Homöopathie bei einschießenden Nervenschmerzen

Nervenschmerzen, auch Neuralgien oder neuropathische Schmerzen genannt, können durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden und das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Homöopathische Arzneien bieten hier eine sanfte und wirksame Alternative oder Ergänzung zu herkömmlichen Medikamenten.

Ursachen und Arten von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören:

  • Post-Zoster-Neuralgie: Diese tritt als Folge einer Gürtelrose (Herpes zoster) auf, die durch das Windpockenvirus ausgelöst wird. Bei etwa 10 % der Patienten bleiben nach dem Abklingen der Gürtelrose starke, chronische Nervenschmerzen bestehen. Die Patienten leiden häufig unter brennenden Dauerschmerzen mit einschießenden, elektrisierenden Schmerzattacken, Missempfindungen und erhöhter Schmerzempfindlichkeit bei Berührung.
  • Polyneuropathie: Hierbei treten Nervenschmerzen durch eine Schädigung mehrerer peripherer Nerven auf. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich sein und reichen von Muskelschwäche und -lähmungen über Kribbeln, Taubheitsgefühl und brennende Schmerzen bis hin zu Gefühlsstörungen und Missempfindungen. Eine Polyneuropathie tritt häufig bei Diabetes mellitus und Alkoholismus auf, kann aber auch durch Chemotherapie oder Autoimmunerkrankungen verursacht werden.
  • Ischialgie: Ein wichtiger Teil der Neuralgie entsteht dort, wo aufgrund anatomischer Gegebenheiten Nervengewebe durch körperliche Belastungen oder Verschleißerscheinungen dauerhaft, wie zum Beispiel durch Druck, geschädigt wird. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die Ischialgie.
  • Trigeminusneuralgie: Auch bei der Trigeminusneuralgie wird solch eine Ursache vermutet.

Homöopathische Behandlung von Nervenschmerzen

Die Homöopathie betrachtet den Menschen als Ganzes und versucht, die Ursache der Beschwerden zu finden und zu behandeln. Bei Nervenschmerzen werden daher nicht nur die Schmerzen selbst behandelt, sondern auch die individuellen Begleitsymptome und die gesamte Konstitution des Patienten berücksichtigt.

Gnaphalium obtusifolium

Ein wichtiges homöopathisches Mittel bei Nervenschmerzen ist Gnaphalium obtusifolium, auch bekannt als vielköpfiges Ruhrkraut oder Wollkraut. Es wird hauptsächlich eingesetzt bei Patienten mit ausstrahlenden Ischiasbeschwerden, die sehr schmerzhaft sind und im Wechsel mit Taubheit auftreten. Weitere mögliche Symptome sind erschöpfender Morgendurchfall, Appetitlosigkeit und Reizbarkeit.

Wirkungsbereich: Gnaphalium wirkt hauptsächlich im Bereich der Nerven, insbesondere auf den Ischiasnerv, aber auch bei Entzündungen des Trigeminusnervs im Gesicht oder bei Problemen des Femoralisnervs.

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Leitsymptome und Modalitäten:

  • Starke Ischiasschmerzen im Wechsel mit Taubheit des betroffenen Körperteils
  • Schmerz strahlt vom Hüftgelenk auf der Rückseite des Oberschenkels zum Fuß hinunter
  • Verschlechterung durch Bewegen, Auftreten und Liegen
  • Besserung im Sitzen oder mit hochgezogenen Beinen
  • Völlegefühl in Stirn und Schläfen, der Blase selbst nach Leerung, bei Frauen im Becken
  • Allgemeine Verschlechterung bestehender Symptome am Morgen

Weitere wichtige homöopathische Mittel bei Nervenschmerzen

Neben Gnaphalium gibt es noch weitere homöopathische Mittel, die bei Nervenschmerzen in Frage kommen können. Die Wahl des geeigneten Mittels richtet sich nach den individuellen Symptomen des Patienten.

