Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die Krankheit betrifft weltweit Millionen von Menschen und stellt Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen. Obwohl die Prognosen für eine vollständige Heilung derzeit schlecht stehen, rücken Naturheilmittel bei Parkinson immer mehr in den Fokus, um Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Parkinson Naturheilkunde, von Ernährungsempfehlungen über pflanzliche Heilmittel bis hin zu innovativen Therapieansätzen.
Morbus Parkinson: Ursachen, Symptome und Diagnose
Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Neurotransmitter, der für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und die Steuerung von Bewegungen unerlässlich ist. Die Ursachen für den Verlust der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren, Umweltfaktoren und Alterungsprozesse eine Rolle spielen.
Die Krankheit beginnt oft schleichend und unauffällig. Zu den typischen Symptomen gehören:
- Muskelzittern (Tremor)
- Muskelsteifigkeit (Rigor)
- Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese)
- Instabile Körperhaltung
Neben diesen motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z. B.:
- Schlafstörungen
- Depressionen
- Riechstörungen
- Verstopfung
- Kognitive Beeinträchtigungen
Die Diagnose von Morbus Parkinson basiert in der Regel auf einer neurologischen Untersuchung und der Beurteilung der Symptome. In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder DaTscan eingesetzt werden, um die Diagnose zu unterstützen.
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Naturheilkundliche Ansätze bei Parkinson
Die naturheilkundliche Begleitung der Parkinson-Erkrankung zielt darauf ab, die Lebensqualität zu verbessern, Symptome zu lindern und möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dabei kommen verschiedene Therapieformen zum Einsatz, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden.
Ernährung als wichtiger Therapiebaustein
Eine ausgewogene Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung von Parkinson. Studien deuten darauf hin, dass eine richtige Ernährung das Risiko, an Parkinson zu erkranken, senken und positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf haben kann.
Reduktion des Fleischkonsums: Besonders eine Reduzierung des Fleischkonsums sei wichtig, um eine positive Auswirkung durch die Ernährung auf die Krankheit zu erreichen. So solle man möglichst Wurst vermeiden und mehr Gemüse zu sich nehmen.
Polyphenolhaltige Ernährung: Zusätzlich wurde in der Forschung herausgefunden, dass einige Lebensmittel positive Effekte auf die Nerven haben können. Besonders eine Polyphenole-haltige Ernährung scheint hier ein guter Weg zu sein. Polyphenole kommen ausschließlich in Pflanzen vor und finden sich zum Beispiel in den Randschichten von Obst und Gemüse.
Einfluss auf das Mikrobiom: Bekannt ist, dass man mit der Ernährung unter anderem das Mikrobiom, die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm, beeinflussen kann. Dieses sei bei Menschen mit Parkinson aus dem Gleichgewicht geraten. Weiter erklärt sie, dass man wisse, dass bei Parkinson Patienten überwiegend Bakterien im Darm vorhanden sei, die die Schleimbarriere abbauen und dadurch einen durchlässigen Darm verursachen.
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Weitere Ernährungsempfehlungen:
- Mediterrane Ernährung: Viel frisches Grünzeug und andere gesunde Zutaten: Rund um das Mittelmeer weckt die Küche nicht nur Urlaubsgefühle, sondern ist mit viel Gemüse, Öle mit ungesättigten Fettsäuren, Fisch, Hülsenfrüchten und wenig Fleisch auch besonders gesund. Die mediterrane Küche gilt als besonders gefäß- und herzfreundlich. Das liegt daran, dass viele Gerichte einen großen Gemüseanteil haben und eher Fisch als Fleisch auf den Tisch kommt. Gerne werden auch Hülsenfrüchte als Eiweißlieferanten eingesetzt. Außerdem werden die meisten Gerichte mit cholesterinsenkendem Olivenöl zubereitet.
- Intervallfasten: Eine Studie prüft derzeit, ob sich das Darmmikrobiom durch sogenanntes Intervallfasten normalisieren lässt. Eine Woche essen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nur Gemüsebrühe, danach machen sie ein Jahr lang große Pausen zwischen den Mahlzeiten. Viele Teilnehmer berichten über vorübergehend nachlassende Symptome und eine bessere Lebensqualität.
