengewebe kann auf Nerven drücken oder sie einklemmen, was zu chronischen Schmerzen führt.
  • Zentrale Sensibilisierung: Bei chronischen Schmerzen kann sich das Schmerzempfinden im Gehirn verstärken, sodass bereits geringe Reize als stark schmerzhaft wahrgenommen werden.

Symptome von Nervenschmerzen nach Verbrennungen

Die Symptome von Nervenschmerzen nach Verbrennungen können vielfältig sein und variieren je nach betroffenem Nerv und Ausmaß der Schädigung. Häufige Symptome sind:

  • Brennende Schmerzen: Ein anhaltendes, brennendes Gefühl im Bereich der Verbrennung.
  • Stechende Schmerzen: Plötzliche, stechende oder blitzartige Schmerzen.
  • Elektrisierende Schmerzen: Schmerzen, die sich wie elektrische Schläge anfühlen.
  • Überempfindlichkeit: Bereits leichte Berührungen oder Temperaturänderungen können starke Schmerzen auslösen (Allodynie).
  • Kribbeln und Taubheit: Ein unangenehmes Kribbeln oder Taubheitsgefühl im betroffenen Gebiet.
  • Juckreiz: Chronischer Juckreiz, der schwer zu lindern ist (neuropathischer Pruritus).

Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen

Die Behandlung von Nervenschmerzen nach Verbrennungen erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl die Schmerzlinderung als auch die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten zum Ziel hat. Es gibt verschiedene Therapieoptionen, die je nach Art und Intensität der Schmerzen eingesetzt werden können.

Medikamentöse Behandlung

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Diese Medikamente können bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen, indem sie Entzündungen reduzieren.
  • Opioide: Starke Schmerzmittel, die bei schweren Schmerzen eingesetzt werden können. Aufgrund des hohen Suchtpotenzials sollten sie jedoch nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin und Doxepin, können bei Nervenschmerzen helfen, indem sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflussen. Doxepin, ein trizyklisches Antidepressivum mit antihistaminischen Eigenschaften, wird lokal als 5 %ige Creme erfolgreich bei Patienten mit Juckreiz bei dermatologischen Erkrankungen wie der atopischen oder ekzematischen Dermatitis angewendet. Zur Behandlung des Pruritus nach Verbrennungen zeigte sich die lokale Anwendung von Doxepinsalbe in einer Studie wirksamer im Vergleich zu oralen Antihistaminika. Hierbei berichteten 50 % der Patienten, die Doxepinsalbe verwendeten, einen kompletten Rücklauf des Juckreizes innerhalb von 3 Monaten im Vergleich zu nur 10 % der Patienten, die orale Antihistaminika einnahmen.
  • Antikonvulsiva: Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie entwickelt wurden, können auch bei Nervenschmerzen wirksam sein. Gabapentin und Pregabalin gehören zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten zur Behandlung des chronischen Pruritus Gabapentinoide gehören zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten zur Behandlung des chronischen Pruritus. In einem Mausmodell mit durch Oxazolon induzierter chronischer atopischer Dermatitis war die Reduktion des Kratzverhaltens durch die Behandlung mit Pregabalin und Gabapentin auf die Bindung an die a2δ-1-Untereinheit der spannungsgesteuerten Kalziumkanäle im Spinalganglion zurückzuführen. Die Wirkung von Pregabalin auf den Juckreiz nach Verbrennungen wurde in einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie untersucht. Neunzig Patienten, deren Körperoberfläche zu mehr als 5 % betroffen war, wurden eingeschlossen. Pregabalin wurde in einer Dosis von 75 mg 2‑mal täglich verabreicht und individuell auf 2‑mal 300 mg pro Tag erhöht. Hierbei wurde nach 28 Tagen eine signifikante Reduktion (p < 0,01) der Juckreizintensität bei Patienten in der Pregabalingruppe im Vergleich zur Placebogruppe beschrieben, insbesondere haben Patienten mit einer großflächigen Verbrennung davon profitiert [31]. Auch bei Kindern mit Verbrennungen scheint Gabapentin wirksam zu sein [39]. Dabei wurde berichtet, dass innerhalb von 24 h nach Beginn der Behandlung alle Kinder über eine deutliche Verringerung des Juckreizes berichteten, und so wurde die Einnahme von Antihistaminika reduziert.

