Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch vielfältige Symptome wie steife Bewegungen und Zittern gekennzeichnet ist. Nach der Alzheimer-Krankheit ist Morbus Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Typische Symptome sind Zittern (Tremor), verlangsamte Bewegungen und Haltungsinstabilität.
Symptome und Verlauf von Morbus Parkinson
In der Frühphase der Erkrankung können unspezifische Anzeichen wie Schlafstörungen, Verstopfungen und Geruchsstörungen auftreten. Auch ein fehlendes Mitschwingen des Armes beim Gehen oder eine leisere, monotonere Stimme können erste Symptome sein. Die Parkinson-Krankheit betrifft bestimmte Nervenzellen im Gehirn, insbesondere in der Substantia nigra im Hirnstamm. Dort kommt es zu Störungen der Energiesysteme der Mitochondrien, oxidativem Stress und Ablagerungen von fehlgefalteten Proteinen (alpha-Synuklein) in den Nervenzellen. Die Folge ist, dass die Nervenzellen ihre Funktion verlieren und absterben, was zu einem Mangel an Botenstoffen wie Dopamin führt, der für die Bewegung wichtig ist.
Die Krankheit bleibt oft über Jahrzehnte unbemerkt, da die Frühsymptome unspezifisch sind. Ein schlechter Geruchssinn bis hin zum Geruchsverlust und Depressionen können ebenfalls Hinweise sein, lange bevor die typischen motorischen Symptome auftreten. Als erstes spezifisches Symptom gilt eine REM-Schlafverhaltensstörung, bei der Betroffene sprechen, schreien oder sich ruckartig im Traum bewegen.
Ursachen und Risikofaktoren
Es gibt verschiedene Formen der Parkinson-Erkrankung. Nur bei etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle liegen vererbbare Genmutationen vor, die zu familiären Parkinson-Formen führen. Ob polygenetische Varianten das allgemeine Risiko erhöhen können, ist Gegenstand der Forschung. Umweltfaktoren wie Pestizide, Schwermetalle, Lösungsmittel und Feinstaub können ebenfalls toxisch auf Nervenzellen wirken. Es wird angenommen, dass bei einem Teil der Betroffenen zuerst eine Veränderung im Darm-Mikrobiom stattfindet, was die Zusammensetzung der Mikroorganismen ungünstig verändert. Am Ende gehen die Nervenzellen durch Ablagerung von falsch gefaltetem alpha-Synuklein zugrunde, das sowohl in der Haut als auch im Nervenwasser nachweisbar ist.
Aktuelle Diagnoseverfahren
Die Diagnose von Parkinson stützt sich bislang vor allem auf die klinischen Symptome der Patienten. Ein Artikel der Zeitung „Augsburger Allgemeine“ (online) beschreibt die Erprobung eines neuen Diagnoseverfahrens für Parkinson. Mit Hilfe eines experimentellen Diagnoseverfahrens kann eine Parkinsonerkrankung schon vor Ausbruch der typischen Symptome erkannt werden. Für das Diagnoseverfahren wird Liquorflüssigkeit entnommen - ein invasives Verfahren, dessen Risiken im Text nicht angesprochen werden.
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Es wird im journalistischen Text erklärt, dass mit Hilfe eines experimentellen Diagnoseverfahrens eine Parkinsonerkrankung schon vor Ausbruch der typischen Symptome erkannt werden kann, mit unterschiedlich hoher Wahrscheinlichkeit, je nach Patientengruppe. Allerdings wird dieser Nutzen nur unzureichend erklärt, die Spezifität und Sensitivität der neuen Methode werden als wesentliche Messgrößen nicht genannt, nur die Sensitivität indirekt in Zahlen dargelegt. Welchen medizinischen Nutzen Patienten von dieser Früherkennung haben könnten (außer dass die Erkrankung früher erkannt wird), wird dagegen nicht erläutert. Insbesondere, ob eine frühzeitige Behandlung möglich wäre, wird nicht erklärt.
Im begleitenden Kommentar des Fachmagazins wird erwähnt, dass eine Diagnosemöglichkeit anhand von Blutproben (statt bislang Liquorflüssigkeit) nötig wäre, um einen breiten Einsatz zu ermöglichen. Es wird lediglich erklärt, dass die Parkinson-Diagnose meist erst gestellt wird, wenn typische motorische Symptome auftreten. Ansonsten fehlen jegliche Informationen zur bislang eingesetzten Diagnostik, zu bildgebenden Verfahren zum Beispiel oder dem L-Dopa Test. Es wird auch nicht erwähnt, dass die Diagnose von Parkinson sich bislang vor allem auf die klinischen Symptome der Patienten stützt.
Neue Studie zu Diagnoseverfahren
Der Text in der „Augsburger Allgemeinen“ (online) nimmt eine neue Studie über ein mögliches neues Diagnoseverfahren bei Parkinson zum Anlass, über diese neurodegenerative Erkrankung zu berichten. Leider wird jedoch nicht erklärt, wie zuverlässig dieser Test funktioniert, Angaben zu Sensitivität und Spezifität fehlen weitgehend. Zudem wird nicht erwähnt, dass es in einer Patientengruppe große Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Sensitivität des Tests gab. Leider werden die Studienergebnisse auch nicht von unabhängigen Expertinnen oder Experten eingeordnet, auf mögliche Interessenkonflikte der Studienautor*innen wird nicht hingewiesen. Insgesamt geht der Beitrag nur wenig über die vorliegenden Pressemitteilungen hinaus.
