Der Grüne Star, medizinisch als Glaukom bekannt, ist eine Augenerkrankung, die den Sehnerv schädigt und unbehandelt zu Sehverlust führen kann. Da ein Glaukom meist schleichend beginnt, ist es wichtig, erste Anzeichen zu erkennen und frühzeitig eine Abklärung durchführen zu lassen, um den Verlauf zu bremsen.
Was ist Grüner Star (Glaukom)?
Der Begriff Glaukom umfasst verschiedene Augenerkrankungen, die den Sehnerv schädigen. Entscheidend ist das Gleichgewicht zwischen der Kammerwasserproduktion im Ziliarkörper und dem Kammerwasserabfluss über den Kammerwinkel mit Trabekelwerk. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance oder liegen Durchblutungsstörungen am Sehnerv bzw. der Netzhaut vor, steigt das Risiko für Sehverlust. Das Glaukom zählt in Europa zu den häufigsten irreversiblen Erblindungsursachen.
Ursachen des Grünen Stars
Die Ursachen für ein Glaukom sind vielfältig und hängen oft mit dem Zusammenspiel von Kammerwasserproduktion und Kammerwasserabfluss zusammen. Ein erhöhter Augeninnendruck, der oft, aber nicht immer mit einem Glaukom einhergeht, kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Ungleichgewicht zwischen Kammerwasserproduktion und -abfluss: Wenn mehr Kammerwasser produziert wird als abfließen kann, steigt der Druck im Auge.
- Verstopfung des Kammerwinkels/Trabekelwerks: Veränderungen in der Zellstruktur oder Ablagerungen können den Abfluss behindern.
- Anatomische Verengung des Kammerwinkels: Bei manchen Menschen ist der Kammerwinkel von Natur aus enger, was den Abfluss des Kammerwassers behindert.
- Sekundäre Ursachen: Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Weitsichtigkeit, Entzündungen, Augenverletzungen, Tumore oder bestimmte Medikamente (z. B. Steroide) können ebenfalls ein Glaukom verursachen.
- Durchblutungsstörungen: Gefäß- und Durchblutungsstörungen am Sehnerv können auch bei normalem Augeninnendruck zu Schäden führen (Normaldruckglaukom).
Genetische Veranlagung und Risikofaktoren
Neben den direkten Ursachen gibt es auch Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an einem Glaukom zu erkranken, erhöhen:
- Alter: Das Risiko steigt ab 60 Jahren. Zudem sollte man ab dem 40. Lebensjahr auf das Auftreten mehrerer Symptome achten.
- Familiäre Vorbelastung: Wenn in der Familie bereits Glaukomfälle aufgetreten sind, ist das Risiko erhöht.
- Starke Kurzsichtigkeit: Menschen mit starker Kurzsichtigkeit haben ein höheres Risiko.
- Diabetes mellitus: Diabetes kann die Blutgefäße im Auge schädigen und so das Risiko erhöhen.
- Schlafapnoe: Schlafapnoe kann zu Blutdruckschwankungen führen, die den Sehnerv schädigen können.
- Blutdruckschwankungen: Sowohl hoher als auch niedriger Blutdruck können das Risiko erhöhen.
- Langzeitige Kortisontherapie: Die Einnahme von Kortison über einen längeren Zeitraum kann den Augeninnendruck erhöhen.
- Ethnische Zugehörigkeit: Menschen mit dunkler Haut erkranken öfter an einem Glaukom als Hellhäutige.
- Dünne Hornhaut: Eine dünne Hornhaut kann die gemessenen Druckwerte beeinflussen.
Primäre und sekundäre Glaukome
Grundsätzlich werden zwei Hauptformen des Glaukoms unterschieden:
Lesen Sie auch: Amöben im Wasser: Gefahr für das Gehirn? Symptome und Prävention
- Primäres Glaukom: Entsteht ohne erkennbare andere Augenerkrankung als Ursache. Die häufigste Form ist das primäre Offenwinkelglaukom, das schleichend und lange beschwerdearm auftritt. Auch das Winkelblockglaukom gehört zu den primären Glaukomtypen.
- Sekundäres Glaukom: Entsteht infolge einer anderen Augenerkrankung oder einer systemischen Erkrankung.
Symptome des Grünen Stars
Ein Glaukom verursacht anfangs meist keine Schmerzen, was die Früherkennung erschwert. Erste Anzeichen können sein:
- Gesichtsfeldausfälle: Zunächst kleinere Ausfälle im Randbereich des Gesichtsfeldes, die als blinde Flecken erscheinen. Die Ränder des wahrgenommenen Bildes verschwimmen zunehmend. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto enger wird das Sichtfeld, ein „Tunnelblick“ entsteht.
