Kaffee und insbesondere Espresso sind beliebte Getränke, die für ihre anregende Wirkung geschätzt werden. Koffein, der Hauptwirkstoff im Kaffee, hat vielfältige Auswirkungen auf den Körper, sowohl positive als auch negative. Im Zusammenhang mit Migräne kann Koffein jedoch eine komplexe Rolle spielen, die es zu verstehen gilt.
Die physiologischen Wirkungen von Koffein
Koffein beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen. Es beschleunigt die Herztätigkeit, den Stoffwechsel und die Atmung, was zu einem leichten Anstieg von Blutdruck und Körpertemperatur führt. Kurzfristig kann Koffein die Wachheit und Leistungsfähigkeit steigern. Es wirkt, indem es an Adenosin-Rezeptoren im Gehirn bindet und diese blockiert, was die Aufmerksamkeit erhöht.
Allerdings hat Koffein auch einen diuretischen Effekt und kann bei übermäßigem Konsum zu Angst, Unruhe, Nervosität, Gereiztheit und Schlaflosigkeit führen. Bei manchen Menschen kann Koffeinkonsum nach einer bestimmten Uhrzeit das Schlafverhalten negativ beeinflussen.
Koffein als Medikament und möglicher Auslöser von Kopfschmerzen
In der Behandlung von Migräneattacken werden häufig koffeinhaltige Medikamente eingesetzt, da sie die Wirkung anderer Schmerzmittel verbessern können. Andererseits ist bekannt, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr Kopfschmerzen verursachen kann, insbesondere bei Migränepatienten. Dieser sogenannte Koffein-Entzugs-Kopfschmerz tritt auf, wenn die regelmäßige Aufnahme von mindestens 200 mg Koffein pro Tag über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen unterbrochen wird.
Interessanterweise sehen etwa 6 bis 14 % der Migränepatienten koffeinhaltige Getränke als Auslöser für ihre Migräneattacken an. Die Beziehung zwischen Migräne und Koffeinkonsum ist jedoch komplex und nicht vollständig geklärt. Während einige Studien einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Koffeinkonsum und einer höheren Prävalenz von Kopfschmerzen, Migräne und chronischen Kopfschmerzen festgestellt haben, konnten andere Studien diesen Zusammenhang nicht bestätigen.
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Espresso und Cholesterin
Espresso, insbesondere bei einem Konsum von 3 bis 5 Tassen täglich, kann den Gesamtcholesterinspiegel signifikant erhöhen. Dies wurde in Studien im Vergleich zu Nicht-Espresso-Trinkern festgestellt. Auch Kaffee, der mit einer kleinen Pressstempelkanne zubereitet wird (<6 Tassen täglich) sowie Filterkaffee (>6 Tassen täglich) können zu ähnlichen Ergebnissen führen.
Die Dosis macht das Gift
Wie bei vielen Substanzen ist die Wirkung von Koffein dosisabhängig. Ein moderater Konsum von 2 bis 5 Tassen Kaffee täglich kann sich langfristig sogar positiv auf die Sterblichkeit auswirken. Wissenschaftler empfehlen eine maximale Aufnahme von etwa 400 mg Koffein täglich. Für Schwangere und stillende Frauen liegt die Tagesobergrenze bei 200 mg.
Es ist wichtig zu beachten, dass Koffein nicht nur in Kaffee enthalten ist. Auch Cola, Energy-Drinks und Schokolade tragen zur Koffeinaufnahme bei. Ein Energy-Drink kann beispielsweise bis zu 80 mg Koffein pro 250 ml enthalten, während Vollmilchschokolade etwa 20 mg und Halbbitterschokolade 75 mg Koffein pro 100 g enthalten.
Migräne verstehen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch starke, meist einseitige Kopfschmerzen auszeichnet, die von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein können. Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz; sie kann den gesamten Körper beeinträchtigen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken.
Es ist wichtig zu betonen, dass Migräne eine eigenständige primäre Erkrankung ist und nicht das Symptom einer anderen Erkrankung. Betroffene sind weder arbeitsunwillig noch psychisch krank.
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Was tun bei Migräne?
Die Behandlung von Migräne kann vielfältig sein und reicht von Medikamenten bis hin zu nicht-medikamentösen Maßnahmen. Während einer akuten Attacke kann es hilfreich sein, sich in einem dunklen, ruhigen Raum auszuruhen und kalte Kompressen auf die Stirn zu legen. Einige Menschen finden auch Linderung durch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training.
Bei chronischen Schmerzen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um eine geeignete Therapie zu finden. Es gibt kein Patentrezept gegen Migräne, da die Ursachen und Auslöser für Kopfschmerzen vielfältig sind und jeder Mensch anders auf verschiedene Behandlungen reagiert.
Weitere Auswirkungen von Kaffee und Koffein auf die Gesundheit
Neben den Auswirkungen auf Migräne und Cholesterinspiegel gibt es weitere Aspekte, die im Zusammenhang mit Kaffeekonsum und Gesundheit zu beachten sind:
- Gallensteine: Regelmäßiger Kaffeekonsum kann das Risiko für Gallensteine reduzieren. Studien haben gezeigt, dass der Konsum von zwei oder mehr Tassen Kaffee am Tag das Gallensteinrisiko bei Männern um 40 bis 45 % und bei Frauen um 22 bis 28 % senken kann.
- Nierensteine: Hohe Mengen Kaffee können aufgrund des hohen Oxalsäuregehalts bei veranlagten Menschen die Bildung von Nierensteinen fördern. Die aktuelle Leitlinie zu Urolithiasis empfiehlt daher die begrenzte Aufnahme von Kaffee.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Der Konsum von bis zu 6 Tassen Kaffee täglich wirkt sich nachweislich nicht negativ auf bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Studien haben sogar gezeigt, dass drei Tassen Kaffee pro Tag vor Schlaganfall schützen können.
- Gicht: Kaffee, sowohl in herkömmlicher als auch in entkoffeinierter Form, kann den Harnsäurespiegel senken und das Gichtrisiko vermindern.
- Krebs: Das Risiko für Krebserkrankungen wird durch den Konsum von Kaffee nicht erhöht. Studien haben gezeigt, dass das Trinken von mindestens 2 Kaffeetassen täglich bei Nichtrauchern das Risiko für Nierenzellkarzinome um bis zu 20 % reduzieren kann.
- Kalzium: Kaffee kann in hohen Mengen die Kalziumausscheidung erhöhen. Ein negativer Einfluss ist jedoch nur bei einer gleichzeitig schlechten Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Vitamin K sowie beim Vorliegen weiterer Risikofaktoren zu erwarten.
- Eisen und Zink: Kaffee hemmt tendenziell die Aufnahme von Eisen und Zink in den Körper. Die enthaltenen Gerbstoffe können mit Kalzium Komplexe bilden und so auch die Resorption von Kalzium vermindern.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Koffein kann die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen. Zum einen kann das arrhythmogene Potenzial von Antiarrhythmika durch Koffein verstärkt werden, während die Wirksamkeit von Antidepressiva gedämpft wird. Auch die Aufnahme von Bisphosphonaten kann durch Komplexbildung beeinträchtigt sein.
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