Schulterschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Ob ein unangenehmes Ziehen am Morgen oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen - die Schulter ist als beweglichstes Gelenk anfällig für Beschwerden. Bewegungsmangel, Fehlhaltungen und muskuläre Dysbalancen können Auslöser sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Schulterschmerzen und stellt die Liebscher & Bracht Übungen als eine Möglichkeit zur Selbsthilfe vor.
Die komplexe Anatomie der Schulter
Die Schulter zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität aus, die hauptsächlich durch Muskeln stabilisiert wird. Im Gegensatz zu anderen Gelenken ist die Schulter weitgehend unabhängig vom knöchernen Skelett, was eine gesunde Muskulatur unerlässlich macht. Einseitige Bewegungen im Sport oder Alltag sowie langes Sitzen können zu Schulterbeschwerden führen. Mehr als 25 % der Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens unter behandlungsbedürftigen Schulterproblemen.
Das Kugelgelenk
Das Hauptgelenk der Schulter ist das Kugelgelenk, das den Oberarmknochen (Humerus) mit dem Schulterblatt (Scapula) verbindet. Der Kopf des Oberarmknochens hat in der Gelenkpfanne viel Spielraum, was maximale Bewegungsfreiheit ermöglicht, aber auch wenig Halt bietet. Das Schulterblatt ist nicht direkt mit der Wirbelsäule oder den Rippen verbunden, sondern liegt locker auf den Rippenbögen.
Stabilisierung durch Muskeln
Die Schultergelenke werden fast ausschließlich durch Muskeln stabilisiert und geführt, die das Abspreizen, Anziehen und Rotieren der Arme ermöglichen. Die Rotatorenmanschette, eine „Sehnen-Kappe“ aus vier Muskeln, zentriert und stabilisiert den Oberarmkopf in der Schulterpfanne.
Häufige Ursachen von Schulterschmerzen
Die Funktionsfähigkeit der Schulter hängt stark von der Gesundheit der umgebenden Muskulatur ab. Viele Schulterbeschwerden lassen sich auf muskuläre Ursachen im Bereich der Rotatorenmanschette zurückführen.
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Impingement-Syndrom
Das Impingement-Syndrom, auch Einklemmungs-Syndrom genannt, ist eine häufige Ursache für Schulterschmerzen. Es entsteht durch eine Engstelle zwischen dem Schulterdach und dem Kopf des Oberarmknochens (Subacromialraum). Bei einer gestörten Balance des Schultergelenks stößt der Gelenkkopf gegen das Schulterdach, was zur Einklemmung von Strukturen führt.
Kalkschulter (Tendinosis calcarea)
Bei der Kalkschulter lagern sich Kalksalze in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab, meist in der Supraspinatussehne. Die Beschwerden ähneln denen des Impingement-Syndroms, wobei Mediziner einen anderen Entstehungsmechanismus vermuten, bei dem sich Kalkherde im Gewebe der Schultersehnen bilden. Die Schmerzen können unterschiedlich stark sein und sowohl bei Belastung als auch nachts auftreten.
Sehnenruptur
Durch Überlastung oder Verschleiß können die Sehnen der Rotatorenmanschette einreißen oder komplett durchreißen. Dies ist insbesondere bei einem fortgeschrittenen Impingement-Syndrom möglich.
Schultersteife (Frozen Shoulder)
Bei der Schultersteife ist die Gelenkkapsel verdickt, verhärtet und entzündet, was zu einer Bewegungseinschränkung und Schonhaltung führt. Die Schultersteife heilt oft von selbst aus, kann aber 3 bis 12 Monate pro Phase dauern. Die genaue Ursache ist noch nicht eindeutig geklärt.
Arthrose
Arthrose kann sowohl das Hauptschultergelenk als auch das AC-Gelenk betreffen. Die Omarthrose, der Knorpelschwund im Hauptgelenk, führt zu Schmerzen im vorderen, oberen Schulterbereich, die bei Belastung und beim Liegen auf der Schulter auftreten.
