Die alternde Bevölkerung führt zu einem Anstieg von „Volkskrankheiten“ wie Alzheimer. Präventionsmedizin ist der Schlüssel zur Gesundheit. Sie umfasst die Analyse individueller Risikofaktoren, um gesundheitskonformes Verhalten zu fördern und wird in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention unterteilt.
Was ist Präventionsmedizin?
Präventionsmedizin analysiert die individuellen Risikofaktoren des Menschen, wie genetische Prädisposition, Lebensweise und Lebensumstände, um gesundheitskonformes Verhalten zu fördern. Präventionsmediziner unterscheiden drei Arten der Prävention:
- Primärprävention
- Sekundärprävention
- Tertiärprävention
Jeder Mensch, ob gesund oder krank, profitiert von Präventionsmedizin. Vorbeugen ist besser als Heilen, und kurative Medizin funktioniert nicht ohne die aktive Beteiligung des Patienten.
Die drei Säulen der Alzheimer-Prävention
Die Präventionsmedizin wird in drei Bereiche unterteilt, die jeweils unterschiedliche Ziele verfolgen und sich an unterschiedliche Personengruppen richten:
1. Primärprävention: Gesundheit erhalten und Krankheiten vorbeugen
Die Primärprävention zielt darauf ab, die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Sie setzt ein, bevor eine Schädigung, Krankheit oder regelwidriges Verhalten eintritt, und sucht nach den Ursachen und Risikofaktoren, die dazu führen könnten. Sie richtet sich an jeden gesunden Menschen.
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- Individuelle Gesundheitsrisiko-Analyse: Vermeidung von Risikofaktoren.
- Gesundheitsförderung: Ernährungsmedizin, Mikronährstoffmedizin, Sportmedizin; Stress-Coping.
- Impfungen: Schutz vor Infektionskrankheiten, die indirekt das Demenzrisiko beeinflussen können.
- Allgemeine Maßnahmen: Kontrazeption, Schwangerenvorsorge, Unfallverhütung.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, wie die MIND-Diät oder die Nordische Diät, kann das Risiko von neurodegenerativen Erkrankungen verringern.
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes und Demenz.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Verzicht auf Tabak und Reduzierung des Alkoholkonsums.
- Schlaf: Ausreichend Schlaf (7 Stunden pro Nacht) kann das Risiko an Alzheimer zu erkranken reduzieren.
- Soziale Kontakte: Aktive Teilnahme am sozialen Leben und Vermeidung von Isolation.
- Stressbewältigung: Erlernen von Entspannungstechniken, um Stress abzubauen.
2. Sekundärprävention: Früherkennung und Verhinderung der Progression
Die Sekundärprävention zielt auf die Früherkennung bzw. Verhinderung der Progredienz einer Erkrankung. Sie dient dazu, eine Schädigung, Krankheit oder regelwidriges Verhalten frühzeitig zu erkennen bzw. dafür zu sorgen, dass der Verlauf einer Krankheit sich nicht verschlimmert bzw. chronifiziert wird. Sie richtet sich an Patienten, die selbst etwas dazu beitragen möchten, wieder gesund zu werden.
- Krankheitsfrüherkennung: Screening- oder Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Neugeborenen-Screening, Krebsvorsorge etc.), d. h. Aufdeckung symptomloser Erkrankungen bei scheinbar gesunden Individuen.
- Individuelle Gesundheitsrisiko-Analyse: Vermeidung von Risikofaktoren.
- Gesundheitsförderung: Ernährungsmedizin, Mikronährstoffmedizin, Sportmedizin; Stress-Coping.
- Frühe Intervention: Aktiver Hörschutz oder die Verwendung eines Hörgeräts, blutdrucksenkende Mittel, körperliche Aktivität.
- Gezielte Maßnahmen: Früherkennung von Risiken und Funktionsdefiziten wie Bewegungsmangel, Degeneration des Bewegungsapparates, Schmerzen, Rauchen, Über- oder Unterernährung, Herz-Kreislauf-Risiken, Elektrolytentgleisungen, mentale Störungen (Depression, Demenz), Essstörungen, Alkoholproblematik, Medikamentenabhängigkeit und altersbedingte Veränderungen.
- Aufklärung: Information über Risikofaktoren und Möglichkeiten der Früherkennung.
3. Tertiärprävention: Komplikationen verhindern und Lebensqualität erhalten
Die Tertiärprävention zielt auf die Verhinderung der Progredienz oder des Eintritts von Komplikationen bei einer bereits manifesten Erkrankung. Sie dient dazu, bei der manifesten Krankheit eines chronisch erkrankten Patienten (z. B. Zustand nach Myokardinfarkt, Tumorerkrankung) eine nachfolgende Schädigung und regelwidriges Verhalten früh zu erkennen, damit es nicht zu Komplikationen, Folgeerkrankungen, Verschlimmerung von chronischen Erkrankungen oder zu einem Rezidiv kommt. Sie richtet sich an Patienten, die selbst etwas dazu beitragen möchten, wieder gesund zu werden oder den erzielten Gesundheitszustand zu erhalten.
- Individuelle Gesundheitsrisiko-Analyse: Vermeidung von Risikofaktoren.
- Gesundheitsförderung: Ernährungsmedizin, Mikronährstoffmedizin, Sportmedizin; Stress-Coping.
- Rehabilitation: Gezielte Maßnahmen zur Wiederherstellung von Funktionen und Fähigkeiten.
- Proaktive Versorgung: Strukturierte Versorgung chronischer Erkrankungen.
- Hilfsmittel: Verordnung von Hilfsmitteln (Gehhilfen, Umbaumaßnahmen etc.).
- Selbstmanagement: Stärkung des Selbstmanagements durch Steigerung der Gesundheitskompetenz.