Bei der Darstellung eines diagnostischen Tests ist es für die Leserinnen vor allem relevant, wie gut das Verfahren nachweist, was es nachweisen soll, in diesem Fall die Parkinson-Erkrankung. Und wie viele Menschen fälschlicherweise die Diagnose erhielten, obwohl sie gesund sind. Beides - die Sensitivität und Spezifität des Tests - wurde in der wissenschaftlichen Arbeit für verschiedene Untergruppen untersucht und in den Studienergebnissen ausführlich dargelegt. Im journalistischen Beitrag wird jedoch nur bruchstückhaft darüber berichtet: „Bei Personen ohne bekannte genetische Vorbelastung hatten 93 Prozent der Teilnehmenden ein positives αSyn-SAA-Ergebnis. Bei Personen mit Vorerkrankungen schwankten die positiven Testergebnisse dagegen zwischen 96 Prozent und 68 Prozent.“ Damit dürften die Leserinnen wenig anfangen können. Völlig unerwähnt bleibt im journalistischen Artikel, dass der Test auch dazu dienen kann, Untergruppen von Parkinson-Patienten genauer zu charakterisieren, für Studienzwecke und für die Entwicklung neuer Medikamente. Insgesam erhalten Leserinnen und Leser keine hinreichenden Informationen, um zu erfahren, wie aussagekräftig diese Studie ist.
Therapie und Lebenserwartung
Die Therapie sollte früh beginnen und besteht aus mehreren Bausteinen, um die Mobilität zu erhalten und die Symptome zu lindern. Körperliche Aktivität, regelmäßiger Kaffeekonsum und eine gesunde mediterrane Ernährung mit vielen Ballaststoffen und Polyphenolen können das Risiko für die Entstehung und das Fortschreiten von Parkinson senken. Umweltgifte wie Pestizide und organische Lösungsmittel können schädlich für die Nerven sein. Seit dem Frühjahr 2024 ist Parkinson für Pestizid-Einsetzende Personen in Deutschland auch als Berufserkrankung anerkannt.
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Parkinson ist keine akut lebensbedrohliche Erkrankung. Unter guter medikamentöser Therapie haben Betroffene eine in etwa normale Lebenserwartung. Viele werden allerdings innerhalb von 20 Jahren pflegebedürftig. Im Einzelfall können Schluckstörungen oder Stürze auch zu lebensverkürzenden Komplikationen führen. Manchmal kommt es zu einem kognitiven Abbau bis hin zur Demenz. Die Prognosen für den Verlauf unterscheiden sich je nach Unterform der Parkinson-Erkrankung.
Kritische Betrachtung der Berichterstattung
Für Leserinnen und Leser entsteht der Eindruck, dass es sich hier um ein völlig neues Verfahren der Parkinson-Diagnostik handelt, dass nun erstmals erprobt wurde. Tatsächlich gab es schon vorher kleinere Studien, die die verwendete „Alpha-Synuclein-Amplification“-Methode in verschiedenen Gruppen von Parkinson-Patienten erprobt haben (siehe Kasten im Fachartikel „Research in Context“). Die jetzt vorgelegte Fachpublikation im Journal „Lancet Neurology“ baut darauf auf und bezieht wesentlich mehr Probanden ein als frühere Studien.
Der Beitrag schildert ein in Entwicklung befindliches Diagnoseverfahren für Parkinson - ein Thema, das vor allem ältere Leserinnen interessieren dürfte. Schwierige Fachwörter („Alpha-Synuclein-Seed-Amplification-Assay (αSyn-SAA)“, „Alpha-Synuclein-Proteinaggregate“) dürften jedoch eher abschreckend wirken. Leider finden sich keine Zitate von Expertinnen, die den Text auflockern würden, ebenso wenig wie die Perspektive einer Patientin oder eines Patienten. Fachbegriffe werden erst spät im Text und leider nur unzureichend erklärt, auch die Basisinformationen zur Parkinson-Erkrankung finden sich erst am Ende des Artikels. Zwar werden die Symptome und der Verlauf der Erkrankung verständlich geschildert, doch bleibt letztendlich unklar, was genau der Test nachweisen kann und für welche Untergruppen. Es handelt sich um eine aktuelle Publikation in einer wichtigen Fachzeitschrift, über die zeitnah berichtet wird. Zudem ist Parkinson eine häufige und schwerwiegende Erkrankung.
Bedeutung der Parkinson-Erkrankung
Die Parkinson-Erkrankung wird nicht übertrieben dargestellt, eher im Gegenteil: Es wird im Artikel nicht deutlich, wie häufig das Leiden eigentlich ist. Parkinson stellt nach der Alzheimer-Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung dar und betrifft allein in Deutschland rund 400.000 Menschen. Da ab einem Alter von 70 Jahren 20 von 1000 Menschen betroffen sind, ist angesichts der Demografie von einer stetigen Zunahme auszugehen. Die Betroffenen können sich zum Teil nicht mehr allein versorgen, sind im Alltag sehr eingeschränkt.
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