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Verletzungen
Verletzungen des Knochens oder des Gelenks, meist durch Unfälle oder Sport, können ebenfalls Schulterschmerzen verursachen. Dazu gehören das Ausrenken des Oberarmknochens aus der Gelenkpfanne und die Sprengung des Schultereckgelenks.
Der Einfluss von Muskeln und Faszien
Überspannte Muskeln und Faszien rund um die Schultergelenke stehen oft in Verbindung mit Schulterschmerzen. Bewegungsmuster, die bestimmte Bewegungswinkel im Schultergelenk kaum nutzen, können zu einer „hyperkyphotischen Fehlhaltung der BWS“ führen, die Schulter-Nacken-Schmerzen und das Impingement-Syndrom begünstigt. Studien belegen den Zusammenhang zwischen schlaffer Sitzposition und eingeschränkter Mobilität des Schultergelenks.
Vorbeugung und Behandlung von Schulterschmerzen
Um Schulterschmerzen vorzubeugen oder abzubauen, ist eine Kombination verschiedener Ansätze wichtig. Eine gründliche Diagnose ist der erste Schritt, gefolgt von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
Liebscher & Bracht: Ein ganzheitlicher Ansatz
Der Ansatz von Liebscher & Bracht zielt darauf ab, die Ursachen von Schulterschmerzen direkt zu behandeln, anstatt nur die Symptome zu lindern. Da viele Beschwerden auf Störungen im muskulär-faszialen Netzwerk zurückzuführen sind, setzt die Behandlung genau dort an.
Osteopressur
Die Osteopressur nach Liebscher & Bracht wurde entwickelt, um muskulär-fasziale Spannungen abzubauen und Schmerzen schnell zu beheben. Dabei werden Rezeptoren in der Knochenhaut durch Druck von außen stimuliert, was zur Irritation der Rezeptoren führt.
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Liebscher & Bracht Übungen
Die Liebscher & Bracht Übungen zielen darauf ab, die Muskulatur rund um das Hauptgelenk der Schulter flexibler zu machen, sodass der Kopf des Oberarmknochens wieder in seine vorgesehene Position wandern kann. Muskeln und Faszien können ihn dann leichter in der Gelenkpfanne halten, wodurch neuer Raum zwischen Schulterdach und Gelenkkopf entsteht und sich die Sehnen regenerieren können. Regelmäßige Übungen sind entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Beispiele für Liebscher & Bracht Übungen
- Dehnung in der Seitlage: Hand auf den Boden aufstellen, Knie im 90-Grad-Winkel zur Hüfte anziehen und sich mit der Hand in Richtung der schmerzenden Schulter hochdrücken.
- Vierfüßlerstand-Dehnung: Hände deutlich über Schulterbreite nach außen nehmen und für 2 bis 2,5 Minuten in der Dehnung bleiben.
- Gesäßwippen: Langsam mit dem Gesäß nach vorne kommen und abwechselnd mit den Beinen nach links und rechts wippen, um das Gewebe aufzudehnen.
Faszien-Rollmassagen
Faszien-Rollmassagen bieten eine zusätzliche Möglichkeit, Verspannungen an Oberarm, Schulter und Nacken zu lösen und Stoffwechselprodukte zu verschieben.
Medikamentöse Behandlung
Bei starken Schulterschmerzen werden oft Medikamente wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verschrieben. In manchen Fällen werden auch Analgetika oder Steroide eingesetzt, um die Schmerzen kurzfristig zu lindern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Schmerzmittel keine dauerhafte Lösung darstellen und Nebenwirkungen haben können.
Weitere Therapieansätze
- Stoßwellentherapie (ESWL): Hierbei sollen hochenergetische Stoßwellen das Kalkdepot zertrümmern oder die Durchblutung und den Stoffwechsel im erkrankten Gewebe anregen. Die Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht vollständig belegt.
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei chronischen Schulterbeschwerden besser helfen kann als Medikamente, Stoßwellen oder Physiotherapie.