- Glutenfreie Ernährung: Ein Fallbericht aus dem Jahr 2014 weist noch auf einen anderen Zusammenhang mit dem Darm hin. Bei Parkinson-Patienten könnte zeitgleich eine asymptomatische Zöliakie vorliegen - eine Erkrankung, bei der Gluten (Protein aus Getreide) zu Darmschleimhautschäden führt. Es zeigte sich am Beispiel eines Betroffenen, dass sich dessen Parkinson-Symptome stark besserten, als er begann, sich glutenfrei zu ernähren.
- Wichtiger Hinweis: Wer das Standardmedikament gegen Morbus Parkinson, L-Dopa, einnimmt, darf das nicht zusammen mit eiweißhaltigen Speisen tun, denn dann wirkt das Medikament schlechter.
Orthomolekulare Medizin
Die orthomolekulare Medizin spielt eine wichtige Rolle in der ganzheitlichen Parkinson Therapie. Sie zielt darauf ab, den Körper mit den optimalen Mengen an Nährstoffen zu versorgen, um die Zellfunktion zu verbessern und oxidativen Stress zu reduzieren.
- Coenzym Q10: Coenzym Q10 gilt als einer der am besten erforschten Nährstoffe bei Parkinson. Als wichtiger Bestandteil der mitochondrialen Energieproduktion kann es die Zellenergie verbessern und oxidativen Stress reduzieren.
- Alpha-Liponsäure: Alpha-Liponsäure wirkt als potentes Antioxidans und kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
- B-Vitamine: B-Vitamine, insbesondere B1, B6 und B12, sind essentiell für die Nervenfunktion.
- Vitamin C: Hochdosierte Vitamin-C-Infusionen können bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen unterstützend wirken. Vitamin C ist ein starkes Antioxidans, das oxidativen Stress reduziert und die Immunfunktion stärkt.
- Glutathion: Glutathion-Infusionen gewinnen in der naturheilkundlichen Parkinson Therapie zunehmend an Aufmerksamkeit. Glutathion ist das wichtigste intrazelluläre Antioxidans und bei Parkinson-Patienten oft vermindert.
Pflanzliche Heilmittel
Verschiedene Heilpflanzen können die konventionelle Parkinson-Behandlung sinnvoll ergänzen.
- Mucuna pruriens (Juckbohne): Mucuna pruriens, auch bekannt als Juckbohne, enthält natürliches L-DOPA und wird traditionell bei Bewegungsstörungen eingesetzt. Studien zeigen nun, dass die Samtbohne eine Verbindung namens Levodopa enthält, eine Vorläufersubstanz von Dopamin.
- Ginkgo biloba: Ginkgo biloba kann die Durchblutung verbessern und neuroprotektive Eigenschaften aufweisen.
- Aśvagandhā (Withania somnifera): Die Aśvagandhā (Wurzel der Withania somnifera) genannte Pflanzenarznei wird bei vielen neurologischen Störungen empfohlen. In diesem Zusammenhang gilt sie als besonders nützlich zur Regulation der posturalen Instabilität und wenn Schlafstörungen vorliegen.
- Brāhmī (Bacopa monnieri): Brāhmī (Bacopa monnieri, die gesamte Pflanze wird hier verwendet) ist besonders nützlich, wenn auch kognitive Störungen bestehen.
Mitochondriale Unterstützung
Die Mitochondrien, oft als Kraftwerke der Zellen bezeichnet, spielen eine zentrale Rolle bei der Parkinson-Erkrankung. Eine Störung der mitochondrialen Funktion trägt zur Neurodegeneration bei. Neben Coenzym Q10 können weitere Substanzen wie PQQ (Pyrrolochinolinchinon), NADH und Ribose die mitochondriale Funktion unterstützen.