  • Colocynthis: Bei blitzartig einschießenden, stechenden Schmerzen, die sich durch Anziehen der Beine bessern. Verschlimmerung der Beschwerden durch Ärger, Beleidigungen oder Zorn ausgelöst werden. Der Schneidermeister Böck in Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ zeigt bildhaft-eindrücklich die typischen Symptome und Modalitäten, die für einen Einsatz von Colocynthis als homöopathisches Mittel sprechen. Während Liegen bei Gnaphalium den Nervenschmerz verschlechtert, verbessert Liegen auf dem schmerzhaften Körperteil bei Colocynthis den Schmerz.
  • Rhus toxicodendron: Bei Ischiasbeschwerden, die sich durch Bewegung bessern. Im Gegensatz zu Gnaphalium wird der Schmerz aber besser durch Bewegung. Beide Mittel haben eine Verschlechterung im Liegen. Rhus toxicodendron (Giftsumach) wird ebenfalls bei Schmerzen auch in Folge von Überanstrengung, Verletzungen sowie Kälte eingesetzt.
  • Pulsatilla: Bei Nervenentzündungen mit Taubheitsgefühlen und reißenden Schmerzen, die sich durch leichte Bewegung bessern. Genauso wie Gnaphalium kann Pulsatilla Taubheitsgefühle und reißenden Schmerz hervorrufen und heilen, im Unterschied zu Gnaphalium kommt es aber bei Pulsatilla zu einer Verbesserung des Schmerzes durch leichte Bewegung. Im Unterschied zu Rhus tox hilft Wärme bei Pulsatilla nicht sondern verschlechtert den Schmerz.
  • Nux vomica: Bei Taubheitsgefühlen, Kraftverlust und Krämpfen, begleitet von Reizbarkeit. Bei Nux Vomica kann es wie bei Gnaphalium zu Taubheitsgefühlen, Kraftverlust und Krämpfen kommen. Der Patient kann bei beiden Mittel reizbar sein.
  • Bryonia: Bei Ischiasbeschwerden, die sich durch Bewegung verschlechtern und durch Anziehen des Knies bessern. Die Patienten sind übellaunig und sorgenvoll über ihre Zukunft. Bei Bryonia kommt es im Liegen allerdings zu einer Verbesserung, vor allem beim Liegen auf der schmerzhaften Seite, während bei Gnaphalium das Liegen selbst die Nervenschmerzen verschlechtert.
  • Apis mellifica: Stechende Schmerzen, Schwellungen und Wärmeempfindlichkeit.

Begleitende Maßnahmen

Zusätzlich zur homöopathischen Behandlung können folgende Maßnahmen helfen, Nervenschmerzen zu lindern:

  • Vermeidung von auslösenden Faktoren: Es ist wichtig, auslösende und belastende Faktoren bei Neuralgien zu erkennen und zu meiden.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können zur Verringerung der Schmerzintensität beitragen.
  • Physikalische Therapie: In manchen Fällen ist Bettruhe unabdingbar. Einen breiten Raum in der Behandlung gegen Neuralgien nehmen die physikalischen Heilmethoden ein.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Gesundheit der Nerven. Insbesondere Vitamin B1 ist für das Nervensystem von großer Bedeutung.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung, eine rückengerechte Körperhaltung, die Vermeidung von Übergewicht sowie eine ausreichende Zufuhr an Mineralien und Vitamin D sind entscheidend, um die Gesundheit der Knochen und der Wirbelsäule zu erhalten.

Wichtige Hinweise zur Einnahme homöopathischer Mittel

  • Homöopathische Mittel sind aufgrund ihrer guten Verträglichkeit und der ausbleibenden Nebenwirkungen für alle Altersklassen, Stillende und Schwangere geeignet.
  • Für die Selbstbehandlung empfohlen werden meist die Potenzen D6 - D12.
  • Es darf niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abgesetzt und/oder durch ein Homöopathikum ersetzt werden.
  • Unabhängig von der Art der Darreichungsform (Globuli, Tablette oder Tropfen) sind Homöopathika empfindliche Stoffe, deren Wirksamkeit durch äußere Reize möglicherweise beeinflusst werden können.
  • Die Globuli werden dem Säugling und Baby einfach in die Wangentasche gelegt. Tropfen (Dilution) werden immer in Wasser gelöst. Sie können auf einem Plastiklöffel gegeben werden oder mit einer Pipette -die in jeder Apotheke zu kaufen gibt- in den Mund getropft werden. Praktisch ist es auch, den Schnuller in die wässrige Arzneilösung zu tunken und dem Säugling zu geben. Die Globuli auf einen Plastiklöffel geben und langsam im Mund zergehen lassen. Tropfen ebenfalls mit einem Plastiklöffel einnehmen. Tabletten können in die Wangentasche gelegt werden, wo sie sich auflösen.
  • Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Beschwerdebild. In der Regel werden homöopathische Arzneien nur solange eingenommen, bis die Beschwerden geheilt sind oder deutlich besser werden.
  • Zu beachten ist es, dass die Einnahmehäufigkeit variieren kann. Oftmals gehen die Empfehlungen dahin, akuten Beschwerden mit häufigen Einnahmen zu begegnen und die Abstände mit Besserung der Beschwerden zu verlängern.

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