Natürliche Therapien und alternative Behandlungen bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 40 Jahren betrifft. Die Erkrankung gilt als nicht heilbar, und ihre Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die schulmedizinische Therapie beruht im Wesentlichen auf Immunsuppression mit Cortison bzw. anderen Immunsuppressiva, um die Entzündungsreaktionen zu unterdrücken. Angesichts der potenziellen Nebenwirkungen dieser Behandlungen suchen viele Betroffene nach natürlichen Therapien und alternativen Behandlungsmethoden, um ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Die Vielfalt der Symptome und Therapieansätze

Die Symptome der Multiplen Sklerose können sehr unterschiedlich sein und z.B. Optikusneuritis, Blasenatonie, ataktische Gangmuster oder Sprachstörungen (skandierende Sprache) auftreten. Die Erkrankung verläuft oft schubweise mit unvollständigen Remissionen, wobei 20 % der Erkrankten von Beginn an der primär chronisch-progredienten Form leiden. Die herkömmliche Behandlung zielt darauf ab, die Immunreaktionen zu unterdrücken, was jedoch nur zum Teil von befriedigender Wirkung ist und mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden sein kann.

In der Alternativmedizin existieren verschiedene diätetische Modelle zur Behandlung der Multiplen Sklerose, z.B. Agranoff & Goldberg oder das Rohkostmodell nach Evers. Diese Modelle basieren häufig auf empirischen Beobachtungen und zielen darauf ab, die Prostaglandinbiosynthese durch Optimierung der Serie-II-Eicosanoide bzw. der Serie-III-Eicosanoide zu beeinflussen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich die Wirkung dieser Modelle nie pauschal bei allen Betroffenen reproduzieren lässt.

Naturheilkundliche Therapiekonzepte

Die Naturheilkunde bietet ein breites Spektrum an Therapieansätzen, die individuell für den Betroffenen zusammengestellt werden. Hierzu zählen z.B. die Gabe homöopathischer bzw. spagyrischer Mittel, Neuraltherapie, Organotherapeutika und Nosoden. Diese Therapieverfahren werden nach der aktuellen Krankheitssituation eingesetzt und zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Ernährungstherapie

Ein grundlegender Baustein der naturheilkundlichen Therapie ist eine gesunde Ernährung mit hohem Frischkostanteil. Die Basis bildet oft die Haysche Trennkost, die auf dem Prinzip basiert, dass Säurebildner (z.B. konzentrierte Kohlenhydrate und Eiweiße) und Basenbildner (z.B. Salat, Obst und Gemüse) nicht in derselben Mahlzeit konsumiert werden sollten. Ziel ist es, den Säure-Basen-Haushalt des Körpers auszugleichen und die Entstehung von Übersäuerung zu vermeiden.

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Mikronährstoffe

Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Multiplen Sklerose. Vitamin B12 ist beispielsweise für die Remyelinisierung der Nervenfasern von Bedeutung, insbesondere nach einem akuten MS-Schub. Auch Zink, Kalium, Magnesium und Calcium sind wichtige Mineralstoffe, die im Rahmen der Therapie berücksichtigt werden sollten. Ein Vitamin-D-Mangel sollte ebenfalls ausgeglichen werden, da er mit einer Verschlechterung der neurologischen Symptome in Verbindung gebracht werden kann.

Osteopathie

Die Osteopathie ist eine manuelle Behandlungsmethode, die im 19. Jahrhundert von Still begründet wurde. Sie dient der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparates und kann auch bei MS-bedingten Beschwerden eingesetzt werden. Osteopathische Techniken können z.B. bei Blasenstörungen, Blockaden im Iliosakralgelenk oder Bandscheibenschäden in der unteren Brustwirbelsäule helfen.

Behandlung von Intoxikationen

Intoxikationen durch Metalle (vor allem Quecksilber) und Umweltchemikalien (allen voran Pyrethroide) können sich vielfältig auf die Symptomatik bzw. den Verlauf einer Multiplen Sklerose auswirken. Daher ist es wichtig, mögliche Belastungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu behandeln.

Behandlung von Infektionen

Auch Infektionen mit Viren (z.B. Epstein-Barr-Virus) oder Bakterien (z.B. Borrelien) können eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlimmerung einer Multiplen Sklerose spielen. In solchen Fällen ist eine individuelle Behandlung der entsprechenden Infektion erforderlich.

