Nervenschmerzen im Arm können den Alltag erheblich beeinträchtigen und auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Unbehandelt können sie chronisch werden. Die Frankfurter Spezialisten von Lumedis bieten eine umfassende Diagnostik und individuell angepasste konservative Therapie an. Dr. Bela Braag, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie bei Lumedis, hat diesen Artikel aktualisiert.
Was sind Nervenschmerzen im Arm?
Nervenschmerzen betreffen besonders den Oberarm, seltener den Unterarm, wobei der rechte und linke Arm gleichermaßen betroffen sein können. Sie sind meist extremer und durchdringender als reine Muskel- oder Bindegewebsschmerzen und werden von den meisten Patienten als kaum aushaltbar geschildert. Je nachdem, welcher Nerv betroffen ist, können die Schmerzen mehr die Kleinfingerseite oder die Daumenseite der Hand betreffen, oft aber auch die ganze Hand.
Ursachen von Nervenschmerzen im Arm
Grundsätzlich lassen sich Nervenschmerzen im Arm in verschiedene Kategorien unterteilen:
- Überlastung: Überlastungen können Nerven im Bereich der Arme oder der Wirbelsäule reizen und neuropathische Schmerzen verursachen.
- Fehlbelastung: Auch Fehlbelastungen können zu Nervenreizungen und Schmerzen im Arm führen. Oft bleiben Fehlbelastungen lange unbemerkt, bevor plötzlich Beschwerden auftreten.
- Nervenkompressionssyndrome: Bekannte Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom (Kompression des Medianusnervs am Handgelenk) und das Kubitaltunnelsyndrom (Einengung des Ulnarnervs am Ellenbogen).
- Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule: Wenn ein Bandscheibenvorfall auf Nervenwurzeln in der Halswirbelsäule drückt, können ausstrahlende Schmerzen und Taubheitsgefühle entlang des Arms auftreten, oft bis in die Finger.
- Engpasssyndrome: Strukturelle Engpässe, wie beim Thoracic-Outlet-Syndrom, können ebenfalls zu Nervenschmerzen im Arm führen. Hierbei werden Nerven oder Blutgefäße im Bereich des oberen Brustkorbs eingeengt. Als Ursache wird vermutet, dass der Abstand zwischen Brustbein und der ersten Rippe zu klein ist.
- Stoffwechselbedingte Ursachen: Stoffwechselstörungen, insbesondere ein schlecht eingestellter Diabetes Mellitus, können Nervenschmerzen am Arm verursachen.
- Toxische oder medikamenteninduzierte Neuropathie: Einige Medikamente und toxische Substanzen können Nervenschäden verursachen.
- Verletzungen oder Traumata: Direkte Traumata, wie Frakturen oder Prellungen, können Nervenschäden verursachen, wenn Nerven durch Knochenfragmente oder Schwellungen unter Druck geraten.
- Polyneuropathien: Hierbei handelt es sich um Nervenreizungen oder -schädigungen, die Schmerzen verursachen können. Am häufigsten sind die Beine oder Füße betroffen, seltener die Arme. Die Ursache ist in vielen Fällen unbekannt.
- Zervikale Radikulopathien: Reizungen der Nervenwurzeln, die aus der Halswirbelsäule herausragen, können ebenfalls Armschmerzen verursachen. Gründe dafür können Bandscheibenvorfälle, Gleitwirbel sowie degenerative Veränderungen der Wirbelsäule sein.
- Vitaminmängel: Bestimmte Vitaminmängel, insbesondere ein Vitamin-B12-Mangel, können zu neuropathischen Schmerzen führen. Aber auch andere Vitamine aus dem B-Komplex können betroffen sein.
- Karpaltunnelsyndrom: Durch den Karpaltunnel, der sich am Handgelenk befindet, verlaufen zahlreiche Nerven. Kommt es zu einer zusätzlichen Verengung dieses Kanals, werden die Nerven komprimiert und gereizt, was zu neuropathischen Schmerzen führen kann.
- Multiple Sklerose (MS): Bei MS kommt es zu einer Reduktion der schützenden Myelinschicht um die Nerven. Die Nervenreize und Impulse können somit nicht mehr wie gewohnt weitergeleitet werden, was zu neuropathischen Schmerzen führen kann.
- Neuralgische Amyotrophie: Hierbei handelt es sich um eine seltene Erkrankung, bei der plötzlich reißende Schmerzen im Arm auftreten. Sie beginnt typischerweise im Schultergelenk, strahlt dann in den Oberarm und den Nacken aus und betrifft schließlich den ganzen Arm bis zur Hand. Muskelschwäche und Lähmungen einzelner Muskelpartien können hinzukommen.
Warum treten Nervenschmerzen im Arm häufig nachts auf?