Entzündungshemmende Maßnahmen
Chronische Entzündungsprozesse im Gehirn spielen bei der Parkinson-Erkrankung eine wichtige Rolle. Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA und EPA, können Entzündungen reduzieren und die Nervenfunktion unterstützen.
Darmgesundheit und Parkinson
Neueste Forschungen zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und Parkinson-Erkrankung. Die Darm-Hirn-Achse spielt eine wichtige Rolle bei der Neurodegeneration. Probiotische Therapien und präbiotische Substanzen können die Darmgesundheit fördern.
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Kaffee als Naturheilmittel
Kaffee ist ein beliebtes Naturheilmittel bei an Parkinson erkrankten Patienten. Zahlreiche Untersuchungen und Studien heben die positive Wirkung von Kaffee auf die menschliche Gesundheit hervor. Das gibt jenen Europäern recht, die vor einigen hundert Jahren zum ersten Mal mit Kaffee in Berührung kamen. Koffein, der Hauptwirkstoff des Kaffee, ist auch heute als medizinisches Koffein wieder Bestandteil vieler Medikamente. Als Naturheilmittel ist Kaffee bei vielen Kranken geschätzt. Das koffeinhaltiger Kaffee das Auftreten von Parkinson verzögern und in manchen Fällen sogar verhindern kann, ist inzwischen wissenschaftlich zahlreich belegt. Weniger klar ist allerdings, wie Kaffee bei einer bereits fortgeschrittenen Erkrankung wirkt.
Cannabis als Therapieoption
Seit ein paar Jahren dürfen Ärzte ihren Patienten medizinisches Cannabis gegen Parkinson verschreiben. Manche Patienten legen große Hoffnungen in die neue Therapie. Von den mehr als 60 Inhaltsstoffen im Cannabis sind zwei besonders wichtig: einerseits THC, Tetrahydrocannabinol. Das ist der Stoff, für den Cannabis als Droge geraucht wird. Er wirkt sehr stark auf die Psyche und kann Halluzinationen hervorrufen. THC gibt es als Öl oder auch in Kapseln. Wir verwenden beispielsweise ölige Tropfen, die man sehr genau dosieren kann. Der zweite wichtige Wirkstoff ist das CBD, Cannabidiol. Das wirkt nicht halluzinogen. Es ist ein interessanter Wirkstoff, der allerdings derzeit als Nahrungsergänzungsmittel und nicht als Medikament zugelassen ist. Außerdem gibt es noch die Blüten, also das eigentliche Naturprodukt. Sie haben - wie viele Naturheilmittel - eine hohe Zahl unterschiedlicher Wirkstoffe. Man erhofft sich, dass das Zittern nachlässt, das bei Parkinson typisch ist. Dafür gibt es aber bisher keine Hinweise. Der einzige Effekt, den die Forschung bislang nahegelegt hat, ist, dass Cannabis möglicherweise eine dämpfende Wirkung auf die Unruhebewegungen haben könnte, die durch das Medikament L-Dopa ausgelöst werden.
Wichtiger Hinweis: Die Anwendung von Cannabis ist nicht risikolos, da es auch zu gravierenden Nebenwirkungen kommen kann. In den Studien sind bei einigen Patienten Halluzinationen aufgetreten. Das ist nicht verwunderlich, weil Halluzinationen bei Parkinson nicht selten sind und halluzinogene Medikamente wie Cannabis das noch verstärken können. Außerdem leiden Parkinsonpatienten oft unter Kreislaufschwäche und sehr niedrigem Blutdruck. Das kann ebenfalls durch THC noch verstärkt werden. Weiterhin gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte.
Āyurveda bei Parkinson
Der Āyurveda ist ein umfassendes medizinisches System, das seit mindestens zweitausend Jahren im indischen Kulturbereich entwickelt und praktiziert wird. In der heutigen āyurvedischen Praxis empfiehlt es sich daher, die jeweilige Symptomatik nach āyurvedischen Kriterien differenziert und individuell zu betrachten und nicht vorschnell einem einzelnen āyurvedischen Krankheitsbild zuzuordnen. Auf dieser Basis kann dann eine umfassende āyurvedische Therapie erfolgen. Ein solches differenziertes Eingehen auf die jeweils individuelle Ausprägung der Symptomatik des einzelnen Patienten ermöglicht dann auch eine individuelle Behandlung.