Homöopathie und Isopathie

Homöopathika bzw. Isopathika stellen eine weitere therapeutische Säule in der ganzheitlichen MS-Therapie dar. Sie zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Symptome der Erkrankung zu lindern.

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Elektroneuraldiagnostik und -therapie nach Croon

Die Elektroneuraltherapie ist eine gezielte schmerzlose Reizstromtherapie von Akupunkturpunkten und Reaktionsstellen. Sie wirkt auf das Grundsystem und damit auf die basalsten Funktionen, wodurch sich die Autoimmunerkrankung bessern kann mit der Folge einer geringeren bzw. keiner Antikörperbildung mehr.

Neuraltherapie nach Huneke

Die Neuraltherapie nach Huneke dient neben der Ausschaltung von Störfeldern auch der gezielten Therapie beim Auftreten von vielfältigen aktuellen Beschwerden. Dabei werden Lokalanästhetika wie Procain in Akupunkturpunkte oder andere spezifische Stellen injiziert, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Yamamoto Neue Schädelakupunktur

Die Yamamoto Neue Schädelakupunktur ist eine spezielle Form der Akupunktur, bei der bestimmte Punkte am Schädel behandelt werden, um die Funktion von Gehirn und Rückenmark zu verbessern. Sie kann bei MS-Patienten zur Linderung von Sensibilitätsstörungen und anderen neurologischen Symptomen eingesetzt werden.

Ayurveda bei Multipler Sklerose

Die Multiple Sklerose ist im Ayurveda nicht als eigene Krankheitsentität beschrieben. Aber das ist durchaus kein Grund, diese Erkrankung nicht ayurvedisch zu verstehen und zu behandeln.

Natur der Multiplen Sklerose aus ayurvedischer Sicht

Wenn man die oben angegebenen Symptome der Multiplen Sklerose mit ayurvedischem Verständnis analysiert, zeigt sich, dass die meisten Symptome sich einer übermäßigen Zunahme des Doshas Vata zuordnen lassen.

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Wenn Vata zu sehr gesteigert ist, kann die Kontrolle und die Taktung nicht korrekt erfolgen. Es kommt zu Störungen der Bewegung mit Lähmungen und Zittern, zu Störungen der vegetativen Kontrolle mit Propulsionsstörung und Störung des Temperaturhaushalts sowie zu Störungen der Emotionalität.

Ist Vata vermehrt, wird auch der Stoffwechsel instabil. Dann entstehen klebrige, aggressive und reizende Abbauprodukte, Ama. Diese sorgen für ein entzündliches Reaktionsbild und die Zeichen der Schwere mit dem Fatigue-Syndrom und der Depressivität.

Ort der Erkrankung der Multiplen Sklerose aus ayurvedischer Sicht

Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich also um eine Erkrankung, die in mehreren Geweben sitzt, vor allem aber in den Muskeln, dem Mark und dem Ojas, dem Immunsystem.

Ursächliche Faktoren der Multiplen Sklerose aus ayurvedischer Sicht

Vata wird durch alles gereizt, was ähnliche Eigenschaften hat wie er. Dies können Handlungsweisen, Ernährung, Wetter oder Denkmuster sein.

Typischerweise werden die folgenden möglichen ursächlichen Faktoren genannt:

  • Ernährung
    • trockene, kalte, zu leichte Speisen in zu geringer Menge
    • Fasten
  • Verhalten
    • zu starke körperliche Aktivität
    • häufiges Wachbleiben über Nacht
    • unangebrachter Schlaf am Tag
    • unbequeme Betten oder Sitzmöbel
    • zu starke sexuelle Aktivität
    • Unterdrücken von natürlichen Bedürfnissen (wie Urinieren, Defäkieren etc.)
    • zu viel Sorgen, Ärger, Angst, Trauer
  • Krankheit/Trauma
    • lange Krankheit
    • Verlust von Körpergewebe
    • Ama (unvollständig abgebaute Metabolite)
    • Blutverlust
    • Verletzung, besonders der vitalen Organe
    • Unfälle
  • Therapie
    • falsches therapeutisches Vorgehen
    • zu starker Einsatz von ausleitenden Verfahren

Ayurvedische Therapie der Multiplen Sklerose

Ziel der Behandlung ist es, die Ursachen, die die Erkrankung haben entstehen lassen und sie aufrecht erhalten, nicht weiter vorhanden sein können. Dies erreicht man durch die Stärkung des Stoffwechsels. Dadurch werden die unvollständig abgebauten Stoffwechselprodukte, Ama, verdaut. Gleichzeitig sollte der Dosha Vata beruhigt werden.

