Schmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. In Europa leidet jeder dritte Haushalt unter Schmerzen. In Deutschland sind laut Deutscher Schmerzgesellschaft etwa 17 Prozent der Bevölkerung von chronischen Schmerzen betroffen, was über 12 Millionen Menschen entspricht. Narbenschmerzen sind eine spezifische Art von Schmerz, die nach Operationen oder Verletzungen auftreten kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Narbenschmerzen, insbesondere wenn Narbengewebe auf Nerven drückt, und stellt verschiedene Behandlungs- und Linderungsmethoden vor.
Ursachen von Narbenschmerzen
Narbenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Es ist jedoch unklar, warum manche Narben schmerzfrei sind, während andere Probleme verursachen. Auch die Tatsache, dass manche Narben erst nach Jahren zu schmerzen beginnen, ist noch nicht vollständig geklärt. Eine Theorie zur Entstehung von chronischen Narbenschmerzen ist die erhöhte Gewebesteifigkeit des Narbengewebes und die sogenannte Neurombildung.
Gewebesteifigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit
Das festere Narbengewebe und die angrenzenden Gewebebereiche sind meist weniger flexibel als das übrige Gewebe. Dadurch schmerzt oder spannt es bei Bewegungen und kann diese einschränken. Eingeschränkte Gewebe- und Nervenbeweglichkeit durch die Narbe können zu einer Schmerzverstärkung bei Bewegung führen.
Neurombildung
Eine weitere Ursache für Narbenschmerzen ist die Bildung von Neuromen. Ein Neurom ist eine Wucherung von Nervengewebe, die entstehen kann, wenn Nervenenden im Bereich der Narbe geschädigt werden. Diese Neurome können sehr schmerzhaft sein und zu Taubheitsgefühlen oder Juckreiz führen.
Weitere mögliche Ursachen
Neben Gewebesteifigkeit und Neurombildung gibt es weitere mögliche Ursachen für Narbenschmerzen:
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- Allergische Reaktion: Eine allergische Reaktion auf Inhaltsstoffe von Schminke oder anderen Produkten, die auf die Narbe aufgetragen werden, kann Jucken und Rötungen auslösen.
- Entzündung: Vor allem bei frischen Narben kann das Narbengewebe entzündet sein, was zu Schmerzen führt.
- Fremdkörper: In frischen Narben können Fremdkörper wie Operationsfäden Schmerzen verursachen.
- Zug- oder Druckbelastung: Narben mit veränderter Hautstruktur (z.B. Verhärtungen oder Wülste) neigen eher dazu, weh zu tun, wenn das Gewebe unter Zug oder Druck steht.
- Narbenbruch: Ein Narbenbruch kann nach einer Bauchoperation entstehen, wobei sich der Narbenbereich vorwölbt und Schmerzen verursacht.
- Schäden an den Nervenenden: Beschädigte Nervenenden im Bereich der Narbe können zu Taubheitsgefühlen oder Juckreiz führen.
- Witterung: Manche Narben reagieren auf Wetterumschwünge mit Jucken oder Stechen.
Symptome von Narbenschmerzen
Narbenschmerzen können sich in verschiedenen Formen äußern:
- Ziehen
- Stechen
- Jucken
- Kribbeln
- Taubheitsgefühle
Die Intensität der Schmerzen kann variieren und ist nicht immer gleichbleibend. Betroffene leiden oft nicht nur unter dem Dauerschmerz, sondern auch unter den zunehmenden körperlichen Einschränkungen im Alltag.
Diagnose von Narbenschmerzen
Wenn Sie regelmäßig Narbenschmerzen haben oder die Beschwerden stärker und/oder häufiger werden, sollten Sie die Ursache ärztlich abklären lassen. Ein Facharzt für Dermatologie ist hier der richtige Ansprechpartner.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt wird zunächst im Gespräch mit Ihnen Ihre Krankengeschichte erheben (Anamnese). Dabei wird er Fragen stellen, wie lange die Narbenschmerzen schon bestehen, wann sie auftreten und wie sie sich anfühlen. Anschließend erfolgt eine Tastuntersuchung, um festzustellen, ob die Narbe vorgewölbt, entzündet oder verhärtet ist.
Bildgebende Verfahren
Bei Verdacht auf einen Narbenbruch können bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) zur Abklärung eingesetzt werden.
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Behandlungsmöglichkeiten von Narbenschmerzen
Es gibt verschiedene medizinische Möglichkeiten, um Narbenschmerzen zu behandeln. Die Wahl der Behandlung hängt von der Ursache der Beschwerden ab.
Konservative Behandlungsmethoden
- Narbenpflege: Narben sollten von Anfang an gut gepflegt werden. Dazu gehört, die Narbe sauber zu halten, regelmäßig einzucremen und zu massieren, um das Gewebe geschmeidig zu halten, und sie keiner direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen.
- Narben-Gels und -Salben: Es gibt spezielle Narben-Gels und -Salben, die die Durchblutung fördern, das Gewebe geschmeidig machen und Juckreiz lindern können.
- Kühlen oder Wärmen: Je nach Empfinden kann es helfen, die Narbe zu kühlen oder zu wärmen.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Maßnahmen wie Dehnübungen und passive Mobilisationen können helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und die Flexibilität des Gewebes wiederherzustellen. Narbenmobilisationstechniken können die Elastizität des Gewebes fördern und Verklebungen lösen.