- Operationen: In manchen Fällen, wie beim Impingement-Syndrom, der Frozen Shoulder oder der Kalkschulter, können operative Eingriffe notwendig sein.
Das Schulter-Arm-Syndrom
Das Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialgie) ist ein Symptomkomplex, der Schmerzen in Nacken, Schultern und Armen umfasst.
Ursachen des Schulter-Arm-Syndroms
Muskuläre Dysbalancen, erhöhte Spannungen im Bindegewebe und Fehlhaltungen können zu einer schmerzhaften Engstelle in der Schulter (Impingement) oder einer Entzündung führen. Auch andere Erkrankungen wie Diabetes Mellitus können eine Frozen Shoulder begünstigen. Oftmals sind muskulär-fasziale Probleme an der Halswirbelsäule die Hauptursache.
Behandlung des Schulter-Arm-Syndroms
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann konservative Methoden wie Dehnübungen, Massagen und Wärmebehandlungen umfassen. In seltenen Fällen sind Operationen erforderlich.
Liebscher & Bracht Übungen für das Schulter-Arm-Syndrom
Die Liebscher & Bracht Übungen können helfen, muskuläre Spannungen zu normalisieren und die Beweglichkeit der Schulter zu verbessern.
Beispielübung:
- Dicht vor eine Wand stellen, rechte Schulter hat direkten Kontakt zur Wand.
- Oberkörper langsam nach links drehen, um eine Dehnung in der rechten Schulter zu erzeugen.
- Rechten Arm 10 Sekunden lang mit voller Kraft gegen die Wand drücken.
- Vorstellen, den rechten Arm von der Wand zu lösen.
- Übung mit dem Arm oberhalb der Schulterhöhe wiederholen.
Der Schmerzfrei-Drücker
Mit dem Schmerzfrei-Drücker können bestimmte Punkte am Oberkörper gedrückt werden, um Muskeln und Faszien zu entspannen.
RSI-Syndrom (Mausarm)
Das RSI-Syndrom, auch bekannt als „Mausarm“ oder „Maushand“, ist ein Sammelbegriff für berufsbedingte Beschwerden und Schmerzen in den oberen Extremitäten, die durch wiederholte Belastungen entstehen.
Ursachen des RSI-Syndroms
Einseitige Belastungen durch Mausklicks und Tastaturanschläge, schlechte Sitzhaltung und Stress können zu Muskelverspannungen, Mikro-Verletzungen und Entzündungen führen.
Prävention und Behandlung des RSI-Syndroms
Ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes, motorisches Training und psychotherapeutische Behandlung können helfen, das RSI-Syndrom zu lindern.
Liebscher & Bracht Übungen für den Mausarm
Dehnübungen und Faszien-Rollmassagen können das muskulär-fasziale Gewebe wieder elastischer machen.
Beispielübung:
- Hand auf der Tischplatte ablegen, Fingerspitzen zeigen in Richtung des Beines.
- Immer weiter nach hinten bewegen, wobei die Handwurzel auf der Tischplatte verharrt.
Schulterschmerzen im Alltag
Schulterschmerzen sind oft das Ergebnis alltäglicher Bewegungsmuster, insbesondere des stundenlangen Sitzens vor dem Computer in einer immer gleichen Haltung.
Vorbeugung durch Bewegung
Gezielte Dehnübungen und das Ausschöpfen des vollen Bewegungspotenzials der Schultergelenke können helfen, Schulterschmerzen vorzubeugen.
Liebscher & Bracht Übungen für den Alltag
Die Liebscher & Bracht Übungen können die Schultermuskulatur und Faszien auf Länge bringen und die Flexibilität der Gelenke wiederherstellen.
Beispielübung:
- In eine Raumecke stellen und die Arme etwa 45 Grad nach oben heben.
- Handflächen jeweils links und rechts an der Wand abstützen.
- Brustbein in die Höhe strecken und für etwa eine Minute tief in die Dehnung der Brustmuskulatur hineinfallen.