Betroffene klagen oftmals nachts über Schmerzen im Bereich des Arms, da der ohnehin schon enge Raum im Bereich der Halswirbelsäule oder der Schulter noch kleiner wird, wenn man darauf liegt. Die meisten Menschen schlafen nachts seitlich mit angewinkeltem Arm, was die Engstellen zusätzlich verkleinert.
Begleitende Symptome
Neben den neuropathischen Schmerzen im Bereich des Arms kann es auch zu Bewegungsbeeinträchtigungen und Parästhesien kommen. Die Patienten berichten oftmals von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl, das plötzlich auftritt und dann wieder verschwindet. Auch hier liegt der Grund darin, dass bestimmte Nervenabschnitte komprimiert und gereizt werden. Die Bewegungsbeeinträchtigung wird in der Regel durch die einschränkenden Schmerzen verursacht.
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Wie fühlen sich Nervenschmerzen im Arm an?
Neuropathische Schmerzen im Arm werden als ziehend und sehr unangenehm beschrieben. Sie sind schneidend und nicht genau zu lokalisieren. In aller Regel werden sie bei Belastung sogar noch stärker. In Ruhe werden sie meistens etwas besser.
Worauf deuten ziehende Schmerzen im Arm bei Ruhe hin?
Ziehende Schmerzen im Arm in Ruhe können auf Nervenreizungen oder -kompressionen, Bandscheibenvorfälle oder Nervenwurzelkompressionen in der Halswirbelsäule, muskuläre Überlastung oder Verspannungen, Durchblutungsstörungen, Gelenkentzündungen oder Herz-Kreislauf-Probleme hinweisen. Insbesondere ziehende Schmerzen im linken Arm, die in Ruhe auftreten, können ein Anzeichen für Herzprobleme sein.
Worauf deuten Stromschläge im Arm hin?
Kommt es zu plötzlichen, einschießenden und stromähnlichen Schmerzen im Arm, liegt der Verdacht nahe, dass die Nerven im Bereich der Nervenwurzel nahe der Bandscheibe gereizt werden. Hier sollte immer ein akuter Bandscheibenvorfall und auch eine spinale Enge, die sogenannte Spinalkanalstenose, ausgeschlossen werden.
Diagnostik
Zunächst erfolgt eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Es folgt dann die körperliche Untersuchung, bei der der Patient im Schulterbereich untersucht wird. Hier wird er aufgefordert, verschiedene Bewegungen des Arms durchzuführen. Die Übungen werden aktiv und passiv durchgeführt, und der Untersucher beurteilt, ob die Bewegung im Arm reiz- und blockadefrei durchgeführt werden kann oder ob es Widerstände gibt.
Des Weiteren gibt es auch bildgebende Verfahren, die angewandt werden können, um die Ursache der Beschwerden zu finden. So würden zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen, die im Bereich der Schulter durchgeführt werden, zeigen, ob eine Engstelle in diesem Bereich vorhanden ist. Um anatomische knöcherne Engstellen darzustellen, wird mitunter auch ein Röntgenbild der Schulter oder des Oberarmknochens in zwei Ebenen angefertigt.
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Eine MRT-Aufnahme des Arms und der Halswirbelsäule wird immer dann durchgeführt, wenn man sicher einen Bandscheibenvorfall als Ursache ausschließen möchte. Durch diese strahlungsfreie Schnittbilddiagnostik kann man nicht nur die Knochen, sondern auch die Bandscheiben und Nervenwurzeln sehen und beurteilen. Dies ist wichtig, um Engstellen und eine eventuell zu den Beschwerden führende Kompression herauszufinden. Die MR-Neurographie des Arm-Nervengeflechts ermöglicht die selektive und gleichzeitige Darstellung aller Durchflechtungsstufen des Plexus brachialis in einer Untersuchungssitzung und die Möglichkeit auch Teilläsionen eines Nervenstranges nachzuweisen.
Behandlung von Nervenschmerzen im Arm
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Nervenschmerzen im Arm zu behandeln. Zunächst sollte man die Ursache, wenn möglich, beheben.
Konservative Behandlung
Akut kann man auch bestimmte Massagetechniken anwenden, um die Muskeln im Bereich der Schulter und des Oberarms zu lockern. Hier können auch Öle oder schmerzlindernde Salben verwendet werden, wie zum Beispiel Franzbranntwein, Voltaren-Gel oder Doc-Salbe. Manchen Patienten helfen auch wärmende oder kühlende Auflagen, die man mit einer Wärmflasche oder einem in ein Handtuch gewickelten Eispack für 10 Minuten durchführen kann.
Neben den gängigen normalen Entzündungshemmern gibt es auch spezielle Schmerzmittel, die vor allem bei Nervenschmerzen eingesetzt werden.
- Gabapentin: Eigentlich ein Medikament, was gegen Krampfleiden entwickelt wurde. Durch eine Enzymhemmung wird der hemmende Stoff GABA vermehrt gebildet, was dann zur Folge hat, dass Reize im Bereich von Nervenzellen nicht mehr so überschiessend gebildet und weitergeleitet werden.