- Lichtempfindlichkeit: Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht.
- Halos: Farbige Kreise um Lichtquellen.
- Unsicheres Sehen in der Dämmerung: Schwierigkeiten beim Sehen in der Dämmerung.
- Schwierigkeiten bei der Anpassung an veränderte Lichtverhältnisse
- Verschwommenes Sehen
- Augen- sowie Kopfschmerzen
Akuter Glaukomanfall: Ein Notfall
Plötzlich starke Kopf- und Augenschmerzen, ein rotes Auge, Sehsturz, ein sehr harter Augapfel oder Übelkeit können auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten. In diesem Fall ist sofortige ärztliche Hilfe erforderlich, da der hohe Augeninnendruck innerhalb kurzer Zeit zu schweren Schäden am Sehnerv führen kann.
Diagnose des Grünen Stars
Die Glaukom-Diagnose beruht auf der Kombination verschiedener Untersuchungen:
- Augeninnendruckmessung (Tonometrie): Der Augeninnendruck wird in mmHg gemessen. Referenzwerte liegen häufig zwischen 10 und 21 mmHg, wobei der individuelle Zielwert entscheidend ist. Es gibt verschiedene Methoden zur Messung des Augeninnendrucks, wie die Goldmann-Applanation (Goldstandard), Non-Contact-Tonometrie (Luftstoß) oder iCare (Rebound).
- OCT (Optische Kohärenztomographie) des Sehnervs/der Netzhaut (RNFL): Das OCT zeigt die Dicke der Nervenfaserschicht in Mikrometern und macht den Verlust von Nervenzellen früh sichtbar. So können Frühschäden erkannt und die Progression im Zeitverlauf beurteilt werden.
- Gesichtsfeldtest (Perimetrie): Die Perimetrie zeigt funktionelle Ausfälle im Gesichtsfeld, z. B. bogenförmige Defekte. Übliche Programme sind 24-2 oder 30-2.
- Hornhautdickenmessung (Pachymetrie): Die Hornhautdicke beeinflusst die gemessenen Druckwerte und muss daher berücksichtigt werden.
- Gonioskopie: Beurteilung des Kammerwinkels
Behandlung des Grünen Stars
Ziel der Glaukom-Behandlung ist es, den Augeninnendruck zu senken und so den Sehnerv vor weiteren Schäden zu schützen. Die Behandlung basiert auf verschiedenen Säulen:
- Augentropfen: Augentropfen können die Kammerwasserproduktion senken oder den Abfluss verbessern. Es gibt verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen.
- Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT): Die SLT verbessert den Abfluss im Trabekelwerk und senkt so den Druck. Der Eingriff ist ambulant, gut verträglich und kann bei Bedarf wiederholt werden.
- Grüner Star Operation: Wenn Tropfen und SLT den Zielwert nicht sicher erreichen, kann eine Operation erforderlich sein. Es gibt verschiedene Operationsverfahren, wie die Trabekulektomie (ein etabliertes Verfahren mit starker Drucksenkung) oder minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS).
- Katarakt-Operation: Wenn gleichzeitig eine relevante Linsentrübung (Grauer Star) besteht, kann eine Katarakt-Operation den Augeninnendruck messbar reduzieren und die Sehqualität verbessern.
Medikamentöse Behandlung
Bei einer medikamentösen Behandlung erfolgt die Gabe des Medikaments i. d. R. in Form von Augentropfen, die dauerhaft genommen werden müssen. Die Arzneien erhöhen entweder den Abfluss des Wassers oder vermindern dessen Produktion. Die Tropfen müssen lebenslang nach ärztlicher Anweisung angewandt werden. Sie können recht unangenehme Nebenwirkungen haben und das Auge reizen. Juckreiz und Rötungen werden häufig beschreiben.
Lesen Sie auch: Behandlung von Beinödemen bei Parkinson
Operative Behandlung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Glaukom zu operieren. Welches Verfahren im Einzelfall ausgewählt wird, hängt von der individuellen Diagnose und Krankheitsursache ab.
- Trabekulektomie: Bei der Trabekulektomie handelt es sich um die gängigste Operation in der Fachsprache.
- Minimalinvasive Glaukomchirurgie (MIGS): Unter minimalinvasiver Glaukomchirurgie versteht man operative Maßnahmen, die meist unter Verwendung von Implantaten zu einer Augeninnendrucksenkung bei geringerem Komplikationsrisiko führen.
