Ein subdurales Hämatom (SDH) ist eine Blutansammlung zwischen der Dura mater (harte Hirnhaut) und der Arachnoidea (Spinnwebenhaut) des Gehirns. Es kann in akuter Form nach einem schweren Trauma oder in chronischer Form nach leichten Verletzungen oder sogar spontan auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Risikofaktoren, Diagnose und Behandlung des subduralen Hämatoms, um ein umfassendes Verständnis dieser potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung zu ermöglichen.
Einführung in das Subdurale Hämatom
Ein subdurales Hämatom (SDH) ist eine Blutung, die sich im Subduralraum zwischen der Dura mater und der Arachnoidea befindet. Normalerweise enthält dieser Raum nur eine geringe Menge Liquor cerebrospinalis und dient als mechanischer Schutz des Gehirns. Subdurale Hämatome entstehen meist durch das Reißen von Brückenvenen, die durch diesen Raum verlaufen. Je nach zeitlichem Verlauf unterscheidet man zwischen akuten und chronischen subduralen Hämatomen.
Akutes Subdurales Hämatom
Das akute Subduralhämatom entsteht meist im Rahmen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas, beispielsweise durch einen Autounfall. Die plötzliche Blutung führt zu einer schnellen Verdrängung und Kompression des Gehirns, was eine sofortige Behandlung erforderlich macht. Patienten mit einem akuten SDH zeigen oft schwere neurologische Ausfälle bis hin zur Bewusstlosigkeit, und es können zusätzliche Blutungen im Gehirn auftreten.
Ursachen des akuten Subduralhämatoms
Ein Schädel-Hirn-Trauma ist die häufigste Ursache für ein akutes SDH. Dies kann durch Verkehrsunfälle, Stürze aus großer Höhe oder direkte Schläge auf den Kopf verursacht werden.
Symptome des akuten Subduralhämatoms
Die Symptome eines akuten SDH treten in der Regel unmittelbar nach dem Trauma auf und können umfassen:
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- Bewusstseinsverlust
- Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Sprach- und Sprechstörungen
- Lähmungen
- Pupillenerweiterung
Diagnose und Behandlung des akuten Subduralhämatoms
Die Diagnose eines akuten SDH erfolgt in der Regel durch eine Computertomografie (CT) des Kopfes. Die Behandlung zielt darauf ab, den Druck auf das Gehirn zu verringern und weitere Schäden zu verhindern. Dies erfordert oft eine Notoperation, bei der das Blut entfernt und der intrakranielle Druck gesenkt wird.
Chronisches Subdurales Hämatom (cSDH)
Im Gegensatz zum akuten SDH entwickelt sich das chronische subdurale Hämatom (cSDH) langsam über Wochen und Monate. Es betrifft in der Regel ältere Patienten, bei denen ein leichtes Trauma, wie ein Kopfanstoßen oder ein Sturz, zum Einreißen von Brückenvenen und einer langsamen Einblutung in den Subduralraum führt.
Ursachen des chronischen Subduralhämatoms
- Bagatelltrauma: Ein leichtes Trauma, wie ein Sturz oder ein Anstoßen des Kopfes, ist die häufigste Ursache. Oft können sich die Betroffenen nicht mehr an das auslösende Ereignis erinnern.
- Alter: Ältere Menschen haben aufgrund von Hirnatrophie ein erhöhtes Risiko für cSDH. Die Hirnschrumpfung führt zu einer Vergrößerung des Subduralraums und einer erhöhten Anfälligkeit für das Reißen von Brückenvenen.
- Gerinnungsstörungen: Die Einnahme von Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern erhöht das Risiko für die Entwicklung eines cSDH.
- Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann ebenfalls zu Hirnatrophie führen und das Risiko für cSDH erhöhen.
Risikofaktoren für ein chronisches Subduralhämatom
- Hohes Alter
- Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzien)
- Chronischer Alkoholkonsum
- Hirnatrophie
- Gerinnungsstörungen
- Erhöhtes Sturzrisiko
- Epilepsie
- Demenz
Symptome des chronischen Subduralhämatoms
Die Symptome eines cSDH entwickeln sich oft schleichend und können vielfältig sein. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsschwäche
- Müdigkeit
- Schwindel
- Übelkeit
- Verwirrtheit
- Gedächtnisstörungen
- Sprachstörungen
- Lähmungen
- Wesensveränderungen
- Rasche Zunahme von Demenzsymptomen
- Gangunsicherheit
Diagnose des chronischen Subduralhämatoms
Die Diagnose eines cSDH erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren, insbesondere durch eine Computertomografie (CT) des Kopfes. Das CT ermöglicht eine schnelle und genaue Darstellung des Hämatoms sowie eine Beurteilung der Größe, Lage und möglichen Auswirkungen auf das Gehirn. In unklaren Fällen oder zur Beurteilung von Begleitverletzungen kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden.