Dem Āyurveda liegt eine eigene Systematik zugrunde, die sich sowohl in einem eigenen Verständnis von Bau und Funktion des menschlichen Organismus als auch im diagnostischen Vorgehen niederschlägt. So unterscheidet man, vereinfacht ausgedrückt, zwei Anteile im menschlichen Organismus: Auf der einen Seite kennt man strukturelle Anteile des menschlichen Organismus wie etwa verschiedene Gewebe (Muskelgewebe, Fettgewebe etc.) und Organsysteme. Auf der anderen Seite wirken im Organismus auch funktionelle Komponenten. Zu diesen funktionellen Komponenten zählt der sogenannte Agni, die „Verdauungs- und Stoffwechselkraft“, welche die intestinale Verdauung und den gesamten Stoffwechsel reguliert. Wenn der Agni normal ausgeprägt ist, sind nicht nur Appetit und Stuhlgang gleichmäßig, sondern auch die einzelnen Gewebe angemessen ausgeprägt und die Sinne können ihre normalen Funktionen erfüllen. Bei einem geschwächten Agni werden einerseits die Gewebe nicht angemessen genährt und andererseits entstehen Ablagerungen auf unterschiedlichen Ebenen.
Moderne āyurvedische Gelehrte verstehen auch die bei bestimmten Formen des Parkinson-Syndroms zu findenden Ablagerungen von Alpha-Synuclein als Folge einer Schwäche der Verdauungs- und Stoffwechselkraft. Auch werden bei einem geschwächten Agni die Wirkstoffe von Arzneien nicht sachgerecht aufgenommen und verwertet. Außer dem Agni zählen zu den funktionellen Komponenten des menschlichen Organismus vor allem die sogenannten drei Doṣa-s (sprich: Dohscha) Vāta, Pitta und Kapha. Diese stellt man sich vor wie Kräfte, die im Menschen wirksam sind und sich in unterschiedlicher Hinsicht im Menschen auswirken. Die drei Doṣa-s regulieren physiologische Funktionen.
So ist Vāta, der erste Doṣa, im Menschen für Prozesse der Bewegung und Beweglichkeit verantwortlich. Dazu zählen Atembewegung, Muskelbewegung und Darmmotilität ebenso wie geistige Beweglichkeit und Begeisterungsfähigkeit. Pitta reguliert Prozesse der Umwandlung und Verwertung wie etwa den Verdauungsprozess, aber auch Lernprozesse und Durchsetzungskraft. Kapha, der dritte Doṣa, ist verantwortlich für Struktur und Stabilität, also einen festen Körperbau, geschmeidige Haut und Schleimhäute ebenso wie geistige Stabilität und Geduld.
Wie diese kurze Übersicht deutlich macht, sind in jedem Menschen prinzipiell alle drei Doṣa-s wirksam. Für die āyurvedische Diagnose ist aber ein zweiter Aspekt der Doṣa-Lehre von fundamentaler Bedeutung: Man geht nämlich davon aus, dass jeder Mensch bereits bei Geburt eine besondere Konstellation dieser drei Doṣa-s mitbringt. Diese individuelle Konstitution äußert sich in einer Vielzahl von Merkmalen: Menschen mit einer Vāta-dominierten Konstitution neigen etwa ein Leben lang zu einer trockenen Haut und kalten Gliedmaßen, sie sind geistig beweglich, kreativ und neigen zu Verstopfung, Einschlafstörung und innerer Unruhe. Eine Pitta-dominierte Konstitution zeigt sich in warmen Gliedmaßen, regelmäßigem starkem Appetit, stabilem Körpergewicht, Zielstrebigkeit sowie einer Neigung zu Reizbarkeit, Oberbauchbeschwerden und entzündlichen Erkrankungen. Bei einer Kapha-dominierten Konstitution neigt der Mensch zu Übergewicht, hat ein gutes Langzeitgedächtnis und lässt sich nicht leicht aus der Ruhe bringen, er neigt zu schleimigen Erkrankungen der Atemwege und Übergewicht. Jeder Mensch verfügt von Geburt an über ein individuelles Mischungsverhältnis dieser drei Doșa-s, bei dem meist Merkmale von zwei dieser Doșa-s stärker zum Ausdruck kommen. Die Feststellung der individuellen Grundkonstitution ist ein wesentlicher Bestandteil der āyurvedischen Diagnose.