Dann plant man, die Symptome der Erkrankung zu lindern und ein Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. Das erreicht man, indem man Vata kontrolliert und im harmonischen Fluss fördert und die betroffenen Gewebe und das Immunsystem, Ojas, aufbaut und stärkt.

Yogische Sichtweise der Multiplen Sklerose

Ebenso wie im Ayurveda ist die Multiple Sklerose aus yogischer Sicht nicht klassisch beschrieben. Dennoch kann man die Störung auch mit den Mitteln des Yoga erfassen. Auch dazu müssen die Symptome genau angesehen und interpretiert werden.

Die Energiearmut, die Patienten mit Multipler Sklerose befällt und sich in Fatigue und Depressivität äußert, ist ein Mangel an Prana (Lebenskraft). Prana hängt wiederum sehr eng an den im Ayurveda beschriebenen Vata und Ojas.

Prana bewegt sich in den Pranavaha-Srotas, dem lebenskrafttragenden Kanälchensystem. Bei der Multiplen Sklerose fließt die Kraft nicht frei in diesen Kanälen, sodass die Ungenauigkeit der nervalen Übertragung und der zunehmende Abbau der Muskulatur nachvollziehbar sind. Da die Erkrankung das Mark und damit den ganzen Körper betrifft, liegt sie im Einflussbereich der beiden oberen Chakras, Ajna- und Saharara-Chakra.

Schulmedizin und Komplementärmedizin

Die schulmedizinische Behandlung der Multiplen Sklerose umfasst in der Regel eine Basistherapie (akute Schubtherapie und verlaufsmodifizierende Therapie) sowie eine symptomatische Therapie mit zugelassenen Wirkstoffen und Methoden. Ergänzend dazu können komplementäre Therapien eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Stress als Risikofaktor

Verschiedene Studien zeigen, dass negativer Stress ein möglicher Faktor beim Auslösen von MS-Schüben ist und dass Stress die Symptome einer Multiplen Sklerose verschlechtern kann. Therapien, die helfen können, Stress zu vermeiden, können daher für MS-Erkrankte wirkungsvoll sein. Gute Methoden der Stressreduktion sind unter anderem Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR), Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung sowie Bewegungstherapien mit Aufmerksamkeitskomponente (Yoga, Tai-Chi, Heileurythmie, Feldenkrais, Qigong).

Pflanzliche Präparate

Drei pflanzliche Wirkstoffe haben sich mit ermutigenden Studienergebnissen hervorgetan. Ginseng, über drei Monate verabreicht im Vergleich zu Placebo, zeigte bei den beteiligten MS-Erkrankten eine Besserung von Müdigkeit und allgemeiner Lebensqualität. Die in der Cannabis-Pflanze enthaltenen Wirkstoffe THC und CBD können MS-Symptome wie Spastik und Schmerzen lindern sowie das Gangbild verbessern. Mut macht auch eine frühe Phase-II-Studie aus Deutschland, die zeigt, dass Weihrauch die Entzündungsaktivität bei MS signifikant senken kann. Auch bei Omega-Fettsäuren kann die entzündungshemmende Wirkung positive Effekte bei MS-Erkrankten haben, das gilt nachweisbar für die pflanzlich basierten Omega-6-Fettsäuren, die in Borretsch- oder Nachtkerzenöl vorkommen.

Ernährung und Diäten

Es gibt zwar keine spezielle Diät für MS-Erkrankte, aber es wird vermutet, dass die Ernährungsweise MS-Symptome beeinflussen kann. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist deshalb besonders wichtig. Sowohl die vegane (ausschließlich pflanzliche Kost) als auch die ketogene (viele tierische Fette und Eiweiße) Diät tauchen im Zusammenhang mit MS immer wieder auf. Wichtig: Wer sich für eine besondere Ernährungsform entscheidet, sollte sich auskennen, da dies mit Mangelzuständen einhergehen kann. Untergewicht oder Übergewicht sollten vermieden werden.

Akupunktur

Als Teil der Traditionellen chinesischen Medizin ist fachkundig ausgeführte Akupunktur eine Option bei der funktionellen und regulativen Therapie zur Symptomlinderung bei MS. Auch positive Wirkungen auf Darmfunktion und Fatigue sind möglich und können insgesamt zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen.

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