- Osteopathie: Osteopathie ist eine ganzheitliche, manuelle Therapieform, die darauf abzielt, Funktionsstörungen im Körper zu diagnostizieren und zu behandeln. Bei der Behandlung von Narbengewebe wenden Osteopathen verschiedene Techniken an, um die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
- Microneedling: Eine klinische Anwendungsbeobachtung am KRH Klinikum Lehrte beschäftigt sich mit chronisch schmerzhaften Narbenbeschwerden nach operativen Eingriffen an der Lendenwirbelsäule und der Behandlung mit medizinischem Microneedling. Ziel der Behandlung ist die signifikante Verringerung der Narbengewebesteifigkeit und damit einhergehender möglicher lokaler Schmerzzustände.
- Pneumatische Unterdruck-Massage: Da das Fasziengewebe sehr gut auf Druck und Zug anspricht, löst die pneumatische Unterdruck-Massage mechanisch Verwachsungen und Verklebungen. Im Ergebnis sind die einzelnen Bindegewebsschichten dann wieder leichter gegeneinander beweglich, die Narbe wird also weicher.
Medikamentöse Behandlung
- Antibiotika: Bei einer Entzündung der Narbe kann der Arzt Antibiotika verschreiben, um eine bakterielle Infektion zu vermeiden.
- Glukokortikoide: Wenn nicht Bakterien die Ursache der Entzündung sind, können Glukokortikoide helfen.
- Lokalanästhetika: Bei starken Narbenschmerzen kann der Arzt ein Lokalanästhetikum spritzen, um das Schmerzempfinden an der betroffenen Stelle zu reduzieren.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können Schmerzmittel zur Linderung der Beschwerden eingenommen werden.
Invasive Behandlungsmethoden
- Operation: Ein Narbenbruch muss operiert werden. Auch wenn die Narbe verletzt ist, kann ein Eingriff notwendig sein.
- Narbenstimulation: Im Zentrum für Spezielle Schmerzmedizin wird das Verfahren der Narbenstimulation eingesetzt, um die Schmerzfortleitung, die durch schmerzhafte OP-Narben verursacht wird, zu unterbinden. Kleine Elektroden werden direkt unter die Haut im Narbenbereich implantiert und mit einem Schmerzschrittmacher verbunden.
- Injektionen: Durch eine spezielle Injektionstechnik können Wirkstoffe in tiefer liegende Gewebeschichten eingebracht werden, um Nervenreizungen, Schmerzzustände und Wahrnehmungsstörungen zu beseitigen.
- Kältetherapie (Kryotherapie): Bei Keloid-Narben kann eine Kältetherapie angewendet werden.
- Laserbehandlung: Zur Abtragung von Narbenwülsten kann eine Laserbehandlung eingesetzt werden.
- Elektroakupunktur: Gegen Narbenschmerzen nach Verbrennungen kann Elektroakupunktur helfen.
Vorbeugung von Narbenschmerzen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Narbenschmerzen vorzubeugen:
- Gute Wundheilung: Achten Sie nach Verletzungen oder Operationen auf eine gute Wundheilung. Vermeiden Sie es, Wundschorf aufzukratzen oder Infektionen zu riskieren.
- Frühzeitige Narbenpflege: Beginnen Sie mit der Narbenpflege, sobald die Wunde geschlossen ist. Tragen Sie zweimal täglich ein entsprechendes Gel oder eine Narbensalbe auf.
- Schonung: Belasten Sie das Gewebe nicht zu früh. Schonen Sie den Bereich und vermeiden Sie Sport in den ersten Wochen.
- Sonnenschutz: Schützen Sie frische Narben 6 Monate lang vor der Sonne.
- Vermeidung von Reibung: Vermeiden Sie Reibung durch einschnürende BH-Träger, Hosenbund oder Trageriemen. Tragen Sie keine zu enge Kleidung oder kratzenden Materialien.
- Gesunder Lebensstil: Vermeiden Sie Nikotin und Alkohol, da diese Wundheilungsprozesse verlangsamen.
Hausmittel und alternative Behandlungen
Neben den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch einige Hausmittel und alternative Behandlungen, die bei Narbenschmerzen helfen können:
- Calendula: Calendula ist ein Allrounder zur Narbenpflege und kann in Form von Narbensalben oder als Öl angewendet werden.
- Ölmassagen: Ölmassagen mit speziellen Ölen, die Vitamin E und Pflanzenextrakte wie Ringelblume und Kamille enthalten, können die Durchblutung fördern und das Gewebe geschmeidig machen.
- Globuli: Innerlich können Globuli wie Arnika oder Mineralstoffe (Zink, Vitamin C) unterstützend wirken, da sie die Wundheilung unterstützen.
- Akupunktur-Massagen: Akupunktur-Massagen oder spezielle Handgriffe aus der sensomotorischen Körpertherapie wirken äußerlich auf Energieblockaden und Spannungen des Narbengewebes ein.
Narbenschmerzen bei Wetterumschwung
Manche Menschen leiden bei Wetterumschwüngen unter Narbenschmerzen. Die Ursache dafür ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass geschädigte Nervenfasern in der Haut oder das nachwachsende Bindegewebe der Narbe eine Rolle spielen. Um den Juckreiz zu lindern, kann es helfen, die Narbe zu kühlen. Vermeiden Sie es unbedingt, an der Narbe zu kratzen. Ein wirkstoffhaltiges Narbenpräparat kann dabei helfen, Juckreiz und Narbenschmerzen bei Wetterumschwung zu lindern. Um den Körper weniger empfindlich auf Wetterwechsel zu machen, können regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft, Sport und Wechselduschen helfen.
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