Aufgrund verschiedener ätiologischer Faktoren können die Doṣa-s nun aber ins Ungleichgewicht geraten. Sie werden also stärker oder schwächer, als es ihrem individuellen Normalzustand entspricht, oder es kommt zu einer Dysfunktion. Dieses anfängliche Stadium der Krankheitsentwicklung äußert sich in Symptomen des Unwohlseins, die jeweils spezifisch für einzelne Doṣa-s sind. In der āyurvedischen Pathophysiologie geht man nun davon aus, dass die aus dem Gleichgewicht geratenen Doṣa-s in der Folge auch Organe und Gewebe affizieren und so eine manifeste Erkrankung auslösen.
Betrachtet man nun die aktuelle Standarddefinition des idiopathischen Parkinson-Syndroms [16], so stellt man fest, dass dessen pathognomonischen Symptome, nämlich Bradykinese, Tremor, Rigor und auch die posturale Instabilität, hauptsächlich den Symptomen einer Vāta-Störung entsprechen. Auch die fakultativen Begleitsymptome wie etwa Hyposmie, Obstipation oder kognitive Einschränkungen sind typische Symptome einer Vāta-Störung ebenso wie einer Schwäche der Verdauungs- und Stoffwechselkraft. Rigor und Akinese sind vor allem Symptome einer Schwäche des Agni, der Verdauungs- und Stoffwechselkraft. Man kann also allgemein feststellen, dass der M. Parkinson aus āyurvedischer Sicht durch eine Vāta-Störung und eine Schwächung der Stoffwechselkraft gekennzeichnet ist.
Für das diagnostische Vorgehen im Āyurveda sind zunächst einmal die genaue Betrachtung der Erkrankung und der Grundkonstitution des Patienten von fundamentaler Bedeutung. Darüber hinaus soll aber auch eine Einschätzung des jeweiligen Stadiums einer Krankheit erfolgen. Nach klassischer Anschauung unterscheidet man insgesamt sechs Krankheitsstadien, wobei im sechsten Krankheitsstadium eine Chronifizierung der jeweiligen Erkrankung besteht. Das therapeutische Vorgehen muss dem jeweiligen Krankheitsstadium entsprechen.
Die āyurvedische Auffassung von Krankheitsbehandlung ist umfassend und immer auf das Individuum und seine Konstitution bezogen. Allgemein gesprochen, beginnt āyurvedische Therapie mit Empfehlungen zu Ernährung und Lebensstil, bei denen sowohl die Krankheit als auch die Konstitution berücksichtigt werden müssen. Erst dann folgt die Therapie im engeren Sinne. Hierzu gehören vor allem eine vielfältige und differenzierte Arzneimitteltherapie sowie intensive Verfahren zur Ausleitung und Regulation, wie etwa das Pañcakarma.
Da beim idiopathischen Parkinson-Syndrom vor allem eine Störung des Vāta und eine Schwächung der Stoffwechselkraft bestehen, gilt es allgemein, den Doṣa Vāta zu regulieren und den Agni zu stärken.