Topische Behandlungen

  • Capsaicin-Creme: Capsaicin, der Inhaltsstoff scharfer Chilischoten, kann bei Nervenschmerzen helfen, indem er die Schmerzrezeptoren in der Haut desensibilisiert. Die lokale Applikation von Capsaicin, dem Inhaltsstoff scharfer Chilischoten, aktiviert die Transient Receptor Potential Vanniloid 1 (TRPV1)-Rezeptoren, die auf Keratinozyten und primär afferenten C‑Fasern vorkommen. Der Behandlungserfolg nach einer 4‑wöchigen Behandlung mit 0,025 % Capsaicinsalbe bei Notalgia paraesthetica wurde bereits 1995 bei 70 % der mit Capsaicin behandelten Patienten vs. 30 % der mit dem Vehikel behandelten Patienten nachgewiesen. Beobachtungsstudien und Fallserien sprechen für eine schnellere Wirksamkeit eines 8 %igen Capsaicin-Pflasters beim neuropathischen Pruritus auch im Rahmen einer Small-fiber-Neuropathie.
  • Lidocain-Pflaster: Lidocain ist ein Lokalanästhetikum, das die Nervenaktivität in der Haut reduziert und so Schmerzen lindern kann. Lokalanästhetika wurden als Creme (2,5 % Lidocain und 2,5 % Prilocain), als 5 %iges lidocainhaltiges Pflaster sowie regionalanästhetisch (Nervenblockade mit Tetracain und Bupivacain) zur Behandlung des neuropathischen Pruritus versucht.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

  • Physiotherapie: Gezielte Übungen und Massagen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern, Narbengewebe zu lösen und Schmerzen zu reduzieren.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können Patienten helfen, Strategien zu entwickeln, um den Alltag trotz der Schmerzen besser zu bewältigen.
  • Psychotherapie: Chronische Schmerzen können zu psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen führen. Eine Psychotherapie kann helfen, diese Probleme zu bewältigen und die Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen.
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei der TENS werden elektrische Impulse über Elektroden auf die Haut übertragen, um die Nerven zu stimulieren und Schmerzen zu lindern. Die TENS erwies sich in 2 Studien, eine davon randomisiert-kontrolliert, bei Patienten mit Juckreiz nach Verbrennungen als wirksam.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei Nervenschmerzen helfen kann.
  • Botulinumtoxin (BTX-A): Botulinumtoxin blockiert die Freisetzung von Acetylcholin aus cholinergen Neuronen und hemmt die Freisetzung von anderen Transmittern wie Glutamat, Substanz P und Calcitonin-Gen-verwandtem Peptid (CGRP) aus peripheren sudomotorischen und sensorischen Nervenendigungen. Wahrscheinlich effektiver ist BTX‑A bei Patienten mit Juckreiz nach Verbrennungen, wobei der juckreizstillende Effekt von BTX‑A ca. 9 Monate anhielt.

Invasive Verfahren

  • Nervenblockaden: Injektionen von Lokalanästhetika oder Kortikosteroiden in die Nähe der betroffenen Nerven können Schmerzen vorübergehend lindern.
  • Rückenmarkstimulation: Ein implantiertes Gerät sendet elektrische Impulse an das Rückenmark, um die Schmerzsignale zu blockieren.

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Unabhängig vom Schweregrad der Verbrennung ist eine schnelle und korrekte Erste Hilfe entscheidend:

  • Kleinflächige Verbrennungen: Die betroffene Partie sofort unter fließendem Wasser kühlen, bis die Schmerzen nachlassen. Lauwarmes Leitungswasser reicht aus. Bei Verbrennungen im Gesicht helfen feuchte Tücher. Kleidung und Schmuck, die die Hitze speichern könnten, entfernen. Eine kühlende Brandsalbe auftragen. Eiswürfel und Kühlpacks vermeiden, da diese dem Gewebe zusätzlich schaden können.
  • Schwere Verbrennungen: Die betroffene Person in Sicherheit bringen und brennende Kleidung löschen (mit Wasser, Löschdecke oder durch Herumrollen). Unter 112 den Notruf alarmieren. Kleidung und Schmuck über den Verletzungen entfernen, jedoch nicht, wenn sie an der Haut haften. Keine Kühlung bei offenen und großflächigen Brandverletzungen, da Unterkühlungsgefahr besteht. Stattdessen die verletzte Person warmhalten (z. B. mit Rettungsdecke). Die Wunde locker mit einem keimfreien Verbandtuch oder Leinentuch bedecken oder unbedeckt lassen.

Was Sie bei Verbrennungen vermeiden sollten

  • Eiswürfel oder Kühlpacks direkt auf die Haut legen: Dies kann zu Erfrierungen führen und die Gewebeschäden verschlimmern.
  • Salben oder Cremes auf offene Brandwunden auftragen: Dies kann zu Infektionen führen und die Beurteilung der Wunde durch den Arzt erschweren.
  • Hausmittel verwenden: Rohe Kartoffeln, Mehl, Backpulver, Essig, Öl, Bananenschalen oder Honig sind ungeeignet und können Infektionen verursachen.
  • Brandblasen aufstechen: Dies erhöht das Infektionsrisiko.
  • Mit der Haut verkrustete Kleidung ausziehen: Diese sollte vorsichtig vom Arzt entfernt werden.
  • Bei großflächigen Verbrennungen kühlen: Es besteht die Gefahr der Auskühlung.

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