- Pregabalin: Bindet im zentralen Nervensystem an sogenannte Calciumkanäle, was dazu führt, dass der Calciumeinstrom in die Zelle reduziert wird. Dies führt dann zu einer Reduktion von Nervenimpulsen.
Oftmals sind neuropathische Schmerzen chronisch, d.h es wird eine lang anhaltende Behandlung notwendig sein. Neben den Medikamenten, die speziell gegen Nervenschmerzen zum Einsatz kommen, können diese auch immer mit gängigen schmerzlindernden Medikamente kombiniert werden. Zu nennen wären Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac für einen kurzen Zeitraum. Das etwas stärker wirkende Novaminsulfon, das verschreibungspflichtig ist kann auch unter einer Blutbildkontrolle über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden.
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Eine Schmerztherapie sollte immer multimodal sein. Die Spezialisten von Lumedis Frankfurt versuchen ohne Medikamente zu behandeln.
Hausmittel
Auch gibt es einige Hausmittel, die bei neuropathischen Schmerzen helfen können.
- Entspannungsverfahren und Stressabbau: Da Stress oft Nervenschmerzen verstärken kann, sind Entspannungstechniken wie Meditation, tiefe Atemübungen oder Yoga hilfreich.
- Magnesium und Vitamin B-Komplex: Magnesium kann zur Muskelentspannung beitragen und Krämpfe lindern, die oft mit Nervenschmerzen einhergehen. Der Vitamin-B-Komplex ist essenziell für eine gesunde Nervenfunktion und kann in Nahrungsmitteln wie Vollkornprodukten, Eiern und Fleisch gefunden werden.
- Retterspitz: Auch Retterspitzauflagen können helfen neuropathische Schmerzen zu lindern.
- Massagen mit ätherischen Ölen: Eine sanfte Massage mit verdünntem ätherischem Pfefferminz- oder Lavendelöl kann entspannend und schmerzlindernd wirken. Durch eine leichte Massagetechnik im Bereich der Schulter und des Nackens kann man verhärtete Muskeln lockern. Auch kann man hier Tigerbalm auf den verspannten Bereich auftragen.
- Wechselduschen: Ebenfalls um eventuell verursachende Muskelverhärtungen zu beheben kann man auch versuchen durch Wechselduschen eine Besserung der Beschwerden zu erreichen.
Bewegung und Übungen
Ob Bewegung bei Nervenschmerzen helfen kann, hängt von der auslösenden Ursache ab. Bei einer akuten Nervenentzündung sollte man eher eine Schonung durchführen, da Bewegung unter Umständen sogar noch die Beschwerden verstärken könnte.
Es gibt auch einige hilfreiche Übungen, die man durchführen kann, um Nervenschmerzen zu lindern. Vor allem muskellockernde Übungen können hierbei helfen. Eine Übung besteht darin, sich gerade hinzustellen. Die Beine sind gestreckt und stehen leicht auseinander. Nun wird die Handfläche der rechten Hand auf das rechte Schulterblatt gelegt. Mit der linken Hand wird der Ellenbogen des rechten Arms gegriffen und Richtung Wirbelsäule gezogen. Diese Position sollte einige Sekunden gehalten und der Arm dann wieder gelockert werden. Nach 3-4 Wiederholungen sollte ein Seitenwechsel durchgeführt werden. Auch hier sind dann 3-4 Wiederholungen empfehlenswert. Eine weitere Übung wäre das moderate Armkreisen.
Operative Maßnahmen
Operative Maßnahmen kommen infrage, wenn die Beschwerden trotz konservativer Behandlung bestehen bleiben. Je länger der Druck andauert, desto größer ist die Gefahr bleibender Schäden. Umso wichtiger ist es, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation nicht zu verpassen. In schweren Fällen mit sehr starken Schmerzen und neurologischen Ausfällen der oberen Extremität besteht die Möglichkeit einer OP mit Freilegung des eingeklemmten Nervs (Foraminotomie) oder des Ersatzes der betroffenen Bandscheibe (Implantation einer Bandscheibenprothese).
Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialgie)
Unter dem Schulter-Arm-Syndrom versteht man einen Komplex an unterschiedlichen Symptomen rund um Nacken, Schultern und Arme. Schulterschmerzen gelten als Leitsymptom. Der Schmerz zieht bei vielen Menschen in den Oberarm und macht das Anheben des Armes über Kopf oder bestimmte Rotationsbewegungen schwierig. Oft quält die Schulter auch nachts.
Die häufigste Ursache für das Schulter-Arm-Syndrom sind muskulär-fasziale Probleme an der Halswirbelsäule: knotige, schmerzende Verspannungen, eine zu hohe Spannung in den Faszien oder ein muskuläres Ungleichgewicht.