Ernährung im Āyurveda: In Bezug auf die Ernährung wird allgemein zu einer leicht verdaulichen und nahrhaften Ernährung geraten. Gewürze wie Ingwer, Knoblauch und schwarzer Pfeffer regen nach āyurvedischer Anschauung in besonderem Maße die Verdauungskraft an und regulieren den Doṣa Vāta. Je nach Konstitution und Verträglichkeit werden diese Gewürze in verschiedenen Zubereitungsformen (angedünstet, roh, als Tee etc.) und individuell angepassten Mengen empfohlen. Kreuzkümmel, Anis und Fenchel sind ebenfalls zur Regulierung des Vāta geeignet. Von besonderer Bedeutung ist der Asant (Asafoetida, „Stinkasant“), ein Gewürz, das als besonders Vāta-regulierend gilt und bei Störungen des Nervensystems allgemein empfohlen wird. Bei Obstipation, die ja ein häufiges Früh- und Begleitsymptom des idiopathischen Parkinson-Syndroms darstellt, ist Asant ebenfalls nützlich. Doch die āyurvedische Ernährungslehre berücksichtigt nicht nur Nahrungsmittel und ihre Zusammensetzung, sondern auch die Art und Weise der Nahrungsaufnahme allgemein, die Umgebung und Gemütsverfassung des Einzelnen werden berücksichtigt. Zur Regulation eines gestörten Vāta und zur Stärkung der Verdauungskraft ist zu empfehlen, regelmäßige Mahlzeiten zu genießen. Abends sollte eher warm und leicht gegessen und darauf geachtet werden, dass man in angenehmer Umgebung und in Ruhe essen kann. Auch bei den Empfehlungen zur allgemeinen Lebensweise wird empfohlen, auf regelmäßige Tagesabläufe zu achten. Morgendliche Selbstölmassagen mehrmals wöchentlich werden allgemein zur Gesundheitsprophylaxe empfohlen, insbesondere auf Tremor und Rigor sollen sie einen positiven Effekt haben. Körperliche Bewegung, vor allem moderate Ausdauerbewegung, reguliert Vāta und stärkt die Verdauungskraft. In der Praxis muss bei all diesen Empfehlungen aber stets die individuelle Konstitution des jeweiligen Menschen berücksichtigt werden.
Arzneimitteltherapie im Āyurveda: Die Arzneimitteltherapie, insbesondere die außerordentlich reichhaltige Phytotherapie, stellt im heutigen Āyurveda eine wichtige Säule der Behandlung dar. Die arzneilich gebrauchten Pflanzen werden dabei sehr differenziert nach Qualitäten und Wirkungen eingeteilt sowie in spezifischen Zubereitungsarten verabreicht. Hier finden sich eine Fülle von Arzneien sowohl zur Vāta-Regulierung als auch zur Anregung der Verdauungskraft und spezifischen Behandlung der Krankheit. Eine typische Kombinationsarznei zur Stärkung der Verdauungskraft ist das so genannte Trikaṭu, eine Mischung von Ingwer, schwarzem Pfeffer und langem Pfeffer (Pippalī, botanisch: Piper longum) zu gleichen Teilen. Wenn Obstipation im Vordergrund steht, und auch zur allgemeinen Regulation und Stärkung, ist die Triphalā, eine Mischung aus den getrockneten und gemahlenen Früchten von Emblica officinalis, Terminalia chebula und Terminalia bellirica außerordentlich nützlich. Diese beiden Kombinationsarzneien werden in der Praxis häufig zu Beginn der Behandlung über einige Monate eingesetzt. Wenn die Verdauungskraft damit reguliert ist, können nach āyurvedischer Anschauung auch die Wirkstoffe der spezifischen Arzneien besser verwertet werden.
Konventionelle Behandlungsmethoden
Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Medikamenten lassen sich die hauptsächlichen Beschwerden und viele typische Begleiterscheinungen bei Parkinson oft über Jahre hinweg gut kontrollieren. Bei Parkinson mangelt es im Gehirn an dem Botenstoff Dopamin, der für reibungslose Körperbewegungen notwendig ist. Eine Dopamin-Ersatztherapie mit Tabletten oder Kapseln kann diesen Mangel zunächst ausgleichen und die Beschwerden deutlich lindern. Dabei wird unter anderem Levodopa - auch L-Dopa genannt - eingesetzt. Im Gehirn wird es in Dopamin umgewandelt. Die Symptome des Morbus Parkinson sind dann unter Kontrolle, wenn die Therapie den Dopamin-Mangel fortlaufend ausgleicht. Mit zunehmender Erkrankungsdauer setzt die Wirkung von Tabletten oder Kapseln jedoch immer später ein und hält auch nicht mehr so lange an. Dadurch kann es zu Wirkschwankungen - man spricht auch von Fluktuationen - kommen. Zu anderen Zeiten kann es dagegen zu unwillkürlichen Überbewegungen (Dyskinesien) kommen.