- Kammerwinkelstents: Die Kammerwinkelstents erleichtern den Abfluss von Kammerwasser über den natürlichen Abflussweg im Kammerwinkel. Sie überbrücken die erste Widerstandsebene das Trabekelmaschenwerk und ermöglichen den Einstrom von Kammerwasser direkt in den Schlemmschen Kanal.
- Filtrierende MIGS-Verfahren: Bei den filtrierenden MIGS-Verfahren handelt es sich um Implantate, die einen Ausstrom des Kammerwassers unter die Bindehaut ermöglichen und damit wie die klassische Trabekulektomie ein Sickerkissen bilden. Sie sind etwas invasiver als die Kammerwinkelstents, die nur im Auge wirken, aber gehen mit etwas geringerem Komplikationsrisiko als die klassische Trabekulektomie („Sickerkissen-Operation“) einher.
- Kanaloplastik (360°-Dehnung des Schlemmschen Kanals) und die tiefe Sklerektomie: Bei diesen Verfahren wird auf eine vollständige Eröffnung der vorderen Augenkammer verzichtet und somit versucht das Komplikationsrisiko zu reduzieren.
- Glaukomdrainageimplantate: Bei den Glaukomdrainageimplantaten handelt es sich um eine Ableitung des Kammerwassers über einen Schlauch in der vorderen Augenkammer zu einer Kunststoffplatte, die zwischen den Augenmuskeln liegt und von dort das Kammerwasser in die Augenhöhle abgibt.
- Zyklodestruktiven Verfahren: Diese reduzieren die Produktion von Kammerwasser im Ziliarkörper.
Nach jeder Glaukomoperation muss eine Nachsorge erfolgen. Wichtig sind in jedem Fall regelmäßige Nachkontrollen, um die Wundheilung und den Augeninnendruck zu überprüfen.
Prävention des Grünen Stars
Auch wenn sich ein Glaukom nicht vollständig verhindern lässt, können Sie durch bestimmte Maßnahmen das Risiko senken und den Verlauf positiv beeinflussen:
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Ab dem 40. Lebensjahr sollten Sie regelmäßig (alle 1-3 Jahre) Ihren Augeninnendruck messen und den Sehnerv untersuchen lassen.
- Gesunden Lebensstil pflegen: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und vermeiden Sie Rauchen, weil das Nikotin die Durchblutung des Sehnervs verschlechtert.
- Systemische Faktoren gut einstellen: Stellen Sie systemische Faktoren gut ein (z. B. Blutdruck, Diabetes, Schlafapnoe).
- Kortisontherapien besprechen: Besprechen Sie Kortisontherapien mit Ihrem Arzt und suchen Sie nach Alternativen, wenn möglich.
- Glaukom-Tropfen korrekt anwenden: Wenden Sie Glaukom-Tropfen korrekt an, um den Augeninnendruck optimal zu senken.
- Vorsicht bei bestimmten Medikamenten: Einige Medikamente können den Augeninnendruck erhöhen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie Bedenken haben.
- Vermeidung von Verletzungen: Vermeiden Sie Verletzungen des Auges, da diese ein sekundäres Glaukom verursachen können.
Fazit
Der Grüne Star ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung lässt sich der Verlauf jedoch positiv beeinflussen und das Sehvermögen erhalten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, ein gesunder Lebensstil und die konsequente Einhaltung der Therapie sind entscheidend für den Erfolg der Behandlung.
Zusätzliche Informationen
Was ist ein Makulaödem?
Ein Makulaödem ist eine Schwellung der Netzhaut aufgrund von Flüssigkeitsansammlungen in der Makula. Es kann durch Diabetes oder nach Katarakt-Operationen auftreten, was zu Sehstörungen führt. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Sehverluste zu vermeiden.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Rückenmarkwasserentzug
Die Rolle des Kammerwassers
Das Kammerwasser dient in erster Linie zum Transport von Nähr- und Sauerstoff im Auge. Sollte der Augeninnendruck zu hoch werden, können diese Funktionen ausbleiben. In weiterer Folge wird der Sehnerv beschädigt.
SAVIR-Therapie
Auch eine bereits verloren geglaubte Sehleistung bei Menschen mit Schäden am Sehnerv kann mit Hilfe der SAVIR-Therapie verbessert werden. Das hat eine klinische Studie bestätigt. Kleine Mikrostrom-Impulse aktivieren die Durchblutung in Auge und Gehirn, so dass „lahmgelegte“ Nervenzellen wieder aktiviert und die noch vorhandenen optischen Reize besser verarbeitet werden können.
#