Behandlung des chronischen Subduralhämatoms
Die Behandlung eines cSDH richtet sich nach der Größe der Blutansammlung, der Symptomatik und den individuellen Risikofaktoren des Patienten. Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen:
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- Konservative Therapie: Bei kleinen, asymptomatischen Hämatomen kann eine abwartende Haltung mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ausreichend sein.
- Operative Therapie: Bei größeren Hämatomen oder bei Vorliegen von neurologischen Symptomen ist in der Regel eine Operation erforderlich. Die häufigste operative Methode ist die Bohrlochtrepanation, bei der ein oder mehrere kleine Löcher in den Schädel gebohrt werden, um das Hämatom abzusaugen. In einigen Fällen kann auch eine Minikraniotomie erforderlich sein, bei der ein kleines Stück des Schädels entfernt wird, um einen besseren Zugang zum Hämatom zu ermöglichen.
- Medikamentöse Therapie: In bestimmten Fällen kann eine medikamentöse Therapie mit Kortikosteroiden oder Tranexamsäure in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn eine Operation nicht möglich ist oder vom Patienten abgelehnt wird.
- Embolisation der A. meningea media: Dieses endovaskuläre Verfahren zielt darauf ab, die Blutversorgung der Membran, die das Hämatom umgibt, zu unterbrechen, um so die Resorption des Hämatoms zu fördern.
Prognose des chronischen Subduralhämatoms
Die Prognose eines cSDH ist in der Regel gut, insbesondere wenn das Hämatom frühzeitig erkannt und behandelt wird. Die meisten Patienten erholen sich nach der Behandlung vollständig oder haben nur geringe bleibende Schäden. Allerdings kann es in einigen Fällen zu Rezidivblutungen kommen, die eine erneute Behandlung erforderlich machen.
Präventive Maßnahmen zur Vermeidung eines chronischen Subduralhämatoms
Obwohl nicht alle Fälle von cSDH vermeidbar sind, gibt es präventive Maßnahmen, die das Risiko für die Entwicklung eines cSDH reduzieren können:
- Sturzprophylaxe: Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen, insbesondere bei älteren Menschen, sind von großer Bedeutung. Dazu gehören die Beseitigung von Stolperfallen in der Wohnung, die Verwendung von Gehhilfen und die Durchführung von Gleichgewichtsübungen.
- Medikamentenmanagement: Bei Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten sollten regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden, um die Dosierung anzupassen und Blutungen zu vermeiden.
- Alkoholkonsum einschränken: Ein maßvoller Alkoholkonsum oder der Verzicht auf Alkohol kann das Risiko für Hirnatrophie und cSDH reduzieren.
- Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Blutdruckmessungen und die Behandlung von Bluthochdruck können Gefäßschäden vorbeugen und das Risiko für cSDH verringern.
- Blutzuckermanagement: Bei Diabetikern ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig, um Gefäßschäden zu vermeiden.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen, kann zur Gesundheit der Blutgefäße beitragen.
- Regelmäßige Check-ups: Die Teilnahme an medizinischen Vorsorgeuntersuchungen kann helfen, potenzielle Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Differenzialdiagnosen
Es ist wichtig, ein subdurales Hämatom von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden. Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:
- Epiduralhämatom
- Subarachnoidalblutung
- Intrazerebrale Blutung
- Ischämischer Schlaganfall
- Hirntumor
- Meningitis
- Enzephalitis
Spezielle Ursachen für Subdurale Hämatome
- Arterielle Hypertonie: Kann zu Gefäßschäden und damit zu einem erhöhten Risiko für das Auftreten eines cSDH beitragen.
- Zerebrale Amyloidangiopathie: Diese Erkrankung der kleinen Hirngefäße kann zu isolierten nichttraumatischen subduralen Blutungen führen.
- Karotis-/Zerebralarteriendissektion: Eine Aufspaltung der Wandschichten der Karotis- oder Zerebralarterien kann zu hämorrhagischen Komplikationen wie einem SDH führen.
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