Verlieren Sie nicht die Zuversicht, wenn sich Ihre Parkinson-Symptome mit oral eingenommenen Medikamenten nicht mehr zufriedenstellend ausgleichen lassen. Der Wirkstoff Apomorphin ahmt die Wirkung des körpereigenen Dopamins nach (Dopamin-Agonist). Über eine Dauerinfusion in das Fettgewebe unter der Haut (subkutan) lässt sich der Wirkstoff Levodopa dem Körper kontinuierlich zuführen. Von dort aus gelangt er gleichmäßig ins Blut. Dazu wird in der Bauchregion eine kleine Kunststoffkanüle in die Haut eingebracht. Sie ist über einen dünnen Schlauch mit einer Medikamentenpumpe verbunden. Der Wirkstoff Levodopa kann über eine Dauerinfusion direkt in den Dünndarm eingebracht werden. Dazu wird in einem kurzen operativen Standardeingriff eine Sonde durch die Bauchdecke gelegt. Sie ist über einen dünnen Schlauch mit der Medikamentenpumpe verbunden. Die Pumpe gibt kontinuierlich Levodopa ab. Bei der Tiefen Hirnstimulation werden im Rahmen eines mehrstündigen operativen Eingriffs zwei Elektroden millimetergenau durch die Schädeldecke in jenen Teil des Gehirns eingesetzt, der für die Bewegungen zuständig ist. Über dünne, unter der Haut verlaufende Kabel sind sie mit einem kleinen Gerät verbunden, das im Bereich des Schlüsselbeins implantiert wird.
Die Rolle des Darms bei Parkinson
Immer mehr Studien lassen vermuten, dass Parkinson tatsächlich im Verdauungssystem beginnt - wenigstens bei jenen Betroffenen, die schon jahrelang vor ihrer Diagnose Verdauungsstörungen hatten. Im März 2017 gaben Forscher in einer Studie an, dass die parkinsontypischen Ablagerungen im Gehirn - das sog. Allerdings vermuten manche Wissenschaftler auch, dass die Ablagerungen den umgekehrten Weg nehmen, dass also das Alpha-Synuclein möglicherweise mit der Nahrung in das Verdauungssystem gelangen könnte und von dort ins Gehirn wandere. Auch im neuen oben genannten Review vom Dezember 2018 sagte Dr. Scheperjans ( 2 ), dass zumindest bei einem Teil der Patienten der Ursprung der Parkinson Krankheit im Darm liegen könnte - beteiligt seien die Alpha-Synuclein-Ablagerungen, lokale Entzündungsprozesse und die Darmflora.
Die übermässige Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Leaky Gut Syndrom) scheint die Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Darm zu triggern. Daher muss nun überprüft werden, ob Parkinson-Patienten und wenn ja, in welchem Ausmass auch tatsächlich ein Leaky Gut Syndrom aufweisen. Die finnischen Wissenschaftler rund um Scheperjans sind sich in jedem Fall sicher, dass die Darmflora in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der Entwicklung neuer Parkinson-Therapien spielen wird. „In den letzten Jahren haben wir die Bedeutung der Darm-Hirn-Verbindung im Zusammenhang mit Parkinson entdeckt“, so Scheperjans. Und Dr. „Der Darm steht mittlerweile im Fokus der Parkinsonforschung. Wir sind uns sicher, dass es in den nächsten 20 Jahren hier einen enormen Fortschritt geben wird. Denn Veränderungen der Darmgesundheit können dabei helfen, Parkinson früher zu diagnostizieren, während Therapien, die diese Veränderungen beeinflussen, die Krankheit verlangsamen können.
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