- Ernährungstipps: Praktische Tipps, um einer Mangelernährung vorzubeugen.
- Seniorengymnastik: Vorbeugung von Muskelschwund und Förderung der körperlichen und geistigen Fitness.
- Schmerzmanagement: Vorbeugung und Behandlung von Schmerzen.
- Förderung der Harnkontinenz: Unterstützung bei der Erhaltung der Harnkontinenz.
- Angepasste Mobilität: Erhaltung und Förderung der Mobilität durch Bewegungsübungen und Hilfsmittel.
- Dekubitusprophylaxe: Vorbeugung von Druckgeschwüren.
- Sturzprophylaxe: Reduzierung des Sturzrisikos.
- Thromboseprophylaxe: Vorbeugung von Thrombosen.
- Aspirationsprophylaxe: Vorbeugung des Verschluckens von Nahrungsmitteln oder Flüssigkeiten.
- Exsikkoseprophylaxe: Vorbeugung der Austrocknung des Körpers.
- Obstipationsprophylaxe: Vorbeugung von Verstopfung.
- Parotitisprophylaxe: Vorbeugung von Pilzerkrankungen im Mundbereich und Entzündungen der Ohrspeicheldrüse.
- Intertrigoprophylaxe: Vorbeugung von Hautdefekten in Hautfalten.
- Pneumonieprophylaxe: Vorbeugung von Lungenentzündung.
- Zystitisprophylaxe: Vorbeugung von Harnwegsinfektionen.
- Kontrakturprophylaxe: Vorbeugung von Kontrakturen.
- Letzte Hilfe: Würdevolle Sterbebegleitung.
Quartärprävention
Einige fügen noch die Quartärprävention hinzu, die sich auf die Bewahrung vor Überdiagnostik und Übertherapie konzentriert.
- Bewahrung vor Überdiagnostik: Vermeidung unnötiger Abklärungen, z. B. Karzinomabklärung von Prostatahyperplasie bei gebrechlichen Patienten.
- Bewahrung vor Übertherapie: Vermeidung invasiver Maßnahmen bei Patienten mit stabiler KHK.
- Nutzen-Risiko-Abwägung: Individuelle Abwägung von Nutzen und Risiken bei medizinischen Interventionen.
Multimodale Behandlungskonzepte in der Geriatrie
Allgemeinmediziner spielen eine zentrale Rolle bei der Früherkennung und Prävention bei geriatrischen Patienten. Sie erkennen Funktionsdefizite frühzeitig und wirken ihnen durch multimodale Behandlungskonzepte entgegen. Diese Konzepte umfassen:
- Regelmäßige Erhebung des Impfstatus: Verabreichung saisonaler Impfungen.
- Motivation zu Bewegung: Förderung körperlicher Aktivität.
- Motivation zu gesunder Ernährung: Unterstützung bei der Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung.
- Motivation zu intellektueller Tätigkeit und sozialer Interaktion: Förderung geistiger Aktivität und sozialer Kontakte.
- Strukturierte Früherkennung von Krankheiten: Karzinome, Bauchaortenaneurysma, Karotisstenose, Herzrhythmusstörungen, COPD, endokrinologische Störungen.
- Achtsamkeit bezüglich mentaler Störungen: Depression, Demenz, Essstörungen, Alkoholproblematik, Medikamentenabhängigkeit.
- Proaktive, strukturierte Versorgung chronischer Erkrankungen: Regelmäßige Verordnung rehabilitativer Maßnahmen.
- Evaluation der Medikamente bei Multimedikation: Indikation, Evidenz, Dosierung, Anwendungssicherheit, Anwendbarkeit, Medikamenteninteraktionen, Krankheitsinteraktionen.
Die Bedeutung der Arzt-Patienten-Beziehung
Die Arzt-Patienten-Beziehung entwickelt sich in der Mehrzahl der Fälle zu einer Langzeitbeziehung, in der alle Ebenen des biopsychosozialen Modells beachtet werden sollten, in engem Austausch mit Kollegen der spezialisierten Medizin und nichtärztlichen Gesundheitsberufen. Neben kurativen Handlungen liegt der hausärztliche Fokus auf Gesundheitsförderung, Krankheitsvorbeugung sowie Empowerment der Patientinnen und Patienten.
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Nicht-medikamentöse Maßnahmen bei Alzheimer-Demenz
Die MAKS-Studie zeigte, wie erfolgreich nicht-medikamentöse Sekundärprävention bei Alzheimer-Patienten sein kann. In der Studie trainierten Menschen in Pflegeheimen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zwölf Monate lang sechsmal wöchentlich jeweils zwei Stunden in Kleingruppen. Dabei standen Kegeln, Basteln oder Handwerken ebenso auf dem Programm wie Singen und Erfahrungsaustausch, Imbiss herrichten oder kognitives Training.
Der Erfolg war groß: In der Therapiegruppe blieben die kognitiven und alltagspraktischen Fähigkeiten über zwölf Monate stabil, während sie in der Kontrollgruppe abnahmen. Das soziale Verhalten besserte sich und die sogenannten herausfordernden Verhaltensweisen gingen signifikant zurück. Wurde nur eine Therapiekomponente, zum Beispiel Beschäftigungstherapie, angeboten, war die Wirksamkeit deutlich geringer.
Prävention in der Pflege
Auch im Bereich der Pflege werden wichtige Impulse für die Prävention gesetzt. Prävention beginnt im Kindesalter und zieht sich durch das ganze Leben. Um den Leitgedanken der Prävention und Gesundheitsförderung stärker zu verankern, hat die Bundesregierung 2015 das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention beschlossen. Ziel des Gesetzes ist, der Prävention in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert einzuräumen.
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